Das Mähroboter Nachtfahrverbot, über das im April der Deutsche Städtetag gesprochen hatte, ist jetzt als Antrag im Bundestag gelandet. Die Grünen-Fraktion will die Hersteller verpflichten, ab 2027 bei Neugeräten den Nachtbetrieb in der Firmware zu sperren. Bestandsgeräte mit Helligkeitssensor, App-Steuerung oder Internetverbindung sollen bis März 2027 ein kostenloses Software-Update bekommen, das dasselbe nachholt. Und bis 2030 soll eine eigene Zertifizierung kommen, die Igel-Erkennung als Verkaufsvoraussetzung festschreibt.
Was die Grünen genau fordern, und ab wann es greifen soll
Der Antrag (PDF im iphone-ticker-Bericht verlinkt) definiert die Nachtzeit als eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang. Für ab 2027 neu verkaufte Mähroboter soll der Betrieb in diesem Zeitfenster über die Firmware unmöglich werden, unabhängig davon, was der Nutzer in der App einstellt. Für Geräte, die schon im Garten stehen, sollen die Hersteller bis spätestens März 2027 kostenlose OTA-Updates bereitstellen, sofern die Hardware die Voraussetzungen mitbringt: Helligkeitssensor, Internetverbindung oder App-Steuerung. Bei reinen Offline-Modellen ohne diese Bauteile lässt sich die Sperre technisch nicht durchsetzen, die fallen aus dem Antrag heraus.
Eine Ausnahme sehen die Grünen für Vereinssportplätze vor. Wer also auf dem Fußballplatz nachts mäht, weil tagsüber Trainingsbetrieb ist, kann das weiter tun. Privatgärten und kommunale Flächen sind raus.
Die Argumentation für die technische Lösung statt für ein Nutzervorgaben-Modell ist pragmatisch: Eine Vorschrift, die in der Bedienungsanleitung steht, lässt sich praktisch nicht kontrollieren. Eine Firmware-Sperre schon. Das verlagert den Aufwand vom Verbraucher und vom Ordnungsamt zum Hersteller, der die Vorgabe einmal in den Code schreibt und damit fertig ist.
Die Zertifizierung bis 2030 ist der wichtigere Teil
Das Nachtfahrverbot betrifft eine Verhaltensregel, die viele Käufer ohnehin schon befolgen. Wer nachts mäht, macht das nicht aus Notwendigkeit, sondern weil die App es zulässt und der Robomäher dann das WLAN nicht so sehr stört. Die meisten Mähroboter werden tagsüber laufen, weil Hersteller die App-Defaults so setzen. Die größere Bewegung im Antrag ist die geplante Zertifizierung bis 2030: ein standardisiertes Prüfverfahren für Igel-Erkennung und Umfahrung, das gemeinsam mit Naturschutzverbänden, Wissenschaft und dem Bundesamt für Naturschutz entwickelt werden soll. Wer die Zertifizierung nicht besteht, darf das Gerät nicht mehr verkaufen.
Das trifft alle Hersteller in der Kategorie. Eufy, Mammotion, Ecovacs, Dreame, Husqvarna, Worx, Gardena, Segway, DJI, Stihl, Bosch, Yarbo, Sunseeker. Die meisten von ihnen werben heute schon mit Tiererkennung oder Igel-Schutz in den Marketing-Folien, aber es gibt keinen einheitlichen Prüfstandard, an dem sich die Versprechen messen lassen. Unabhängige Tests in den letzten zwei Jahren haben regelmäßig gezeigt, dass die KI-Erkennung bei Dämmerung und in der Nacht schlechter wird, weil Kameras blind sind und reine RTK- oder LiDAR-Systeme einen Igel als statische Bodenunebenheit klassifizieren.
Wer in den letzten Monaten unsere Texte zur Navigation in LiDAR, RTK und Vision gelesen hat, weiß warum das nicht trivial ist. Vision-Systeme wie bei Eufy C15, Mammotion LUBA mini oder Ecovacs GOAT O1200 sehen nachts nichts, weil sie auf das sichtbare Spektrum angewiesen sind. RTK-only-Roboter haben gar keine Sensorik, die einen Igel von einem Maulwurfshügel unterscheidet. LiDAR sieht zwar bei Dunkelheit, klassifiziert aber nicht. Eine Zertifizierung würde von den Herstellern verlangen, eine Kombination aus IR-Kamera, mmWave-Radar oder Wärmebild zu liefern, die auch nachts funktioniert. Das treibt die Hardware-Kosten hoch und ist gleichzeitig der einzige technische Weg.
Was das für Käufer 2026 bedeutet
Nicht viel. Wer dieses Jahr einen Mähroboter kauft, muss nicht warten. Das Nachtfahrverbot betrifft den Standard-Betrieb, den die App ohnehin so vorschlägt. Die Zertifizierung kommt frühestens 2030 als Verkaufsvoraussetzung, also lange genug, dass aktuelle Geräte ihr Leben durchziehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet schon heute beim Kauf darauf, ob das Modell explizit eine Tiererkennung mit Beleg liefert. Eufy verweist auf seine TrueVision-Modelle, Segway dokumentiert die Tierfreundlichkeit als eigene Einstellung in der Navimow-App. Mammotion hat IR-Hindernis-Sensoren in die LUBA-3-Serie eingebaut, die genau auf solche Szenarien zielen.
Spannender ist die Frage, was mit den Hardware-Roadmaps der Hersteller passiert. Wenn die Zertifizierung wirklich Vorschrift wird, müssen alle Hersteller eine standardisierte IR- oder Wärmesensorik nachrüsten oder in Neugeräte einbauen. Das wird die Preisstufe unter 500 Euro sehr eng machen. Discount-Modelle wie Roborock RockMow oder die günstigeren Dreame A-Varianten leben heute davon, dass sie auf solche Spezial-Sensorik verzichten. Wer in den nächsten zwei Jahren ein günstiges Vision-Modell kauft und in drei Jahren feststellt, dass es kein Zertifikat hat, kriegt zwar weiterhin Updates, aber Wiederverkaufswert sinkt.
Die Hersteller-Reaktion ist noch offen
Bisher hat keiner der großen Mähroboter-Hersteller öffentlich auf den Antrag reagiert. Was naheliegt, denn es ist ein Antrag, keine Gesetzgebung. Der Bundestag muss erst beraten, der Bundesrat danach zustimmen. Übergangsfristen kommen hinterher. Für die Hersteller wäre die schnelle Lösung, freiwillig ein eigenes Igel-Siegel zu starten, bevor der Staat eines vorschreibt. Eufy und Mammotion haben so etwas vorbereitet, mit eigenen „Hedgehog Safe“- oder „Animal Aware“-Bezeichnungen in den Produktdaten. Ob daraus ein gemeinsamer Industrie-Standard wird oder jeder weiter sein eigenes Marketing-Wort findet, hängt davon ab, wie ernst der Bundestag den Antrag jetzt nimmt.
Für Käufer ist die wichtigste Botschaft: keine Panik, keine Kaufzurückhaltung, aber bei Vergleichen jetzt auf Tiererkennung achten. Und wer einen Roboter aus der zweiten Reihe besitzt, ohne IR-Sensor und ohne klare Igel-Logik, sollte ihn ohnehin nachts ausschalten. Das war schon vor dem Antrag die richtige Antwort. Jetzt ist sie es nur noch deutlicher.





