Shelly hat zwei KI-Assistenten in die Smart Control App gepackt. SoFi soll mit Geräten reden, MitRa soll mitdenken. Und weil 2026 ist, kommt ein Premium-Abo dazu, das erste in der Geschichte der Marke. Die Shelly KI ist also nicht nur ein neues Feature, sondern ein leiser Bruch mit Shellys bisheriger No-Subscription-Linie.
Die Beta läuft bereits in der App, ohne Warteliste. Wer sie öffnet, kann mit SoFi und MitRa direkt sprechen. Was die beiden konkret unterscheidet und was das Abo dazwischen macht, lohnt eine genauere Betrachtung.

Was die Shelly KI können soll: SoFi macht, MitRa denkt
SoFi ist der ausführende Teil. Du tippst „Licht im Wohnzimmer aus“ oder „zeig mir den Status der Steckdose im Büro“, SoFi macht es. Auch Automationen lassen sich auf Zuruf anlegen: „Wenn die Tür aufgeht, schalte die Lampe ein.“ Laut ifun.de reagiert das System in zwanzig Sprachen. Deutsch ist dabei.
MitRa ist der strategische Teil. Zuständig für Verbrauchsanalyse und Energiespar-Vorschläge, formulieren darf man dabei lockerer als bei SoFi. Wer Shellys Stromzähler im Haus hat, bekommt von MitRa Auswertungen, die SoFi nicht macht. Wenn die Aufteilung trägt, ist das eine sinnvolle Trennung: ein Assistent für die Bedienung, einer für die Auswertung. Wenn sie nicht trägt, ist es Feature-Splitting, das die App komplizierter macht. Welcher der beiden Fälle eintritt, sieht man frühestens in zwei Wochen Alltag.
Das erste Abo bei Shelly
Der eigentliche Aufhänger steht im zweiten Absatz der Pressemitteilung und nicht im ersten. Shelly führt ein Premium-Modell ein. Free bekommt jeder, aber mit einer Deckelung auf wenige Anfragen pro Tag. Premium hebt das auf rund das Fünffache, gibt detailliertere Event-Logs, automatische Erinnerungen, eine KI-gestützte Fehlererkennung mit bis zu zehn Analysemodellen und monatliche Energieberichte. Einen konkreten Preis nennt Shelly bisher nicht.
Das ist der Punkt, an dem die Geschichte für Shelly-Fans interessant wird. Die Marke hat sich jahrelang als Anti-Abo positioniert: einmal kaufen, lokal laufen lassen, kein Account-Zwang. Mit der Shelly KI kommt zum ersten Mal eine wiederkehrende Zahlung in das Sortiment, und das geschieht erstaunlich leise. Niemand erwartet, dass Shelly seine Geräte plötzlich nicht mehr ohne Cloud verkauft. Aber eine Premium-Stufe ist ein Anfang, und die Frage, wo die Schwelle vom Free-Tier zur Bezahlfunktion künftig sitzen wird, ist ab heute offen.
Wo die Shelly KI rechnet, sagt Shelly nicht
In der Pressemitteilung schreibt Shelly wörtlich: „Persönliche Daten werden weder gespeichert noch verwertet; der Assistent arbeitet ausschließlich mit anonymisierten Informationen.“ Das klingt sauber, ist aber eine Aussage über das Ergebnis, kein technisches Detail über den Weg dorthin. Wenn anonymisiert wird, verlassen Daten das lokale Netz, sonst wäre die Anonymisierung überflüssig. Welcher Sprachmodell-Anbieter dahintersteht, in welchem Land die Verarbeitung läuft und welcher Subprozessor die Daten zu sehen bekommt: dazu sagt Shelly bisher nichts.
Bei einer Marke, deren Identität auf lokal, offline-fähig, ohne Account aufgebaut ist, ist das die Lücke, die im Test geklärt werden muss. „DSGVO-konform“ ist ein juristisches Etikett, kein Architektur-Hinweis. Solange Shelly nicht sagt, ob SoFi und MitRa in der eigenen Cloud rechnen oder einen Drittanbieter-Endpoint nutzen, bleibt der Lokal-Anspruch der Marke an dieser Stelle ungeprüft.
KI in der Smart-Home-App ist 2026 fast Standard
Shelly ist mit dem Feature nicht allein. Alexa+ ist seit Anfang Mai in Deutschland gestartet, Google Gemini sitzt seit Ende 2025 in Google Home, Home Assistant Voice geht den lokalen Weg mit eigener Hardware. Was Shelly anders macht, ist der Fokus auf das eigene Ökosystem. MitRa wertet die Verbrauchsdaten der Shelly-Geräte aus, die im Haus ohnehin Strom messen. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Alexa+ oder Gemini, die mit Stromverbrauch wenig anfangen können.
Wer Shellys Hardware ohnehin nutzt, etwa den Presence Gen4 als Anwesenheits-Sensor in Verbindung mit den Energiemess-Modulen, hat die Datenbasis für sinnvolle Vorschläge. Wer Shelly nur als günstige Schalt-Alternative im Sicherungskasten verbaut hat, wird von MitRa wenig zurückbekommen. Die Shelly KI trifft also nicht jeden Shelly-Nutzer gleich.
Was du jetzt mit der Shelly KI ausprobieren kannst
Die Beta ist offen in der Smart Control App, keine separate Anmeldung. smarthomeassistent.de hat das System direkt nach dem Start angesehen und die Funktionen entlang der App-Menüleiste beschrieben. Welche App-Version genau die Funktion freischaltet, sagt Shelly öffentlich nicht. Welche Shelly-Generationen unterstützt werden, ebenfalls nicht. Erfahrungswert: alles, was in Smart Control sichtbar ist, lässt sich von SoFi und MitRa erreichen. Gen-1-Nutzer mit der älteren App sollten allerdings keine Wunder erwarten. Ein dritter KI-Agent ist angekündigt, ohne Name, ohne Funktion, ohne Datum.
Zwei KI-Assistenten und ein Abo. Das ist die Pressemitteilung. Die spannenden Fragen sind eine andere: Wo läuft die Verarbeitung, ab welchem Preis verliert das Free-Tier seinen Sinn, und welcher der beiden Assistenten überlebt die ersten sechs Monate Alltag. Bis Shelly das beantwortet, ist die Shelly KI eine Beta zum Probieren, kein Update für die Lokal-First-Linie. Wer Automationen ohnehin per Hand baut, verliert nichts, wenn er die App-KI zunächst ignoriert. Wer auf eine Smart-Home-KI gewartet hat, die mit seinen Stromzählern etwas anfangen kann, darf ein paar Tage damit verbringen, MitRa Fragen zu stellen, die SoFi nicht beantworten würde.





