Ein smartes Thermostat kostet in dieser Woche zwischen 14,99 und 199,99 Euro, je nachdem, an welchem IFA-Stand man steht, und bei einem Hersteller kommt obendrauf noch ein Abo. tado stellt zur Messe das Smarte Thermostat X in zweiter Generation vor, IKEAs Liljebagge steht seit dieser Woche mit Preis auf den Produktseiten, AVM nennt zum ersten Mal den FRITZ!Smart Thermo 303, und Bosch feiert zehn Jahre Smart Home damit, den hydraulischen Abgleich in sein 4,99-Euro-Paket zu stecken. Bei mir hängt in jedem Raum im Erdgeschoss ein tado X, ich lese das also nicht als Zuschauer.
- tado Smartes Thermostat X (2. Gen): Raumthermostat mit Matter over Thread, 17,8 Millimeter flach, Akku per USB-C mit rund einem Jahr Laufzeit; 199,99 Euro kabelloses Starter Kit, 179,99 Euro verkabeltes Kit mit Bridge X, 119,99 Euro solo, bestellbar seit 2. September 2026
- Die erste Generation des kabellosen tado-Kits kostet weiter 139,99 Euro, der Aufpreis für die zweite Generation liegt bei 60 Euro
- IKEA Liljebagge: Heizkörperthermostat mit Matter und Display für 14,99 Euro, zwei AA-Akkus mit rund 18 Monaten Laufzeit
- FRITZ!Smart Thermo 303: in der IFA-Pressemitteilung von AVM nur namentlich genannt, Preis und Termin offen; der Vorgänger 302 kostet 54,99 Euro
- Bosch Home+ (4,99 Euro im Monat) bekommt automatischen hydraulischen Abgleich und bedarfsoptimierte Wärmepumpen-Steuerung, eine PRO-Thermostat-Version für Handwerker ist BEG-förderfähig; Eyes+ für Kameras ab Oktober für 2,99 Euro monatlich
- tados eigener digitaler Abgleich ist laut The Verge inzwischen TÜV-zertifiziert und damit in einigen Märkten förderfähig, für Deutschland fehlt die Bestätigung
Smartes Thermostat heißt zweierlei: Raumthermostat oder Heizkörperthermostat
Bevor die Preise durcheinandergeraten, einmal die Sorte klären, denn die vier Neuheiten sind nicht austauschbar. Ein Raumthermostat sitzt an der Wand und sagt der Heizung im Keller, ob sie überhaupt Wärme erzeugen soll. Ein Heizkörperthermostat sitzt am Ventil eines einzelnen Heizkörpers und regelt nur, wie viel von dieser Wärme in diesen Raum kommt. tados Thermostat X ist ein Raumthermostat und ersetzt den Regler, der bei vielen Gasthermen oder Wärmepumpen im Flur hängt. IKEAs Liljebagge und AVMs Thermo 303 sind Heizkörperthermostate, sie ersetzen den Drehknopf am Radiator. Wer eine Etagenheizung mit einem Wandregler hat, braucht das eine, wer eine Zentralheizung mit sechs Heizkörpern hat, das andere, und viele Haushalte am Ende beides.
tado Smartes Thermostat X (2. Gen): 60 Euro mehr, ein Jahr Akku, und Google hat die Kunden geliefert
Das neue tado-Thermostat ist ein weißes Quadrat, 17,8 Millimeter flach, mit einem runden Display, das erst beim Antippen erscheint, und einem frei belegbaren Knopf an der Oberseite. Die kabellose Version läuft mit einem Akku, der per USB-C geladen wird und laut tado ein Jahr durchhält, die verkabelte Version hängt am Stromkabel des alten Reglers.
Beide sprechen nur noch Matter over Thread und brauchen deshalb die Bridge X oder einen anderen Thread-Border-Router im Haus. Thread-Border-Router = das Gerät, das ein Thread-Funknetz mit dem WLAN verbindet, zum Beispiel ein Apple TV, ein Google TV Streamer oder eben tados Bridge. Gesteuert werden Heizthermen und Wärmepumpen per Relais oder OpenTherm sowie Fußbodenheizungen, Klimaanlagen ausdrücklich nicht.
Die Preise stehen seit gestern 16 Uhr im tado-Shop: 199,99 Euro für das kabellose Starter Kit, 179,99 Euro für das verkabelte Kit mit Bridge X und 119,99 Euro für das verkabelte Thermostat allein, wenn ein Thread-Border-Router schon da ist. Das kabellose Kit der ersten Generation steht im selben Shop weiter für 139,99 Euro, der Aufschlag für Akku und dünneres Gehäuse beträgt also 60 Euro.
Das letzte Mal, dass ich um 15 Uhr vor dem tado-Shop saß, ging es um ein Kühlset, und nach einer Minute war es ausverkauft. Beim Thermostat wird das nicht passieren, die Bestellseiten gingen ohne Countdown online.
Interessanter als das Datenblatt ist, für wen tado das Gerät gebaut hat. Als Google im vergangenen Jahr die Server der ersten beiden Nest-Thermostat-Generationen in Europa abschaltete, verwies der Konzern seine Kunden ausgerechnet an tado. Mitgründer Christian Deilmann sagte The Verge, das habe „significant sales“ gebracht, und das Nest der dritten Generation habe in Europa mindestens zehnmal so viele Nutzer.
Google unterstütze es noch, aber er rechne damit, dass auch diese Geräte irgendwann abgeschaltet werden. Das neue tado ist die Auffangstation für genau diese Haushalte, in Weiß statt Schwarz, weil es an der Wand verschwinden soll statt aufzufallen.
IKEA Liljebagge für 14,99 Euro: Der Preisanker, an dem sich jetzt alle messen lassen
Auf der anderen Seite der Skala steht IKEA. Das Liljebagge-Heizkörperthermostat, das vor Monaten kurz in der IKEA-App auftauchte und wieder verschwand, ist jetzt offiziell und kostet 14,99 Euro. Matter und ein Display am Gehäuse, dazu zwei AA-Akkus mit rund 18 Monaten Laufzeit. Zum Vergleich: Ein einzelnes Heizkörper-Thermostat X von tado kostet im Shop 59,99 Euro, AVMs Vorgänger FRITZ!Smart Thermo 302 liegt bei 54,99 Euro. IKEA nimmt damit ein Viertel dessen, was tado und AVM für dieselbe Aufgabe verlangen.
Was für 14,99 Euro fehlt, ist alles, was oberhalb des Ventils passiert. Kein hydraulischer Abgleich und keine Kopplung an die Therme. Für ein Kinderzimmer, das nachts einfach zwei Grad kühler sein soll, ist das egal. Für ein Haus, in dem der letzte Heizkörper in der Reihe kalt bleibt, während der erste kocht, wird es zum Thema, und genau an diesem Problem setzen tado und Bosch an.
FRITZ!Smart Thermo 303: AVM nennt den Namen und sonst nichts
In der IFA-Pressemitteilung von FRITZ! steht der Thermo 303 in einem einzigen Satz, zusammen mit dem neuen FRITZ!Smart Energy 201, beide sollen „das Zuhause intelligent und energieeffizient“ machen. Preis, Funkstandard, Termin: nichts. Der Vorgänger 302 funkt per DECT ULE direkt mit der FRITZ!Box und kostet 54,99 Euro, das wird die Messlatte sein.
Spannend wird der 303 erst im Zusammenspiel mit dem, was AVM gerade im Labor testet: FRITZ!OS 8.50 macht die 5690 Pro zur Matter-Bridge, und damit würden FRITZ-Thermostate erstmals in Apple Home oder Home Assistant auftauchen, ohne Umweg. Ob der 303 dafür gebaut ist, weiß bislang nur AVM.
Bosch packt den hydraulischen Abgleich ins Abo, tado lässt ihn vom TÜV zertifizieren
Der Begriff, der diese Heizsaison prägen wird, ist der hydraulische Abgleich: die Einstellung, mit der jeder Heizkörper genau so viel Wasser bekommt, wie er braucht, damit der erste in der Leitung nicht überversorgt wird und der letzte nicht kalt bleibt. Früher hat das ein Heizungsbauer einmal mit Tabelle und Schraubenschlüssel gemacht, jetzt sollen es die Thermostate im laufenden Betrieb selbst tun. Bosch nennt das „Optimierte Wärmeverteilung“, die Heizkörper-Thermostate II [+M] analysieren den Betrieb in Echtzeit und regeln die Wärmemenge pro Heizkörper nach. Dazu kommt die „Bedarfsoptimierte Heizung“, bei der Bosch- und Buderus-Wärmepumpen die Vorlauftemperatur nach dem Bedarf der einzelnen Räume anpassen.
Beides landet im zubuchbaren Paket Home+ für 4,99 Euro im Monat, der Preis bleibt gleich, der Umfang wächst. Wer nicht dauerhaft zahlen will, bekommt ab September eine PRO-Version des Thermostats über den Fachhandwerker, bei der beide Funktionen fest freigeschaltet sind und die Maßnahme samt Montage über die Bundesförderung BEG förderfähig ist. Für die Kameras schiebt Bosch ab Oktober Eyes+ nach, die Unterscheidung bekannter und unbekannter Personen, für weitere 2,99 Euro monatlich.
tado geht den anderen Weg: Der eigene digitale Abgleich mit dem Heizkörper-Thermostat X ist laut Verge inzwischen TÜV-zertifiziert und damit in einigen Märkten für Wärmepumpen-Förderung anrechenbar. Ob das auch für deutsche Anträge gilt, sagt tado bislang nicht.
Ganz ohne Abo kommt tado allerdings auch nicht aus. Wer automatisches Geofencing oder die Fenster-offen-Erkennung ohne Handgriff will, zahlt für Auto-Assist, und beim E-Auto-Laden war die neue Funktion nach sechs Monaten plötzlich kostenpflichtig. Unter Caschys Meldung zum neuen Thermostat steht in den Kommentaren der Satz, der vermutlich vielen durch den Kopf geht: knapp 200 Euro, und dann noch ein Abo, nein danke. Samsung hat es bei SmartThings gerade vorgemacht, Bosch zieht nach, tado hat den Weg vor Jahren geebnet. Die Hardware wird zur Eintrittskarte, die eigentliche Funktion kostet monatlich.
Erst die Sorte klären: Raumthermostat oder Heizkörperthermostat, das entscheidet, ob tado X oder IKEA und FRITZ überhaupt in Frage kommen. Dann den Funk: Steht schon ein Thread-Border-Router im Haus, etwa ein Apple TV 4K, ein Google TV Streamer oder ein Homey Pro, reicht bei tado das Thermostat allein für 119,99 Euro statt des Kits für 199,99 Euro.
Der hydraulische Abgleich war mal die Sorte Arbeit, die ein Heizungsbauer an einem Vormittag erledigt hat, mit Zettel und Schraubenschlüssel, und dann war das Haus für zehn Jahre eingestellt. Jetzt ist er eine Funktion mit monatlicher Laufzeit. Mich beschäftigt weniger, ob die Thermostate das besser können als der Mensch, das können sie vermutlich. Mich beschäftigt, dass etwas, das einmal fertig war, jetzt nie mehr fertig ist. Vielleicht ist das die eigentliche Neuheit dieser Heizsaison.
Für den Heizkörper reicht IKEA, für die Therme ist tado die Nest-Erbin, das Abo lasse ich weg
Meine tado-X-Geräte bleiben, wo sie sind, und ein Grund für die zweite Generation fällt mir für mein Haus nicht ein: Der Akku ist bequem, aber 60 Euro Aufpreis sind es mir nicht wert. Wer dagegen mit einem Nest der dritten Generation an der Wand lebt, sollte sich das neue tado merken, bevor Google die nächste Server-Mail schreibt.
Wer nur einzelne Heizkörper regeln will, kauft bei IKEA, sobald die Regale voll sind, und gibt das gesparte Geld für ein smartes Thermostat an der Therme oder einen Thread-Border-Router aus. Und wer eine Wärmepumpe mit sechs Heizkörpern hat, sollte den hydraulischen Abgleich machen lassen, aber einmal, von einem Menschen, mit Rechnung fürs Förderamt. Nicht für 4,99 Euro im Monat bis in alle Ewigkeit.
Die Fragen vor dem Thermostat-Kauf
Was kostet das tado Smarte Thermostat X der zweiten Generation?
199,99 Euro für das kabellose Starter Kit mit Bridge X, 179,99 Euro für das verkabelte Starter Kit und 119,99 Euro für das verkabelte Thermostat allein. Bestellbar ist es seit dem 2. September 2026 im tado-Shop, die erste Generation bleibt für 139,99 Euro im Angebot.
Brauche ich für das tado Thermostat X eine Bridge?
Ja, oder einen anderen Thread-Border-Router. Das Thermostat X spricht ausschließlich Matter over Thread. Wer schon ein Apple TV 4K, einen Google TV Streamer, einen HomePod oder einen Homey Pro hat, kann sich die Bridge X sparen und das Thermostat einzeln kaufen.
Was ist der Unterschied zwischen Raumthermostat und Heizkörperthermostat?
Ein Raumthermostat hängt an der Wand und steuert die Heizung im Keller, also ob die Therme oder Wärmepumpe überhaupt Wärme erzeugt. Ein Heizkörperthermostat sitzt am Ventil eines einzelnen Heizkörpers und regelt nur dessen Wärmeabgabe. tado X ist ein Raumthermostat, IKEA Liljebagge und FRITZ!Smart Thermo 303 sind Heizkörperthermostate.
Ist der hydraulische Abgleich bei Bosch Smart Home nur im Abo verfügbar?
Für Endkunden ja, die Funktion Optimierte Wärmeverteilung gehört zum Paket Home+ für 4,99 Euro im Monat. Alternativ gibt es ab September 2026 über Fachhandwerker eine PRO-Version des Heizkörper-Thermostats II [+M], bei der die Funktion dauerhaft freigeschaltet ist und die Maßnahme samt Montage BEG-förderfähig ist.
Wann kommt der FRITZ!Smart Thermo 303 und was kostet er?
Das sagt AVM noch nicht. In der IFA-Pressemitteilung vom 1. September 2026 wird der Thermo 303 nur namentlich erwähnt. Der Vorgänger FRITZ!Smart Thermo 302 kostet 54,99 Euro und funkt per DECT ULE direkt mit der FRITZ!Box.





