Als die CSA im Herbst 2025 mit Matter 1.5 endlich Kamera-Support einführte, war die Begeisterung groß und die Ernüchterung schnell. Ein Videostream pro Kamera, keine modernen Bildformate, wackeliges PTZ-Verhalten. Für ein Protokoll, das Kameras herstellerübergreifend vereinheitlichen soll, war das dünn. Jetzt kommt Matter 1.5.1, und die CSA hat an den richtigen Stellen nachgelegt.
Was Matter 1.5.1 bei Kameras ändert
Die wichtigste Neuerung: Multi-Stream-Support. Eine Matter-Kamera kann jetzt mehrere Videostreams gleichzeitig liefern, in unterschiedlichen Auflösungen und für unterschiedliche Zwecke. Hohe Auflösung für die Cloud-Aufnahme, eine leichtere Version fürs Handy, ein separater Feed für Videoanalyse oder KI-Erkennung. Bisher musste jeder verbundene Dienst seinen eigenen Stream ziehen, was Bandbreite und Prozessor belastete. Das wird jetzt in einer einzigen Session gebündelt.
Dazu kommt HEIC-Support für Schnappschüsse (High Efficiency Image Container, das Bildformat, das Apple seit Jahren auf iPhones nutzt). Bessere Bildqualität bei kleineren Dateien als JPEG. Für aufgezeichnete Videos unterstützt Matter jetzt außerdem HLS- und DASH-Streaming über das CMAF-Profil. Klingt technisch, bedeutet in der Praxis: Matter-Kameras lassen sich besser in Cloud-Dienste einbinden, weil sie die gleichen Streaming-Standards sprechen wie der Rest der Branche.
Besseres PTZ und zuverlässigere Türklingeln
Schwenk-Neige-Zoom-Kameras (PTZ) bekommen mehr Flexibilität bei der Positionierung. Konkret: Wenn die Ruheposition einer Kamera am Rand ihres physischen Schwenkbereichs liegt, kam es bisher zu Problemen. Das ist jetzt behoben. Klingt nach einer Kleinigkeit, betrifft aber viele Eck- und Wandmontagen.
Türklingeln und Gegensprechanlagen werden ebenfalls stabiler. Klingeltöne lassen sich jetzt gezielt vom Controller anfordern statt nur den Standardton abzuspielen. Integrierte Klingel-Lautsprecher werden als eigener Gerätetyp sauberer erkannt.
Welche Kameras das betrifft
Matter-Kameras gibt es bisher nur von einer Handvoll Hersteller. Aqara hat mit der Camera Hub G350 die erste Matter-zertifizierte Kamera auf dem Markt, die gleichzeitig als Matter-Controller fungiert. Xthings bietet mit der Ulticam IQ V2 eine 4K-Kamera mit PoE für rund 199 Dollar. Eve Systems hat Matter-Kameras angekündigt, aber noch kein konkretes Datum genannt.
Auf Plattformseite ist Samsung SmartThings aktuell das einzige Ökosystem, das Matter-1.5-Kameras aktiv unterstützt. Apple Home und Google Home werden folgen, ein Zeitplan fehlt aber noch. Die offizielle Ankündigung der CSA betont, dass 1.5.1 vor allem Herstellern den Einstieg erleichtern soll.
Einordnung: Gut, aber noch früh
Matter 1.5.1 behebt echte Schwächen. Multi-Stream allein macht den Unterschied zwischen „technisch möglich“ und „tatsächlich nutzbar“. Trotzdem ist das Kamera-Ökosystem über Matter noch dünn. Drei Hersteller, eine Plattform mit vollem Support, keine der großen Marken wie Ring, Eufy oder Reolink an Bord. Wer heute eine smarte Kamera braucht, kauft weiterhin in geschlossenen Ökosystemen.
Aber die Richtung stimmt. Und wenn Apple Home und Google Home in den kommenden Monaten nachziehen, könnte die CES 2027 der Moment werden, an dem Matter-Kameras in der Breite ankommen. Bis dahin: abwarten, nicht ärgern.





