Disney Plus 4K funktioniert in Deutschland wieder, jedenfalls auf einem Teil der Geräte. Ende Juli war die hohe Auflösung zusammen mit HDR komplett aus dem deutschen Angebot verschwunden, Premium-Abonnenten bekamen für 16 Euro im Monat plötzlich 1080p. Jetzt hat Disney eine technische Lösung gefunden, und fast zeitgleich legt Prime Video bei der Bildqualität in die andere Richtung nach. Es ist gerade viel Bewegung in einem Thema, das eigentlich langweilig sein sollte.
- Disney+ stellt 4K UHD im Premium-Tarif in Deutschland wieder her, aber noch nicht auf allen Endgeräten.
- Der Weg dahin: offenbar ein Codec-Wechsel. heise hat auf einem Fire TV Cube VP9 statt des patentbelasteten HEVC gemessen.
- HDR fehlt bei Disney+ weiterhin komplett, die Rückkehr ist angekündigt, aber ohne Termin.
- Prime Video startet im August HDR10+ Advanced, zunächst exklusiv auf Samsung-Fernsehern des Modelljahrs 2026.
- Die Verbraucherzentrale Niedersachsen prüft weiter rechtliche Schritte wegen des monatelang beschnittenen Premium-Abos.
Codec-Trick statt Lizenzdeal: So kommt das 4K-Bild zurück
Die Vorgeschichte in Kurzform: Der Patentverwerter InterDigital geht seit Monaten gegen Disney vor. Im November untersagte das Landgericht München das Streaming mit dynamischem HDR, daraufhin flogen Dolby Vision und HDR10+ aus dem deutschen Angebot. Am 23. Juli erwirkte InterDigital vor dem Einheitlichen Patentgericht in Düsseldorf eine Verfügung zum Videocodec HEVC, und damit war auch 4K weg. HEVC = der Videocodec, der bei praktisch allen Streamingdiensten für 4K-Auflösung zuständig ist und dessen Patente mehreren Rechteinhabern gehören.
Disneys Antwort ist keine Einigung, sondern ein Ausweichmanöver. Man habe „eine alternative Technologie-Lösung eingeführt“, teilte das Unternehmen mit, ohne Details zu nennen. heise hat nachgemessen: Auf einem Fire TV Cube streamt Disney+ jetzt mit Googles Codec VP9 statt HEVC. Deshalb kommt 4K auch nicht überall gleichzeitig zurück, jedes Endgerät muss den Ersatz-Codec beherrschen, und Disney arbeitet sich offenbar durch die Geräteliste.
16 Euro für ein halbes Premium: die unbequeme Rechnung
Das Premium-Abo kostet 16 Euro im Monat und unterscheidet sich vom 11-Euro-Standard genau durch die Dinge, die zuletzt fehlten: 4K, HDR, Dolby Atmos, vier parallele Streams. HDR fehlt weiterhin, einen Termin für die Rückkehr nennt Disney nicht, und auf Dolby Vision und HDR10+ warten deutsche Abonnenten ohnehin seit Monaten. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen prüft deshalb weiter rechtliche Schritte.
Ob dein Gerät schon wieder 4K bekommt, siehst du am schnellsten in den Titeldetails: Steht beim Film das 4K-UHD-Badge und bietet der Player die Auflösung an, läuft der neue Codec. Fehlt das Badge auf deinem Fernseher, aber nicht am Handy, bist du auf einem Gerät unterwegs, das noch nicht umgestellt ist. Warten hilft hier tatsächlich, Disney weitet die Unterstützung nach eigenen Angaben gerade aus.
Prime Video startet HDR10+ Advanced, erst mal nur auf Samsung-TVs
Während Disney sein Bild repariert, baut Amazon seins aus. Prime Video führt im August HDR10+ Advanced ein, nach eigener Aussage als erster Streamingdienst. Der erweiterte Standard schickt zusätzliche Metadaten an den Fernseher: Der kann damit seine Spitzenhelligkeit gezielter nutzen, ein KI-gestütztes Tone Mapping soll Details in dunklen Szenen retten, und „Intelligent Motion Smoothing“ sagt dem TV szenenweise, wie er Bewegungen glätten soll. Kino-Look für den Film, flüssiges Bild für den Sport, so zumindest das Versprechen.
Der Haken ist die Geräteliste: Zum Start profitieren ausschließlich Samsung-Fernseher des Modelljahrs 2026, eine Nachrüstung für ältere Modelle ist nicht angekündigt. Welche Titel den neuen Standard zum Auftakt unterstützen und woran man sie erkennt, verraten Amazon und Samsung bisher nicht. Die beiden arbeiten bei HDR seit Jahren zusammen, schon das reguläre HDR10+ startete 2017 zuerst bei Prime Video.
Bildqualität ist wieder Kleingedrucktes geworden
Zwei Meldungen in 24 Stunden, ein Muster: Was auf deinem Fernseher ankommt, hängt 2026 nicht mehr nur vom gebuchten Tarif ab, sondern von Patentprozessen, Codec-Entscheidungen und der Frage, welche TV-Marke gerade einen Exklusiv-Deal hat. Dass Gerichte den Streaming-Alltag inzwischen direkter prägen als jede Produkt-Roadmap, war schon beim EuGH-Urteil zu Geoblocking zu besichtigen. Beim HBO-Max-Start habe ich mich noch über Bundle-Konstrukte gewundert, inzwischen muss man vor dem Abo-Abschluss ernsthaft prüfen, ob das beworbene Bild den eigenen Bildschirm überhaupt erreicht. Für Disney+-Premium-Kunden gilt bis auf Weiteres: nachschauen, ob 4K wieder da ist, und die HDR-Rückkehr im Blick behalten. Den Aufpreis wert ist das Abo erst dann wieder.
Kurz sortiert: die Lage bei Disney+ und Prime Video
Warum war 4K bei Disney Plus in Deutschland verschwunden?
Der Patentverwerter InterDigital erwirkte am 23. Juli vor dem Einheitlichen Patentgericht eine Verfügung zum Videocodec HEVC. Disney nahm daraufhin 4K und HDR aus dem deutschen Angebot. Schon zuvor hatte das Landgericht München Streaming mit dynamischem HDR untersagt.
Auf welchen Geräten läuft Disney Plus 4K jetzt wieder?
Disney nennt keine Geräteliste. Bestätigt ist die Rückkehr etwa auf dem Fire TV Cube, wo heise den Ersatz-Codec VP9 gemessen hat. Disney weitet die Unterstützung nach eigenen Angaben schrittweise auf weitere Geräte aus. Erkennbar ist 4K am UHD-Badge in den Titeldetails.
Wann kommt HDR bei Disney Plus zurück?
Offen. Disney erklärt, man wolle HDR so schnell wie möglich wiederherstellen, nennt aber keinen Termin. Dolby Vision und HDR10+ fehlen im deutschen Angebot bereits seit Anfang des Jahres.
Was ist HDR10+ Advanced und wer kann es nutzen?
Eine Erweiterung des HDR10+-Standards mit zusätzlichen Metadaten, KI-gestütztem Tone Mapping und szenenweiser Bewegungssteuerung. Prime Video startet damit im August 2026, zunächst ausschließlich auf Samsung-Fernsehern des Modelljahrs 2026. Eine Nachrüstung älterer TVs ist nicht angekündigt.





