Homebridge ist die Open-Source-Antwort auf alle Smart-Home-Geräte, die Apple Home eigentlich nicht kennt. Ein Raspberry Pi im Schrank, eine Konfigurationsdatei, ein paar Plugins, und plötzlich tauchen der billige Tasmota-Schalter und die alte WeMo-Steckdose im Apple-Home-Raum auf, als wären sie Original-HomeKit-Geräte. Wer das Tool noch nie eingerichtet hat, kennt es vom Hörensagen aus jedem Reddit-Thread, in dem jemand fragt, wie er sein Nicht-HomeKit-Gerät doch noch in die Apple-Welt bekommt. Antwort: Homebridge.
Nach drei Jahren in der Beta ist Homebridge am 4. Mai 2026 in Version 2.0 erschienen. Und kann jetzt mehr als nur Apple Home.
Was Homebridge eigentlich macht
Homebridge ist eine kleine Server-Software, die auf einem Raspberry Pi, einem NAS, einer Synology-Box oder im Hintergrund auf dem Mac läuft. Sie spricht das HomeKit-Protokoll, das Apple offen dokumentiert hat, und meldet sich gegenüber Apple Home als Gerätebrücke. Wer ein Smart-Home-Gerät hat, das HomeKit nicht direkt unterstützt (also viele Tuya-Lampen, alte Sonoff-Schalter, Drucker, smarte Steckdosen aus dem Aktionsregal), installiert das passende Plugin in Homebridge. Plugins sind kleine Erweiterungen, die ein bestimmtes Gerät oder einen ganzen Hersteller-Standard übersetzen.

Das Resultat: Apple Home sieht das Gerät, kann es schalten, in Szenen einbinden und in Automationen verwenden. Apple selbst tut bei diesem Vorgang nichts, weiß im Idealfall nicht einmal davon. Das ist der Charme der Software. Und der Grund, warum sie in der Smart-Home-Bastler-Community seit Jahren Standard ist.
Was sich in 2.0 ändert
Die größte Neuerung steht im Untertitel des GitHub-Releases: Homebridge ist nicht mehr nur eine Apple-Home-Brücke, sondern auch eine Matter-Brücke. Geräte, die per Plugin in Homebridge eingebunden sind, können sich jetzt zusätzlich als Matter-Geräte ausgeben und dadurch in Amazon Alexa, Google Home, Samsung SmartThings und Home Assistant auftauchen. Vorher musste sich jeder Apple-Home-Verweigerer entscheiden, ob er Homebridge nutzt (Apple-Welt) oder Home Assistant (alles andere). Jetzt geht beides parallel.
Unter der Haube hat das Team aufgeräumt. Homebridge 2.0 verlangt Node.js 22 oder 24, ältere Versionen werden nicht mehr unterstützt. Node.js ist die Server-Laufzeitumgebung, in der Homebridge läuft. Wer noch Node 18 oder 20 auf dem Pi installiert hat, muss vor dem Update aktualisieren. Die Code-Basis ist auf ESM-Module umgestellt, das ist die moderne JavaScript-Modul-Variante, die viele Plugins erst einmal nicht beherrschen werden. Das hat eine Konsequenz, die im nächsten Absatz wichtig wird.
Matter ist drin, aber experimentell
Der Matter-Teil ist offiziell als experimentell markiert. Das heißt: Es funktioniert im Prinzip, aber nicht für alle Plugins und nicht für alle Gerätetypen. Damit ein Homebridge-Plugin sein Gerät über Matter exportieren kann, muss der Plugin-Autor das Plugin selbst auf den neuen ESM-Standard und die neue Matter-Schnittstelle umstellen. Das wird in den nächsten Wochen und Monaten passieren, nicht alles am Tag eins.
Im Release-Branch sind bisher zwei Matter-Gerätetypen offiziell ergänzt: GenericSwitch und WaterValve. Klingt nach wenig, ist aber die Schlüssel-Architektur. Andere Geräte (Lampen, Sensoren, Thermostate) folgen, wenn die jeweiligen Plugins nachziehen. Wer also heute updatet und erwartet, dass sofort der gesamte Apple-Home-Bestand auch in Google Home auftaucht, wird enttäuscht. Wer wartet, bis das Lieblings-Plugin Matter-Support gemeldet hat, bekommt das saubere Erlebnis.
Wer jetzt updaten sollte und wer nicht
Wer Homebridge produktiv im Heimnetz laufen hat und mit Apple Home glücklich ist, sollte erstmal nicht updaten. Das Team selbst empfiehlt das im Release-Hinweis explizit: Version 2.0 ist eine optionale Aufrüstung, kein Pflicht-Update. Wenn der aktuelle Stand zuverlässig läuft und die genutzten Plugins noch nicht auf 2.0 angepasst sind, gibt es keinen Anlass zur Eile. Im Gegenteil: Wer in der Hochsaison eines Smart-Home-Setups updatet, riskiert Wochenend-Bastelei.
Sinnvoll ist 2.0 für drei Gruppen: Erstens, wer ein neues Homebridge-Setup aufbaut und sowieso bei null anfängt. Zweitens, wer schon länger plant, vom reinen Apple-Home-Setup zu einem Multi-Plattform-Setup zu wechseln, etwa weil die Familie Echos im Haus hat oder ein Google-Display in der Küche steht. Drittens, wer Homebridge gar nicht kennt, aber einen Raspberry Pi neben dem Router stehen hat, der bisher nur Pi-hole macht. Für diese Gruppe ist heute der bessere Tag, das Tool aufzusetzen, als noch vor einer Woche.
Was Homebridge 2.0 verschiebt, ist die Logik des Open-Source-Smart-Homes. Bislang war die Wahl zwischen Apple-zentriertem Setup mit Homebridge oder Plattform-offenem Setup mit Home Assistant ein klarer Schnitt. Mit Matter als gemeinsamer Sprache wird die Trennung weicher. Apple und Google haben jahrelang versucht, ihre Smart-Home-Welten getrennt zu halten. Eine Open-Source-Software auf einem 60-Euro-Bastelrechner reißt jetzt eine Brücke ein. Das ist ein passender Erfolg für ein Projekt, das laut eigener Aussage drei Jahre Beta-Hölle hinter sich hat.





