Wer in den USA einen Kindle Scribe Colorsoft bestellt hat, konnte seit Oktober damit rumspielen. Deutschland? Musste warten. Ab morgen, dem 8. April, sind beide neuen Scribe-Modelle endlich auch bei Amazon.de verfügbar. Die Frage, die sich bei einem Einstiegspreis von 650 Euro allerdings sofort stellt: Braucht man wirklich Farbe auf einem E-Reader?
Was steckt im Kindle Scribe Colorsoft
Das 11-Zoll-Display basiert auf Amazons eigener Colorsoft-Technologie: Ein Oxide-TFT-Panel mit Farbfilter, das im Schwarz-Weiß-Modus 300 ppi liefert und bei Farbdarstellung auf 150 ppi runtergeht. Klingt nach einem Kompromiss, sieht in der Praxis aber besser aus als bei klassischen E-Ink-Farbdisplays. Die Farben sind gedämpft, fast pastellig. Wer knallige Tablet-Farben erwartet, wird enttäuscht. Wer augenschonendes Lesen will, nicht.
Unter der Haube arbeitet ein Quad-Core-Prozessor mit 2 GHz, der laut Amazon 40 Prozent schnellere Seitenwechsel und flüssigeres Schreiben bringt. Das Gerät ist 5,4 mm dünn und wiegt 400 Gramm. Im Karton liegt ein Premium Pen, der weder Akku noch Pairing braucht. Zehn Stiftfarben und fünf Markierungsfarben stehen im Notizbuch zur Verfügung. KI-gestützte Handschriftsuche und Zusammenfassungen sind an Bord, zwei weitere Features (Story So Far und Ask This Book) kommen per Software-Update im Laufe des Jahres.
Der Akku hält laut Amazon bis zu acht Wochen beim Lesen, zwei Wochen bei intensivem Schreiben. Dokumente lassen sich über Google Drive und OneDrive synchronisieren. Was fehlt: ein Dark Mode (kommt per Update) und Wasserschutz (kommt gar nicht).
Colorsoft vs. normaler Scribe: Lohnen sich 130 Euro Aufpreis?
Amazon bringt beide Modelle gleichzeitig nach Deutschland. Der normale Kindle Scribe startet bei 519,99 Euro (32 GB), die Colorsoft-Variante bei 649,99 Euro. Der Unterschied: Farbe. Sonst sind Prozessor, Stift, Gewicht und Bauform identisch.
130 Euro Aufpreis klingen erstmal nach viel für pastellige Farben. Und tatsächlich: Wer hauptsächlich Romane liest, braucht das nicht. Schwarz-Weiß-Text sieht auf dem normalen Scribe sogar minimal schärfer aus, weil kein Farbfilter dazwischenliegt. Dazu kommt ein Akku, der bis zu zwölf Wochen hält statt acht.
Wo Farbe Sinn macht: Lehrbücher mit Diagrammen, farbige Markierungen in PDFs, handschriftliche Notizen, die man visuell sortieren will. Wer den Scribe als digitales Notizbuch nutzt und regelmäßig mit Farbcodes arbeitet, bekommt echten Mehrwert. Wer abends im Bett Krimis liest, zahlt 130 Euro für ein Feature, das er nie bemerkt.
Die Konkurrenz schläft nicht
Das Problem für Amazon: Während Deutschland sechs Monate auf den Colorsoft gewartet hat, haben sich andere längst breitgemacht. Das reMarkable Paper Pro gibt es hier seit Monaten, nutzt echte Farbpigmente statt Farbfilter und fühlt sich beim Schreiben an wie ein guter Bleistift auf Karton. Wer den Scribe primär als Notizbuch nutzen will, sollte das zumindest mal ausprobiert haben.
Das Boox Note Air5 C geht einen komplett anderen Weg: Android als Betriebssystem, Google Play Store, ePub-Support nativ, PDF-Werkzeuge, die den Kindle alt aussehen lassen. Dafür ist das Kindle-Ökosystem beim reinen Lesen nach wie vor das Beste, was es gibt. Wer tief im Amazon-Universum steckt (Kindle Unlimited, Whispersync, Audible-Integration), bekommt das nirgendwo anders so gut zusammengeschnürt.
Kurz: Der Colorsoft ist der beste Farb-Kindle, den es je gab. Ob er der beste Farb-E-Reader ist, hängt davon ab, was man damit vorhat.
Preise und Verfügbarkeit
Beide Modelle sind ab dem 8. April 2026 auf Amazon.de verfügbar. Der Premium Pen liegt jeweils bei. Hier die Übersicht:
| Modell | Speicher | Preis (DE) |
|---|---|---|
| Kindle Scribe | 32 GB | 519,99 € |
| Kindle Scribe | 64 GB | 569,99 € |
| Kindle Scribe Colorsoft | 32 GB | 649,99 € |
| Kindle Scribe Colorsoft | 64 GB | 699,99 € |
Beide Geräte gibt es in Graphite. Die Farbe Fig ist der 64-GB-Variante vorbehalten. Wer keinen Wert auf Farbe legt und hauptsächlich liest, spart mit dem normalen Scribe 130 Euro und bekommt den längeren Akku obendrauf.





