Der Roborock Qrevo S Pro ist seit dem 20. April für 589 Euro UVP in Schwarz und Weiß erhältlich. Er tritt als Nachfolger der Bestseller QV35A und QR598 an, die bei Roborock die Preisklasse unter 700 Euro abgedeckt haben. Was sich technisch ändert, ist mehr als nur Modellpflege. Auffällig ist auch, was in der Pressemitteilung fehlt: jede Erwähnung von Matter.

Der Saugkraft-Sprung, der die ganze Klasse verschiebt
Der Vorgänger Qrevo S lieferte 7.000 Pa. Der Qrevo S Pro liefert 18.500 Pa. Das ist die zweieinhalbfache Saugkraft innerhalb einer Gerätegeneration, ohne dass der Preis nennenswert gestiegen ist. Für die Mittelklasse ist das eine spürbare Verschiebung. 18.500 Pa lagen vor einem Jahr bei Roborock noch in der Oberklasse jenseits der 900-Euro-Grenze.
Dazu kommt die Dual Anti-Tangle-Seitenbürste, die Haare gezielter aufnimmt statt sie um die Bürste zu wickeln. Kombiniert mit einer Hauptbürste, die ebenfalls ohne Haarwicklung arbeiten soll, zielt das auf ein häufiges Ärgernis im Haushalt mit langhaarigen Bewohnern oder Hunden. Ob die Werbung hält, zeigt erst ein Langzeittest, aber die Technik dahinter kennt man aus den größeren Qrevo-Modellen.
Bei der Navigation setzt Roborock auf die gewohnte Kombination aus LiDAR und Reactive Tech-Hindernisvermeidung. Kein 3D-Kamerasystem wie beim Qrevo Curv oder beim Deebot X12 von Ecovacs. Für eine Mittelklasse ist das eine bewusste Entscheidung: LiDAR reicht für die Grundaufgabe, 3D-Kameras würden den Preis treiben.
Die Dockingstation als Hygiene-Argument
Was im Alltag den Unterschied zwischen Spielzeug und echtem Werkzeug ausmacht, ist die Station. Der Qrevo S Pro bekommt eine Vollausstattung mit Auto-Mopp-Reinigung bei bis zu 75 Grad und einer Warmlufttrocknung bei 45 Grad. Staubentleerung und Wasserbefüllung laufen automatisch. Der Sockel der Station ist abnehmbar, was die Reinigung der Station selbst erleichtert.
75 Grad sind das relevante Detail. Die Vorgänger Qrevo S und QV35A arbeiteten mit kälterem Wasser, was im Praxistest der Kollegen von futurezone.at zu unangenehmen Gerüchen nach ein paar Wochen geführt hat. Höhere Temperatur plus Warmlufttrocknung sind genau die Reaktion, die man erwartet, wenn der Hersteller seine eigenen Testberichte liest.
Zwei rotierende Mopps, die sich beim Überfahren von Teppichen anheben, gehören inzwischen zum Standard in dieser Preisklasse. Die konkrete Hubhöhe nennt Roborock in der Pressemitteilung nicht. Der Vorgänger Qrevo S hob seine Pads auf ein Zentimeter an. Mehr ist technisch schwierig, weniger wäre ein Rückschritt.
Matter ist da, Roborock verschweigt es trotzdem
Das interessanteste Detail steht nicht in der Pressemitteilung. Der Qrevo S Pro ist Matter-kompatibel und lässt sich damit in Apple Home einbinden. Roborock hat den Matter-Rollout für seine Saugroboter bereits im Frühjahr 2025 gestartet, der Qrevo S Pro steht von Anfang an auf der Liste.
Dass dieser Punkt in der Produkt-Ankündigung fehlt, ist merkwürdig. Matter ist 2026 das wichtigste Kaufargument im DE-Smart-Home-Segment, besonders für Nutzer mit Apple-Home-Haushalt. Die Konkurrenz von Ecovacs wirbt inzwischen aktiv mit Matter-over-WiFi auf der Produktseite. Roborock versteckt den Support im Kleingedruckten und verschenkt damit einen Teil des Marketing-Wertes.
Was Matter bei Saugrobotern aktuell real leistet, bleibt allerdings ein eigenes Thema. Start und Stopp über Siri oder die Home-App laufen zuverlässig, Raum-Auswahl funktioniert je nach Integration. Alles darüber hinaus bleibt in der Roborock-App. Wer Home Assistant oder Homey Pro nutzt, arbeitet weiterhin mit inoffiziellen Integrationen.
Für wen sich der Roborock Qrevo S Pro lohnt
Wer einen Saugroboter unter 600 Euro sucht und Wert auf eine vollständige Dockingstation legt, bekommt hier ein stimmiges Paket. Die 18.500 Pa sind in dieser Preisklasse Stand April 2026 der obere Rand. Für Haushalte mit Teppichen oder Haustieren ist der Sprung gegenüber dem Vorgänger spürbar relevant.
Wer bereits einen Roborock Qrevo S oder QV35A besitzt und mit der Leistung zufrieden ist, hat keinen zwingenden Grund zum Wechsel. Die Station ist ähnlich, die App identisch. Der spürbare Unterschied liegt auf dem Teppich.
Wer sich zwischen Herstellern entscheidet, sollte den Ecovacs Deebot X12 in der OmniCyclone-Variante oder den Dreame L40 Ultra als Vergleich auf dem Tisch haben. Ecovacs wirbt aktiv mit Matter-over-WiFi und hat mit der FocusJet-Sprühfunktion ein eigenes Alleinstellungsmerkmal. Dreame kommt preislich etwas höher, liefert dafür aber ein anderes Bürstendesign. Roborocks Vorteil bleibt die App, die seit Jahren als einer der Referenzpunkte im Segment gilt.
Der Roborock Qrevo S Pro ist keine Revolution. Er ist der saubere Schritt einer Modellreihe in eine Preisklasse, in der 18.500 Pa plus Matter bis vor Kurzem nicht zu haben waren. Für Käufer, die einen Mittelklasse-Saugroboter mit Vollausstattung suchen, ist er die neue Referenz. Für alle anderen bleibt es ein ordentliches Update.
Quellen: Roborock-Pressemitteilung vom 20.04.2026 (Düsseldorf, über themanual.de), Roborock Deutschland,





