Ein Tag nach dem Roborock Qrevo S Pro legt der nächste Saug- und Wischroboter in Deutschland nach. Der Narwal Flow 2 ist seit dieser Woche im Handel, zum Launch-Preis von 1.099 Euro, regulär 1.299 Euro UVP. Die Variante mit Kompaktstation für den Festwasseranschluss kostet 1.499 Euro. Die Hausnummer ist klar: Flow 2 spielt eine Klasse höher als der Roborock, mit den Specs, die dazu passen.

Was Narwal beim Flow 2 gebaut hat
Die Headline-Zahl lautet 31.000 Pa Saugkraft. Das ist aktuell der obere Rand im Consumer-Segment und liegt rund 70 Prozent über dem Roborock Qrevo S Pro. Zur Navigation setzt Narwal auf LiDAR mit Kamera-Erkennung, verpackt in einem nur 95 mm hohen Gerät. 95 Millimeter sind selbst für einen Mähroboter ohne LiDAR-Turm knapp. Mit LiDAR-Turm ist das eine technisch saubere Lösung, die auch unter niedrigen Sofas durchfährt.
Beim Wischen geht Narwal einen anderen Weg als die Roborock-Klasse. Statt zweier rotierender Mopps setzt der Flow 2 auf eine Rolling-Track-Wischwalze, eine durchgehende Walze, die sich permanent dreht und dabei frisches Wasser auf die Vorderseite führt. In der Theorie bedeutet das: Der Mopp zieht nicht immer wieder durch den eigenen Dreck. In der Praxis muss sich das beweisen. Der Vorgänger Flow 1 war nach Tests der Kollegen von smarthomeassistent.de „nicht ganz ausgereift“. Narwal legt beim Flow 2 also mit einem Konzept nach, das technisch Sinn ergibt, aber ein zweites Mal sauber gebaut sein muss.
Die Dockingstation erledigt das übliche Programm: Auto-Staubentleerung und Auto-Wasserbefüllung, dazu Moppwäsche bei 100 Grad und Heißlufttrocknung bei 60 Grad. 100 Grad Moppwäsche sind ein Kampfwert. Roborock liegt bei 75 Grad, und die Geruchsprobleme der Vorgängermodelle zeigen, dass Temperatur hier eine Rolle spielt. Narwal zieht mit dem Flow 2 den Abstand nach oben.
31.000 Pa gegen 18.500 Pa — was der Unterschied im Alltag bedeutet
Die Zahl allein macht noch keinen besseren Roboter. 31.000 Pa sind die Herstellerangabe unter Laborbedingungen, im Alltag zählt, wie viel davon auf dem Teppich ankommt und wie lange die Bürsten durchhalten. Für Haushalte mit dicken Hochflor-Teppichen oder viel Tierhaar ist der Vorsprung trotzdem relevant. Der Qrevo S Pro mit 18.500 Pa reicht für Hartböden und mittlere Teppiche aus. Ab Hochflor wird der Flow 2 die bessere Wahl.
Der Preisunterschied ist der eigentliche Punkt. Der Roborock kostet 589 Euro, der Flow 2 zum Launch-Preis 1.099 Euro, regulär 1.299 Euro. Zwischen beiden liegen bei Regulärpreis also 710 Euro. Dafür bekommt man die höhere Saugkraft, die Wischwalze, die 100-Grad-Moppwäsche und das flachere Gehäuse. Wer auf Hartböden wischt und keinen Hochflor hat, wird den Mehrpreis nicht zurückfühlen. Wer die Premium-Klasse will, bekommt sie hier zu einem Preis, der noch unter dem Dreame L40 Ultra und dem Roborock Qrevo Curv liegt.
Matter 1.4 an Bord, mit einer Einschränkung
Der Flow 2 unterstützt laut Narwal Matter 1.4 und lässt sich in Apple Home, Google Home und Home Assistant einbinden. Das deckt sich mit dem Trend, den Roborock gestern beim Qrevo S Pro nicht aktiv beworben hat: Matter ist 2026 bei Saugrobotern nicht mehr die Ausnahme, sondern wird Standard.
Die Einschränkung bleibt dieselbe wie bei allen Matter-Saugrobotern 2026. Was über Matter zum Apple Home gereicht wird, beschränkt sich in der Regel auf Start, Stopp und Raum-Auswahl. Alles andere, also Wischeinstellungen, Zonen-Planung und Saugmodus-Wechsel, läuft weiter über die Narwal-App. Wer sein Smart Home über Home Assistant orchestriert, kommt am Hersteller-Konto nicht vorbei, kann aber die Grundfunktionen über Matter auslösen.
Für wen sich der Narwal Flow 2 lohnt
Wer einen Premium-Saug- und Wischroboter sucht und die Wischwalze als Konzept interessanter findet als rotierende Mopps, bekommt mit dem Flow 2 das derzeit technisch ambitionierteste Gerät in dieser Preisklasse. Die 1.099 Euro Launch-Preis sind ein echtes Argument, weil man dafür sonst nur die Mittelklasse bekommt.
Wer zwischen Flow 2 und Roborock Qrevo S Pro schwankt, sollte eine Frage beantworten: Wie viel Teppich hat das Zuhause, und wie hoch ist der Flor? Für Hartböden und kurze Auslegware ist der Roborock die vernünftigere Wahl. Für Hochflor und Tierhaushalt lohnen sich die 700 Euro Aufpreis zum Flow 2. Für die klassischen Flow-1-Probleme, die bei Wischwalzen-Konzepten typisch waren, wird der erste unabhängige Langzeittest zeigen, ob Narwal die Hardware dieses Mal sauber ausliefert.
Narwal hat mit dem Flow 2 keine Revolution gebaut, aber ein Gerät, das ernsthaft mit Roborocks Oberklasse und Dreames Premium-Serie konkurriert. Zum Launch-Preis ist das eine der spannenderen Kaufoptionen dieses Frühjahrs, wenn die Walze hält, was sie verspricht.





