Die SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo habe ich vor einiger Zeit ausführlich getestet, und das Setup war typisch SwitchBot. Zwei Geräte für eine Tür: das Schloss innen am Knauf, das Keypad Vision außen an der Wand, dazwischen Bluetooth und für Matter ein Hub im Flur. Funktioniert gut, ist aber alles andere als elegant. Mit dem gestern in Nordamerika gestarteten SwitchBot Lock Vision baut der Hersteller die 3D-Gesichtserkennung direkt ins Schlossgehäuse, Matter-over-WiFi läuft ohne SwitchBot-Hub. Für Europa: vorerst nichts davon.

Die Kamera wandert ins Schlossgehäuse
Beim Lock Ultra Vision Pro Combo saß die 3D-Kamera im separaten Keypad an der Außenwand. Beim SwitchBot Lock Vision steckt sie direkt im Schloss, auf der Innenseite der Tür. Das spart ein Bauteil und einen Bohrloch-Anker, kostet aber Apertur: Statt rund 30.000 Infrarot-Punkten beim alten Keypad sind es jetzt über 20.000. Praktisch entriegelt der Mechanismus laut SwitchBot in unter einer Sekunde, auch mit Brille oder Hut. Die biometrischen Daten verbleiben lokal im Schloss, AES-128-verschlüsselt, kein Cloud-Upload.
Zwei Varianten stehen zur Wahl. Das Lock Vision liegt bei 169,99 US-Dollar, das Lock Vision Pro bei 229,99. Den Aufpreis von 60 Dollar bekommst du in Form von Handvenen-Scan und Fingerabdruck-Sensor zusätzlich zur Gesichtserkennung. Handvenen-Scan = berührungslose Erkennung der Venenmuster in der Hand per Nahinfrarot, ähnlich der Technik, die japanische Geldautomaten seit Jahren nutzen. Beim Akku wird’s interessant. Der neue 10.000-mAh-Akku im Lock Vision ist mehr als doppelt so groß wie die 4.200 mAh im Lock Ultra Vision Pro Combo. Die Combo habe ich im April vorgestellt, und bei mir steht sie nach mehrfach täglicher Nutzung jetzt Mitte Mai noch bei 65 Prozent am Schloss und 69 Prozent am Keypad. SwitchBot verspricht für das neue Vision trotzdem nur zwölf Monate Laufzeit, beim alten Combo sind es neun. Der größere Akku gleicht offenbar gerade so den Mehrverbrauch der ins Schloss gewanderten 3D-Kamera aus.
Matter-over-WiFi, kein SwitchBot-Hub mehr nötig
Der eigentliche Architektur-Schritt liegt nicht in der Kamera, sondern im Funk. Das Lock Vision spricht Matter-over-WiFi = Smart-Home-Standard direkt über das vorhandene WLAN, ohne dass ein Bridge-Gerät zwischen Schloss und Plattform vermittelt. Als Matter-Controller reichen ein Apple TV 4K oder ein HomePod mini, beide kannst du als Border Router = zentrales Netzwerk-Gerät, das Matter-Geräte mit Apple Home verbindet einsetzen. Ein SwitchBot-Hub, wie er beim Lock Ultra Vision Pro Combo noch zwingend für Matter gebraucht wurde, fällt weg. Wer trotzdem auf den SwitchBot AI Hub setzt, gewinnt im Gegenzug lokale KI-Funktionen wie Personen- und Paket-Erkennung, die nichts mit Matter zu tun haben.

Das ist insofern relevant, weil jedes weggefallene Bridge-Gerät eine Firmware weniger ist, die du im Auge behalten musst. Seit dem Eve-Thermo-Test vertraue ich Matter lokal, vorausgesetzt Apple ist im Haus. Beim Lock Vision ist genau das die Voraussetzung. Wer ohne Apple-Home-Setup unterwegs ist, kann SmartThings oder Google Home als Matter-Controller einsetzen. Home Assistant geht auch, wenn du den Controller dort sauber eingerichtet hast. Wer den Unterschied zwischen Matter-over-WiFi und Matter-over-Thread für die eigene Hub-Planung nochmal sortieren will, findet die Einordnung im techboys-Protokoll-Vergleich.
Eine Funktion fehlt allerdings, die für viele Apple-Nutzer das Kaufargument schlechthin ist: Apple Home Key wird nicht unterstützt. Das heißt, du kannst dein iPhone oder die Apple Watch nicht via Apple Wallet an den Schlosskörper halten, um zu entriegeln. Stattdessen geht es per Gesicht, NFC-Karte, PIN, Auto-Unlock per Geo-Fencing oder physischem Schlüssel. Die direkte Konkurrenz aus dem Aqara-Lager (U200, U300) löst die Schloss-Aufgabe über Matter-over-Thread und unterstützt Apple Home Key nativ. Das setzt aber zusätzlich einen Thread-Border-Router voraus. Wer WLAN sowieso hat und Thread nicht extra ausrollen will, fährt mit dem WiFi-Ansatz pflegeleichter, gibt dafür aber das Tap-to-Unlock per iPhone auf.
Europa schaut vorerst zu
Die Pressemitteilung von SwitchBot ist in dem Punkt eindeutig: Launch ist in Nordamerika, Verkauf läuft über Amazon US und den SwitchBot-eigenen Shop, Kanada ist als „coming soon“ markiert. Für Europa steht in der Mitteilung nichts. Auf eu.switch-bot.com gibt es bis heute keine Lock-Vision-Series ohne „Ultra“-Zusatz. Stattdessen führt der EU-Shop die Lock-Ultra-Linie mit Combo-Lösungen, also Schloss plus separates Keypad Vision an der Außenwand. Das ist genau das Setup, das im techboys-Test gelaufen ist.
Auf der CES 2026 hat SwitchBot die Vision-Series im Januar vorab gezeigt und auf das laufende Jahr 2026 für die globale Vermarktung verwiesen. Konkrete EU-Termine fehlen weiter. Erfahrungsgemäß zieht die Combo-Linie für DE-Käufer noch eine Weile weiter, bis SwitchBot die neue Hardware zertifiziert hat und die EU-CE-Kennzeichnung vorliegt. Wer jetzt ein Schloss kaufen will, hat drei realistische Optionen: warten auf die EU-Variante, ohne Datum, das Lock Ultra Vision Pro Combo nehmen, das im Test ordentlich abgeschnitten hat (abzüglich der bekannten Schwachstellen bei MQTT und Fernzugriff), oder direkt zu einem anderen Matter-Schloss greifen. Eine günstigere EU-Alternative ist die Xiaomi Smart Lock Matter-Nachrüstlösung, die seit kurzem hier verfügbar ist, ohne den biometrischen Komfort, aber mit sauberer Apple-Home-Anbindung.
Smartes Türschloss mit 3D-Gesichtserkennung, Handvenenerkennung und 12 Entsperrmethoden. Magnesium-Aluminium-Gehäuse, Dreifach-Akku, Matter-kompatibel. Kein Bohren nötig.
- Drei biometrische Methoden, alle schnell und zuverlässig
- Montage ohne Bohren, USB-C Akku hält Monate
- Starke Preis-Leistung gegenüber Nuki
- SwitchBot-Account Pflicht
- Matter/HomeKit spürbar langsamer als native App
- Klebeband des Keypads kann sich nach Wochen lösen
Für US-Käufer ist die SwitchBot Lock Vision Series der erste Deadbolt mit eingebauter 3D-Kamera und Matter-over-WiFi ohne zusätzliches Bridge-Gerät. Das ist ein sauberer Architektur-Sprung von der alten Combo-Lösung, auch wenn die Kamera-Apertur kleiner und der reale Akku näher an acht als an zwölf Monaten liegt. Für DE-Käufer bleibt das aus heutiger Sicht eine Vorschau auf den Herbst oder das Frühjahr 2027. Wer nicht warten will, kauft das Combo-Set, das immerhin den Heimvorteil hat: getestet, im EU-Shop verfügbar, mit deutscher CE-Kennzeichnung an Bord.





