Zwischen meiner Bestellung der Evoworks Evo75 und ihrer Lieferung lag ein komplettes Weihnachtsfest. Bestellt am 8. November 2025, auf dem Schreibtisch stand sie am 2. Februar 2026. In der Zwischenzeit hatte ich zweimal vergessen, dass ich sie überhaupt gekauft hatte.
Und dann war nach dem Auspacken nichts mehr zu tun. Kein Nachschmieren der Switches, keine Dämmmatte hinterherbestellt. Darum geht es in diesem Evoworks Evo75 Test: Wer sich für Custom-Tastaturen interessiert, verbringt sonst erst einmal Wochen damit zu lesen, was man alles falsch machen kann. Hier kannst du nichts falsch machen, weil es nichts zu machen gibt.
Spoiler: Sieben Monate später steht sie immer noch auf dem Tisch, obwohl ich die Zoom75 daneben selbst zusammengebaut habe. Es gibt trotzdem einen goldenen Knopf an diesem Board, den ich bis heute nicht verstanden habe.
- Die Evo75 kommt fertig aufgebaut und ab Werk abgestimmt: Die Schalter sind geschmiert, die Platte ist auf sie abgestimmt, im Gehäuse liegen mehrere Dämpfungslagen. Es gibt nichts nachzuarbeiten.
- Zwischen meiner Bestellung und der Lieferung lagen 86 Tage, vom 8. November 2025 bis zum 2. Februar 2026. Das lag daran, dass ich die deutsche Version vorbestellt habe, die es damals noch nicht gab. Heute ist sie ganz normal lieferbar.
- Sie klingt über alle Tasten gleich. Am deutlichsten hört man es an der Leertaste: satt und ruhig, während sie an meiner selbst gebauten Zoom75 TIGA hörbar mitrattert.
- Die Neo Rye lösen schon bei 36 Gramm aus und liegen bei 45 Gramm auf. Das ist am unteren Ende dessen, was überhaupt gebaut wird.
- Die Schwachstelle ist die Bedienung. Der Knopf für die Ambient-Beleuchtung erklärt sich nicht von selbst, und die Tastenkürzel stehen im Handbuch nur als Bilder.
- 179 Euro bei MonacoKeys, ISO-DE lieferbar. Amazon und Geizhals führen die Evo75 nicht.
So bin ich zu diesem Urteil gekommen

Was ein Custom-Board sonst verlangt: die Liste, die hier wegfällt
Wer sich eine Custom-Tastatur selbst zusammenstellt, kauft erst einmal drei Pakete: ein Barebone, also Gehäuse und Platine ohne alles andere, dazu Schalter und Tastenkappen getrennt. Danach fängt die Arbeit an, und sie besteht aus fünf Posten.
An dieser Stelle steigen die meisten aus, bevor sie eingestiegen sind. Nicht weil es zu schwer wäre, sondern weil du für 200 Euro und einen verlorenen Sonntag ein Ergebnis riskierst, das am Ende schlechter klingt als die Tastatur, die du ersetzen wolltest.
Die Evo75 hakt diese Liste ab, bevor sie bei dir ankommt. Sie kommt fertig zusammengebaut, die Neo Rye sind geschmiert, die Stabilisatoren sitzen sauber, und die Plate ist nicht frei wählbar, sondern fest an den Schalter gekoppelt. Wer die leichten Rye nimmt, bekommt die weichere Kunststoffplatte dazu, wer die etwas schwereren Neo Amber will, bekommt FR4. Selbst der erste Posten ist erledigt, denn ISO-DE steht als eigene Variante im Shop. Du triffst also nicht fünf Entscheidungen, sondern eine.
Was mich nach sieben Monaten mehr überzeugt als die Vollständigkeit, ist genau diese Abstimmung. Die Tastenkappen sind farblich auf das Gehäuse gerechnet und nicht zufällig dazu bestellt. Die Dämpfung im Boden passt zu den Schaltern, die obendrauf sitzen. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Es ist der Unterschied zwischen einem Board, das gut klingt, und einem, das nach Bausatz klingt.
Der Preis dafür ist, dass du nichts mehr entscheiden darfst. Für den Einstieg ist das die Erlösung. Ob es das auch für jemanden ist, der genau dieses Entscheiden mag, ist eine andere Frage. Dazu komme ich noch.
Die selbstgebaute Zoom75 daneben: diese Liste habe ich wirklich abgearbeitet
Die Posten von oben habe ich nicht aus einem Forum abgeschrieben, ich habe sie abgearbeitet. Meine Zoom75 TIGA steht auf demselben Tisch, und die habe ich selbst zusammengesetzt: Schalter ausgesucht, sechs Dämpfungslagen geschichtet, vom PET-Schaum am Gehäuseboden bis zum Kork direkt unter den Schaltern. Als drittes Board liegt die flache NuPhy Air75 V3 daneben, die spielt aber in einer anderen Liga und bleibt hier außen vor.
Der Posten mit dem Layout kam dabei genau so, wie er in der Kachel steht. Die mitgelieferten Snap-in-Stabilisatoren halten überall, nur nicht unter der ISO-Enter-Taste. Die sitzt gedreht, dadurch greifen die Clips nicht mehr richtig und der Stabilisator springt wieder heraus. Für diese eine Taste habe ich verschraubte nachgerüstet. Die Tastenkappen musste ich ohnehin separat besorgen, weil im Kit kein deutsches Set lag.

Und dann der Punkt, der mich an der Evo75 wirklich beeindruckt. Die TIGA klingt gut, ich habe schließlich selbst entschieden, wie sie klingen soll. Nur klingt sie nicht überall gleich gut, und am deutlichsten hört man das an der Leertaste. Auf der Evo75 bleibt sie satt und ruhig, auf der TIGA rattert sie mit. Genau dort müsste ich noch einmal ran.
83 Tasten, die alle gleich klingen, sind eine andere Nummer als ein einzelner guter Anschlag. Dafür muss jede Schicht an jeder Stelle exakt gleich sitzen, und genau das ist der Vorteil einer Fertigung, die dasselbe Board tausendfach baut statt einmal. Bei der Optik dreht sich das Verhältnis übrigens um, da gefällt mir mein eigener Aufbau nach wie vor besser als alles, was die Evo75 farblich anbietet.
Bei der Bedienung dreht sich das Bild dann komplett. Die TIGA hat einen Drehknopf unter dem Display, und den fasse ich lieber an als alles, was die Evo75 dafür anbietet. Das Display selbst ist sinnlos, da mache ich mir nichts vor. Es ist trotzdem großartig und ich möchte es nicht hergeben. Manche Spielerei darf einfach Spielerei bleiben.
Die Evo75 hat an dieser Stelle keinen Drehknopf, sondern einen goldenen Punkt über den Pfeiltasten. Über den müssen wir reden.
Wie sie klingt: zwei Minuten Tippen, durch die Frequenzanalyse gejagt
Klangbeschreibungen sind das Glücksspiel jedes Tastatur-Tests. Der eine hört ein Poppen, der andere ein Klacken, und am Ende weiß niemand, was gemeint war. Deshalb gibt es in diesem Evoworks Evo75 Test beides: die Aufnahme zum Selberhören und den Versuch, den Eindruck mit Zahlen festzunageln.
So ist die Aufnahme entstanden
| Aufnahmegerät | Zoom M4 MicTrak, eingebautes XY-Mikrofon, 96 kHz und 32 Bit Float |
|---|---|
| Position | mittig, rund 30 cm über der Tastatur, auf Stativ statt auf der Tischplatte |
| Untergrund | Deskmat unter der Tastatur, wie im Alltag auch |
| Filter | Low Cut aktiv, damit kein Körperschall über den Tisch mitläuft |
| Material | 1:57 Minuten normales Tippen, kein Sondertext, keine Nachbearbeitung |
| Aussteuerung | Spitze bei −9,5 dBFS, Rauschabstand 49 dB, nichts übersteuert |
Die Position ist dabei wichtiger, als sie klingt. Steht der Recorder auf derselben Platte wie die Tastatur, wandert jeder Anschlag zusätzlich als Körperschall durch das Holz direkt ins Gehäuse, und am Ende nimmst du deinen Schreibtisch mit auf. Deshalb steht er auf einem Stativ daneben.
Was man hört, ist ein trockener, kurzer Anschlag. Rund statt spitz, tief genug, um erwachsen zu wirken, aber weit entfernt vom dumpfen Thock, den manche Leute suchen. Die Anschläge bleiben sauber voneinander getrennt, statt in einem gemeinsamen Nachhall zu verschwimmen. Und die Leertaste fällt nicht auf. Genau das ist bei meiner selbst gebauten TIGA anders, dort rattert sie hörbar mit.
Weil mir das immer noch zu vage war, habe ich die Aufnahme durch eine Frequenzanalyse geschickt und nachgesehen, wo die Energie tatsächlich sitzt.
Wo die Energie liegt (bezogen auf den Gesamtpegel)
| 20 bis 100 Hz | −29,4 dB. Praktisch nichts. Hier säße das Dröhnen eines schwingenden Tisches |
|---|---|
| 100 bis 250 Hz | −20,9 dB. Wenig. Der Bereich, in dem hohle Gehäuse auffallen |
| 250 bis 400 Hz | −15,2 dB. Das Fundament setzt ein |
| 400 bis 1000 Hz | −3,2 dB. Schwerpunkt. Hier entsteht der Körper des Anschlags |
| 1000 bis 2500 Hz | −3,2 dB. Schwerpunkt. Hier sitzt die Kontur, die den Anschlag definiert |
| 2500 bis 6000 Hz | −14,6 dB. Deutlich abgefallen. Der Bereich von Klicken und Schärfe |
| über 6000 Hz | −26,6 dB. So gut wie weg. Hier würde man Scheppern und Rasseln hören |
Das Bild ist eindeutiger, als ich erwartet hätte. Praktisch alles passiert in einem schmalen Fenster zwischen 400 und 2500 Hertz. Nach oben fällt der Pegel steil ab, ab 2,5 Kilohertz um 11 Dezibel, ab 6 Kilohertz um 23. Genau dort sitzen Klicken, Scheppern und Schärfe. Was man nicht hört, ist also messbar nicht da. Nach unten ist es dasselbe Spiel: kein Dröhnen, keine hohle Resonanz.

Zwei Balken tragen also praktisch den gesamten Klang, und die stehen genau dort, wo ein Anschlag Körper und Kontur bekommt. Links und rechts davon fällt alles weg. Bei einem Board mit zu wenig Dämpfung sieht das anders aus: Dort wandert der linke Teil nach oben, weil das Gehäuse mitschwingt, und man hört es als hohles Dröhnen.
Und dann ist da noch der Wert, der die Behauptung von weiter oben einlöst. Ich habe die Aufnahme in Blöcke zerlegt und für jeden einzeln bestimmt, wie sich die Energie verteilt. Über die vollen zwei Minuten schwankt dieser Wert um 0,15 Dezibel. Nach hunderten Anschlägen quer über die Tastatur klingt der letzte praktisch wie der erste. Das ist die Zahl hinter dem Satz, dass sie über alle Tasten gleich klingt.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Ein Arbeitszimmer ist kein Messlabor, und ein Mikrofon hört anders als ein Ohr. Und ein Teil dessen, was hier so sauber aussieht, geht auf die leichten Neo Rye zurück und nicht auf das Gehäuse. Mit schwereren Schaltern in derselben Schale sähe die Kurve anders aus.
Der goldene Punkt: die einzige Stelle, an der ich ins Schwimmen kam
Über der rechten Pfeiltaste sitzt ein kleiner runder Knopf in einer goldenen Fassung, mit einem roten Punkt in der Mitte. Auf dem dunklen Nebula-Gehäuse ist er das auffälligste Einzelteil der ganzen Tastatur. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, was er eigentlich tut. Die Antwort: Er schaltet die drei Lichtakzente im Gehäuse durch, zwei neben den Funktionstasten und einen über den Pfeiltasten. Das ist alles.

Das Board hat also einen eigenen Knopf aus Hardware für Deko-Beleuchtung. Für die Dinge, die ich täglich brauche, gibt es keinen. Helligkeit und der Wechsel zwischen gekoppelten Geräten liegen auf Fn-Kombinationen, die man wissen muss.
Die TIGA macht es genau umgekehrt. Da sitzt ein Drehknopf, den ich für die Lautstärke nutze, und daneben ein Display, das mir zeigt, in welchem Modus das Board gerade läuft. Das eine ist nützlich, das andere ist Spielerei. Verstanden habe ich beides sofort.
Nachschlagen hilft nur bedingt. Die Tastenkombinationen stehen im mitgelieferten Handbuch, aber als Bilder. Man kann sie nicht durchsuchen und nicht kopieren, und wer das Faltblatt weggeworfen hat, sucht im Netz danach.
Eine Weile habe ich geglaubt, das liege an mir. Tut es nicht. Der Autor von kbd.news, der nach eigener Angabe rund 150 Tastaturen im Fundus hat, nennt es ermüdend, sich durch die Lichtoptionen durchzuschalten. Und beim Einrichten über VIA, die Software zum Umbelegen der Tasten, kam er ebenfalls nicht ohne Weiteres hinein: Die Verbindung klappte bei ihm nicht ab Werk, er musste erst die passende Konfigurationsdatei suchen und herunterladen.
Im einzigen deutschen Test bei igor’sLAB kommt der Knopf genau einmal vor, als goldfarbener Akzent in der rechten unteren Ecke, der das Design abrundet. Was er tut, steht dort nicht.
Fair bleiben muss man trotzdem. Der Wechsel zwischen Kabel, Funk und Bluetooth läuft über einen echten Schiebeschalter an der Rückseite, und das ist die beste Lösung, die es dafür gibt. Auch das Firmware-Update ist entwaffnend simpel: Escape gedrückt halten, Kabel einstecken, die Datei auf das Laufwerk kopieren, das daraufhin auf dem Rechner auftaucht. Kein Flash-Tool, keine Zusatzsoftware.
Das ist die eine Stelle, an der die Überschrift dieses Tests nicht ganz hält. Am Board selbst kannst du nichts falsch machen. An seiner Bedienung schon, so lange jedenfalls, bis du die Kombinationen im Kopf hast.
Die Software: zwei Wege, und einer davon endet in einer Fehlermeldung
Zum Umbelegen der Tasten gibt es zwei Möglichkeiten, und der bekanntere Weg funktioniert bei einem deutschen Board nicht. VIA, die Standardsoftware der Custom-Szene, erkennt die Evo75 nicht von allein. Was man stattdessen bekommt, ist das hier.

Das Board meldet sich mit der Kennung 0x36B0 und 0x30A9, steht aber nicht in der Definitionsdatenbank von VIA. Die Software verweist auf zwei Auswege: Hersteller kontaktieren oder die passende JSON-Datei selbst besorgen und im Design-Reiter hochladen. Genau daran ist auch der Reviewer von kbd.news gescheitert, der sonst wirklich jedes Board zum Laufen bringt.
Der zweite Weg wird in keinem Test erwähnt und ist der bessere. Evoworks betreibt unter cfg.ticktype.com einen eigenen Konfigurator, ebenfalls im Browser, ohne Installation und ohne Dateisuche. Board per Kabel anstecken, Seite in Chrome öffnen, fertig. Das Board wird sofort erkannt.

Und da ist der Haken, der ISO-Nutzer betrifft. Der Konfigurator zeigt die Evo75 als amerikanisches Board: einzeiliges Enter, US-Zeichen auf der Zahlenreihe, keine Umlaute. Mein Board ist ISO-DE. Wer eine Taste umbelegen will, muss also selbst wissen, welche Fläche auf dem Bildschirm zu welcher Taste unter seinen Fingern gehört. Das passt zur Firmware, die Evoworks ausliefert: Ihr Dateiname trägt das Kürzel UK.
Aufgefallen ist das auch im deutschen Test bei igor’sLAB. Dort schmunzelt der Autor über die Darstellung der Enter-Taste in der Software, ihre Form sei ihm anders in Erinnerung gewesen. Er belässt es bei dem Schmunzeln. Für jemanden, der auf einem deutschen Layout tippt und Tasten umbelegen will, ist es aber keine Anekdote, sondern der Grund, warum man beim Umbelegen zweimal hinschauen muss.
Hat man sich damit arrangiert, kann der Konfigurator viel. Vier Ebenen, Makros, Medientasten, Sonderfunktionen und die komplette Beleuchtung. Nur reagiert er nicht.

Wenn ich hier die Helligkeit oder den Effekt ändere, passiert am Board erst einmal nichts. Kein Aufblinken, kein Ton, keine Bestätigung auf dem Bildschirm. Minuten später wird die Änderung dann übernommen. Bis dahin sitzt man davor und weiß nicht, ob der Klick angekommen ist, ob man etwas falsch gemacht hat oder ob das Board hängt. Für ein Produkt in dieser Preisklasse ist das schlicht unprofessionell, und es ist der einzige Punkt an dieser Tastatur, bei dem ich wirklich sauer werde.
Zwei Tastenkürzel lohnen sich trotzdem zu merken, weil sie ohne Software auskommen. Fn plus D zeigt den Akkustand über die Farbe der Escape-Taste, rot steht für unter zehn Prozent, grün für über achtzig, weiß bedeutet, dass gerade geladen wird. Und Fn plus 1, 2 oder 3 wechselt zwischen drei gekoppelten Bluetooth-Geräten, drei Sekunden gehalten startet die Kopplung neu.
Und jetzt zu den Tastenkürzeln, die im offiziellen Handbuch nur als Bild vorliegen. Ich habe sie durchgezählt, weil mir beim Lesen etwas auffiel. Für die Beleuchtung stehen zwanzig Kombinationen bereit: zehn für das Licht unter den Tasten, von Fn plus Z bis Fn plus Pfeiltaste, und weitere zehn für die drei Ambient-Lichter, von Fn plus Q bis Fn plus eckige Klammer.
Zwanzig Tastenkombinationen und ein eigener Knopf aus Metall, nur für Licht. Für die Lautstärke bleiben Fn plus F10 bis F12. Damit ist die Prioritätensetzung dieses Boards ziemlich genau beschrieben.
Ein Detail aus dem Handbuch hat mich dann doch überrascht. Für den Funkbetrieb empfiehlt Evoworks, den Empfänger höchstens zwanzig Zentimeter von der Tastatur entfernt zu platzieren und mindestens zwei Meter von WLAN-Routern fernzuhalten. Wer den Dongle hinten am Rechner einsteckt, erfüllt beides eher nicht. Ein kurzes Verlängerungskabel auf den Schreibtisch löst das, nur liegt keines bei.
Ist das noch ein Hobby, wenn nichts zu tun bleibt?
Angenommen, du willst jemandem eine Freude machen, der sich für Tastaturen begeistert. Ist ein Board, an dem nichts mehr zu tun ist, für so jemanden überhaupt ein Geschenk?
Tendenziell eher nicht. Wer das Hobby wegen des Bauens betreibt, will bauen. Dem schenkst du besser ein Barebone und lässt ihm die Entscheidungen, über denen er dann drei Wochen brütet. Genau das ist bei ihm der Spaß, nicht das fertige Ding auf dem Tisch.
Es gibt trotzdem ein Argument dafür, und das hat mich selbst überzeugt. Ein Board, das ab Werk stimmt, ist eine Referenz. Es ist der Maßstab, an dem du deinen eigenen Aufbau misst, weil es dir zeigt, wie es klingt, wenn wirklich alles zusammenpasst. Ohne diesen Maßstab kennst du nur deine eigenen Versuche.
Bei mir ist daraus eine Blaupause geworden. Wenn ich an der TIGA etwas ändere und es klingt hinterher schlechter, weiß ich das nur, weil daneben ein Board steht, an dem ich nichts verändert habe. Die Evo75 ist mein fester Bezugspunkt, zu dem ich zurückkehre.
Fertig heißt außerdem nicht zugenagelt. Die Schalter stecken in Hot-Swap-Fassungen und lassen sich ohne Lötkolben herausziehen. Das Gehäuse öffnet sich ohne eine einzige Schraube über eine Kugelrast-Mechanik, die Platine hängt an Magnetsteckern statt an Kabeln. Der Reviewer von kbd.news formuliert das Paradox am schönsten: Es sei die am schnellsten zerlegbare Tastatur, die er je hatte, und zugleich so gut zusammengesetzt, dass man sie eigentlich nie öffnen muss.
Wenn du sie dafür umdrehst, schaust du in einen Spiegel. Das polierte Edelstahlgewicht macht einen guten Teil der knapp zwei Kilo aus, hält die Tastatur bei jedem Anschlag an Ort und Stelle und nimmt dem Gehäuse einen Teil seiner Resonanz. Es ist also nicht nur Schaufenster. Nur hat kbd.news schon am Testgerät angemerkt, was auf dem Bild unten mitzusehen ist: Auf dieser Fläche hinterlässt jeder Finger seine Spur.





Und dann ist da noch das Geld. Rechne einmal zusammen, was der Selbstbau kostet, den ich hinter mir habe. Das nackte Zoom75-TIGA-Kit ohne Schalter und Kappen steht je nach Händler zwischen 205 und 249 Dollar. Ordentliche Schalter kosten im 35er-Set rund 14,50 Dollar, daneben gibt es Gebinde mit 70 oder 110 Stück. Für die 83 Tasten kaufst du also drei kleine Sets oder ein großes und hast in jedem Fall welche übrig, macht grob 45 Dollar. Bei den Kappen geht die Schere dann weit auf: Ein PBT-Set im deutschen Layout bekommst du ab etwa 20 Euro, nach oben sind 150 keine Seltenheit. Unterm Strich landest du selbst mit dem günstigsten Set bei rund 250 Euro und bist schnell bei 400, wenn du dir bei den Kappen etwas gönnst. Versand und Einfuhrumsatzsteuer sind da noch nicht dabei.
Die Evo75 kostet 179 Euro, zusammengebaut, mit Hartschalenkoffer und Ersatzteilen im Netzfach. Dafür bekommst du beim TIGA für den Aufpreis ein Display und einen Drehknopf, die es hier nicht gibt. Und der Klang? Ich habe beide auf dem Tisch stehen. Schlechter klingt das günstigere Board nicht.
Für den Bastler, der den Bau selbst liebt, bleibt die Evo75 also das falsche Geschenk. Für alle anderen ist sie das bessere, weil sie weniger kostet als der Selbstbau und trotzdem offen genug bleibt, dass später ein Projekt daraus werden kann.
Was im einzigen deutschen Test untergeht
Wer auf Deutsch nach der Evo75 sucht, findet genau einen Test, den von Karsten Rabeneck-Ketme bei igor’sLAB vom 10. Juli 2026. Der ist gründlich, misst die Latenz mit richtigem Gerät nach und geht das Board Seite für Seite durch. Ein paar Stellen lohnt es sich trotzdem gegenzulesen, bevor du auf Kaufen klickst.
Einen Punkt findest du in keinem deutschen Text, und er kommt aus der Szene selbst. kbd.news weist darauf hin, dass Qwertykeys, die Firma hinter der Marke Evoworks, auf der Liste jener Hersteller steht, die gegen die Lizenz von QMK verstoßen, der Open-Source-Firmware, auf der auch VIA aufsetzt. Der Vorwurf: Für einige ihrer Funk-Tastaturen wurde der Quellcode nie offengelegt. Für die Funktion deines Boards ändert das nichts. Wer die Szene schätzt, aus der diese Software kommt, sollte es beim Kauf trotzdem wissen.
ISO-DE: zum Verkaufsstart gab es das Layout gar nicht
Als kbd.news die Evo75 im September 2025 auseinandergenommen hat, gab es sie ausschließlich mit amerikanischem Layout. Das war kein Versäumnis, sondern Absicht. Evoworks hat es damit begründet, dass eine Platine für nur ein Layout ohne überzählige Schalterlöcher und ohne zusätzliche Aussparungen im Schaumstoff auskommt, was den Klang über alle Tasten gleichmäßiger machen soll.
Der Reviewer fand das schon damals amüsant, weil dieselbe Platine an anderer Stelle mit Flex-Cuts durchsetzt ist, fast an jeder einzelnen Taste. Inzwischen gibt es das Board in mehreren ISO-Varianten, und meines ist der Gegenbeweis zur eigenen Begründung des Herstellers. Es klingt über alle Tasten gleich, mit deutschem Layout.
Ich habe mir bei den Magnet-Boards irgendwann die Regel aufgeschrieben, erst den Layout-Filter im Shop zu setzen und mich erst danach in Datenblätter zu verlieben. Bei der Evo75 hätte mir dieser Filter nichts genützt, weil es das Layout zum Verkaufsstart nicht gab. Also habe ich am 8. November 2025 vorbestellt und am 2. Februar 2026 ausgepackt. 86 Tage.
Damit muss heute niemand mehr rechnen. Meine 86 Tage waren der Preis dafür, dass ich auf ein Layout gewartet habe, das es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gab. Inzwischen liegt die ISO-DE-Version im Regal und geht raus wie jede andere Tastatur auch.
In Deutschland gibt es genau einen bequemen Weg, und der heißt MonacoKeys. Dort steht die ISO-DE-Version für 179 Euro statt regulär 199, verschickt aus einem deutschen Shop, mit deutscher Gewährleistung und ohne Zollformular. Bei Amazon und Geizhals suchst du dagegen vergeblich, dort ist die Evo75 überhaupt nicht gelistet.
Bei den Farben lohnt sich Eile. Als ich Ende August 2026 für diesen Test nachgesehen habe, waren Nebula, Sandgold und First Light in ISO-DE lieferbar. Basalt Grey war bereits weg. Im Ausland führen es Händler wie Divinikey oder Ozokeyboards, beim Import aus Übersee kommen dann Versand und Einfuhrumsatzsteuer obendrauf und liegt damit schnell über dem deutschen Preis.
179 Euro: viel Gegenwert, trotzdem eine hohe Schwelle
179 Euro bei MonacoKeys, regulär sind es 199. igor’sLAB nennt das ein echtes Schnäppchen, kbd.news spricht von einem Preis, der kaum zu schlagen sei. Beide haben recht, sobald man gegenrechnet, was der Selbstbau kostet. Weiter oben waren wir dort im günstigsten Fall bei 250 Euro.
Im Karton liegt dafür mehr, als bei diesem Preis üblich ist. Ein Hartschalenkoffer mit Netzfach für das Zubehör, eine Staubabdeckung, der Funk-Dongle, ein ummanteltes Kabel und ein kombinierter Abzieher für Kappen und Schalter. Dazu Teile, die man sonst nachkauft: drei Ersatz-Switches, zusätzliche Gasket-Streifen, Silikone für die Blattfeder und ein Satz Mac-Kappen zum Umbeschriften.
Und jetzt der Haken, der in keinem der Tests steht. Für jemanden, der zum ersten Mal in dieses Hobby hineinschaut, sind 179 Euro eine hohe Schwelle. Das ist kein Betrag, den man nebenbei ausgibt, um herauszufinden, ob einem mechanische Tastaturen überhaupt liegen.
Zum Schnuppern reicht ein Board für 60 bis 80 Euro, und danach weißt du, ob dich das Thema packt. Wenn du dagegen schon weißt, dass es dich packt, und dich bisher nur vor dem Zusammenbauen gedrückt hast, bist du hier genau richtig. Der Preis ist dann kein Lehrgeld, sondern eine Abkürzung.
Technische Daten: alle Werte aus dem Evoworks Evo75 Test
Die Werte stammen aus dem offiziellen Datenblatt von Evoworks, ergänzt um den Teardown von kbd.news, der das Board komplett zerlegt und nachgewogen hat. Die Latenzwerte hat igor’sLAB gemessen, ich habe dafür kein Gerät.

| Layout | 75 Prozent, ISO-DE mit 83 Tasten. Zum Verkaufsstart gab es nur ANSI |
|---|---|
| Gehäuse | CNC-gefrästes 6063-Aluminium, poliertes Edelstahlgewicht im Boden |
| Maße | 323,4 × 143,4 mm, 19,3 mm Fronthöhe, Tippwinkel fest bei 8 Grad |
| Gewicht | 1.997 Gramm, also knapp zwei Kilo |
| Mounting | Butterfly Leaf Spring mit langen Silikon-Gaskets, Silikon unter der Blattfeder |
| Öffnen | Ball-Catch ohne Schrauben, Platine über Magnetstecker angebunden |
| Platine | Hot-Swap, 1,2 mm, Flex-Cuts fast an jeder Taste, Per-Key-RGB nach unten gerichtet |
| Stabilisatoren | Plate-Mount, keine Unterstützung für verschraubte Stabis |
| Schalter im Test | Neo Rye, linear, 36 gf Auslösung und 45 gf Anschlag, 3,6 mm Weg, ab Werk geschmiert |
| Platte | PP zu den Rye, alternativ FR4 zu den etwas schwereren Neo Amber |
| Keycaps | 1,7 mm Dye-Sub-PBT im Cherry-Profil, fünfseitig bedruckt, kein Double-Shot |
| Verbindung | USB-C, 2,4 GHz per Dongle, Bluetooth. Umschalter an der Rückseite |
| Abtastrate | 1.000 Hz per Kabel und Funk, Bluetooth nur 125 Hz |
| Latenz | 9,0 ms per Kabel, 11,5 ms per Funk (gemessen von igor’sLAB) |
| Akku | Zwei Zellen mit je 4.000 mAh |
| Software | QMK und VIA, NKRO, alle Tasten frei belegbar, vier Ebenen |
| Preis | 179 Euro bei MonacoKeys, regulär 199 Euro |
Häufige Fragen zur Evoworks Evo75
Wo bekomme ich die Evoworks Evo75 mit deutschem ISO-Layout?
Bei MonacoKeys, dem derzeit einzigen deutschen Händler. Dort kostet die ISO-DE-Version 179 Euro statt regulär 199. Amazon und Geizhals führen das Board nicht. Im Ausland gibt es sie unter anderem bei Divinikey und Ozokeyboards, dann kommen Versand und beim Import aus Übersee die Einfuhrumsatzsteuer dazu.
Wie lange muss ich auf die Evo75 warten?
Heute gar nicht mehr. Bei MonacoKeys ist die ISO-DE-Version normal lieferbar und geht wie jede andere Bestellung raus. Meine 86 Tage zwischen dem 8. November 2025 und dem 2. Februar 2026 kamen nur daher, dass ich das deutsche Layout vorbestellt habe, als es das noch nicht gab.
Wofür ist der goldene Knopf über den Pfeiltasten?
Er schaltet die drei Ambient-Lichter im Gehäuse durch, also die beiden neben den Funktionstasten und das über den Pfeiltasten. Das ist seine einzige Funktion. Im Handbuch steht sie nur in einer Bildtabelle, deshalb findet man sie so schwer.
Kann ich die Schalter der Evo75 selbst tauschen?
Ja. Die Platine hat Hot-Swap-Sockel, du ziehst die Schalter mit dem beiliegenden Werkzeug heraus und steckst andere hinein, ganz ohne Löten. Das Gehäuse öffnet sich über eine Kugelrast ohne Schrauben. Drei Ersatz-Switches liegen bei.
Neo Rye oder Neo Amber, welche Schalter soll ich nehmen?
Die Rye lösen bei 36 Gramm aus und kommen auf der weicheren PP-Platte, die Amber brauchen 45 Gramm und sitzen auf FR4. Wer leicht und tief tippt, nimmt Rye. Wer mehr Gegendruck mag, nimmt Amber. Bei MonacoKeys gibt es die ISO-DE-Version derzeit ausschließlich mit Rye.
Die eine sieht besser aus, die andere klingt besser
Ich habe die TIGA mit eigenen Händen zusammengesetzt, jede Dämpfungslage selbst ausgesucht, die Stabilisatoren unter der Enter-Taste nachgerüstet und einen ganzen Nachmittag investiert. Wenn ich auf den Schreibtisch schaue, gefällt sie mir optisch immer noch besser als die Evo75. Da gewinnt mein eigener Aufbau, ohne Diskussion.

Beim Klang ist es umgekehrt, und das wurmt mich ein bisschen. Die Evo75 ist über alle Tasten stimmiger, an der Leertaste hört es jeder sofort. Um da hinzukommen, müsste ich an der TIGA noch einmal ran, und genau das ist der Punkt: Ich müsste. Bei der Evo75 musste ich nie. Diese Gleichmäßigkeit ist der Unterschied zwischen einem Board, das ich gebaut habe, und einem, das jemand gebaut hat, der es tausendfach macht.
Der goldene Knopf nervt mich weiterhin. Ich habe ihn nicht lieben gelernt, ich habe mich an ihn gewöhnt, und das ist ein Unterschied. Sollte Evoworks beim nächsten Modell einen Drehknopf einbauen statt einer Lichtsteuerung, bin ich sofort wieder dabei.
Am meisten überrascht hat mich während der sieben Monate etwas anderes. Ich dachte vor dem Evoworks Evo75 Test, ein fertiges Board nimmt einem etwas weg. Es hat mir eher etwas gegeben, nämlich einen Maßstab. Seit die Evo75 auf dem Tisch steht, weiß ich beim Basteln, wo oben ist.
Lohnt sich für…
- Wer ins Hobby will, sich aber nicht traut: Hier gibt es nichts zu verkorksen, weil nichts zu tun ist.
- Wer schon gebaut hat und keine Lust auf das nächste Projekt hat: Genau meine Lage. Fertig ist manchmal die bessere Entscheidung.
- QWERTZ-Tipper: ISO-DE lieferbar aus einem deutschen Shop, ohne Zollformular.
- Leichte Finger: 36 Gramm Auslösekraft sind am unteren Ende dessen, was gebaut wird.
Eher nicht für…
- Wer das Bauen liebt: Dann ist ein Barebone das bessere Geschenk. Der Spaß liegt im Weg, nicht im Ergebnis.
- Wer nur mal reinschnuppern will: 179 Euro sind dafür zu viel. Erst ein Board für 60 bis 80 Euro.
- Wer Gegendruck braucht: Die Rye sind sehr leicht, und in ISO-DE gibt es hier keine Alternative.
- Wer viel per Bluetooth tippt: Dort läuft das Board nur mit 125 Hz statt mit 1.000.

