Der auf den Britischen Jungferninseln ansässige VPN-Anbieter bedarf eigentlich keiner näheren Vorstellung. Zusammen mit etwa NordVPN gehört er zu bekanntesten und beliebtesten Dienstleistern.

Umso mehr drängt sich die Frage auf: hat man die Popularität verdient, steht man verdientermaßen ganz oben oder profitiert man einmal mehr von cleverer Vermarktung? Dieser ExpressVPN Test klärt euch darüber auf, wie sich der rote Blitz im Praxis-Alltag schlägt.

ExpressVPN ist oft auf den besten VPN-Listen weltweit zu finden. Dank einer cleveren Kombination aus ausgeklügelten Marketing-Techniken und begeisternden Bewertungen, die man online lesen kann, scheint ExpressVPN im Jahr 2019 das beste VPN zu sein, das man bekommen kann.

Ich wollte diesen VPN-Provider jedoch testen und all die Vorschusslorbeeren selbst einmal überprüfen. Ob ExpressVPN wirklich Webseiten freischalten, Netflix US streamen kann und ob es wirklich solche erstaunlichen Geschwindigkeiten und sicherheitsrelevanten Funktionen bietet?

Zuletzt aktualisiert: 11.02.2020

Für dieses Review wurde mir ein Account zur Verfügung gestellt, um meine Messungen durchzuführen und den Dienst zu testen. Das sei an dieser Stelle aus Gründen der Transparenz erwähnt. Im Beitrag finden sich Affiliate-Links.

Infos zum Anbieter

ExpressVPN Test 2019
Erscheinungsdatum
12. April 2019
IPv6/DNS Leak Protection/ Kill-Switch
Ja/Ja/Ja
Server-Standorte
mehr als 3000 in 94 Ländern und 160 Städten
Maximale Anzahl an gleichzeitig nutzbaren Geräten
fünf

ExpressVPN nahm seine Dienste im Jahre 2009 auf, also vor genau 10 Jahren. Damit gehört man zu den Urgesteinen der Szene. Das Unternehmen ist außerhalb der EU-Jurisdiktion auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik beheimatet. Aktivitäts- und Verbindungsprotokolle werden laut ExpressVPN nicht gespeichert.

Zwar gehören die Inseln zum Vereinigten Königreich, besitzen aber eine eigene Gesetzgebung und Rechtsprechung. Das sog.”14-Eyes”-Abkommen findet demnach keine Anwendung. Weitere Informationen zum Abkommen findet ihr hier:

Aktuell lässt sich mit maximal drei Geräten gleichzeitig auf die über 3000 Server zugreifen. Diese sind weltweit auf 94 Staaten und 160 Städte verteilt. Im Vergleich zu anderen Anbietern ist die Auswahl geradezu gigantisch groß, es können aber weniger Geräte zur gleichen Zeit genutzt werden. Möchtet ihr also etwa mit mehreren Smartphones, Laptops oder einem SmartTV ExpressVPN nutzen könnte es schnell knapp werden.

Gerade bei einer stark limitierten Anzahl an maximal nutzbaren Verbindungen ergibt es daher Sinn darüber nachzudenken, eine globale Lösung für alle internetfähigen heimischen Geräte zu verwenden. Hierbei greife ich selbst immer wieder gerne auf den Asus AC-86 U WLAN-Router zurück und lasse den VPN-Dienst direkt im Router laufen. Dieser kümmert sich im Hintergrund automatisch um die Herstellung einer VPN-Verbindung, Kill-Switch etc.

Sicherheit, Verschlüsselung, Apps

Alle gängigen Protokolle werden unterstützt, verschlüsselt wird in AES 256-Bit. Soweit gibt es in dieser Hinsicht nichts zu beanstanden. Darüber gibt es Apps für Windows und macOS sowie iOS und Android. Ihr findet auch Tutorials zum Einrichten kompatibler Router – Standard mittlerweile.

VerschlüsselungOpenVPN, IKEv2, L2TP, SSTP, PPTP
SystemeWindows, macOS, Linux, iOS, Android, Browser, Router.

ExpressVPN Einrichtung und Bedienung

Was mir hier besonders gut gefällt ist die einfache und schnelle Einrichtung und Bedienung. Die App für macOS wurde zwar nicht lokalisiert, auf Probleme solltet ihr aber dennoch nicht stoßen.

Die App startet schnell und verbindet sich auf Wunsch ganz automatisch beim Start mit dem zuletzt genutzten Server. Ansonsten könnt ihr per Knopfdruck einen anderen Server auswählen. Hierbei öffnet sich ein Reiter, der in drei Abschnitte für empfohlene, favorisierte und kürzlich verwendete Server unterteilt ist. Oberhalb des Reiters ist eine Suchleiste eingebaut, mit der ihr nach einer bestimmten Stadt oder einem Land suchen könnt. Mehr werdet ihr im Alltag wahrscheinlich nicht machen müssen.

Es gibt aber noch ein Einstellungsmenü mit mehr Optionen. Hier könnt ihr noch ein wenig Feintuning betreiben. Die bei anderen Anbietern „Kill Switch“ genannt Funktion hört hier auf die Bezeichnung „Network Lock“ – ihr solltet sie unbedingt einschalten. Damit wird bei einem Server-Wechsel oder wenn die Verbindung unerwartet abbricht, der gesamten Internet-Datenverkehr gestoppt. Funktioniert absolut zuverlässig!

Die Apps für iOS und Android funktionieren im Prinzip analog zur Bedienung der Desktop-Varianten.

Ihr könnt auch ganz auf eine App verzichten und stattdessen auf die Browser-Erweiterungen für Firefox und Chrome setzen. Damit wird die Verschlüsselung per VPN zur reinen Knopfdruck-Sache degradiert – gibt Schlimmeres!

ExpreesVPN App
Aufgeräumt: die ExpressVPN App für MacOS

Wie schnell sind die ExpressVPN-Server? (02/2020)

StandortDownload (Mbps)Upload (Mbps)Ping (ms)Jitter (ms)Packet Loss (%)
Standard322,5520,1211,172,540,0
Deutschland285,5618,7721,560,9919,6
Schweiz302,7418,8219,012,849,9
UK296,0518,7931,102,7427,6
Österreich295,3718,8534,101,0129,9
USA142,8618,4596,742,103,4
Italien302,1618,8221,440,8712,7
Indien28,901,23300,17424,769,0

Schnell, wie der Name nahelegt. Von der reinen Download-Geschwindigkeit gibt es so gut wie keine Rivalen. Alle Verbindungen (bis auf den weit entfernten und exotischen indischen Server) sind ausreichend schnell angebunden.
Was allerdings auffällt: Der Paket-Verlust (packet loss) ist relativ hoch, was auf instabile Verbindungen, überlastete Netzwerk-Nodes hinweist. In der Praxis könnte es zu Problemen bei VoIP, Downloads und Streaming kommen.

Beim Upload merkt man aber naturgemäß mit zunehmender Entfernung einen merklichen Abfall. Die Einbußen halten sich bis zur Ostküste der USA noch in Grenzen. Quer über den nordamerikanischen Kontinent bricht ExpressVPN dann doch noch spürbar ein.

ExpressVPN Test 2020 – Platzhirsch auf dem Prüfstand 4 techboys.de • smarte News, auf den Punkt! ExpressVPN Test 2020 – Platzhirsch auf dem Prüfstand

Davon abgesehen bin ich mit der reinen Geschwindigkeit der Server, auch außerhalb synthetischer Benchmarks absolut zufrieden. Es ist insgesamt mehr als 3000 Server in 94 Ländern – die Auswahl ist also wahrlich gigantisch.

Streaming – Netflix, BBC, ORF & Co

Streaming-Anbieter 
BBCJa (höchste Qualität wählbar, flüssig)
DAZNJa
Netflix (USA)Ja (Los Angeles-3, sonst Fehler: F7111-5059)
Rai PlayJa (maximal 522p)
ORFJa
SRGJa

Ein wichtiges Thema für viele Nutzer ist das Umgehen von Ländersperren. Ob sich ExpressVPN hier für euch lohnt, hängt letztlich auch von euren eigenen Bedürfnissen ab.

Tatsächlich ist – Stand Februar 2020 – DAZN Deutschland via ExpressVPN-Server nutzbar. In meinen Tests hatte ich bislang ansonsten nur mit VyprVPN Erfolg.

Ihr könnt (Stand Februar 2020) auf die Mediathek und die Livestreams aus der Alpenrepublik zugreifen.

Ebenso problemlos lief es mit der Schweizer Mediathek, RaiPlay, Sky Go Italia sowie die BBC. Gerade bei unseren Brexit-Geplagten kann man problemlos und in höchstmöglicher Qualität auf die umfangreiche Mediathek zugreifen, inklusive Live-Streaming sowie allen BBC-Kanälen.

Ein bisschen problematischer gestaltete sich Netflix USA: beim automatisch ausgewählten Server (New York) bekam ich eine Fehlermeldung. Auf Anraten des Supports probierte ich die Server Los Angeles-3 sowie New Jersey-2 aus. Damit konnte ich auf die US-Version von Netflix zugreifen.

Support

ExpressVPN Test 2020 – Platzhirsch auf dem Prüfstand 6 techboys.de • smarte News, auf den Punkt! ExpressVPN Test 2020 – Platzhirsch auf dem Prüfstand

Ein umfangreicher FAQ-Bereich mit vielen deutschsprachigen Artikeln sorgen dafür, dass die allermeisten Probleme und Anlaufschwierigkeiten selbst gelöst werden können.

Als ich auf Probleme beim Streaming von Netflix stieß, habe ich den Support im Live-Chat angeschrieben. Innerhalb weniger Minuten gab man mir eine probate Lösung an die Hand und ich konnte die US-Version des Streaming-Anbieters wieder nutzen.

Preisgestaltung & Konkurrenz

Die drei besten VPN-Anbieter

Fazit & Empfehlung

Wo wir sind, ist oben: ExpressVPN rangiert in vielen Vergleichstests auf den vordersten Plätzen. Das liegt an der riesigen Auswahl an Serverstandorten, einer einfachen Einrichtung und funktionierenden, sinnvollen Funktionen. Preislich spielt man aber ebenfalls in der obersten Liga mit. Wer aber einen zuverlässigen VPN-Dienstleister sucht, dürfte aber gern den ein oder anderen Euro mehr investieren.

Ich hatte ja so meine Zweifel – überall tolle, sich teilweise überschlagende Reviews. Naturgemäß wurde ich da ein wenig skeptisch. Aber im Prinzip sind die Lorbeeren verdient. Zwei, drei Dinge gibt es allerdings zu beanstanden, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Zum einen natürlich der Preis: der ist ziemlich hoch angesetzt. Da würde ich mir wünschen, dass man die Limitierung der gleichzeitig nutzbaren Geräte aufhebt (so etwa bei Surfshark) oder wenigstens wie die Konkurrenz auf fünf Devices ausweitet. Auf der anderen Seite fände ich zum Beispiel dezidiert gekennzeichnete Server für Streaming oder P2P sehr sinnvoll.

ExpressVPN Test 2019
ExpressVPN Test 2020 – Platzhirsch auf dem Prüfstand
verdient an der Spitze
"Wo wir sind, ist oben." ExpressVPN rangiert in vielen Vergleichstests auf den vordersten Plätzen. Das liegt an der riesigen Auswahl an Serverstandorten, einer einfachen Einrichtung und funktionierenden, sinnvollen Funktionen. Preislich spielt man aber ebenfalls in der obersten Liga mit. Wer aber einen zuverlässigen VPN-Dienstleister sucht, dürfte gern den ein oder anderen Euro mehr investieren.
Performance
9.5
Serverstandorte
9.5
Unterstützte Geräte & Systeme
9
Features
8
Streaming/Geoblocking
10
Einrichtung & Bedienung
9
Sicherheit & Privatsphäre
8
Support
9
Preis
7
positiv
große Serverauswahl & Geschwindigkeit
viele Apps & Erweiterungen
Negativ
vergleichsweise teuer
8.8
Ohne Schwächen
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