Anker hat die Solarbank 4 Pro vorgestellt, und auf dem Datenblatt steht eine Zahl, die größer ist als alles, was die Vorgänger konnten: 5.000 Watt Solareingang. Daneben steht eine zweite Zahl, die genauso wichtig ist und im Marketing leiser ausgesprochen wird. 800 Watt. So viel darf ein Balkonkraftwerk in Deutschland einspeisen. Und dann ist da noch der Preis, der je nachdem, wann du bestellst, um 500 Euro schwankt.
Die offizielle Vorstellung lief am 12. Mai in Berlin. Vollständig heißt das Gerät Solarbank 4 E5000 Pro, es ist die vierte Generation der Solarbank-Linie, und es lohnt sich, die drei Zahlen oben einzeln anzuschauen, bevor man sich von der größten beeindrucken lässt.

Fünf Kilowattstunden, vier MPPT-Tracker, ganzjährig draußen
Im Kern sitzt ein Akku mit 5 kWh Kapazität, LFP-Zellen (Lithium-Eisenphosphat, der robustere und langlebigere Akku-Typ gegenüber den NMC-Zellen aus dem Laptop), die Anker nach eigener Angabe in Automobilqualität verbaut. Die Lebensdauer gibt der Hersteller mit bis zu 10.000 Ladezyklen und rund 15 Jahren an. Das ist die Sorte Zahl, die man erst in zehn Jahren überprüfen kann, aber LFP in dieser Größenordnung ist 2026 keine Wundertechnik mehr, sondern Standard.
Auf der Solarseite sitzen vier MPPT-Tracker (die Regler, die jeden Modulstrang einzeln auf maximale Leistung trimmen), jeder bis 1.250 Watt, macht zusammen die 5.000 Watt. Bis zu zwölf Module lassen sich anschließen. Der Wechselrichter sitzt schon drin und arbeitet bidirektional (er wandelt also in beide Richtungen, vom Modul ins Netz und beim Laden zurück), ein separates Gerät braucht es nicht. Dazu ein Touch-Display für die Werte in Echtzeit, die Steuersoftware nennt Anker PowerOS, und es gibt einen KI-Assistenten mit Namen Anka, über den ich erst urteile, wenn ich ihn gesehen habe.
Zwei Punkte, die techboys-Leser interessieren dürften: Das Gehäuse ist nach IP66 zertifiziert und für minus 20 bis plus 55 Grad freigegeben, das Ding darf also ganzjährig draußen stehen. Und Anker nennt offene APIs für die Anbindung an Home Assistant. Falls das stimmt und nicht nur eine Absichtserklärung ist, wäre das ein echter Unterschied zu Speichern, die dich in der Hersteller-App festnageln. Erweitern lässt sich der Speicher über bis zu fünf BP5000-Batterien mit je 5 kWh, in der Vollausbaustufe sind das 30 kWh.
5.000 Watt Solar, 800 Watt Steckdose: wie passt das zusammen?
Hier wird es interessant. Über den normalen Schuko-Stecker speist die Solarbank 4 Pro die gesetzlich erlaubten 800 Watt ein, Plug-and-Play, ohne Elektriker. Wer mehr will, braucht Ankers PluginPower 2.0. Damit sind im netzgekoppelten Betrieb bis zu 2.500 Watt drin. Was genau PluginPower 2.0 technisch ist und ob es einen Elektriker oder eine separate Anmeldung verlangt, sagt das Datenblatt nicht sauber, und das ist der erste Punkt, den ich vor einer Kaufempfehlung geklärt haben will.
Die 5.000 Watt Solareingang sind trotzdem nicht sinnlos, auch wenn unten nur 800 Watt rauskommen. Der Strom, der nicht ins Hausnetz darf, lädt eben den 5-kWh-Akku, und zwar schnell, weil vier MPPT-Tracker parallel arbeiten. An einem guten Sommertag ist der Speicher mittags voll, statt sich bis zum Abend zu quälen. Für den Off-Grid-Betrieb gibt es einen seitlichen Anschluss mit 10 Millisekunden Umschaltzeit, was schnell genug ist, dass ein Rechner es nicht merkt. Die große Solarzahl zahlt also auf Ladegeschwindigkeit und Eigenverbrauch ein, nicht auf die Einspeisung. Das ist ein feiner Unterschied, den das Marketing gern verwischt.
Der Preis hängt am Rabatt
Die UVP der Solarbank 4 E5000 Pro liegt bei 1.999 Euro, die BP5000-Erweiterungsbatterie kostet 1.399 Euro. Wenn dir jetzt schon die Zahl 1.499 Euro begegnet ist, dann so: Anker fährt eine Early-Bird-Aktion. Wer sich zwischen dem 12. Mai und dem 11. Juni unverbindlich für die Bestellung registriert, bekommt 25 Prozent auf die UVP. Das drückt die E5000 Pro auf rund 1.499 Euro und die BP5000 entsprechend. Obendrauf gibt es das neue dreiphasige Smart Meter Gen 2 kostenlos dazu, ein Bauteil, das den Hausverbrauch in Echtzeit misst und sonst extra kostet.
Das ist ein gutes Angebot, und es ist trotzdem clever gerahmt. Der „Einführungspreis 1.499 Euro“, den manche Berichte in die Überschrift heben, ist nicht der reguläre Preis, sondern eine befristete Aktion auf den UVP von 1.999 Euro. Wer im Juli kauft, zahlt voraussichtlich die vollen 1.999 Euro. Das ist kein Betrug, das ist Marketing, aber man sollte wissen, welche der beiden Zahlen die echte ist. Die echte ist 1.999.
Gegen EcoFlow und die eigene Vorgänger-Generation
Der spannendste Vergleich ist der mit der eigenen Familie. Die Solarbank 3 Pro setzte auf gestapelte Erweiterungsblöcke mit jeweils kleinerer Kapazität. Die 4 Pro packt die 5 kWh in ein einziges Modul. Für die Aufstellung ist das simpler, der Preis pro Kilowattstunde wird dadurch nicht automatisch besser, aber die Logik ist aufgeräumter. Praktisch hilfreich: Die neue BP5000 ist laut Anker auch mit den älteren Solarbank-2- und Solarbank-3-Pro-Setups kompatibel. Wer schon im Anker-Ökosystem steckt, kann also erweitern, statt komplett neu zu kaufen.
Gegen die Konkurrenz steht vor allem EcoFlow. Die EcoFlow-Stream-Reihe hat erst vor zwei Wochen mit der everHome-Integration gezeigt, wie dynamische Eigenverbrauchs-Steuerung ohne Cloud-Zwang aussehen kann. Und auch Dreame mischt mit, der Mova LumeGret zielt auf dieselbe Käuferschicht. Ankers Antwort darauf ist das mitgelieferte Smart Meter Gen 2 plus die offenen APIs. Wenn Anker die Home-Assistant-Anbindung wirklich offen hält, hätte die Solarbank 4 Pro genau dort einen Vorteil, wo EcoFlow noch auf das eigene Ökosystem setzt. Das ist im Moment aber ein Konjunktiv, kein Testergebnis.
Was im Datenblatt fehlt, ist der entscheidende Termin: ein konkreter Marktstart. Anker nennt bisher nur die Vorbestellung ab dem 12. Mai. Wann das Gerät ausgeliefert wird, steht nicht da. Wer also auf die Early-Bird-Registrierung schielt, registriert sich für etwas, das noch kein Lieferdatum hat.
Trotzdem: Für alle, die ohnehin mit einem Speicher fürs Balkonkraftwerk liebäugeln, ist die Solarbank 4 Pro das stärkste Anker-Angebot seit Langem, besonders mit dem gratis Smart Meter im Bündel. Wer schon eine Solarbank 2 oder 3 hat, braucht keinen Komplettkauf, sondern schaut sich die BP5000 als Erweiterung an. Und wer einfach nur 800 Watt ohne Speicher einspeisen will, für den ist das hier zwei Nummern zu groß. Die ehrliche Empfehlung lautet: Specs sind gut, Preis ist okay, aber bis das Lieferdatum steht und PluginPower 2.0 erklärt ist, würde ich die Registrierung nicht als Kaufentscheidung verstehen, sondern als Reservierung mit Bedenkzeit.





