Roborock Mähroboter? Bis vor Kurzem hätte ich die Frage mit „gibt’s nicht“ beantwortet. Roborock, das sind doch die schwarzen Saugroboter, die zweimal pro Woche durch die Wohnung fahren, sich von einer App dirigieren lassen und am Ende artig zurück in die Ladestation rollen. Bis ich beim Recherchieren für ein anderes Thema gemerkt habe, dass es seit Mitte März 2026 vier echte Roborock Mähroboter in Deutschland im Handel gibt.
Vorgestellt wurde die Linie auf der IFA 2025 in Berlin, der deutsche Marktstart kam dann am 19. und 20. März dieses Jahres. Vier Hauptmodelle, drei Serien, alles ohne Begrenzungskabel. Begrenzungskabel ist der Draht, den man früher ums Grundstück verlegen musste, damit der Roboter nicht in den Teich fährt. Den braucht heute kaum noch ein neueres Gerät. Roborock setzt stattdessen auf RTK (das ist GPS mit zentimetergenauer Korrektur über eine zweite Antenne), Kameras und beim Topmodell zusätzlich LiDAR (Laserscanner für eine 3D-Karte der Umgebung).

Vier Modelle, drei Serien, gestaffelt nach Garten und Antrieb
Die Einstiegsserie heißt RockNeo Q1. Sie kostet ab 799 Euro und ist für Rasenflächen bis 1.000 Quadratmeter pro Tag ausgelegt. Die Q1 ist der Standard-Empfehlungspunkt für Reihenhaus- und Stadtgarten-Größen, die bisher zu Eufy C15, Dreame Mova 600 oder Worx Landroid Vision gegriffen hätten.
Die Mittelklasse ist die RockMow S1. Ab 1.399 Euro, ausgelegt auf bis zu 1.500 Quadratmeter, mit Heckantrieb und Stoffumhang-Optik. Die S1 zielt auf typische Einfamilienhaus-Gärten mit moderater Steigung. Ohne Allrad, dafür preislich rund 600 Euro unter den Z1-Modellen.
Die Allrad-Oberklasse ist die RockMow Z1. Ab 1.999 Euro, RTK-Navigation, AWD, ausgelegt für bis zu 5.000 Quadratmeter Garten. Wer einen Hang über 30 Prozent oder ein verwinkeltes Grundstück hat, landet hier. Roborock listet die Z1 als ein Modell, im Handel taucht sie in mehreren Größen-Konfigurationen auf, der Einstiegspreis bezieht sich auf die kleinste Variante.
Das Spitzenmodell ist die RockMow Z1 LiDAR. Ab 2.699 Euro, deckt bis zu 2.000 Quadratmeter ab und ist Roborocks Antwort für Gärten, in denen RTK-Empfang nicht zuverlässig läuft, also unter Bäumen, im Schatten dichter Häuserzeilen oder im Talkessel. Statt sich nur auf Satellitensignale zu verlassen, scannt das Gerät die Umgebung kontinuierlich mit einem 360-Grad-LiDAR-Sensor.
Sentisphere und aktive Lenkung: warum die Z1 LiDAR die spannendste ist
Die Z1 LiDAR ist nicht das teuerste Modell, weil Roborock einen Aufpreis für ein Logo verlangt, sondern weil hier die technisch beeindruckendste Sensorik steckt. Roborock nennt das System Sentisphere: ein 360-Grad-3D-LiDAR mit 200.000 Messpunkten pro Sekunde, kombiniert mit kamerabasierter VSLAM-Navigation (das ist Bilderkennung mit gleichzeitiger Karten-Erstellung), Allradantrieb und einer aktiven Lenkung, bei der die Vorderräder einzeln gesteuert werden.

Die aktive Lenkung ist der eigentliche Unterschied zu fast allem, was sonst auf dem Markt ist. Andere AWD-Mäher drehen auf der Stelle, indem sie linke und rechte Räder gegeneinander laufen lassen, was die Grasnarbe in Mitleidenschaft zieht. Die Z1 LiDAR lenkt wie ein Auto, dreht weicher, schont den Rasen. Steigungen bis 80 Prozent macht sie laut Datenblatt mit, in der Praxis stoppt der Heise-Test bei nasser Wiese deutlich früher.
Heise nennt aber auch konkrete Schwächen. Die Software wird bei längeren Mähsessions unstrukturiert, übersieht gelegentlich Bereiche. Sträucher und Gebüsch erkennt das Gerät als Hindernisse, was ärgerlich ist, wenn man es um Beete herumführen will. Die maximal empfohlene Grashöhe vor dem Mähen liegt bei zwölf Zentimetern, darüber hält der Roboter hochstehende Halme für Hindernisse und biegt ab.
Das PreciEdge-Modul macht den Mäher erst komplett, kostet aber extra
Ohne das PreciEdge-Modul bleibt an Wänden, Beeten und Zäunen ein etwa zehn Zentimeter breiter Rasenstreifen ungemäht. Das Modul ist eine seitlich angebrachte zweite Mähscheibe, die über den Rand der Hauptklinge hinausragt und den Streifen am Beet, Zaun oder an der Hauswand mitnimmt. Mit Modul bleiben laut Roborock nur drei Zentimeter Rand stehen.

Das Modul ist mit allen vier Modellen kompatibel, muss aber separat gekauft werden. Roborock selbst nennt keinen offiziellen Preis, im Handel taucht es bei rund 150 Euro auf. Wer den Mäher nicht primär zum großflächigen Mähen einsetzt, sondern wirklich darauf hofft, am Wochenende nicht mehr mit der Akku-Schere am Beet entlang zu laufen, sollte die 150 Euro direkt mit einplanen. Sonst wird der Roboter eine teure Lösung für ein halbes Problem.
Smart-Home-Anschluss: Alexa und Google Home, sonst nichts
Hier kommt die Stelle, an der ich beim Lesen der Pressemitteilung kurz aufgehört habe zu blättern. Roborock unterstützt offiziell Amazon Alexa und Google Home über die Roborock-eigene App. Apple Home steht nicht auf der Liste. Matter steht nicht auf der Liste. Home Assistant ist nicht offiziell unterstützt.
Im Saugroboter-Bereich hat Roborock dieselbe Zurückhaltung gefahren. Dort gibt es Communities, die per Reverse Engineering eigene Home-Assistant-Integrationen gebaut haben. Bei Mährobotern ist das Spielfeld viel jünger, vergleichbare Custom-Integrationen existieren noch nicht. Wer also auf Apple Home oder ein offenes Setup wert legt, schaut bei Roborock im Garten erst mal in die Röhre. Eufy spielt da etwa beim C15 mit, Mammotion bietet Home-Assistant-Anbindung über die Community, Segway hat angefangen mit Apple-Shortcuts zu experimentieren.
Roborock-eigene App plus Sprachsteuerung über Alexa oder Google reicht für den Standard-Anwendungsfall. Wer den Mäher in eine größere Smart-Home-Choreografie einbinden will (Mähen pausieren, wenn die Wettervorhersage Regen meldet, automatisch nachts laden, wenn der dynamische Stromtarif unter zwölf Cent geht), kommt ohne Bastelei nicht weiter. Das ist 2026 ein echter Nachteil gegenüber Mammotion und Segway, die hier offener sind.
Wann sich Roborock für deinen Garten lohnt
Wer schon einen Roborock-Saugroboter hat, kennt die App, weiß wie der Hersteller tickt, und bekommt mit den neuen Mähern ein Setup, das sich vertraut anfühlt. Wer einen flachen Garten unter 1.000 Quadratmetern hat und zum ersten Mal einen Mähroboter probiert, fährt mit der RockNeo Q1 für 799 Euro ordentlich. Wer einen Hang oder einen großen Garten ohne sauberen GPS-Empfang hat, landet bei der Z1 LiDAR.
Wer dagegen Apple Home als Smart-Home-Plattform nutzt oder mit Home Assistant arbeitet und den Mäher in Automationen einbinden will, sollte Mammotion oder Segway ernsthafter angucken. Roborock holt das vermutlich irgendwann nach, hat es aber zum Marktstart nicht. Und wer auf den präzisen Kantenschnitt scharf ist, plant das PreciEdge-Modul für 150 Euro direkt mit ein, sonst wird die Investition unrund.
Vier Modelle gleichzeitig auf den Markt zu werfen ist für einen Outdoor-Newcomer ungewöhnlich, und die Tatsache, dass Heise der Z1 LiDAR trotz Software-Macken eine vorsichtige Kaufempfehlung ausspricht, sagt schon was. Roborock hat die Hardware im Griff. Was noch fehlt, ist Software-Reife und ein offenerer Smart-Home-Anschluss. Beides lässt sich mit OTA-Updates und einer Matter-Zertifizierung nachreichen, beides liegt aber bisher nicht vor.





