Der MOVA V70 Ultra Complete ist seit dem 13. Mai 2026 in Deutschland im Handel und versucht das, woran sich runde Saugroboter seit zehn Jahren die Zähne ausbeißen: in die Ecke fahren. Statt nur an der Wand entlangzustreichen, schiebt der V70 einen Wischmopp 16 Zentimeter aus dem Gehäuse heraus und eine Seitenbürste 12 Zentimeter. Aufgerufener Einführungspreis: 1.249 Euro, regulärer UVP 1.399 Euro. Verkauft wird das Ganze über die MOVA-DE-Website, Amazon und rund 350 MediaMarkt- und Saturn-Filialen.
Wie der 16-cm-Mopp die Ecke kapert
Das Kernstück heißt MaxiReachX, ist eine ausfahrbare Mechanik und besteht aus zwei Komponenten: einer rotierenden Mopp-Verlängerung am hinteren rechten Pad, die bis zu 16 Zentimeter aus dem runden Gehäuse herausfährt, und einer adaptiven Seitenbürste, die bis zu 12 Zentimeter ausschwenkt. Der Punkt dahinter ist banal und seit zehn Jahren bekannt: Ein runder Roboter mit fester Bürste lässt Ecken und Möbelkanten systematisch aus. D-förmige Roboter wie der Roomba 980 oder der iRobot Combo j7+ haben das Problem über die Gehäuseform angegriffen, die meisten chinesischen Marken über immer breitere Seitenbürsten. MOVA versucht die Mechanik: Bürste und Mopp suchen den Rand aktiv, statt nur am Rand vorbeizulaufen.

Der Smart-Home-Fox-Test misst rund 40 Prozent mehr Abdeckung an Möbelbeinen gegenüber einem klassischen runden Sauger mit fester Bürste. Das ist keine Apple-Keynote-Zahl, aber sichtbar genug, dass es im Putz-Ergebnis ankommt. Die Einschränkung steht im selben Test: Bei stark verschmutzten Hartböden verteilen die rotierenden Pads den Dreck eher, als ihn aufzunehmen. Trockensauger plus Wischfunktion bleibt ein Kompromiss, ein Klappmopp ändert daran nichts.
40.000 Pa, beutellose Station, 9-cm-Schwellen
Saugleistung liegt laut MOVA bei 40.000 Pa, was im Mai 2026 der obere Branchenwert ist. Roborock S8 MaxV Ultra wirbt mit 10.000 Pa, Dreame X40 Master mit 12.000 Pa, Eufy X10 Pro Omni mit 8.000 Pa. Die Zahlen sind herstellerspezifisch und nicht direkt vergleichbar, weil unterschiedlich gemessen. Im Smart-Home-Fox-Test übersetzt sich der MOVA-Wert in 96 bis 98 Prozent Aufnahme bei Linsen und Haferflocken auf Hartboden, bei Sand im Teppich nur 80 Prozent. Wer einen Berner Sennenhund hat, sollte das einordnen.
Die rotierenden Wischpads drehen mit 300 Umdrehungen pro Minute, die Basisstation wäscht sie nach jedem Einsatz mit 100 Grad heißem Wasser und trocknet bei 70 Grad. StepMaster 2.0 überwindet laut MOVA bis zu 9 Zentimeter, im Test sind es eher 5 Zentimeter zuverlässig. Hersteller-Schwellenwerte sind in den letzten zwei Jahren zu Marketing-Sport geworden.
Der spannendere Punkt steckt in der Station: Das EcoCyclone-System funktioniert ohne Staubbeutel. Statt einer Wegwerf-Tüte fängt ein Zyklon-Filter den Schmutz auf, der Behälter wird ausgespült. MOVA verspricht bis zu 100 Tage Nutzung zwischen den Reinigungen. Das spart 100 bis 150 Euro Folgekosten pro Jahr, je nachdem, wie viele Tüten ein Vergleichsmodell braucht. Und ein Problem aus dem Weg, das jeder Beutel-Sauger-Käufer kennt: Nach drei Jahren sind die Original-Tüten plötzlich „End of Life“ und nur noch Nachbau-Ware verfügbar.
1.249 Euro im Saugroboter-Ozean
Der Einführungspreis 1.249 Euro gilt vom 13. bis 22. Mai, danach steigt der Preis auf den UVP von 1.399 Euro. In der Klasse sieht das so aus:
| Modell | Preis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Eufy X10 Pro Omni | 799 Euro | Einsteiger-Premium |
| Narwal Flow 2 | 1.099 Euro | 31.000 Pa, Wischwalze |
| MOVA V70 Ultra Complete | 1.249 Euro | Einführungsaktion bis 22.05. |
| Dreame X40 Master | ab 1.499 Euro | MOVA-Konzernschwester |
| Roborock S8 MaxV Ultra | 1.799 Euro | Apple-Home-Integration |

MOVA platziert sich also genau in den Spalt zwischen Narwal-Wischwalze und Dreame-Flagship. Markenrenommee bleibt die offene Frage: MOVA ist Dreame-Schwester, beide gehören zum Xiaomi-Ökosystem, die Tochter-Marke pusht aggressiver auf Preis und neue Mechaniken, hat aber weniger Marken-Anerkennung im DE-Markt. Wer schon einen Dreame Bot W10 im Einsatz hatte, kennt die App und die Konzern-Strukturen. Für MOVA-Neukunden ist die App-Lernkurve eigenes Lehrgeld.
Die Aktion bis 22. Mai stapelt zusätzlich ein Zubehör-Kit im Wert von 169 Euro und drei Jahre Garantie statt der üblichen zwei. Das ist in der Klasse eher Standard-Launch-Akrobatik als außergewöhnlich, aber wer den V70 sowieso kauft, lässt die Frist nicht verstreichen.
Wo die Pressemitteilung schweigt
Drei Punkte stehen nicht im MOVA-Material. Erstens die Verarbeitung: Der Smart-Home-Fox-Test beschreibt das Kunststoffgehäuse als „stellenweise nicht ganz so hochwertig“ — das ist nicht dramatisch, aber wer 1.249 Euro ausgibt, erwartet keine Plastik-Anmutung an der Basisstation. Zweitens die App: unübersichtlich für Einsteiger, Übersetzungen ins Deutsche teils ungelenk. Wer noch keine MOVA- oder Dreame-App auf dem Handy hat, sollte einen Sonntag für die Konfiguration einplanen. Drittens die Hinderniserkennung: Der Roboter fährt sehr nah an Hindernisse heran, die Seitenbürste deaktiviert sich nicht automatisch, wenn Kabel oder Vorhang-Stoff in Reichweite sind. Im neuen Smart-Home-Setup mit zehn HomePod-Mini-Kabeln auf dem Boden ist das ein konkretes Problem.
Was komplett fehlt: Apple Home und Matter. Der V70 läuft über die MOVA Home App, Sprachsteuerung via Alexa und Google Home ist drin, eine Apple-Home-Integration nicht. Das ist 2026 die Standard-Lücke bei Saugrobotern. Nur Roborock hat HomeKit-Anbindung seit über einem Jahr stabil, und das nur für die Saug-Linie, nicht für die Mäh-Linie. Wer Apple Home als Steuerungs-Drehscheibe nutzt, wird beim V70 in der MOVA-App enden.
MediaMarkt statt nur Online
Was den V70 trotz aller Vorbehalte interessant macht, ist nicht die Architektur. Es ist der Vertrieb. Rund 350 MediaMarkt- und Saturn-Filialen listen das Gerät zum Launch, parallel zu Amazon und zum MOVA-Direktshop. Das ist für eine chinesische Marke außerhalb der Roborock-Liga ungewöhnlich. Bei vergleichbaren Premium-Saugrobotern war Online-Vertrieb der Default, der Filial-Auftritt erst Monate später, wenn überhaupt.
Bei MOVA ist das auch persönlich erfahrbar, allerdings auf der anderen Produktlinie: Den Mova-600-Mähroboter hatte ich im Frühjahr aus einem Stiftung-Warentest-Bericht heraus als „kaum lieferbar“ eingeordnet, weil der Test schrieb „auf dem Papier, nicht im Handel“. Realitäts-Check zwei Wochen später: Bei Amazon für 594 Euro im Frühlingsangebot, bei Geizhals ab 699 Euro, mehrere Händler aktiv. Test-Aussagen und Markt-Realität laufen bei dieser Marke regelmäßig auseinander. Beim V70 lässt sich der Punkt am Launch-Tag schon nicht mehr machen: Wer eine MediaMarkt-Filiale im PLZ-Umkreis hat, kann das Gerät vor dem Kauf anschauen. Das ist für Saugroboter in dieser Preisklasse selten genug. Die offizielle Pressemitteilung nennt die 350-Filialen-Zahl explizit, was Marketing-Selbstbewusstsein verrät, nicht nur Distribution.
Wer einen S8 MaxV hat, lässt den V70 stehen
Aufrüster aus der 400-bis-700-Euro-Klasse, die zum ersten Mal in die Premium-Liga wechseln, bekommen mit dem MOVA V70 Ultra Complete ein technisch ehrgeiziges Gerät zum Einführungspreis und einen Vor-Ort-Käufer-Vorteil bei MediaMarkt. Für sie ist die Empfehlung klar. Wer bereits einen Roborock S8 MaxV Ultra oder einen Dreame X40 Master hat, kauft sich mit dem V70 ein bisschen mehr Eck-Abdeckung und ein paar Kompromisse in Verarbeitung und App ein. Das ist keinen Wechsel wert. Und für jeden, der Apple Home als Steuerungs-Drehscheibe nutzt, bleibt der V70 außen vor.





