Einen Sonos KI-Lautsprecher soll es im September geben, angekündigt von CEO Tom Conrad bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Ich bin seit über zehn Jahren im Sonos-Lager und habe die Meldung zweimal gelesen. Einmal mit Vorfreude, einmal mit der Erinnerung daran, dass mir derselbe Mann vor ein paar Wochen „außergewöhnliche“ Produkte versprochen hat, ohne ein einziges zu zeigen.
- Sonos hat im Q3-Earnings-Call für September einen Produktlaunch mit KI-Fokus angekündigt, ohne Namen, Preis oder Termin zu nennen.
- CEO Tom Conrad spricht davon, dass conversational computing und prädiktive Intelligenz in den Haushalt einziehen.
- Der hauseigene Sprachassistent Sonos Voice versteht bis heute nur Englisch und Französisch.
- Die Konkurrenz ist längst da: Googles Gemini-Speaker steht seit dieser Woche für 120 Euro in deutschen Regalen.
Ein Satz im Quartalscall, sonst nichts
Viel Substanz gibt die Ankündigung nicht her, und das ist vermutlich Absicht. Conrad bestätigte im Earnings Call einen Launch-Event im September, Details will er erst dort verraten. What Hi-Fi hat die Aussagen zuerst aufgeschrieben: „Conversational computing and predictive intelligence“ ziehen demnach in den Haushalt ein, und Sonos wolle seine zwanzig Jahre Erfahrung mit Klang und Speaker-Hardware mit diesen neuen Entwicklungen verbinden.
Übersetzt aus dem Manager-Englisch: ein Lautsprecher, mit dem man reden kann und der Bedürfnisse vorhersagen soll. Ob als neues Gerät, als Plattform-Update für bestehende Speaker oder beides, bleibt offen. Sonos-typisch dürfte ohnehin vor dem Event einiges durchsickern, dicht halten konnte das Unternehmen Produktstarts noch nie.
Sonos Voice spricht bis heute kein Deutsch
Damit zu meiner einen Frage: In welcher Sprache soll das passieren? Sonos Voice, der hauseigene Sprachassistent, existiert seit 2022 und versteht bis heute nur Englisch und Französisch. Er läuft lokal auf dem Gerät, was ich prinzipiell mag, kann aber kaum mehr als Musik steuern und Hue-Lampen schalten. Deutschland ist einer der wichtigsten Sonos-Märkte, und hier war der Assistent vier Jahre lang nicht nutzbar.
Ein KI-Lautsprecher, der beim Deutschland-Start wieder nur Englisch spricht, wäre kein Launch, sondern eine Wiederholung. Immerhin gibt es diesmal einen technischen Grund für Optimismus: Moderne Sprachmodelle sind von Haus aus mehrsprachig, die alte Ausrede der aufwendigen Sprach-Anpassung zieht bei einem LLM-basierten Assistenten nicht mehr. Wenn Sonos im September ohne Deutsch antritt, ist das eine Entscheidung, keine technische Grenze.
Das App-Debakel von 2024 hat Sonos Jahre an Goodwill gekostet, der damalige CEO musste gehen. Nachfolger Tom Conrad hat zuletzt das Management verkleinert und mehr Tempo versprochen. Der September-Launch ist der erste große Beweis, ob aus den Ankündigungen Produkte werden.
Der September ist voller als gedacht
Sonos betritt keinen leeren Markt. Der Google Home Speaker mit Gemini steht seit dieser Woche für 120 Euro in deutschen Regalen, Amazon hat Alexa+ nach Deutschland gebracht, Bose verbaut den Assistenten gleich mit. Selbst OpenAI arbeitet an einem eigenen Lautsprecher fürs Zuhause, auch wenn der erst 2027 kommen soll. Wer Ende des Jahres einen sprechenden Speaker will, hat die Auswahl längst.
Was Sonos dagegensetzen kann, ist das, was die anderen nicht haben: einen Bestand aus Millionen Haushalten mit teils jahrzehntealten Speakern und ein Multiroom-System, das trotz allem seinesgleichen sucht. Wenn die neue Intelligenz auf meiner vorhandenen Anlage landet, statt ein weiteres Gerät zu verlangen, wird es interessant. Die jüngsten App-Updates mit Opt-in statt Zwangsumstellung zeigen immerhin, dass jemand dazugelernt hat.
Bis September halte ich es deshalb so: Bestandsnutzer wie ich können entspannt abwarten, die Anlage spielt ja weiter. Wer jetzt neu einsteigt und einen KI-Speaker will, bekommt bei Google für 120 Euro schon heute ein rundes Paket. Und Sonos bekommt von mir genau einen Vertrauensvorschuss bis zum Event. Danach zählen Produkte, keine Calls.





