Ring bekannte Gesichter heißt das Feature, das Amazon seit letzter Woche schrittweise auch in Deutschland ausrollt. Die Idee: Die Kamera an der Haustür erkennt wiederkehrende Besucher, unterscheidet zwischen Familie und Fremden und entscheidet selbst, ob der Briefträger eine Push-Benachrichtigung wert ist. Bis zu 50 Profile pro Haushalt lassen sich anlegen. Für alles, was nicht ins Raster passt, läuft eine 30-Tage-Speicherung im Hintergrund. Zwei Haken kommen im Kleingedruckten.

Wie das Feature funktioniert
Kompatibel sind laut Amazon alle Ring-Kameras von HD bis 4K. Ist das Feature einmal aktiviert, analysiert die Ring-App Gesichter, die regelmäßig im Kamerabild auftauchen, und schlägt vor, sie als bekanntes Gesicht zu markieren. Namen werden manuell vergeben. Die maximale Profilzahl liegt bei 50, was für einen normalen Haushalt mit Familie und regelmäßigen Dienstleistern mehr als ausreicht.
Die eigentliche Stärke liegt in der Benachrichtigungssteuerung. Nutzer können entscheiden, ob sie bei bekannten Gesichtern überhaupt noch eine Push-Nachricht bekommen wollen. Wer jeden Nachmittag das Pling-Pling beim Nachhausekommen der eigenen Kinder leid ist, schaltet das einfach ab. Unbekannte Besucher, etwa der Paketdienst oder der Nachbar von gegenüber, bleiben sichtbar. Gesichter, die nicht zugeordnet werden, verschwinden nach 30 Tagen automatisch aus dem Speicher.
Der erste Haken: Ring Premium ist Pflicht
Das Feature ist nicht kostenlos, und die Einstiegshürde liegt höher als gedacht. In Amazons Pressemitteilung steht ausdrücklich, dass Ring Premium Voraussetzung ist, also Rings teuerste Abo-Stufe. Nicht Basic, nicht Standard. In Deutschland kostet Premium 19,99 Euro pro Monat oder 199,99 Euro im Jahr. Wer bisher mit Basic (3,99 €) oder Standard (9,99 €) zufrieden war, bekommt Bekannte Gesichter nicht dazu.
Abo-Modelle bei Kamera-Cloud-Diensten sind 2026 Standard, auch bei Google Nest und Arlo. Das Besondere bei Ring ist die Platzierung: Die Gesichtserkennung ist nur in der teuersten Stufe verfügbar und wird damit zum Premium-Argument gegen die günstigeren Pläne. Wer gerade über einen Wechsel nachdenkt: Eufy und Reolink bieten Gesichtserkennung ohne Abo, dafür mit anderen Einschränkungen bei der Cloud-Integration.
Der zweite Haken: biometrische Daten in der Cloud
Gesichtserkennung bedeutet, dass biometrische Merkmale verarbeitet werden. Amazon betont, die Funktion sei opt-in und müsse manuell aktiviert werden. Die Daten blieben verschlüsselt im eigenen Account und würden nicht an Dritte weitergegeben. Das ist die kurze Version. Die lange Version lautet: Die Daten liegen auf Amazon-Servern, und Amazon ist ein US-Konzern mit allen bekannten transatlantischen Datenschutz-Diskussionen.
Die DSGVO erlaubt die Verarbeitung biometrischer Daten im privaten Haushalt unter bestimmten Bedingungen. Solange Ring die Kamera nur im eigenen Grundstück aufnimmt und keine Gesichter von Passanten auf dem Gehweg trackt, ist das Feature rechtlich sauber. Die Einrichtung ist aber fahrlässig möglich. Wer die Kamera so ausrichtet, dass der öffentliche Raum mit ins Bild kommt, holt sich eine DSGVO-Baustelle ins Haus. Dafür kann Amazon nichts, das ist Anwendersache.
Relevanter ist die Frage nach der Cloud-Abhängigkeit. Wer lokal bleiben will, ist bei Ring von Anfang an falsch. Das Unternehmen ist ein Cloud-Dienst mit angeschlossenen Kameras, kein Hardware-Anbieter mit optionaler Cloud. Bei Gesichtsdaten ist dieser Unterschied spürbarer als bei reinen Bewegungs-Events.
Für wen sich die Ring bekannte Gesichter-Funktion lohnt
Wer bereits eine Ring-Kamera und das Premium-Abo hat, bekommt ein sinnvolles Zusatzfeature ohne Mehrkosten. Die Benachrichtigungshygiene verbessert sich spürbar, und die Trennung zwischen bekannten und unbekannten Besuchern ist praktikabler als die bisherige Bewegungserkennung mit Zonen.
Die Akku-Türklingel in 2K, die mit Bekannte Gesichter zurechtkommt. Wer ohnehin ein Ring-Premium-Abo hat, bekommt hier das passende Gerät. Ohne Bohren montierbar, in unter fünf Minuten eingerichtet.
Wer aktuell ohne Abo oder mit Basic/Standard fährt, sollte rechnen. 200 Euro pro Jahr nur für die Gesichtserkennung und die anderen Premium-Features sind ein Aufpreis, den das Feature alleine selten rechtfertigt. Wer noch keine Kamera hat und sich zwischen Ring und Alternativen entscheidet, sollte die Abo-Frage ernst nehmen. Eufy mit lokalem Gesichtserkennungs-Hub oder Aqara mit Matter-kompatiblen Modellen sind Optionen, die mittel- und langfristig günstiger kommen.
Aus eigener Erfahrung: Ich habe die SwitchBot Video Doorbell hier getestet. Gesichtserkennung kann sie nicht, dafür läuft sie lokal und braucht kein Premium-Abo. Kein Vollersatz für Ring, aber ein klarer Gegenentwurf im gleichen Preissegment.
Das Feature ist gut gemacht. Die Bedenken liegen weniger in der Technik als im Geschäftsmodell dahinter. Wer sich darauf einlässt, sollte bewusst tun, und nicht einfach den Schalter umlegen, weil der Assistent in der Ring-App ihn vorschlägt.
Quellen: Amazon Press Center — offizielle Pressemitteilung (16.04.2026), Ring Support Deutschland. Ring-Abo-Preise gemäß Ring-Website, Stand April 2026. Hero-Bild: Ring / Amazon (Press Center).





