Die Türschlösser auf der IFA 2026 sind mir zuerst als Menge aufgefallen, nicht als Technik. Vier Stück an einem Tag, dazu das SwitchBot vom Mittwoch. Bei mir hängt seit März ein smartes Schloss an der Tür, mein Schlüssel liegt seitdem in der Schublade, und trotzdem habe ich bei keinem dieser vier gedacht: das will ich haben.
Interessant ist eine Zeile in der Spec-Liste des Aqara U250. Da steht Aliro, und das ist der erste herstellerübergreifende Anlauf, das Durcheinander beim digitalen Schlüssel zu beenden.
- Aqara zeigt mit dem U250 ein Nachrüstschloss mit Matter over Thread und Aliro, dazu NFC und Apple Home Key. Es soll noch 2026 kommen, eine Produktseite bei Aqara EU gibt es am 6. September aber nicht, entsprechend auch keinen Preis
- Aliro ist der Zutritts-Standard der Connectivity Standards Alliance, an dem laut CSA knapp 200 Firmen mitarbeiten. Er regelt, wie Handy oder Smartwatch mit dem Schloss an der Tür reden, ausgelegt auf NFC, Bluetooth Low Energy und UWB
- Wichtig und meist unterschlagen: Aliro ist nicht Matter für Schlösser. Die CSA nennt beide ausdrücklich komplementär und voneinander unabhängig, ein Gerät kann eines von beiden oder beide unterstützen
- Das Teilen von Schlüsseln, also der Punkt, an dem sich die Systeme heute am härtesten sperren, gehört laut CSA erst zu einer späteren Aliro-Phase
- Die Aqara U500-Serie umfasst drei Bauformen, darunter ein Schloss für rahmenlose Glastüren ohne Bohren (8 bis 12 mm Glasstärke). Europastart laut Messestand im zweiten Quartal 2027
- Sofort kaufbar ist von den vier Schlössern nur das Shelly LOQED Pure für 178,90 Euro, und das ist keine Neuheit: Es steht bereits seit dem zweiten Quartal 2026 im Handel
Angefasst habe ich keines der vier Geräte. Die Angaben stammen von den Messeständen, aus den Herstellerunterlagen und aus der Aliro-Dokumentation der Connectivity Standards Alliance. Was ich selbst geprüft habe, schreibe ich dazu.
Der digitale Schlüssel ist heute das, was Ladekabel vor USB-C waren
Mein Schloss lässt sich mit Gesicht, Handvene, Fingerabdruck, Code, Karte, App und Uhr öffnen. Klingt üppig, ist es auch. Nur funktioniert davon nichts an der Tür von jemand anderem.
Wer Apple Home Key nutzt, braucht ein Schloss, das Apple Home Key kann. Wer im Google- oder Samsung-Lager sitzt, braucht das jeweilige Gegenstück. Für den Hersteller heißt das, jedes Ökosystem einzeln zu implementieren, für Käufer heißt es Kompatibilitätslisten lesen.
Genau da setzt Aliro an. Die Connectivity Standards Alliance beschreibt es als Protokoll zwischen Zutrittslesern und Nutzergeräten, definiert von den großen Namen aus der Schloss- und Plattformwelt. Knapp 200 Mitgliedsfirmen arbeiten laut CSA daran.
Der Punkt, der in den Meldungen dieser Woche untergeht: Aliro ist nicht Matter für Schlösser. Die CSA schreibt in ihrer eigenen FAQ, beide Standards seien komplementär und bauten nicht aufeinander auf. Ein Schloss kann Aliro haben, Matter haben, beides oder keines.
Und noch eine Einschränkung, die man kennen sollte, bevor man sich zu früh freut. Die erste Aliro-Phase deckt laut CSA nur die Verbindung zwischen Endgerät und Schloss ab. Das sichere Teilen von Schlüsseln steht dort ausdrücklich als Thema für spätere Phasen.
Das ist bitter, denn genau daran scheitert es im Alltag. Wer bei mir reinkommen soll und kein iPhone hat, bekommt einen Zahlencode statt eines digitalen Schlüssels. Daran ändert Aliro in seiner jetzigen Ausbaustufe nichts.
Aqara U250: das erste Seriengerät, aber ohne Produktseite
Der U250 ist ein Nachrüstschloss, das von innen auf den vorhandenen Zylinder kommt, also dasselbe Prinzip wie bei meinem SwitchBot. Auf dem Messestand steht es laut SmarthomeAssistent als kompaktes, zylindrisches Modell in Silber und unterscheidet sich damit deutlich vom länglichen U200.
Angebunden wird per Matter over Thread, dazu kommen NFC und Apple Home Key. Aufschließen soll rund eine Sekunde dauern. Zum Vergleich: Mein Lock Ultra braucht 3,1 Sekunden, der neue Lock Ultra Max schafft 1,1.
Bei Aliro bleibt Aqara auf der Messe unscharf. Welche der drei Übertragungsarten das Schloss tatsächlich nutzt, wurde nicht vollständig spezifiziert. Bei einem Standard, dessen ganzer Sinn die Interoperabilität ist, ist das kein Detail.
Erscheinen soll der U250 noch in diesem Jahr. Meine Gegenprobe am 6. September: Auf Aqaras Europa-Seite gibt es weder für den U250 noch für die U500-Serie eine Produktseite, beide URLs laufen ins Leere. Einen Preis nennt Aqara entsprechend nirgends.
Aqara U500: ein Schloss für die Glastür, und zwar ohne Bohren
Unter U500 führt Aqara gleich drei Bauformen: ein Gate Lock für Tore, ein Rim Lock für aufgesetzte Schlösser und das Smart Glass Door Lock. Letzteres ist das ungewöhnliche Stück.
Es sitzt an rahmenlosen Glastüren mit 8 bis 12 Millimetern Glasstärke und wird ohne Bohrung befestigt, Außen- und Inneneinheit bilden zusammen das Schließsystem. Voraussetzung ist, dass beide Glaselemente bündig zueinander stehen, der Abstand darf 5 bis 10 Millimeter betragen.
Das ist eine Nische, aber eine unterversorgte. Wer eine Glastür im Büro oder im Ladenlokal hat, kannte bisher vor allem Lösungen, die einen Glasausschnitt voraussetzen.
Der Haken steht beim Termin. Für Europa nennt Aqara am Stand das zweite Quartal 2027. Ein Schloss, das man in eineinhalb Jahren kaufen kann, hilft niemandem, der heute vor einer Glastür steht.

Shelly LOQED Pure: die Neuheit, die seit dem Frühjahr im Regal liegt
Das Shelly LOQED Pure lief diese Woche durch die Messeberichte, und es ist das einzige der vier, das man sofort bestellen kann. Nur ist es keine Neuheit. SmarthomeAssistent schreibt es selbst dazu: Das Modell kam bereits im zweiten Quartal 2026 auf den Markt.
Meine Gegenprobe im Shelly-Shop am 6. September bestätigt das: 178,90 Euro, in Schwarz und Silber gelistet, dazu ein LOQED Power Kit ab 53,90 Euro. Regulär im Sortiment, nicht als Vorbestellung.
Technisch ist es das einfachste der vier. Vollständig schlüssellos, WLAN und Bluetooth stecken im Schloss, geöffnet wird per LOQED-App, Shelly-App oder dem beiliegenden Taster. Rund zwei Sekunden dauert ein Vorgang, ein Touch-Display lässt sich außen nachrüsten.
Aliro kann es nicht, Matter steht auch nicht dabei. Dafür ist es das günstigste Gerät im Feld und das einzige mit einer Rechnung, die man heute bezahlen kann.

| Schloss | Anbindung | Preis | Verfügbar |
|---|---|---|---|
| Aqara U250 | Matter over Thread, Aliro, NFC, Home Key | offen | „noch 2026″, keine Produktseite |
| Aqara U500 Glass Door | am Stand nicht spezifiziert | offen | Europa Q2 2027 |
| Shelly LOQED Pure | WLAN, Bluetooth | 178,90 Euro | seit Q2 2026 im Handel |
| SwitchBot Lock Ultra Max | Bluetooth, Matter over Bridge | 339,99 Euro (Combo) | vorbestellbar |
Von den vier Schlössern genau eines, und das gibt es seit dem Frühjahr: das Shelly LOQED Pure für 178,90 Euro. Der Aqara U250 hat keinen Preis und keine Produktseite, die U500-Serie kommt in Europa frühestens im zweiten Quartal 2027, das SwitchBot Lock Ultra Max ist vorbestellbar. Wer Aliro will, wartet mindestens bis zum U250, und selbst dann ist offen, welche Funktechnik dafür genutzt wird.
Ein Standard hilft erst, wenn beide Seiten ihn sprechen
Der Standard löst das Problem erst, wenn nicht nur das Schloss ihn spricht, sondern auch das Handy in der Hosentasche. Solange Apple, Google und Samsung ihre eigenen Wege weiterfahren, ist ein Aliro-Schloss ein Schloss mit einer Funktion, die niemand nutzt.
Bei Matter lief es genauso. Das Versprechen stand 2022 im Raum, brauchbar wurde es Jahre später, und bei Großgeräten und Wallboxen hat es bis 2026 gedauert.
Dass knapp 200 Firmen mitarbeiten, ist trotzdem das beste Argument. Bei Matter war genau diese Breite der Grund, warum es am Ende doch funktioniert hat.
Seit März liegt mein Hausschlüssel in der Schublade, und ich habe ihn in dieser Zeit zweimal in der Hand gehabt, beide Male aus Neugier. Das Gefühl war größer als erwartet. Was mich seitdem stört, ist nicht die Technik, sondern dass ich sie nicht weitergeben kann. Wer kein iPhone hat, bekommt bei mir einen Zahlencode statt eines Schlüssels aufs Telefon. Ein Standard, der das ändert, wäre mir lieber als jede weitere Entsperrmethode.
Kaufen würde ich heute keines der vier, und das liegt nicht an den Schlössern
Wer jetzt ein smartes Schloss braucht, nimmt eines, das im Laden steht und zu seinem Ökosystem passt. Das Shelly LOQED Pure ist für 178,90 Euro der günstige Einstieg ohne Biometrie, das Dreame Smart Lock E10 liegt mit Matter over Thread und Keypad bei 219 Euro.
Auf Aliro zu warten lohnt sich für die meisten nicht. Der Standard ist in seiner ersten Phase nicht das, was ihn im Alltag interessant macht, und das Teilen von Schlüsseln kommt später.
Wer allerdings gerade neu baut oder umbaut und die Tür ohnehin anfasst, sollte den U250 im Auge behalten. Ein Schloss hängt zehn Jahre, und dann ist die Frage, ob es in fünf Jahren noch mit dem Handy redet, das man dann hat.
Preise und Termine trage ich hier nach, sobald Aqara Produktseiten online stellt.
Was die Türschlösser auf der IFA 2026 offenlassen
Was ist Aliro?
Aliro ist ein Standard der Connectivity Standards Alliance für digitale Zutrittsberechtigungen. Er legt fest, wie Smartphones und Wearables mit Lesern an Türen kommunizieren, ausgelegt auf NFC, Bluetooth Low Energy und UWB. Laut CSA arbeiten knapp 200 Mitgliedsfirmen daran. Ziel ist, dass ein digitaler Schlüssel herstellerübergreifend funktioniert.
Ist Aliro dasselbe wie Matter?
Nein. Die CSA nennt beide Standards ausdrücklich komplementär und voneinander unabhängig. Matter regelt, wie vernetzte Geräte Befehle austauschen, Aliro regelt den Nachweis der Zutrittsberechtigung an der Tür. Ein Schloss kann eines von beiden unterstützen, beide oder keines.
Kann ich mit Aliro digitale Schlüssel an andere weitergeben?
In der ersten Phase nicht. Die CSA beschreibt als Phase eins die Interoperabilität zwischen Endgeräten wie Handys und Wearables und den Zutrittsgeräten. Sicheres Teilen von Schlüsseln nennt sie als Anwendungsfall für spätere Phasen.
Was kostet der Aqara U250 und wann kommt er?
Einen Preis nennt Aqara nicht. Am Messestand hieß es, das Schloss solle noch 2026 erscheinen, auf Aqaras Europa-Seite existierte am 6. September 2026 aber weder für den U250 noch für die U500-Serie eine Produktseite. Die U500-Serie soll Europa laut Messestand erst im zweiten Quartal 2027 erreichen.
Welches der IFA-Schlösser kann ich sofort kaufen?
Nur das Shelly LOQED Pure für 178,90 Euro, und das ist streng genommen keine Messeneuheit: Es steht seit dem zweiten Quartal 2026 im Handel. Das SwitchBot Lock Ultra Max ist vorbestellbar, die beiden Aqara-Modelle haben weder Preis noch festen Termin.





