Matter 1.6 ist seit heute offiziell, und anders als beim letzten großen Sprung gibt es diesmal keine neue Geräteklasse zu bestaunen. Die Connectivity Standards Alliance hat den Standard stattdessen dort angefasst, wo er im Alltag bisher hakt: beim Einrichten und beim Zusammenspiel mehrerer Systeme. Klingt unspektakulär. Ist aber genau das, woran Matter seit Jahren krankt.
- NFC-Commissioning: Geräte per Antippen einrichten, ohne Bluetooth und sogar vor dem Einschalten
- Joint Fabric: mehrere Ökosysteme teilen sich ein Gerät, das nur noch einen Fabric-Slot belegt
- Thermostat Suggestions: das Ökosystem schickt Empfehlungen statt Befehle
- Keine neuen Geräteklassen wie bei Matter 1.5, dazu Product Security 1.1
- Ab heute für Hersteller verfügbar, im Laden zählt wie immer erst die Umsetzung
NFC-Einrichtung: antippen statt Bluetooth-Geduldsspiel
Die greifbarste Neuerung zuerst. Mit Matter 1.6 lässt sich ein Gerät komplett über NFC einrichten, also den Nahfunk, den du vom kontaktlosen Bezahlen kennst. Bisher lief das sogenannte Commissioning, das erste Anmelden eines Geräts im Netzwerk, am Ende immer über Bluetooth. Das war oft die Stelle, an der es klemmte. Jetzt reicht es, das Smartphone an das Gerät zu halten.
Der Clou: Das funktioniert sogar, bevor das Gerät überhaupt Strom hat. Eine Deckenlampe lässt sich anmelden, bevor sie in die Fassung kommt, ein Unterputzschalter, bevor die Phase draufliegt. Wer schon mal mit dem Handy unter der Decke einen winzigen QR-Code gesucht hat, weiß, warum das eine echte Erleichterung ist. Die Zugangsdaten stecken im NFC-Chip und können nicht verloren gehen. Schon Thread 1.4 hatte das Anmelden vereinfacht, Matter zieht hier nach.
Joint Fabric: der zweite Versuch gegen das Multi-Admin-Chaos

Der spannendere Teil steckt im Hintergrund. Wer seine Geräte in mehr als einem System nutzt, etwa Apple Home und Home Assistant parallel, kennt das Konzept der Fabrics. Jedes Ökosystem, das ein Matter-Gerät einbindet, belegt darauf einen eigenen Slot. Und davon gibt es weniger, als man denkt.
Joint Fabric dreht das um. Statt dass jedes System sein eigenes Süppchen kocht, teilen sich mehrere autorisierte Steuerzentralen einen gemeinsamen Pool. Ein Gerät taucht dann in jedem beteiligten System auf, belegt aber nur noch einen einzigen Slot. Für Mehr-Plattform-Haushalte und für Szenarien wie die Wohnungsübergabe im Neubau ist das genau der richtige Ansatz. matter-smarthome.de hat die Technik dahinter gut aufgedröselt.
Matter 1.4 versprach 2024 praktisch dasselbe. Umgesetzt hat es bis heute kein einziges Ökosystem.
Denn schon Matter 1.4 hatte 2024 mit „Enhanced Multi-Admin“ fast dasselbe Ziel verfolgt, und umgesetzt hat es bis heute niemand. Wer wie ich seine Geräte real über zwei Matter-Controller laufen lässt, hat von dieser angekündigten Vereinfachung in der Praxis nie etwas gesehen. Joint Fabric geht laut Alliance einen neuen Architektur-Weg, nicht über die alte Synchronisierung. Ob das den Unterschied macht, entscheidet sich nicht im Standard, sondern daran, ob Apple, Google und die anderen es einbauen. Mein Blick auf Matter 1.5 ein halbes Jahr nach Release war da ernüchternd.
Thermostat Suggestions: das Thermostat darf jetzt Nein sagen
Die dritte Neuerung ist eine kleine, aber kluge Verschiebung. Bisher schickt ein Smart-Home-System dem Heizkörperthermostat einen Befehl, und das führt ihn aus, Punkt. Mit Matter 1.6 kann das System stattdessen eine zeitlich begrenzte Empfehlung schicken. Das Thermostat entscheidet dann anhand seiner eigenen Logik und der Nutzervorgaben, ob es sie übernimmt.
Das klingt nach Detail, ist im Alltag aber ein Gewinn. Wer schon mal von Hand die Temperatur hochgedreht hat und Sekunden später vom automatischen Zeitplan überstimmt wurde, kennt das Ärgernis. Interessant wird es bei dynamischen Stromtarifen, wo die Heizung auf den Preis reagieren soll, ohne dir bei jeder Preisspitze die manuelle Einstellung wegzunehmen. Wie schlau das läuft, hängt aber von der Umsetzung jedes Herstellers ab. Der Standard gibt nur den Rahmen vor.
Dazu kommen ein paar leisere Verbesserungen: Sicherheitssensoren können jetzt auch ihren Ereignisverlauf teilen, Rauch- und CO-Melder signalisieren, wenn sie von ihrer Halterung abgenommen wurden, und Geräte beschreiben ihre Fähigkeiten einheitlicher, damit jedes Ökosystem dieselben Infos anzeigt. Parallel hat die Alliance mit Product Security 1.1 die Sicherheitsanforderungen nachgezogen.
Gut gedacht. Jetzt sind die Hersteller dran.
Matter 1.6 ist kein Schaufenster-Update mit neuen Geräten, sondern Reparaturarbeit am Fundament. Und die Reihenfolge stimmt: Die NFC-Einrichtung ist der Teil, der dir sofort hilft, sobald die ersten Geräte sie können, weil sie ein konkretes Alltagsärgernis löst. Joint Fabric ist der wichtigere, aber auch der unsicherere Posten. Die Idee ist richtig, die Erfolgsbilanz solcher Ankündigungen bei Matter ist es nicht.
Für dich heißt das gerade nichts Akutes. Es braucht neue Geräte und Plattform-Updates, bis etwas davon im Wohnzimmer ankommt. Spannend wird der Herbst, wenn die ersten Hersteller zeigen, ob sie Joint Fabric anfassen oder ob es der nächste Eintrag auf der Liste der gut gemeinten Matter-Features wird, die nie jemand eingebaut hat. Ich schau dann nach. Wie bei 1.5.
FAQ zu Matter 1.6
Was ist der Unterschied zwischen Matter 1.6 Joint Fabric und dem Enhanced Multi-Admin aus Matter 1.4?
Matter 1.4 versuchte 2024 mit Enhanced Multi-Admin dasselbe Ziel zu erreichen: mehrere Ökosysteme sollen sich ein Gerät teilen, ohne mehrere Fabric-Slots zu belegen. Umgesetzt hat es bis heute kein einziges Ökosystem. Matter 1.6 geht laut Connectivity Standards Alliance einen anderen Architekturweg und verzichtet auf die alte Synchronisierungslogik. Ob das die Umsetzung wahrscheinlicher macht, entscheidet sich daran, ob Apple, Google und andere Hersteller Joint Fabric tatsächlich einbauen.
Wie funktioniert die NFC-Einrichtung bei Matter 1.6?
Statt wie bisher über Bluetooth lässt sich ein Gerät mit Matter 1.6 durch Antippen des Smartphones einrichten. Die Zugangsdaten sind im NFC-Chip des Geräts gespeichert. Das Einrichten funktioniert sogar vor der Stromversorgung, also etwa bei einer Deckenlampe vor dem Einschrauben oder bei einem Unterputzschalter vor dem Anlegen der Phase.
Was bedeutet Thermostat Suggestions in Matter 1.6 für die manuelle Temperatureinstellung?
Bisher überschreibt ein Smart-Home-System die Thermostateinstellung per direktem Befehl. Mit Matter 1.6 kann das System stattdessen eine zeitlich begrenzte Empfehlung senden, die das Thermostat anhand eigener Logik und Nutzervorgaben annehmen oder ablehnen kann. Damit lässt sich verhindern, dass eine automatische Regel eine manuell gesetzte Temperatur sofort wieder überstimmt. Wie intelligent das Thermostat dabei reagiert, hängt von der jeweiligen Herstellerimplementierung ab.
Welche Geräte sind mit Matter 1.6 kompatibel und wann sind sie verfügbar?
Matter 1.6 ist ab heute für Hersteller verfügbar. Bestehende Geräte unterstützen die neuen Funktionen wie NFC-Commissioning oder Joint Fabric nur, wenn der jeweilige Hersteller ein entsprechendes Firmware-Update liefert. Neue Geräte mit nativer Matter-1.6-Unterstützung sowie Plattform-Updates der großen Ökosysteme werden frühestens im Herbst 2025 erwartet.





