Präsenzsensoren auf Basis von mmWave-Radar sind gerade der heißeste Markt im Smart-Home-Segment. Aqara hat den FP2 und den neuen FP400, Meross den MS605. Jetzt kommt Shelly dazu, und der Shelly Presence Gen4 liest sich auf dem Papier wie ein ernsthafter Konkurrent.
Was der Shelly Presence Gen4 kann

Der Sensor arbeitet mit Millimeterwellen-Radar (mmWave, erkennt Anwesenheit auch bei absoluter Stillsitzung, im Gegensatz zu klassischen PIR-Sensoren, die nur auf Bewegung reagieren). Die Eckdaten: bis zu 42 Quadratmeter Erfassungsfläche, bis zu 6 Personen gleichzeitig und bis zu 10 individuell konfigurierbare Zonen pro Gerät. Das ist mehr als die meisten Konkurrenten bieten. Der Aqara FP2 kann drei Zonen, der FP400 kommt auf fünf.
Was bringen zehn Zonen in der Praxis? In einem offenen Wohnbereich lässt sich damit unterscheiden, ob jemand auf dem Sofa sitzt oder am Esstisch. Jede Zone kann eigene Automationen auslösen. Licht über dem Esstisch geht an wenn dort jemand sitzt, das Sofa-Licht bleibt aus. Wer bisher nur einen Sensor für „Raum besetzt ja/nein“ hatte, bekommt mit zehn Zonen deutlich feinere Steuerungsmöglichkeiten.
Dazu kommt ein Umgebungslichtsensor mit drei Schwellenwerten (dunkel, dämmerig, hell). Nicht spektakulär, aber praktisch für lichtabhängige Automationen ohne separaten Sensor.
Protokolle: Shelly-typisch breit aufgestellt
Beim Thema Konnektivität macht Shelly keine halben Sachen. Der Presence Gen4 spricht Wi-Fi 6 und Zigbee 3.0, dazu Bluetooth 5 LE und Matter-over-WiFi. Damit lässt er sich in die gängigen Plattformen einbinden, von Apple Home über Google Home bis Home Assistant. Konfiguriert wird über die Shelly-App oder das lokale Web-Interface. Letzteres ist für die Home-Assistant-Community der entscheidende Punkt: kein Cloud-Zwang.
Strom kommt über USB-C bei 5 Volt. Das heißt: eine Steckdose muss in der Nähe sein, Batteriebetrieb gibt es nicht. Bei einem Sensor, der dauerhaft Radar betreibt, ist das erwartbar.
Clevere Extras

Zwei Features stechen heraus. Erstens: eine Live-Präsenzkarte in der Shelly-App, die in Echtzeit zeigt, wo im Raum sich Personen befinden. Das kennt man vom Aqara FP2, aber bei Shelly ist es die erste Implementierung dieser Art.
Zweitens: Filter für Haustiere und Saugroboter. Wer eine Katze hat, weiß, dass Präsenzsensoren ohne Tierfilter regelmäßig Fehlalarme produzieren. Shelly hat das offenbar mitgedacht. Ob der Filter in der Praxis zuverlässig arbeitet, muss sich zeigen.
Preis und Verfügbarkeit
Der Shelly Presence Gen4 ist im Shelly Europe Store in Schwarz und Weiß für 69,98 Euro gelistet. Bei Amazon ist er aktuell noch nicht verfügbar, zumindest habe ich ihn bei einer manuellen Suche heute morgen nicht entdecken können. Zum Vergleich: Der Aqara FP2 liegt bei rund 60 Euro, der Meross MS605 bei etwa 38 Euro. Allerdings hat beim MS605 die Präsenzerkennung im Test nicht zuverlässig funktioniert. Shelly positioniert sich damit am oberen Ende des Segments, bietet dafür aber deutlich mehr Zonen und Protokolle als die Konkurrenz.
Einschätzung
Auf dem Papier ist der Shelly Presence Gen4 der ambitionierteste Neuzugang im mmWave-Markt. Die Spezifikationen übertreffen die Konkurrenz in mehreren Punkten. Aber mmWave-Sensoren leben und sterben mit der Software. Die Genauigkeit der Zonenerkennung und die Zuverlässigkeit der Personenzählung entscheiden, ob das Ding im Alltag taugt. Der Aqara FP2 hat das nach anfänglichen Firmware-Problemen inzwischen gut im Griff. Ob Shelly auf Anhieb liefert, ist die offene Frage. Ich würde sie gerne beantworten, wenn das Ding nicht gerade 70 Euro kosten würde.
Wer in der Shelly-Welt zuhause ist und auf einen Präsenzsensor wartet: Die Amazon-Listings deuten auf einen baldigen Verkaufsstart hin. Wer schon einen Aqara FP2 im Einsatz hat, hat keinen Grund zur Eile. Wer mit dem Meross MS605 hadert, hat jetzt eine Alternative. 70 Euro sind aber auch eine Ansage!





