Smartes Heizen klingt nach einem gelösten Problem. Ist es nicht. Wer sich durch die Angebote klickt, landet schnell bei monatlichen Abos, Cloud-Pflicht und Apps, die mehr über einen wissen als der Hausarzt. Das Eve Thermo in der 5. Generation und das Eve Thermo Control versprechen das Gegenteil: Matter over Thread, kein Account, kein Abo, keine Cloud. Einen Thread Border Router braucht man trotzdem, aber den haben viele schon im Haus. Ich habe das Comfort Set im Alltag getestet und wollte wissen, ob das wirklich so unkompliziert ist wie auf der Verpackung.
Eve hat mir das Eve Thermo und Eve Thermo Control für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vorgaben, was ich schreiben soll, gab es keine.
Was im Karton steckt
Das Eve Thermo der 5. Generation ist ein smartes Heizkörperthermostat mit M30x1,5-Gewinde, passt also auf die meisten Heizkörper in Deutschland ohne Adapter. 54 x 67 x 85 mm, kompakter und schlanker als die 4. Generation, mattweiß mit einem kleinen LED-Display an der Front. Wichtigster Unterschied zum Vorgänger: Die 5. Gen bringt Matter 1.4 ab Werk mit. Kein Firmware-Upgrade nötig, kein Umweg über HomeKit. QR-Code scannen, fertig. Zwei AA-Batterien liegen bei, ein Ventil-Adapter-Set für Danfoss-Ventile ebenfalls. Die Montage dauert keine fünf Minuten: altes Thermostat abschrauben, Eve draufschrauben, in der App koppeln.
Das Eve Thermo Control sieht aus wie ein kleiner weißer Würfel. 54 x 54 x 19 mm, ein E-Ink-Display mit 320 x 320 Pixeln auf der Front, USB-C zum Laden auf der Rückseite. E-Ink = die gleiche Technik wie in E-Book-Readern. Das Display verbraucht nur Strom wenn es sich ändert, deshalb hält der Akku laut Eve rund sechs Monate. Das Control ist kein Thermostat, sondern ein Raumsensor mit Steuerungsfunktion. Es misst die Temperatur dort wo man es hinstellt und sagt dem Eve Thermo am Heizkörper, wann es aufdrehen oder drosseln soll.
Zusammen bilden beide das Eve Comfort Set. Eve ruft eine UVP von 159,95 Euro auf, bei Amazon liegt das Set aktuell bei rund 120 Euro, also knapp 25 Prozent unter UVP. Einzeln kostet jedes Gerät 79,95 Euro. Wer nur ein Thermostat ohne Raumsensor will, kann das Thermo auch allein betreiben.
Im Apple-Ökosystem das beste smarte Thermostat ohne Cloud-Zwang. Das Thermo Control löst das Grundproblem aller Heizkörperthermostate. Wer kein Apple hat, wartet besser.

Eve Thermo im Alltag
Die Einrichtung läuft über die Eve-App oder direkt über Apple Home. Ich habe beides ausprobiert. Die Eve-App ist übersichtlicher und bietet mehr Einstellungen, Apple Home reicht aber für den Anfang. Nach dem Koppeln per Thread taucht das Thermostat als Matter-Gerät auf und lässt sich jedem kompatiblen System zuweisen. Bei mir läuft es parallel in Apple Home und auf dem Homey Pro. Montiert habe ich es im Badezimmer im Obergeschoss, direkt neben einem tado-Thermostat, das dort seit Monaten läuft. Besserer Vergleich geht nicht.



Im täglichen Betrieb vergisst man das Ding. Das ist ein Kompliment. Die Eve-App bringt fertige Zeitplan-Vorlagen mit: Standard, Badezimmer, Keller, jeweils mit sinnvollen Temperaturkurven über den Tag. Man kann sie übernehmen oder eigene bauen. Morgens 21 Grad, nachts runter auf 17 Grad, tagsüber wenn niemand da ist auf 18 Grad. Das Thermostat fährt den Heizkörper rechtzeitig hoch, damit die Zieltemperatur zum eingestellten Zeitpunkt erreicht ist. Eve nennt das vorausschauendes Heizen. In der Praxis heißt das: Wenn ich morgens ins Bad komme, ist es schon warm. Nicht erst in zwanzig Minuten.
Was positiv auffällt: Das Thermostat ist leise. Kein Klacken, kein Surren, kein Geräusch mitten in der Nacht. Das tado daneben ist hörbar lauter beim Regeln. Die Bedienung am Gerät selbst funktioniert über eine Touch-Fläche an der Oberseite. Temperatur hoch, Temperatur runter, das LED-Display zeigt den aktuellen Wert. Minimalistisch, aber ausreichend.
Dazu kommen ein paar Extras, die man erst in den Einstellungen entdeckt: Fenstererkennung, die das Heizen stoppt wenn jemand lüftet. Ventilschutz gegen Kalkablagerungen in der Heizsaison-Pause. Eine Kindersicherung, damit kleine Finger nicht die Temperatur verstellen. Ein Urlaubsmodus, der alle Zeitpläne außer Kraft setzt und eine konstante Temperatur hält. Und eine Energiekosten-Übersicht in der Eve-App, die den Verbrauch nachvollziehbar macht. Keines dieser Features steht auf der Verpackung, aber in der Summe zeigen sie dass Eve bei der 5. Generation an die Details gedacht hat.
Ein Punkt, der mir erst nach ein paar Tagen aufgefallen ist: Das Eve Thermo misst die Temperatur direkt am Heizkörper. Logisch, es sitzt ja drauf. Das Problem: Direkt am Heizkörper ist es immer wärmer als mitten im Raum. In den Einstellungen kann man eine Temperaturabweichung manuell setzen, um das auszugleichen. Aber woher weiß man, wie viel Grad Differenz man eintragen soll? Raten? Thermometer danebenstellen? Genau hier kommt das Thermo Control ins Spiel.
Was das Thermo Control verändert
Das Thermo Control stellt man dahin wo man sich aufhält. Couchtisch, Regal, Nachttisch. Es misst die tatsächliche Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit an genau der Stelle, die zählt. Per Matter Binding kommuniziert es direkt mit dem Eve Thermo am Heizkörper, ohne Umweg über einen Hub oder eine Cloud. Matter Binding = eine direkte Gerät-zu-Gerät-Verbindung über das Matter-Protokoll. Die beiden Geräte reden miteinander, ohne dass ein Server dazwischenhängt.
Der Unterschied im Alltag ist spürbar. Ohne das Control zeigte mein Thermostat 21 Grad an, zwei Meter weiter am Waschbecken waren es gemessen 19,4 Grad. Mit dem Control regelt das System jetzt auf die tatsächliche Raumtemperatur. Das Thermo am Heizkörper dreht so lange auf, bis das Control die Zieltemperatur meldet. Klingt simpel, macht aber einen echten Unterschied wenn man morgens nicht mehr friert und sich fragt warum das Thermostat doch angeblich 21 Grad liefert.
Das E-Ink-Display zeigt aktuelle Temperatur, Zieltemperatur und Luftfeuchtigkeit, dazu ein kleines Icon für den aktuellen Heizstatus. In der App lässt sich das Display-Layout umschalten: nur aktuelle Temperatur oder Zieltemperatur, und ob man die Temperatur direkt am Control per Tippen ändern kann. Nicht spektakulär, aber mehr als man bei einem 80-Euro-Sensor erwartet. Ein Thermo Control kann bis zu fünf Eve Thermos gleichzeitig steuern, praktisch wenn ein Raum mehrere Heizkörper hat.
Zur Akkulaufzeit: Eve verspricht sechs Monate. Nach einigen Wochen im Einsatz steht der Akku bei 50 Prozent. Laden per USB-C dauert knapp zwei Stunden. Sechs Monate werden das bei mir nicht, eher drei bis vier. Hängt vermutlich davon ab wie oft das Display aktualisiert und wie aktiv das Thread-Netzwerk ist.

Matter, Thread und was das im Alltag wirklich heißt
Matter ist der Smart-Home-Standard, auf den sich Apple, Google, Amazon und Samsung geeinigt haben. Thread ist das Funkprotokoll darunter, ein Mesh-Netzwerk in dem sich Geräte gegenseitig als Signalverstärker nutzen. Das Eve Thermo braucht keinen eigenen Eve-Hub und keine Eve-Cloud. Was es allerdings braucht: einen Thread Border Router im Netzwerk. Thread Border Router = ein Gerät das die Brücke zwischen dem Thread-Funknetz und dem Heimnetzwerk bildet. Ohne dieses Gerät kann das Thermostat nicht mit der App oder Sprachassistenten kommunizieren.
Viele haben so ein Gerät bereits zu Hause stehen, ohne es zu wissen. HomePod mini, HomePod der zweiten Generation, Apple TV 4K, Amazon Echo ab der vierten Generation, Google Nest Hub oder der Homey Pro übernehmen diese Rolle. Einen separaten Kauf braucht es nur wenn keines dieser Geräte vorhanden ist.
Die Eve-App bringt dazu vorgefertigte Szenen mit: „Gute Nacht“, „Guten Morgen“, „Zuhause ankommen“, „Zuhause verlassen“. Die lassen sich per Siri oder Fingertipp auslösen und steuern alle Eve-Thermos gleichzeitig. Dazu kommt eine Kalender-Integration: Eve erkennt Feiertage und freie Tage aus dem iPhone-Kalender und passt die Zeitpläne automatisch an. Durchdacht.
Bei mir läuft das Thermo in Apple Home und parallel auf dem Homey Pro. In Apple Home war die Einrichtung reibungslos, QR-Code scannen, fertig. Beim Homey Pro fingen die Einschränkungen an. Die 5. Generation koppelt sich zwar direkt per Matter, ohne den Firmware-Umweg den die 4. Gen noch brauchte. Temperatur hoch und runter geht über den Homey, auch Kindersicherung und Urlaubsmodus. Aber Zeitpläne und das Matter Binding mit dem Thermo Control werden nicht übertragen. Die laufen nur über die Eve-App. Automationen über Homey Flows sind möglich, aber nur als einfache Temperatur-Befehle, nicht als vollwertige Heizlogik.
Ähnlich sieht es bei Home Assistant aus. Das Eve Thermo lässt sich per Matter einbinden, Temperatur steuern funktioniert. Aber das Matter Binding zwischen Thermo und Thermo Control lässt sich darüber nicht einrichten. Auch Google Home und Amazon Alexa bleiben auf Basis-Steuerung beschränkt: Temperatur setzen ja, Binding und Zeitpläne nein.
Und genau das ist das Kernproblem. Das Matter Binding zwischen Thermo und Thermo Control ist das beste Feature des Combos, aber die Ersteinrichtung funktioniert aktuell nur über die Eve-App in Kombination mit Apple Home. Der technische Hintergrund: Für ein Binding muss der Matter-Controller Zugriffsrechte in die sogenannte Access Control List beider Geräte schreiben. Das erlaubt derzeit nur Apple. Google, Amazon und Samsung haben diesen Teil der Matter-Spezifikation schlicht noch nicht implementiert. Das ist kein Eve-Problem, sondern ein Plattform-Problem. Matter Bindings stehen längst in der Spezifikation, aber die großen Plattformen ignorieren sie bisher.
In der Home-Assistant-Community haben Nutzer das Binding manuell über den Matter Server eingerichtet. Es funktioniert. Das beweist: Die Hardware kann es, die Geräte können es, nur die Plattformen blockieren. Wer kein Apple-Gerät hat, kann das Binding Stand April 2026 nicht einrichten und bekommt den Hauptvorteil des Thermo Control nicht. Einen Zeitplan wann Google oder Amazon nachziehen, gibt es nicht.
Was bleibt: Wenn das WLAN ausfällt, heizt die Bude weiter richtig. Das Binding braucht kein Internet. Und Eve ist einer der wenigen Hersteller, bei denen lokal wirklich lokal meint, ohne Account und ohne Server. Die Geräte funktionieren auch wenn Eve morgen den Laden dichtmacht. Aber die Offenheit, die Matter verspricht, löst Eve heute nur zur Hälfte ein.
Was es kostet und was die anderen nehmen
79,95 Euro pro Eve Thermo, 79,95 Euro fürs Thermo Control. Eve verkauft beides als Comfort Set mit einer UVP von 159,95 Euro. Bei Amazon liegt das Set aktuell bei rund 120 Euro, also knapp 25 Prozent unter UVP. Für einen einzelnen Raum mit einem Heizkörper. Wer drei Räume ausstatten will, ist bei Amazon-Preisen bei rund 360 Euro mit Control oder 240 Euro nur mit Thermos.
Zum Vergleich: Das tado X Starter Kit mit Bridge und einem Thermostat liegt bei rund 150 Euro. Jedes weitere Thermostat kostet etwa 65 Euro. Klingt günstiger, aber tado verlangt ein Abo. Ohne das monatliche Premium-Paket für 3,99 Euro fehlen Funktionen wie Geofencing und offene Fenster-Erkennung. Über drei Jahre sind das 143 Euro zusätzlich. Einen externen Raumsensor wie das Thermo Control bietet tado nicht an. Ich habe beide direkt nebeneinander am gleichen Heizkörper laufen. Das Eve ist leiser, das tado hat die ausgereiftere App. Aber das Abo nervt.
Aqara ist die Budget-Alternative. Der Aqara Radiator Thermostat E1 kostet rund 50 Euro, braucht aber einen Aqara-Hub für etwa 40 Euro. Kein Abo, und Matter-Support ist über den Hub als Bridge vorhanden. Allerdings kein Thread, kein Matter Binding, und die Verarbeitung spielt nicht in der gleichen Liga.
| Eve Thermo | tado X | Aqara E1 | |
|---|---|---|---|
| Preis (1 Thermostat) | 79,95 Euro (UVP) | ~65 Euro | ~50 Euro |
| Hub/Bridge nötig | Thread Border Router (oft schon vorhanden) | tado Bridge X (im Kit) | Aqara Hub (~40 Euro) |
| Abo-Kosten | Keine | 3,99 Euro/Monat | Keine |
| Cloud-Zwang | Nein | Ja | Zigbee lokal / Cloud optional |
| Externer Raumsensor | Thermo Control (79,95 Euro) | Nicht verfügbar | Nicht verfügbar |
| Matter Binding | Ja (lokal, Setup nur Apple) | Nein | Nein |
| Homey Pro / HA | Basis-Steuerung, keine Zeitpläne | Basis-Steuerung | Basis-Steuerung |
| Kosten 3 Räume / 3 Jahre | 240 bis 360 Euro (Straßenpreis) | ~340 Euro (inkl. Abo) | ~190 Euro |
Die ehrliche Rechnung: Zum Straßenpreis ist Eve mit Control günstiger als tado mit Abo und spart die Cloud-Abhängigkeit. Ohne Control liegt es auf tado-Niveau. Wer vor allem günstig heizen will, fährt mit Aqara besser. Wer Wert auf Datenschutz und lokale Steuerung legt, landet bei Eve. Wer kein Apple-Gerät hat, sollte sich aber bewusst sein, dass das volle Feature-Set nicht verfügbar ist.
Braucht das Eve Thermo (5. Generation) einen Hub?
Keinen eigenen Eve-Hub, aber einen Thread Border Router im Netzwerk. Das kann ein HomePod mini, Apple TV 4K, Amazon Echo (4. Gen+), Google Nest Hub oder ein Homey Pro sein. Die 5. Generation bringt Matter ab Werk mit, ein Firmware-Upgrade wie bei der 4. Gen ist nicht mehr nötig.
Funktioniert das Eve Thermo mit Home Assistant oder Homey Pro?
Grundsätzlich ja, per Matter. Temperatur steuern und auslesen funktioniert. Zeitpläne, Heizpläne und das Matter Binding mit dem Thermo Control lassen sich darüber aber nicht einrichten. Dafür braucht man die Eve-App und Apple Home.
Lohnt sich das Eve Thermo Control?
Wenn man die Raumtemperatur genau regeln will: ja. Ohne das Control misst das Thermostat nur die Temperatur direkt am Heizkörper, die oft 1-2 Grad über der tatsächlichen Raumtemperatur liegt. Das Control löst genau dieses Problem per Matter Binding.
Eve Thermo oder tado – was ist besser?
Eve punktet bei Datenschutz (kein Abo, keine Cloud, kein Account) und ist zum Straßenpreis günstiger als tado über drei Jahre. Tado hat die ausgereiftere App und funktioniert plattformübergreifend besser. Wer im Apple-Ökosystem ist, fährt mit Eve besser. Wer Android nutzt, eher mit tado.
Fazit
Das Eve Thermo der 5. Generation macht vieles richtig, was andere falsch machen. Kein Abo, kein Account, kein Cloud-Zwang. Matter 1.4 ab Werk, kein Firmware-Umweg mehr. Im Apple-Ökosystem ist die Erfahrung rundherum gut: leise, zuverlässig, das Scheduling funktioniert und das Thermo Control beseitigt das Grundproblem aller Heizkörperthermostate. Die Temperatur am Heizkörper ist eben nicht die Temperatur im Raum, und genau das löst das Binding.
Aber Matter heißt eben noch nicht plattformübergreifend. Wer das Eve Thermo über den Homey Pro oder Home Assistant steuern will, bekommt ein Thermostat das man auf- und zudrehen kann. Zeitpläne, Binding, das volle Programm: nur mit Apple. Das ist streng genommen nicht Eves Schuld. Die Matter-Spezifikation kann Bindings, die Hardware kann es, aber Google, Amazon und Samsung haben es einfach noch nicht eingebaut. Trotzdem bleibt das Ergebnis das gleiche: Wer kein Apple-Gerät hat, bekommt die halbe Erfahrung.
Zum Straßenpreis von rund 120 Euro fürs Comfort Set ist es ein fairer Deal, wenn man im Apple-Ökosystem unterwegs ist. Für alle anderen: abwarten, bis Matter Bindings plattformübergreifend funktionieren. Oder sich damit arrangieren, dass man ein sehr gutes Thermostat kauft, dessen bestes Feature man nicht nutzen kann.






