Thermostate gibt es viele. tado, Eve, Homematic IP, Ecobee. Die meisten können eins gut: Heizung regeln. Der Aqara Thermostat Hub W200 will mehr. Seit gestern ist er in Nordamerika verfügbar, und was Aqara da in ein Wandgerät gepackt hat, verdient einen genaueren Blick.
Vier Geräte in einem Gehäuse
Der W200 ist ein Thermostat mit 4-Zoll-Touchscreen (480 × 480 Pixel). So weit, so normal. Aber im gleichen Gehäuse stecken auch ein Zigbee-Hub, ein Thread-Border-Router und ein Matter-Controller. Das heißt: Wer bisher einen separaten Aqara Hub und ein separates Thermostat brauchte, braucht jetzt nur noch ein Gerät.
Über den W200 lassen sich laut Aqara mehr als 50 Gerätetypen steuern, sowohl eigene Zigbee-Sensoren als auch Matter-Geräte von Drittanbietern. Dual-Band-WLAN (2,4 und 5 GHz) ist ebenfalls an Bord. Kompatibel mit Apple Home, Google Home, Alexa, SmartThings und Home Assistant.
Apple Adaptive Temperature: Was steckt dahinter?

Das Alleinstellungsmerkmal des W200 ist die Unterstützung von Apple Adaptive Temperature. Das ist ein Feature, das Apple mit iOS 26 eingeführt hat, bisher aber kein Thermostat unterstützt hat. Der W200 ist das erste Gerät überhaupt.
Adaptive Temperature nutzt Daten vom iPhone: Standort, Kalender, Tagesroutinen, Apple Maps. Daraus leitet das System ab, ob man zuhause ist, schläft, unterwegs ist oder länger verreist. Für jeden Zustand lässt sich ein Temperaturbereich festlegen. Das Thermostat wechselt automatisch zwischen Heizen, Kühlen und Aus. Kommt man nach Hause, heizt es rechtzeitig vor, basierend auf der geschätzten Ankunftszeit.
Dazu kommt Clean Energy Guidance. Das Feature analysiert, wann das lokale Stromnetz besonders sauber arbeitet, und verschiebt Heiz- und Kühlzyklen in diese Zeitfenster. Nicht revolutionär, aber ein netter Bonus für alle, denen der CO₂-Fußabdruck ihres Thermostats nicht egal ist.
mmWave-Radar und Sicherheits-Features
Im W200 sitzt ein mmWave-Radar (Millimeterwellen-Sensor, erkennt Anwesenheit auch bei Stillsitzen) mit 3 Metern Reichweite und 120° Erfassungswinkel. Damit kann das Thermostat erkennen, ob jemand im Raum ist, und die Temperatur entsprechend anpassen. Kein PIR-Sensor, der nur Bewegung erkennt, sondern echte Präsenzerkennung.
Wer Aqara-Türklingeln und Schlösser hat, kann über den Touchscreen Live-Bilder der Türklingel anzeigen und die Haustür per Tap entriegeln. Das macht den W200 zur kleinen Schaltzentrale an der Wand.
Preis und Verfügbarkeit
Der Aqara Thermostat Hub W200 kostet 159,99 USD und ist ab sofort bei Amazon, Best Buy und Home Depot in Nordamerika erhältlich. Eine Matte-Kit-Version kommt im September exklusiv über den Apple Store für 169,99 USD.
Für Europa gibt es noch kein Datum. Aqara bringt Produkte aber typischerweise innerhalb weniger Monate nach dem US-Launch auch nach Deutschland. Der W200 ist kompatibel mit rund 85 Prozent aller HVAC-Systeme: Öfen, Klimaanlagen, Wärmepumpen, Boiler und PTAC-Geräte.
Einordnung: Wie schlägt sich der W200 gegen tado und Eve?
Der direkte Vergleich ist noch schwierig, weil der W200 ein anderes Konzept verfolgt. tado und Eve Thermo sind Heizkörperthermostate, die direkt am Ventil sitzen. Der W200 ist ein Wandthermostat für HVAC-Systeme, wie man sie vor allem in Nordamerika findet. In deutschen Altbauten mit Heizkörpern ist er damit erstmal nicht direkt einsetzbar.
Was ihn trotzdem interessant macht: die Kombination aus Thermostat und Matter-Hub. Wer ohnehin einen Aqara Hub braucht und ein kompatibles Heizsystem hat, spart sich ein Gerät. Und die Apple-Integration mit Adaptive Temperature ist aktuell konkurrenzlos.
Für den deutschen Markt bleibt abzuwarten, ob Aqara eine Version für europäische Heizungsanlagen bringt. Der Hub-Part allein wäre den Preis schon fast wert.





