Der Aqara FP400 gehört in eine Smart-Home-Disziplin, über die niemand nach außen redet: mmWave-Präsenzsensoren. Der Vorgänger Aqara FP2 ist seit 2023 das Lieblingsobjekt der Bastler-Community, ein flacher Klotz an der Wand, der mit Radarwellen erkennt, ob im Raum jemand ist und wo die Person steht. Mit dem FP400 schickt Aqara jetzt den Nachfolger ins Rennen. Seit dem 2. Mai 2026 im EU-Store gelistet, Preis steht noch nicht.
Was der FP400 macht
Der Aqara FP400 ist ein Anwesenheitssensor, der mit mmWave-Radar arbeitet. Das ist die gleiche Funktechnik, die in moderneren Auto-Abstandsradaren steckt: Hochfrequente Radarwellen prallen an Personen und Objekten ab, und aus dem Echo errechnet die Sensor-Software ein räumliches Bild. Der Vorteil gegenüber den klassischen PIR-Sensoren (Bewegungsmeldern, die auf Wärme reagieren): Der mmWave-Sensor sieht auch dann, wenn jemand bewegungslos auf dem Sofa sitzt. Das Licht geht nicht aus, weil man eine Stunde lang Buch liest.
Im Vergleich zur FP2 hat Aqara beim FP400 vor allem die Erfassungsfläche und die Erkennungstiefe vergrößert. Das Gerät sieht 10 mal 8 Meter weit, kann bis zu zehn Personen gleichzeitig verfolgen und erkennt nicht nur, ob sich jemand im Raum befindet, sondern in welcher Pose: stehend, sitzend, liegend. Wer einen 40-Quadratmeter-Wohnraum hat, in dem mehrere Familienmitglieder gleichzeitig auf verschiedenen Möbeln verteilt sind, bekommt vom FP400 eine Karte des Geschehens. Lichtsensor ist integriert, sodass sich Helligkeits-Automationen ohne zweites Gerät bauen lassen.

Zwei Dinge fehlen im Vergleich zu früheren FP-Modellen: Temperatur- und Feuchtigkeitssensor sind nicht an Bord. Wer beides braucht, muss ein zweites Gerät dazustellen. Stromversorgung läuft über ein fest verbautes USB-Kabel.
Sturzerkennung als eigene Geschichte
Die Posture-Detection ist auch der Anker für eine Funktion, die Aqara als eigenes Feature nennt: Sturzerkennung. Wenn der FP400 erkennt, dass eine Person plötzlich aus einer aufrechten in eine liegende Position übergeht, kann er das als Ereignis melden. In der Aqara-App lässt sich daraus eine Benachrichtigung an Familienangehörige knüpfen, in Apple Home oder Home Assistant ein automatisches Anruf-Szenario. Damit das funktioniert, sollte der Sensor an der Decke montiert sein, nicht an der Wand. Aqara nennt die Wandmontage als Standard, die Deckenmontage als die für Sturzerkennung empfohlene Variante.
Diese Funktion macht den FP400 zu einem Produkt, das über die typische Smart-Home-Zielgruppe hinausgeht. Pflegende Angehörige, die einen Teil der Senioren-Wohnung absichern wollen, ohne eine sichtbare Pflege-Notrufkette zu installieren, bekommen mit dem FP400 eine Lösung. Die Mehrheit der Sturznotrufgeräte am Markt sind Armbänder, Halsketten oder Tablets, die der Träger nutzen muss. Ein deckenmontierter Radar-Sensor erfordert kein Mitwirken der überwachten Person. Das ist ein erheblicher Unterschied im Pflege-Alltag, und es ist auch ein Datenschutz-Punkt, den Käufer mit Senioren-Familienmitgliedern offen besprechen sollten.

Apple Home über Thread, voller Funktionsumfang nur über Zigbee
Hier wird es interessant für Apple-Home-Nutzer. Der FP400 funkt über zwei Protokolle: Thread (das Mesh-Funkprotokoll von Matter) und Zigbee (das ältere Mesh-Protokoll, das Aqara seit Jahren nutzt). Beide werden parallel im Gerät unterstützt, der Käufer entscheidet bei der Einrichtung, welches Protokoll aktiv ist.
Der Haken: Über Thread und damit Matter meldet sich der FP400 nur als Anwesenheits- und Lichtsensor. Multi-Person-Tracking, Posture-Detection und Sturzerkennung gibt es in dieser Konfiguration nicht. Wer den Sensor in Apple Home oder Google Home oder SmartThings einbinden will und die volleren Features braucht, braucht zusätzlich einen Aqara-Hub mit Zigbee. Über den Hub funktionieren die Spezial-Funktionen, und die Daten lassen sich dann wieder zu Apple Home brücken. Das ist ein Setup, das Aqara seit Jahren so verkauft, aber für Käufer, die mit Matter-Marketing in den Laden gegangen sind, eine unangenehme Überraschung.
Das Muster ist nicht neu. Matter ist als Standard inzwischen breit ausgerollt, aber die Spezialfunktionen einzelner Hersteller fallen häufig durch das Standard-Raster. Der FP400 zeigt das deutlicher als die meisten anderen Geräte, weil sein Hauptverkaufsargument (Multi-Person und Posture) genau die Funktionen sind, die Matter nicht kennt.
Was Aqara offen lässt
Drei Punkte stehen am 8. Mai noch offen. Erstens der Preis. Aqara hat den FP400 als Early-Bird-Listing in den EU-Store gestellt, ein Preisschild ist nicht angeschlagen. Branchenbeobachter rechnen mit einem Wert nahe der FP2, also 80 bis 100 Euro. Bestätigt ist das nicht. Zweitens das Versanddatum. Wer sich für die Early-Bird-Liste registriert, bekommt eine Benachrichtigung, sobald die ersten Sensoren verschickt werden. Drittens die deutsche Verfügbarkeit über Aqaras Amazon-Storefront. Beide Aspekte bleiben offen, bis Aqara die offizielle Pressemitteilung nachreicht.
Wer auf den FP400 wartet, gehört in eine von zwei Gruppen. Erste Gruppe: FP2-Besitzer, die mit der bisherigen Generation zufrieden sind, aber den größeren Erfassungsbereich für ein Wohn-Esszimmer in einem Stück brauchen. Für diese Gruppe ist das Update sinnvoll, sobald der Preis steht. Zweite Gruppe: Familien, die einen erwachsenen Senior im Haushalt haben oder pflegen und nach einer Sturzlösung suchen, die nicht aussieht wie Pflegetechnik. Hier ist der FP400 das interessanteste Gerät am Markt, ohne Konkurrenz im Smart-Home-Bereich. Beide Gruppen sollten sich für die Early-Bird-Liste registrieren und dann auf den Preis warten. Wer keinen FP2 hat und keine Pflege-Anwendung im Sinn, kann ohne Eile zugucken, wie sich die Lage entwickelt.





