Die ChatGPT Superapp kommt, und zwar als größter Umbau des Dienstes seit seinem Start vor dreieinhalb Jahren. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf OpenAI-Verantwortliche, aufgegriffen von heise. Mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sprechen von der größten Restrukturierung der Firmengeschichte. Der Grund steht zwischen den Zeilen und ist erfrischend unromantisch: OpenAI will noch dieses Jahr an die Börse, und dafür braucht der Chatbot mehr Umsatz.
- OpenAI plant laut Financial Times den größten ChatGPT-Umbau seit dem Start vor dreieinhalb Jahren.
- Aus dem Chatbot wird eine Superapp: neue Oberfläche, integrierte Bildgenerierung, Drittanbieter wie Canva und Booking.com.
- Codex wird intern gestärkt, der bisherige Codex-Chef Thibault Sottiaux verantwortet jetzt alle OpenAI-Produkte.
- Der Videogenerator Sora ist eingestellt, ein Nachfolger ist bisher nicht geplant.
- Hintergrund ist der geplante Börsengang noch in diesem Jahr, auch Konkurrent Anthropic will 2026 an die Börse.
Ein Portal statt ein Chatfenster
Konkret geplant ist eine renovierte Oberfläche, in die bisher getrennte OpenAI-Produkte einziehen: die Bildgenerierung samt Entwickler-Werkzeugen, und erstmals auch Drittanbieter-Dienste, laut FT wollen unter anderem Canva und Booking.com ihre Angebote direkt in ChatGPT verfügbar machen. Dazu kommen Agenten-Funktionen, also KI, die Aufgaben selbstständig erledigt statt nur zu antworten. Die sollen laut Produktchef Thibault Sottiaux helfen „in allen Bereichen Ihres Lebens, sei es privat oder beruflich“. Wer sich an die Super-Apps aus Asien erinnert, WeChat und Co., erkennt die Blaupause: Der Nutzer soll gar nicht mehr weg wollen, weil alles in einer Oberfläche passiert.
Codex ist plötzlich das Lieblingskind
Die aufschlussreichste Personalie: Sottiaux war bisher für Codex zuständig und verantwortet jetzt alle OpenAI-Produkte. Der Coding-Assistent wird firmenintern gestärkt, und die Begründung ist herrlich ehrlich: Der Großteil der Codex-Nutzer zahlt bereits, bei ChatGPT tut das die Mehrheit nicht. Wer sich fragt, warum OpenAI vor zwei Wochen ausgerechnet eine mechanische Tastatur für Codex als erste eigene Hardware gebracht hat, bekommt hier die Antwort: Codex ist nicht Nebenprodukt, sondern Umsatzhoffnung, und die Bindungs-Strategie läuft auf allen Ebenen, von der Preisgestaltung bis zum Muskelgedächtnis.
Sora ist tot, die AGI-Träume nicht
Eher beiläufig bestätigt der Bericht das Ende des Videogenerators Sora, ein Nachfolger ist bisher nicht vorgesehen. Dafür wird das große Fernziel umso deutlicher formuliert: Firmenkundenchef Alex Embiricos erwartet, dass es beim Erreichen allgemeiner künstlicher Intelligenz „einen einzigen Ansprechpartner geben wird, der alles erledigt“, und dass dann nicht mehr viele Anbieter übrig bleiben. Das ist unverhohlen gegen Anthropic gerichtet, das wie OpenAI 2026 an die Börse strebt. Zum Rennen um die AGI kommt also ein Wettlauf um die Börsenbewertung, während etliche KI-Rechenzentren laut Bericht schon jetzt nicht ausgelastet sind. Die vielleicht schönste Fußnote dazu: Elon Musks xAI, inzwischen Teil von SpaceX, vermietet seine Rechenkapazitäten mittlerweile an Anthropic und Google. Man kennt sich, man hilft sich, man verklagt sich später.
Aus dem Chatbot wird ein Vorzimmer
Für uns Nutzer heißt der Umbau vor allem: ChatGPT wird vom Werkzeug zum Portal, das gezielt in die lukrativeren Ecken des OpenAI-Kosmos lenkt. Das kann bequem werden, wenn die integrierten Dienste wirklich sauber ineinandergreifen. Es kann aber auch das werden, was Portale meistens werden: ein Vorzimmer voller Upsell-Türen. Ich schaue mir das mit professioneller Distanz an, mein Redaktions-Workflow läuft ohnehin auf der anderen Seite des Zauns, und die ersten Design-Updates sollen schon in den kommenden Wochen ausrollen. Spätestens dann sehen wir, ob Superapp mehr heißt als Chatfenster mit Werbefläche.
Superapp in vier Antworten
Was bedeutet der geplante ChatGPT-Superapp-Umbau konkret?
OpenAI will ChatGPT von einem Chatbot zu einer universellen Plattform umbauen: mit neuer Oberfläche, integrierter Bildgenerierung, Entwickler-Tools, agentischen Funktionen und Drittanbieter-Diensten wie Canva und Booking.com direkt in der App.
Wann kommt die neue ChatGPT-Oberfläche?
Die ersten Updates und Design-Anpassungen sollen laut dem Bericht bereits in den kommenden Wochen für die breite Nutzerschaft ausgerollt werden.
Warum baut OpenAI ChatGPT gerade jetzt um?
Vor allem wegen des geplanten Börsengangs noch in diesem Jahr: ChatGPT hat über 900 Millionen wöchentliche Nutzer, aber nur ein Bruchteil zahlt. Der Umbau soll Nutzer gezielt zu den profitablen Diensten wie Codex und Agenten-Funktionen lenken.
Was passiert mit dem Videogenerator Sora?
Sora ist eingestellt. Laut dem FT-Bericht ist bisher kein Nachfolger oder Ersatz-Videogenerator als Teil des Superapp-Umbaus geplant.





