Kameras in ein Smart-Home-System einbinden klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht. Wer einen Homey Pro im Schrank stehen hat, kennt das Problem: Kameras waren bisher Inseln. Man konnte sie angucken, aber sie konnten nichts auslösen. Das ändert sich jetzt. Reolink hat am 8. April eine offizielle Integration mit Homey angekündigt, und die hat es in sich.
Was die Reolink-Homey-Integration kann
Die Kurzversion: Reolink-Kameras werden zu vollwertigen Triggern für Homey Flows. Die eingebaute KI-Erkennung unterscheidet zwischen Personen und Fahrzeugen, erkennt aber auch Haustiere separat. Jede dieser Kategorien lässt sich als Bedingung in einem Flow (Homeys Bezeichnung für Automationen) nutzen.
Das Beispiel aus der Pressemitteilung: Eine Person wird im Garten erkannt. Daraufhin startet automatisch ein „On Watch“-Modus. Terrassenlichter gehen an, Rollos im Wohnzimmer schließen sich, andere Kameras starten die Aufzeichnung. Alles über einen einzigen Homey Flow, ausgelöst durch ein Kamera-Event.
Neben den KI-Triggern bietet die Integration auch direkte Aktionen:
- Schnappschüsse bei Events auslösen
- Kamera-Spotlights ein- und ausschalten
- Sirenen aktivieren
- Pan-Tilt-Steuerung bei schwenkbaren Kameras
- Klingel- und Bewegungsbenachrichtigungen in Echtzeit
Welche Kameras funktionieren
Unterstützt werden Reolinks WiFi-, PoE- und NVR-Systeme. Ausgenommen sind 4G/LTE-Modelle. Wer also eine Reolink-Kamera per WLAN oder Netzwerkkabel im Einsatz hat, ist dabei. Die Einrichtung läuft über eine neue Reolink-App im Homey App Store: installieren, Kameras hinzufügen, Flows bauen.
Warum das für Homey-Nutzer eine große Sache ist
Homey verbindet laut Athom über 50.000 Geräte von mehr als 1.000 Marken. Kameras waren bisher trotzdem ein blinder Fleck. Andere Plattformen wie Home Assistant haben Kamera-Integrationen seit Jahren, etwa über Frigate oder ONVIF. Homey hinkte hinterher.
Stefan Witkamp, CEO von Athom, formuliert es in der Pressemitteilung so: „Eine Kamera, die jemanden erkennt und dann deine Türen verriegelt, das Licht einschaltet und dir ein Foto schickt, das ist ein Smart Home.“ Klingt nach Marketing, ist aber im Kern richtig. Kameras ohne Anbindung an den Rest des Hauses sind Überwachung. Mit Anbindung werden sie zu Sensoren.
Athom gehört seit 2024 zu LG Electronics. Die Übernahme hat dem kleinen niederländischen Smart-Home-Spezialisten offensichtlich Zugang zu Partnerschaften eröffnet, die vorher nicht drin waren. Die Reolink-Integration ist dafür ein gutes Beispiel.
Einschätzung
Die Reolink-Homey-Integration ist kein technischer Durchbruch. Home Assistant konnte das schon. Aber für Homey-Nutzer, die bewusst keine HA-Instanz pflegen wollen, ist es der erste echte Zugang zu kamerabasierter Automatisierung. Personen- und Tiererkennung als Flow-Trigger, ohne Frigate aufzusetzen, ohne Docker-Container zu managen.
Wer Reolink-Kameras und einen Homey Pro besitzt: Homey App Store öffnen, Reolink suchen, loslegen. Wer eine andere Kameramarke nutzt, wartet weiter. Ring, Eufy und Arlo sind bisher nicht offiziell dabei. Ich müsste irgendwo noch eine Reolink eingemottet auf dem Dachboden haben. Ich bin aber zu faul um mich nach da oben zu wagen.





