Der Dreame APEX ist ein Mähroboter, der Spielzeug aufhebt, Laub einsammelt und Pflanzen gießt. Klingt nach der Zukunft. Ist es auch, bis man fragt, wann man das Ding kaufen kann.
Auf dem viertägigen Dreame-NEXT-Event im Palace of Fine Arts (27. bis 30. April 2026) hat der Hersteller drei Produkte vorgestellt. Eines davon ist hier in Deutschland bereits seit März im Handel, eines kommt später, eines bleibt vorerst eine Studie.

Drei Produkte, drei Verbindlichkeitsstufen
Dreame nennt sein neues Konzept Autonomous Outdoors. Es geht weniger um einen einzelnen Mähroboter und mehr um ein Gesamtsystem aus Mäher, Wartungsstation und einem Universalroboter mit Greifarm. Konkret bekommt man:
Erstens den Roboticmower A3 AWD Pro, in Deutschland seit März 2026 erhältlich, ab 2.599 Euro. Zweitens das All-in Center, ein Konzept einer Wartungs-Basisstation ohne konkreten Termin. Und drittens den Roboticmower APEX, einen Mäher mit Roboterarm ohne Termin und ohne Preis.
A3 AWD Pro: Der unspektakulärste ist der spannendste
Dreames Antwort auf den Begrenzungsdraht: 360-Grad-LiDAR plus zwei KI-Kameras kartieren den Garten ohne Antenne im Beet. Vier angetriebene Räder packen Steigungen bis 38,7 Grad, der Mäher selbst trotzt mit IPX6 dem Gartenschlauch. Für Rasenflächen bis 3.500 Quadratmeter, aktuell 400 Euro unter UVP.
Der A3 ist hierzulande keine Neuvorstellung. Auf der deutschen Dreame-Seite gibt es ihn seit März in zwei Varianten: A3 AWD Pro 3500 für 2.599 Euro (Launch-Rabatt aktuell auf 2.199 Euro) und A3 AWD Pro 5000 für 2.999 Euro. Die Zahlen stehen für die maximale Rasenfläche in Quadratmetern. In den USA wurde er auf dem NEXT-Event nun als US-Launch nachgereicht.
Der A3 AWD Pro mäht ohne Begrenzungsdraht, ohne RTK-Antenne im Garten und ohne Wandhalterung. RTK = Real Time Kinematic, eine satellitengestützte Positionsbestimmung mit Zentimeter-Genauigkeit, die normalerweise eine eigene Antenne im Garten braucht.
Stattdessen kombiniert der A3 das System OmniSense 3.0, also 360-Grad-LiDAR mit 70 Meter Reichweite, mit zwei KI-Kameras. LiDAR = Laser-basierter Abstandsmesser, der ein 3D-Modell der Umgebung baut. Die Bilderkennung soll laut Dreame über 300 Hindernisarten unterscheiden, von Wurzeln über Werkzeug bis hin zum Igel.
Dazu Allradantrieb, der Steigungen bis 38,7 Grad packt. Das ist mehr, als die meisten Hanggärten brauchen. Schnittbreite liegt bei 40 Zentimetern, Lautstärke unter 65 Dezibel, Schutzklasse IPX6. IPX6 = geschützt gegen starkes Strahlwasser aus jeder Richtung, also gartenschlauchfest.
Was den A3 von der Konkurrenz unterscheidet: Dreame verzichtet konsequent auf RTK. Bei Mammotion ist die Antenne im Garten Pflicht, bei Husqvarna im EPOS-Modell ohnehin. Dreame setzt komplett auf Vision plus LiDAR. Das ist eleganter, hat aber einen Preis, den Hersteller selten erwähnen. Wenn die Kamera die Welt nicht versteht, hilft kein Satellit weiter.
All-in Center: Die Wartungs-Garage
Das All-in Center ist eine Basisstation, die mehr macht als laden. Sie soll automatisch reinigen, Selbstdiagnose fahren, den Mäher wettergeschützt einlagern und auch im Frost oder bei Hitze funktionieren. Klingt nach dem, was Saugroboter mit Wisch-Auswringen und Schmutzwasser-Absaugen seit zwei Jahren machen, nur eben für draußen.
Ein konkretes Datum gibt es nicht, einen Preis auch nicht. Dreame nennt das All-in Center selbst ein Concept-Produkt. Übersetzt heißt das: Wir wissen, dass wir das bauen können, aber wir sind noch nicht so weit, ein Lieferdatum zu nennen.
Dreame APEX: Der Mähroboter mit Roboterarm
Und dann kommt der Dreame APEX. Auf dem Bühnen-Foto sieht er aus wie ein A3 mit aufgepfropftem Greifarm. Was er können soll, klingt zunächst absurd: Laub einsammeln und Spielzeug wegräumen. Werkzeug einsortieren, Pflanzen gießen, Obst pflücken. Dreame nennt das Embodied AI, also KI mit Körper. Erstmals gezeigt wurde der Prototyp im März auf der AWE in Shanghai, in San Francisco gab es jetzt ein zweites Auftreten.
Die Idee dahinter ist konsequent. Die meisten Mähroboter scheitern an Hindernissen, weil sie sie nicht aus dem Weg räumen können. Wenn der Mäher das Spielzeug einfach aufhebt und auf die schon gemähte Fläche legt, ist das Hindernis gelöst statt umfahren.
Neu ist die Idee allerdings nicht. Mit dem Master X von NexLawn, einer Mova-Submarke aus dem Dreame-Konzern, gibt es das Greifarm-Konzept seit der IFA 2025 schon. APEX ist im Kern dasselbe Produkt unter anderem Markennamen. Dreame führt jetzt also zwei parallele Greifarm-Mähroboter, einmal über die Premium-Submarke für den Fachhandel, einmal als Hauptmarken-Premiere für die globale Bühne.

Das Problem bei Dreame APEX ist nicht die Idee, sondern der Reifegrad. Es gibt keinen Preis und kein Datum. Zur Tragkraft des Arms, zur Reichweite oder zur Akkulaufzeit unter Last steht ebenfalls nichts in der Pressemappe. Dreame selbst nennt APEX und All-in Center beide Concept-Produkte. Das ist die Hersteller-Variante von „glaub uns einfach mal“.
Cloud-Pflicht bleibt das ungelöste Thema
Was auf keiner der Folien stand: lokale Steuerung, Matter, Home Assistant. Dreame-Mäher sind App- und Cloud-gebunden, das gilt auch für die neuen Modelle. Wer den Mäher mit Home Assistant ansteuern möchte, ist bisher auf Community-Workarounds angewiesen. Bei einem Gerät mit Roboterarm, das prinzipiell auch im Garten patrouilliert, ist die Frage, wo die Kamerabilder landen, keine akademische.
Stiftung Warentest hat Dreame und Ecovacs in der April-Ausgabe übrigens bereits eins auf den Deckel gegeben, weil deutschsprachige Datenschutzerklärungen fehlen. Das ist ein anderes Thema, deutet aber in dieselbe Richtung. Mehr dazu in unserem Bericht zum Stiftung-Warentest-Heft 4/2026.
Der A3 ist kaufbar, der Rest ist Versprechen
Der A3 AWD Pro ist ein ernstzunehmender Mäher, der LiDAR und Vision konsequent zu Ende denkt. Wer einen Hanggarten ohne Lust auf Begrenzungsdraht oder RTK-Antenne hat, sollte ihn auf der Liste haben. Das All-in Center ist eine plausible Idee, deren Umsetzung wir abwarten müssen. Und der APEX ist ein Versprechen, das Dreame jetzt einlösen muss, sonst ist das Ganze eine Marketing-Show mit gut beleuchteter Bühne.
Solange Dreame APEX kein Preisschild und kein Datum hat, gilt für ihn dasselbe wie für jedes andere Konzept: schöne Idee, abwarten, weitermähen.





