Kennt ihr das? Man sitzt abends auf dem Sofa, scrollt durchs Handy, und plötzlich: Licht aus. Der Bewegungsmelder hat entschieden, dass niemand mehr im Raum ist. Also wedelt man hektisch mit dem Arm, fühlt sich kurz wie ein gestrandeter Schiffbrüchiger, und schwört sich: Das muss doch besser gehen. mmWave-Radar heißt das Zauberwort. Mikrobewegungen erkennen, auch wenn man nur still dasitzt. Der Meross MS605 verspricht genau das, für rund 30 Euro, mit Batterie, wasserdicht und mit drei Erkennungszonen. Ich habe den Meross Präsenzmelder in meinem Wohnzimmer im Test gehabt. Spoiler: Ich wedle immer noch.

Meross hat mir den MS605 für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vorgaben, was ich schreiben soll, gab es keine.
Im Alltag: Licht aus, obwohl ich da sitze

Der Meross MS605 hängt bei mir im Wohnzimmer, angebunden über Matter over Thread an den Homey Pro. Der Plan war simpel: Raum betreten, Licht an. Raum verlassen, Licht aus. Auf dem Sofa sitzen und am Laptop tippen, Licht bleibt an. Kein Hexenwerk, dafür hat man ja einen Präsenzmelder mit mmWave-Radar gekauft und nicht einfach den PIR-Sensor vom Aldi genommen.
Das Betreten funktioniert – meistens. Manchmal reagiert der Sensor schnell, manchmal gönnt er sich ein paar Sekunden Bedenkzeit. Deutlich langsamer als ein reiner PIR-Sensor wie der Philips Hue Motion. Aber gut, Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut, und mein Wohnzimmerlicht darf sich ruhig eine Sekunde sammeln.
Das eigentliche Problem kommt danach. Ich sitze auf dem Sofa, lese am Handy, tippe am Laptop. Stille Präsenz, genau das Szenario, für das man einen mmWave-Sensor im Test hat. Nach zwei Minuten: Licht aus. Der Sensor meldet Abwesenheit. Ich sitze keine zwei Meter entfernt. Das ist in etwa so, als würde ein Rauchmelder nur Lagerfeuer erkennen, aber keine Zigaretten.

Ein Blick in die Meross App erklärt, was da passiert: Der PIR-Sensor zeigt Anwesenheit, der Radar zeigt Abwesenheit. Die beiden sind sich nicht einig, und im empfohlenen Modus Radar mit PIR-Unterstützung gewinnt der Radar. Also genau der Sensor, der mich gerade nicht sieht. Manchmal hilft es, den Arm langsam zu bewegen. Manchmal nicht. Verlässlich ist anders.

Ich bin damit nicht allein. In der Home Assistant Community beschreibt ein Nutzer, dass er zum Lichtschalter greift, bevor die Automatisierung überhaupt auslöst. Kein einziger deutscher Review, den ich gefunden habe, erwähnt dieses Problem. Was vielleicht daran liegt, dass viele davon den Sensor als Testmuster erhalten haben – inklusive Gewinnspiel.
Was steckt drin – und was Meross verspricht
Auf dem Papier liest sich der MS605 wie ein kleines Wunder. Ein 24-GHz-mmWave-Radar kombiniert mit einem klassischen PIR-Sensor und einem Lichtsensor, verpackt in einem kompakten Gehäuse mit IP67-Schutz. IP67 = staubdicht und kurzzeitig untertauchbar. Man könnte ihn theoretisch im Regen vergessen und er würde weitermachen. Betriebstemperatur von -20 bis +60 Grad, also auch Garage, Keller oder Carport.
Strom kommt aus einer CR123A-Lithiumbatterie, die laut Meross bis zu drei Jahre halten soll. Die Batterie liegt im Lieferumfang bei, was nett ist – denn CR123A bekommt man nicht an jeder Tankstelle. Im Elektronikhandel zahlt man 3 bis 5 Euro pro Stück, online geht es ab knapp 2 Euro. Kein Dealbreaker, aber nach Jahren mit AAA-Sensoren ein kleiner Kulturschock.
Das Highlight auf dem Datenblatt sind die drei konfigurierbaren Erkennungszonen. Der Erfassungsbereich wird in sieben Segmente aufgeteilt, die man in der Meross App einzeln aktivieren oder blockieren und dann zu drei unabhängigen Zonen gruppieren kann. Jede Zone taucht als eigener Sensor auf Drittplattformen auf. Klingt nach flexiblem Badezimmer-Setup: Zone 1 für das Nachtlicht, Zone 2 für die Deckenlampe, Zone 3 für den Spiegel. In der Theorie großartig. In der Praxis muss der Sensor dafür erstmal zuverlässig erkennen, dass jemand da ist.

Verbunden wird der MS605 über Matter over Thread – kein extra Hub nötig, solange ein Thread Border Router im Netzwerk ist. Apple TV, HomePod oder eben ein Homey Pro reichen. Die Bewegungserkennung reicht bis 6 Meter, die Präsenzerkennung nur bis 4 Meter. Zum Vergleich: Die kabelgebundene Variante MS600 schafft 6 Meter Präsenz, kostet aber ähnlich viel und hat keine Zonen.
Setup und Meross App: Gut gemeint, schlecht gelöst
Bevor der MS605 irgendetwas erkennt, braucht man die Meross App und einen Meross-Account. Ohne Cloud-Konto keine Einrichtung, keine Zonen, kein Firmware-Update. Wer auf lokale Kontrolle setzt, schluckt hier zum ersten Mal.
Die Einrichtung selbst ist aufwendiger als erwartet. Die App führt durch eine dreistufige Installationsanleitung: Störquellen identifizieren (Vorhänge, Ventilatoren, Spiegel, Metalloberflächen), den Sensor korrekt positionieren, Abstand zu Störquellen einhalten. Dann folgt eine automatische Kalibrierung – Raum verlassen, Störquellen laufen lassen, 15 Sekunden warten, Sensor kalibriert sich. Das dauert insgesamt gut 2 bis 4 Minuten, und man sollte es wirklich ernst nehmen. Wer das überspringt, darf sich über Fehlalarme nicht wundern.

Danach konfiguriert man Reichweite und Zonen. Drei Optionen: 3,2 Meter für kleine Räume, 6 Meter für große, oder Individuell. Die Zonen baut man aus sieben Segmenten zusammen, pro Zone lassen sich Empfindlichkeit und Abwesenheitsdauer separat einstellen. Das klingt mächtig und ist es auch – wenn man bereit ist, sich 20 bis 30 Minuten hinzusetzen und zu testen, welche Kombination im eigenen Raum funktioniert. Plug-and-Play ist das nicht.
Was mich mehr stört: Die Meross App und Matter vertragen sich nicht gleichzeitig. Wer den Sensor über Matter in Homey eingebunden hat und danach in der App die Reichweite ändert, riskiert dass die Matter-Verbindung abbricht. In der simon42-Community berichten Nutzer, dass der Sensor nach App-Änderungen die Verbindung verliert und nur ein Reset hilft. Man muss sich also vorher überlegen, was man will – und dann möglichst die Finger von der App lassen.
Immerhin: Das Firmware-Update lief bei mir problemlos. Zwei Updates hintereinander, jeweils etwa drei Minuten, alles über Bluetooth. Danach stand Firmware 1.1.3.1.3.3 drauf. Der Changelog erwähnt einen Fix für Alexa-Konfigurationsprobleme – von Verbesserungen bei der Präsenzerkennung kein Wort.
Homey Pro statt Apple Home – was geht, was nicht
Die meisten Reviews testen den MS605 mit Apple Home oder Home Assistant. Ich nutze den Homey Pro als Zentrale – und damit sieht die Welt etwas anders aus.
Erstmal das Positive: Das Pairing über Matter funktioniert inzwischen. Zum Marktstart Ende 2025 war das noch ein Glücksspiel – in der Homey Community berichten fünf Nutzer unabhängig voneinander von gescheiterten Verbindungsversuchen. Erst nach Firmware-Updates im Februar 2026 wurde es besser. Bei mir hat es auf Anhieb geklappt, allerdings mit der aktuellen Firmware.

Jetzt das Aber: Was Homey aus dem Sensor macht, ist ernüchternd. Der MS605 taucht mit vier Capabilities auf: Helligkeit (in Lux), Batterie und drei Bewegungsalarme – nummeriert als (2), (3) und (4). Warum es kein (1) gibt, weiß vermutlich nicht mal Meross. Einen echten Präsenz-Trigger gibt es nicht. In den Homey Flows steht nur „Bewegungs-Alarm ist angegangen“ und „Bewegungs-Alarm ist ausgegangen“. Das ist ein klassischer Bewegungsmelder-Trigger, kein Präsenzmelder.
Heißt konkret: Ich kann einen Flow bauen, der das Licht einschaltet wenn Bewegung erkannt wird. Aber ich kann keinen Flow bauen, der zuverlässig erkennt ob jemand still im Raum sitzt. Genau dafür kauft man einen mmWave-Sensor. In Apple Home sieht das angeblich besser aus – dort werden die Zonen als separate Occupancy-Sensoren angezeigt. Ob die dort zuverlässiger funktionieren, kann ich nicht beurteilen.

Was Homey hingegen gut kann: Den MS605 in Flows mit Geräten kombinieren, die über völlig andere Protokolle laufen. Mein Wohnzimmer hat Hue-Leuchten, einen Innr-Lichtstreifen, eine Tado-Heizung und einen Sonos-Lautsprecher. Alles in einem Flow. Das schafft kein Apple Home und kein reines Zigbee-Setup. Der Sensor liefert nur leider nicht die Daten, die man dafür bräuchte.
Aqara FP2, SwitchBot, IKEA: Lohnt sich der Aufpreis?
Für rund 30 Euro bekommt man mit dem Meross Präsenzmelder einen batteriebetriebenen mmWave-Sensor mit Matter und IP67. Klingt nach Schnäppchen – bis man sich die Alternativen anschaut und merkt, dass jede davon ihren eigenen Haken hat.
Der Aqara FP2 ist der Platzhirsch, kostet aber mit 55 bis 65 Euro gut das Doppelte. Dafür: 60-GHz-Radar, bis zu 30 Zonen, Multi-Person-Tracking für bis zu fünf Personen, kein Hub nötig. Klingt überlegen. Ist es auf dem Papier auch. In der Praxis hat der FP2 allerdings eigene Probleme: Personen auf dem Sofa werden gerne zu einer zusammengefasst, Phantom-Erkennungen tauchen seit einem Firmware-Update regelmäßig auf, und die Eintrittsverzögerung liegt laut Aqara-Forum bei 15 bis 20 Sekunden. Das ist schlechter als beim MS605. Der doppelte Preis kauft also nicht automatisch doppelte Zuverlässigkeit.
Interessanter ist der Aqara FP300 für rund 45 bis 50 Euro ist der interessantere Vergleich: Ebenfalls batteriebetrieben, ebenfalls Matter over Thread, dazu Temperatur- und Feuchtigkeitssensor. Aber nur eine Zone statt drei und kein IP67. Wer den Sensor im Bad oder draußen einsetzen will, hat beim MS605 die besseren Karten.
Preislich gleichauf liegt der SwitchBot Presence Sensor mit rund 33 Euro. Er nutzt 60-GHz-Radar und läuft mit normalen AAA-Batterien. Aber: Der Sensor funkt nur über Bluetooth LE, kein natives Matter. Wer ihn in Homey, Apple Home oder Google Home einbinden will, braucht zwingend einen SwitchBot Hub als Bridge – und der kostet nochmal 30 bis 50 Euro. Der MS605 funkt dagegen nativ über Thread und braucht keinen eigenen Hub.
Und dann ist da noch der IKEA VALLHORN für absurde 10 Euro. Kein mmWave, nur PIR und Lux. Braucht die DIRIGERA-Zentrale. Aber wenn man ehrlich ist: Für eine simple Licht-an-bei-Bewegung-Automation reicht ein PIR-Sensor völlig. Man bekommt ihn halt nicht dazu, einen ruhig sitzenden Menschen zu erkennen. Den MS605 aber auch nicht zuverlässig.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Bewegungsmelder und Präsenzmelder?
Ein Bewegungsmelder (PIR) erkennt nur aktive Bewegung – wenn jemand den Raum betritt oder durchläuft. Ein Präsenzmelder mit mmWave-Radar soll auch stillsitzende Personen über Mikrobewegungen wie Atmung erkennen. In der Praxis funktioniert das je nach Sensor unterschiedlich zuverlässig.
Braucht der Meross MS605 einen Hub?
Nein. Der MS605 funkt über Matter over Thread und verbindet sich direkt mit einem Thread Border Router – zum Beispiel Apple TV, HomePod oder Homey Pro. Ein Meross Hub ist nur nötig, wenn man die Meross-eigene Cloud-Steuerung nutzen will.
Wie lange hält die Batterie beim Meross MS605?
Meross gibt bis zu drei Jahre an. Langzeit-Erfahrungen fehlen noch, weil der Sensor erst seit November 2025 auf dem Markt ist. Die CR123A-Batterie kostet im Handel 3 bis 5 Euro pro Stück und ist nicht in jedem Supermarkt erhältlich.
Meross MS605 oder Aqara FP2 – welcher ist besser?
Kommt drauf an. Der FP2 bietet Multi-Person-Tracking und bis zu 30 Zonen, kostet aber doppelt so viel und hat eigene Probleme wie Phantom-Erkennungen und lange Eintrittsverzögerung. Der MS605 ist günstiger, kabellos und wasserdicht – aber die Präsenzerkennung ist nicht zuverlässig genug für stille Szenarien wie Sofa-Sitzen.
Fazit zum Meross MS605 Test
Der Meross MS605 ist kein schlechter Sensor. Für rund 30 Euro bekommt man mmWave-Radar, drei Zonen, IP67 und Matter over Thread ohne Hub. Das ist auf dem Papier ein verdammt gutes Paket, und im Test zeigt sich: als Bewegungsmelder stimmt das auch. Und als reiner Bewegungsmelder – Raum betreten, Licht an, Raum verlassen, Licht aus – funktioniert er auch ordentlich.
Batteriebetriebener Präsenzmelder mit mmWave-Radar, PIR und Lichtsensor. Matter over Thread, IP67, drei konfigurierbare Erkennungszonen. Kein Hub nötig.
Nur ist das nicht das, wofür man einen Präsenzmelder kauft. Man kauft ihn, damit das Licht an bleibt wenn man still auf dem Sofa sitzt. Und genau das konnte der MS605 im Test nicht zuverlässig. Radar und PIR widersprechen sich, die Homey-Integration liefert nur Bewegungstrigger statt echte Präsenz, und kein Firmware-Update hat daran bisher etwas geändert.
Für wen ja: Wer einen günstigen, kabellosen Bewegungsmelder mit Matter sucht, der auch im Bad oder draußen funktioniert. Wer drei Zonen für unterschiedliche Automationen braucht. Wer keine stille Präsenzerkennung erwartet, sondern einfach einen besseren PIR-Ersatz will.
Für wen nein: Wer zuverlässig erkennen will, ob jemand still im Raum sitzt. Wer einen echten Präsenz-Trigger in Homey braucht. Wer keinen Meross-Account anlegen will. Und wer glaubt, dass mmWave-Radar für 30 Euro automatisch besser ist als ein PIR-Sensor für 10 – denn schneller ist es definitiv nicht.






