Im Januar hat IKEA 21 Matter-Geräte auf einmal in den Markt gedrückt, ab 5,99 US-Dollar für eine smarte Glühbirne. Marktbeobachter haben das als die Massen-Matter-Offensive gefeiert. Vier Monate später testet AppleInsider die wichtigsten Geräte, vergibt 3,5 von 5 Sternen, und einer der Sensoren liefert in kalibrierter Kammer Werte, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben. IKEA Matter trifft auf reale Wohnungen. IKEAs Antwort darauf: relativieren, auf „komplexe Umgebungen“ verweisen und auf ein Firmware-Update vom April zeigen, das das Problem nicht ganz löst.

AppleInsider hält die Lupe drauf
Getestet hat AppleInsider den Querschnitt des neuen Lineups: die Kajplats-Glühbirnen, die Bilresa-Fernbedienung, die Varmblixt-Donut-Lampe, die Bewegungsmelder Myggspray und Myggbett, den Temperatur-Sensor Timmerflotte und den Luftqualitätssensor Alpstuga. Verglichen mit dem üblichen Smart-Home-Testparcours läuft das Lineup ordentlich. Adaptive Lighting greift auf allen Lampen, und Firmware-Updates kommen direkt über die Home-App ohne zusätzliche Hersteller-App. Preislich liegt nichts über 30 US-Dollar.
Die zwei harten Befunde sind weniger schmeichelhaft. Der Alpstuga-CO2-Sensor wurde in einer kalibrierten 600-ppm-Kammer getestet und liefert Werte „far outside the promised tolerance“. Das ist kein Ungenauigkeitsproblem, das ist ein defekter Sensor über mehrere Einheiten hinweg. Der Myggspray-Bewegungsmelder erfasst kleinere Räume zuverlässig, fällt in größeren Wohnräumen aber durch. Und beim Pairing brauchten manche Tester mehrere Reset-Versuche, einzelne Setups blieben unstabil. Insgesamt 3,5 von 5 Sternen, was bei einem 21-Geräte-Launch in dieser Preisklasse fair ist, aber nichts beschönigt.

IKEAs Antwort relativiert mehr, als sie eingesteht
Gegenüber AppleInsider sagt IKEA wörtlich: „We are continuing to investigate the onboarding and stability issues that some users have experienced with the new Matter-over-Thread range.“ Direkt danach folgt der Relativierungs-Halbsatz: „the large majority of customers are getting the experience we intend, while the remaining issues in general tend to appear in more complex environments.“ Übersetzt heißt das: die meisten haben kein Problem, der Rest hat ein komplexes Setup. Was konkret „komplex“ sein soll, lässt IKEA offen.
„Komplex“ ist in der Praxis ziemlich genau das, was bei techboys-Lesern Standard ist. Bei mir laufen Apple Home als Familien-Oberfläche und Homey Pro im Hintergrund parallel, beide mit eigenen Border-Router-Funktionen. Solche Setups häufen sich, sobald jemand zu Apple TV und HomePod mini noch einen Nest Hub oder Echo dazustellt. Ein IKEA-Statement, das genau diese Konfiguration als Sonderfall abtut, ist höflich, aber dünn.
IKEA hat das Problem nicht ignoriert. Ende April kam die DIRIGERA-Firmware 2.934.5, die laut Hersteller die Thread-Stabilität verbessert. Geräte, die nach Updates oder Neustarts nicht mehr erreichbar waren, sollen wieder sauber laufen. Parallel hat ein deutscher Blogger Anfang Mai versucht, eine Kajplats-Birne ohne DIRIGERA über einen Amazon Echo als Border Router einzubinden. Das Pairing scheiterte mehrfach, die Lampe meldete sich nach Minuten als offline. Seine Diagnose: das Problem liegt nicht bei der IKEA-Hardware, sondern an fragmentierten Thread-Netzen und unreifer Border-Router-Firmware, vor allem bei Amazon.
Was du jetzt tun kannst, wenn du betroffen bist
Wer schon IKEA-Matter-Geräte im Haus hat, sollte zuerst den DIRIGERA-Firmware-Stand prüfen. Die Version 2.934.5 oder neuer ist Pflicht, ältere Builds haben den Thread-Stabilitätsfix nicht. Wenn das nicht reicht, lohnt ein Blick auf die Border-Router-Hierarchie. Border Router = das Gerät, das die Thread-Funkgeräte mit deinem WLAN und Internet verbindet, in der Regel Apple TV, HomePod, DIRIGERA oder eben ein Amazon-Echo-Modell. Wer den Unterschied zwischen Zigbee, Thread und Matter nochmal nachlesen will, findet das im techboys-Protokoll-Vergleich. Lass einen Hub als Haupt-Border laufen und setze andere bewusst herab. Apple TV 4K und DIRIGERA gelten als die ruhigeren Optionen. Amazon Echo als Border ist in mehreren Praxistests die problematischere Wahl.
Beim Alpstuga-CO2-Sensor hilft kein Firmware-Update. Wenn der Sensor in einer normalen Wohnung Werte liefert, die nicht zu deinem Gefühl passen, kalibriere mit einem zweiten Gerät oder gib ihn zurück. AppleInsider hat über mehrere Einheiten dieselben Abweichungen gemessen, das ist ein Hardware- oder Firmware-Defekt im Sensor selbst. Wer noch nicht gekauft hat: die Kajplats-Lampen und Myggbett-Sensoren sind unkritisch und billig genug, um sie einzeln zu testen. Den Alpstuga würde ich solange überspringen, bis IKEA den Sensor-Fix nachgeliefert hat.
3,5 von 5 Sternen ist für ein Lineup, das den Marktpreis bei smarten Glühbirnen halbiert hat, ein fairer Wert. Was weniger fair ist: ein PR-Statement, das Pairing-Probleme als Eigenheit komplexer Setups abtut, während die eigene Hub-Firmware vom April genau diese Probleme adressiert. Wer ein einfaches Apple-Home-Setup mit einer einzelnen Border-Router-Box hat, fährt mit dem Lineup gut. Wer parallel Homey oder SmartThings betreibt, sollte vor dem nächsten Massenkauf auf den nächsten Firmware-Sprung warten.





