Der TÜV Rheinland hat am 29. April 2026 einen neuen Standard für Mähroboter angekündigt: „Lawn Care“. Geprüft wird, was die Maschine im Rasen tatsächlich anrichtet, nicht ob sie sicher ist und einen Hund umfährt. Das übernimmt das ältere Q-Mark-Zertifikat von 2025. Das neue Lawn-Care-Siegel kommt obendrauf.
Wer Mähroboter 2026 vergleicht, kennt das Datenchaos. Hersteller versprechen 90 Prozent Steigung und 5.000 m² Fläche bei perfekter Hinderniserkennung. Stiftung Warentest hat im April einen Test publiziert, den ich hier eingeordnet habe. Jetzt zieht der TÜV mit einem dauerhaften Prüfsiegel nach. In der Theorie ein Fortschritt. In der Praxis kommt es darauf an, wer mitmacht.
Ein Monat Rasen, sechs Kategorien
Der Lawn-Care-Standard simuliert eine einmonatige Nutzung des Mähroboters unter anspruchsvollen Bedingungen. Konkret bewertet werden:
- Mähleistung im Standardbetrieb: Flächenabdeckung, Effizienz, Schnittqualität bei verschiedenen Grasdichten
- Rasenschonung – also was bleibt vom Rasen übrig, nicht nur wie kurz das Gras hinterher ist
- Hinderniserkennung mit Reaktionszeit und Ausweichverhalten
- Verhalten bei Steigungen und omnidirektionalem Fahren (Allrad-Modelle)
- Bewältigung komplexer Gartenlayouts mit engen Passagen und mehreren Zonen
- Bedienbarkeit: Installation, Wartung, App-Steuerung
Die offizielle TÜV-Pressemitteilung rahmt das als „ganzheitliche Bewertung moderner Mähroboter“. Der Punkt, der mich interessiert: Rasenschonung ist neu. Die meisten Hersteller-Datenblätter messen Schnittbreite und Schnitthöhe, aber niemand schreibt hin, ob der Rasen nach einem Monat noch dicht ist oder schütter aussieht wie nach einer schlechten Friseur-Sitzung.
Q-Mark plus Lawn Care

Beim älteren Q-Mark (offiziell „2PfG Q2892“) prüft der TÜV seit 2025 das Standard-Set: Sicherheit, Mähleistung, Energiemanagement, Navigation, Bedienbarkeit. Lawn Care setzt nicht oben drauf im Sinne von „höhere Klasse“, sondern ergänzt das Bild um die Rasen-Sicht. Beide Siegel können nebeneinander auf einem Modell erscheinen.
Damit gibt es jetzt mehrere Datenpunkte für Mähroboter-Käufer in DE: Stiftung-Warentest-Tests punktuell und mit deutschem Fokus, dazu zwei TÜV-Siegel mit unterschiedlichem Fokus. Das ist mehr Information als jemals zuvor in dieser Kategorie. Trotzdem reicht es nicht, weil die Hersteller freiwillig mitmachen müssen.
Erste Zertifizierung – aber wer?
Hier wird es interessant. Der TÜV schreibt: „Die erste Zertifizierung im Rahmen des neuen Lawn-Care-Standards erfolgte im April 2026 in China.“ Welcher Hersteller das ist – steht nicht in der Pressemitteilung. In China zertifizieren typischerweise Marken, die international expandieren wollen – Mammotion, Ecovacs oder neuere Crowdfunding-Anbieter wie das TerraMow X AWD, das gerade auf Kickstarter Anlauf nimmt. Die etablierten deutschen Marken wie Husqvarna oder Stihl fehlen bislang in den TÜV-Listen.
Beim Q-Mark hat Segway Navimow 2025 die erste Zertifizierung geholt. Was bei freiwilligen Zertifizierungen schnell passiert: Es wird zum Marketing-Filter statt zum Wahrheits-Test. Wer sich nicht traut, lässt es bleiben, und keiner merkt, dass das Modell die Prüfung nicht bestanden hätte. Das gilt auch für Lawn Care.
Schweigen ist auch ein Signal
Solange die etablierten DE-Marken wie Husqvarna oder Stihl nicht antreten, sagt das Lawn-Care-Siegel mehr über die Hersteller, die mitmachen, als über die, die fehlen. Wenn in den nächsten Monaten Mammotion und Segway zertifizierte Modelle in den Werbe-Material schieben, weiß der Käufer: Die haben sich getraut. Bei den deutschen Marken bleibt offen, ob sie das Siegel als überflüssig empfinden, weil ihre Marke selbst als Qualitätszeichen läuft, oder ob sie sich nicht trauen.
Mein Tipp: Im Sommer mal die TÜV-Certipedia-Datenbank besuchen, „Q2892“ eingeben und nachschauen, wer da neu drinsteht. Die Liste wird in den nächsten Monaten verraten, welche Hersteller das Siegel ernst nehmen – und welche es schweigend ignorieren.





