Der Rademacher Gurtwickler mit Matter over Thread ist seit dieser Woche bestellbar, und das ist eine kleine Überraschung. Rademacher kennt man als den deutschen Rollladen-Spezialisten, der seit Jahren brav seine HomePilot-Zentrale verkauft und alles Smarte durch dieses eigene Gateway schleust. Jetzt kommt ein Gurtwickler, der genau das nicht mehr braucht. Die offene Frage ist, ob das der Anfang einer echten Öffnung ist oder nur ein Nebenprodukt.
Was der Gurtwickler kann
Das Gerät heißt Rademacher Universal Gurtwickler smart Typ 3000 und kostet 149,90 Euro UVP. Erhältlich ist er bei Amazon und bei Tink, wo es ihn auch im Doppel- und Dreierpack mit kleinem Mengenrabatt gibt. Er ersetzt den klassischen Gurtwickler im Rollladenkasten durch eine elektrische Variante und fährt die Rollläden per App, Sprachbefehl oder Zeitplan auf und ab.

Kompatibel ist er mit Gurtbändern in 15 mm und 23 mm Breite, was die üblichen Standardgrößen abdeckt. Eine automatische Hindernisserkennung stoppt das Schließen, falls etwas im Weg liegt. Die Montage geht wahlweise als Unterputz-Lösung im vorhandenen Gurtkasten oder als Aufputz-Variante an der Wand. Beides soll laut Rademacher mit einer DIY-Anleitung in überschaubarer Zeit machbar sein, Werkzeug reicht normales Haushaltsniveau.
Matter over Thread statt WiFi, warum das zählt
Der interessante Teil ist das Protokoll. Der Gurtwickler spricht Matter over Thread (ein stromsparendes Mesh-Funknetz für Smart-Home-Geräte). Eingebunden wird er über einen Thread Border Router (ein Gerät, das Thread-Produkte mit dem heimischen WLAN verbindet), also zum Beispiel einen HomePod mini oder ein Apple TV 4K der neueren Generation. Einen zusätzlichen Rademacher-Hub oder HomePilot braucht es nicht.
Der naheliegende Konkurrent ist der Meross Roller Shutter Belt Winder MRS200 für 159,99 Euro. Der Meross setzt auf Matter over WiFi, funkt also direkt ins heimische 2,4-GHz-Netz. In der Praxis macht das einen Unterschied: Thread belastet das WLAN nicht, läuft zuverlässiger im Mesh und bleibt stabil, auch wenn die Fritzbox mal neu startet. WiFi hat dafür den Vorteil, dass kein Border Router nötig ist. Wer also noch keinen HomePod oder Apple TV zu Hause hat, muss beim Rademacher erst in die Infrastruktur investieren.
Für Mieter gebaut
Spannend finde ich den Montage-Ansatz. Der Universal Gurtwickler passt in den bestehenden Gurtkasten, ohne dass gebohrt werden muss. Raus mit dem alten Gurtwickler, rein mit dem neuen, fertig. Beim Auszug kann man den Originalzustand ohne Drama wiederherstellen. Das macht ihn zu einer der wenigen seriösen Nachrüst-Optionen für Mietwohnungen, die wirklich reversibel ist. Die Aufputz-Variante gibt es zusätzlich für Fälle, in denen der vorhandene Kasten zu klein oder zu ungünstig geschnitten ist.
Für Eigentümer ist die Entscheidung weniger dringlich, weil man ohnehin in fest verbaute Lösungen investieren darf. Aber auch da ist ein Matter-Gerät ohne Gateway-Zwang ein valides Argument gegenüber einer klassischen HomePilot-Installation.
Meine Einschätzung
Rademacher macht hier etwas, das andere deutsche Hersteller bis heute nicht hinbekommen: ein Produkt bauen, das sich ohne Gateway-Zwang ins Smart Home integriert. Der Preis ist fair, die Kompatibilität mit den gängigen Gurtbreiten stimmt, und Matter over Thread ist für diese Geräteklasse die richtige Entscheidung. Wer als Mieter einen halbwegs schmerzfreien Einstieg in smarte Rollläden sucht, findet hier aktuell die wahrscheinlich beste Option am Markt.
Offen bleibt, wie Rademacher das Ganze pflegt. Gateway-lose Geräte leben von Firmware-Updates über die Hersteller-App, und Rademacher hat in der HomePilot-Welt nicht gerade den Ruf als Update-Champion. Ein Blick auf die Support-Seite in einem Jahr wird zeigen, ob der offene Weg ernst gemeint ist oder nur ein Versuchsballon war.
Quellen: Rademacher (Hersteller)





