Mit Hall-Effect-Tastaturen war ich durch. Erst die Lumikey Magger 68 HE Pro, dann die Wooting 80HE, also die Referenz, die je nach Forum zu Recht oder zu Unrecht gehypt wird. Beide haben mir gezeigt, dass ich Rapid Trigger ungefähr so dringend brauche wie ein Match-Trikot mit Rückennummer.
Und trotzdem.
Wer ein 200-Euro-Trikot kauft, spielt damit nicht in der Bundesliga, und wer 200-Euro-Laufschuhe trägt, läuft damit meistens zum Bäcker. Man will das Profi-Zeug eben zu Hause haben. Genau da setzt dieser Epomaker HE68 Lite Test an: Magnetschalter wie bei den Großen, ein deutsches Layout ab Werk, und das für 70 Euro. Das Trikot aus dem Fanshop statt dem aus der Kabine.
Spoiler: Man merkt den Ersatzstoff. Nur nicht da, wo ich ihn erwartet habe.
Epomaker hat mir die HE68 Lite für diesen Test zur Verfügung gestellt.
Vorgaben, was ich schreiben soll, gab es keine.
- Günstigstes Hall-Effekt-Board mit echtem ISO-DE ab Werk: 69,95 Euro bei epomaker.de, 69,99 Euro bei Amazon. Die ANSI-Version kostet im selben Shop 52,95 Euro, der Aufschlag fürs deutsche Layout liegt bei 17 Euro.
- Der Web-Konfigurator hub.epomaker.com führt die HE68 Lite als unterstützt, lehnt die ISO-DE-Variante aber ab. Unter Linux bleibt das Board damit ohne Konfiguration.
- Klang gemessen: gedämpft, kurz, wenig Hochton, aber über das Board doppelt so ungleichmäßig wie die Evoworks Evo75 (Streuung 0,73 gegen 0,33 dB). Tray-Mount mit acht Schraubpfosten.
- Rapid Trigger ab Werk aus, Auslösepunkt 2,0 mm. Die beworbenen 0,005 mm sind laut mehreren Reddit-Nutzern nicht nutzbar, der Sweetspot liegt bei 0,12 bis 0,3 mm.
- Treiber komplett auf Deutsch, kein QMK, kein VIA. Der Web-Hub fällt für dieses Exemplar aus.
- Auf dem Typenschild steht als Hersteller Shenzhen Changyun, nicht Epomaker.
So bin ich zu diesem Urteil gekommen

Was 70 Euro kaufen: die Liste, die sonst 230 kostet
Die Wooting 80HE kostet 229 Euro, die Magger 68 HE Pro 119 bis 149. Beide standen als Testmuster auf meinem Tisch, was ich im Nachhinein als Glück verbuche. Für die HE68 Lite verlangt Epomaker 69,95 Euro, bei Amazon sind es 69,99. Und die Liste, die man dafür bekommt, liest sich erst einmal wie die der Großen: Magnetschalter, die statt eines Metallkontakts einen Sensor tragen, ein Auslösepunkt, der sich zwischen 0,1 und 3,4 Millimetern frei setzen lässt, Rapid Trigger, 8.000 Hertz am Kabel. Dazu Doubleshot-PBT-Kappen im Cherry-Profil, durchleuchtbar, auf Switches mit MX-Stem, sodass jedes Keycap-Set aus der Schublade passt.
Rapid Trigger = Die Taste setzt sich zurück, sobald der Finger ein kleines Stück nach oben geht, egal wo im Hub. Ohne die Funktion muss die Taste erst wieder über einen festen Punkt, bevor sie neu auslöst.
Der Punkt, der mich mehr interessiert hat als jede Hertz-Zahl, steht auf der Kurzanleitung: „HE68 Lite ISO“. Das Board kommt mit deutschem Layout aus dem Karton, mit Umlauten, ß und der großen Enter-Taste, nicht als ANSI-Version mit einem Beutel Ersatzkappen. Wer sich in der Hall-Effect-Welt bewegt, kennt das Spiel: Die meisten Boards gibt es nur in US-Layout, und die deutsche Variante kommt später, teurer oder gar nicht. Hier ist sie einfach da.

Im Karton liegt sonst, was man erwartet, und ein bisschen mehr. Ein gewendeltes USB-Kabel von knapp 1,80 Metern, das nicht zu starr ist und nett aussieht. Ein Kombi-Puller für Kappen und Switches, ein kleiner Schraubendreher, zwei Ersatz-Switches, eine Plastikhaube gegen Staub. Und der Handgurt, um den es weiter unten noch gehen wird. Die Verpackung selbst ist günstig, aber angemessen. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Zur Einordnung, was 70 Euro in dieser Hobby-Ecke bedeuten: Das Keycap-Set auf meiner Zoom75 TIGA hat allein mehr gekostet als diese komplette Tastatur. Man kann das lächerlich finden. Man kann es aber auch als Maßstab nehmen, wie wenig hier verlangt wird für eine Technik, die vor zwei Jahren noch bei 200 Euro anfing.

Was auf der Liste fehlt, gehört zur Ehrlichkeit dazu: kein Funk, kein Akku, keine Klappfüße, kein Aluminium. Das Board hängt am Kabel und steht in einem festen Winkel. Ob das die Stellen sind, an denen man den Ersatzstoff spürt, klärt sich in den nächsten Abschnitten.
Gehäuse: Plastik aus einem Guss, und man merkt es
Hier kommt der erste Teil des Ersatzstoffs, und er ist genau da, wo man ihn vermutet. Das Gehäuse ist ein einteiliges Spritzgussteil aus ABS, 650 Gramm mit allem drauf, und es fühlt sich auch so an. Nach zwei Wochen sage ich: Es wirkt billig. Nicht schlecht gemacht, nicht schief, aber billig. Wer von einem Aluminiumblock wie der Evo75 kommt, hebt die HE68 Lite an und wartet kurz auf den Rest.
Der Daumen-Test zwischen G und H: Die Platte gibt leicht nach. Das liegt am Aufbau. Die HE68 Lite ist Tray-Mount, das Sandwich aus Platte, Schaum und Platine wird an acht Pfosten direkt mit dem Gehäuseboden verschraubt, ohne die Gummilager, die ein Gasket-Board dazwischen hat. Verwinden lässt sie sich nur mit ordentlich Kraft, und dann knarzt nichts. Auf der Matte und auf blankem Holz bleibt sie liegen, die vier kleinen Gummifüße reichen für 650 Gramm.
Tray-Mount = Die Platine sitzt fest verschraubt in der Gehäuseschale. Günstig und stabil, aber der Anschlag fühlt sich härter an und klingt je nach Nähe zur nächsten Schraube anders. Dazu später mehr.

Was mich im Alltag mehr stört als das Material, ist der Winkel. Das Board steht fest auf 4,5 Grad, Klappfüße gibt es nicht. Mir ist das zu flach, und anders als bei einer Tastatur mit Füßen gibt es hier keinen Ausweg außer einem Keil aus dem 3D-Drucker oder einem gefalteten Bierdeckel. Wer flach mag, hat kein Problem. Wer nicht, hat eins für immer.
Auf der Habenseite: Weiß bleibt weiß. Nach zwei Wochen sind keine Fingerabdrücke zu sehen, kein Grauschleier an den Handballenkanten, nichts vergilbt. Die Kappen aus PBT glänzen nicht an, das Gehäuse auch nicht. Und die Spaltmaße stimmen, es steht nichts über, es wackelt nichts.

Ein Detail auf der Unterseite habe ich erst beim Fotografieren gelesen. Auf dem Typenschild steht „HE68 Lite ISO“, darunter als Hersteller nicht Epomaker, sondern eine Firma namens Shenzhen Changyun. Epomaker ist hier die Marke, die Fabrik ist eine andere. Das ist in dieser Preisklasse üblich und erst einmal kein Vorwurf. Es erklärt aber einiges von dem, was auf Reddit über die Marke geschrieben wird, und dazu komme ich noch.
Tippen und Klang: satt an der Backspace, unruhig an der Leertaste
Der Anschlag
Die Clear Mag von Epomaker sind leichte Linearschalter. 25 Gramm, bis sich überhaupt etwas bewegt, 45 Gramm am Boden, 3,4 Millimeter Weg, ab Werk geschmiert. Nach zwei Wochen beschreibe ich den Anschlag so: trocken, ganz leicht kratzig, und leichter als alles, was sonst auf meinem Tisch steht. Die Neo Rye in der Evo75 gelten schon als leicht, die Clear Mag liegen noch darunter. Finger, die nur auf den Tasten ruhen, lösen trotzdem selten etwas aus. Selten, nicht nie.
Beim Schreiben habe ich mich gefragt, ob Magnetschalter grundsätzlich so kratzig laufen. Tun sie nicht. Das Kratzen kommt nicht vom Prinzip, sondern von der Werksschmierung, die bei günstigen Switches dünn aufgetragen ist. Die Wooting-Schalter laufen glatter, kosten aber auch pro Stück, was hier zehn Tasten kosten. Die Kappen wackeln auf den Stems nicht mehr als bei meinen anderen Boards, das hätte ich bei diesem Preis anders erwartet.

Wie sie klingt, und was die Messung dazu sagt
Klangbeschreibungen sind das Glücksspiel jedes Tastatur-Tests, deshalb gibt es hier beides: die Aufnahme zum Selberhören und die Zahlen dazu. Der Recorder stand an derselben Stelle wie beim Evo75-Test, das macht die beiden Boards vergleichbar.
Was man hört, ist ein gedämpfter, kurzer Anschlag. Kompakt, eher dunkel als hell. Und schnell wieder weg. Kein Thock, dafür fehlt unten der Körper, den ein Aluminiumgehäuse liefert. Aber auch kein Clack. Die fünf Dämpfungslagen im Gehäuse tun, was sie sollen. Interessant wurde es, als ich die Aufnahme durch dieselbe Frequenzanalyse geschickt habe wie damals die Evo75.

Beide Boards tragen ihren Klang zwischen 800 und 1600 Hertz, fast auf das Zehntel gleich. Der Unterschied liegt darüber: Ab 2,5 Kilohertz hat die HE68 Lite drei Dezibel weniger als die Evo75, ab vier Kilohertz ebenfalls. Das ist der Bereich, den man als Schärfe hört, als Klick und Scheppern. Die Evo75 hat davon etwas mehr Kontur, die HE68 Lite klingt weicher und flacher. Zwei KI-Modelle, denen ich die Aufnahme vorgespielt habe, hielten sie zuerst für hell und clacky, bis die Zahlen auf dem Tisch lagen. Das kurze Ausklingen täuscht das Ohr: Was schnell weg ist, wirkt knackig, auch wenn es tonal dunkel ist.
Mitte gegen Rand
Beim Tippen ist mir etwas aufgefallen, das ich zuerst für Einbildung hielt: In der Mitte des Boards klingt es besser als zum Rand hin. Der Reviewer von kbd.news hatte dasselbe geschrieben, der Klang hänge davon ab, wie weit die Taste vom nächsten Schraubpfosten entfernt sitzt. Also habe ich die Aufnahme in Blöcke zerlegt und nachgesehen, wie stark die Klangverteilung über die zwei Minuten schwankt. Bei der Evo75 waren es 0,33 Dezibel, bei der HE68 Lite 0,73. Mehr als das Doppelte.
Das ist der Preis des Tray-Mounts. Acht Schrauben koppeln die Platte direkt an den Kunststoffboden, und neben einer Schraube schwingt eine Taste anders als zwischen zweien. Ein Gasket-Board wie die Evo75 legt Gummi dazwischen und klingt deshalb überall gleich. Man hört das nicht als Fehler, eher als „Warum klingt das G anders als das A?“. Für 70 Euro ist das kein Skandal. Es ist der Unterschied, den man mit den anderen 110 Euro bezahlt.
Leertaste gegen Backspace
Die großen Tasten habe ich einzeln aufgenommen, je zehn Anschläge, gleiche Position. Die Backspace ist die satteste Taste auf dem ganzen Board: die meiste Energie im Kern, der wenigste Hochton, und sie klingt am längsten nach. Die Leertaste ist das Gegenteil. Sie ist die lauteste Taste, tonal die dünnste, und zwischen ihren zehn Anschlägen lagen sechs Dezibel Unterschied. Dieselbe Taste, zehnmal gedrückt, zehnmal ein bisschen anders. Genau das hört man als leichtes Rattern. Die Enter-Taste dagegen unterscheidet sich kaum vom Buchstabenfeld, da hatte ich mich beim ersten Hören geirrt.
Ein Tropfen Fett auf den Stabilisatordraht unter der Leertaste würde das vermutlich beruhigen. Bei einem Board, dessen Verkaufsargument ist, dass man nichts machen muss, ist das trotzdem ein Minus.
Rapid Trigger: die Werbezahl, vor der Epomakers eigene Software warnt
Ab Werk ist die HE68 Lite eine ganz normale Tastatur. Auslösepunkt bei 2,0 Millimetern, Rapid Trigger aus, kein Unterschied zu einem Board mit Federn und Kontakten. Wer die Magnete spüren will, muss in den Treiber. Und dort steht auf der Verpackung und im Slider das, womit Epomaker wirbt: Auslösung ab 0,1 Millimeter, Rapid Trigger ab 0,005 Millimeter, Totzone null. Das klingt nach Profi-Setup. Es ist der Punkt, an dem Reddit anfängt zu schimpfen.
Zwei Nutzer, einer im Dezember, einer im August, beschreiben denselben Fehler mit denselben Extremwerten: W gedrückt halten, eine Nachbartaste tippen, und W ist tot, bis man es loslässt und neu drückt. Ein dritter hat das Board deswegen zurückgeschickt. Die beste Erklärung dazu stammt nicht von Epomaker, sondern von einem Reddit-Nutzer namens Classic_Future3502: Bei einem Reset-Weg von 0,1 Millimetern reicht das Durchbiegen der Platte durch die Nachbartaste, um dem Sensor ein Loslassen vorzugaukeln, und 0,005 Millimeter liegen unter dem Rauschen, das jeder Magnetsensor hat. Sein Fix: Totzone unten 0,2, Reset 0,3, Trigger 0,2. Ein CS2-Spieler kam nach wochenlangem Probieren unabhängig davon auf 0,125 Millimeter als schnellsten Wert, der noch zuverlässig ist.
Ich habe das nachgestellt, mit genau diesen Extremwerten auf allen 69 Tasten und dem Filter aus, von dem gleich die Rede ist. W halten, D tippen. W halten, Leertaste. S halten, A. S halten, D. Im Tastentest des Treibers blieb die gehaltene Taste jedes Mal stehen, kein Aussetzer, kein doppeltes Auslösen. Zwei Wochen ARC Raiders und Fortnite mit denselben Werten: nichts. Entweder hat mein ISO-DE-Exemplar eine andere Platine, oder der Fehler hängt an Faktoren, die ich nicht nachbauen kann. Ich sage deshalb nicht, dass es ihn nicht gibt. Ich sage, dass er sich an diesem Board nicht provozieren ließ.

Was mir dabei aufgefallen ist, steht in keinem der Threads. Im Treiber gibt es einen Schalter namens „Anti-Accidental Trigger Modus“, ab Werk eingeschaltet. Sein Tooltip erklärt, er fange Abweichungen des Tastenhubs von etwa 0,1 Millimetern ab. Das ist exakt das Rauschen, das den Reddit-Fehler auslöst. Wer den Filter anlässt, bekommt die Werbezahlen vermutlich nie zu sehen, weil die Software sie still glättet. Und der Dialog für die Totzone warnt in roter Schrift, dass null Totzone „zu unerwarteten Tastenklicks führen“ kann. Epomaker weiß also, dass die Zahlen aus dem Prospekt im Alltag Ärger machen. Man muss nur den eigenen Treiber lesen.
Zum Schreiben: alle Tasten auf 1,5 Millimeter Auslöseweg, Rapid Trigger aus, Filter an. Fertig. Zum Spielen nur W, A, S und D: 0,8 Millimeter, Rapid Trigger an mit 0,3 Millimetern, Totzone unten 0,2. Die 0,005 aus der Werbung bringen nichts, was man spürt, und kosten Zuverlässigkeit.
Und was bringt mir das alles? Ehrlich: wenig. Ich bin kein ambitionierter Spieler, ich merke Rapid Trigger höchstens daran, dass die Taste beim Schreiben nervöser wird. In ARC Raiders fühlt sich der Wechsel von A auf D etwas direkter an, das ist der ganze Effekt. Snap Key, mit dem bei gleichzeitigem A und D die zuletzt gedrückte Taste gewinnt, und die Doppelbelegung über die Drucktiefe sind auch da. Wer Valorant-Profile sucht, findet in der Community-Freigabe des Treibers dutzende von anderen Nutzern. Ich habe sie mir angesehen und die Werksprofile behalten. Das Trikot passt, aber ich stehe damit trotzdem nur im Wohnzimmer.
Software: Deutsch am Desktop, blind im Browser
Der Epomaker-Treiber hat einen Ruf, und der ist nicht gut. Auf Trustpilot ist die Software der häufigste Grund für Ein-Stern-Bewertungen, Notebookcheck nannte die Oberfläche bei einem Schwestermodell schlecht übersetzt und klobig. Ich hatte mich also auf Chinesisch und Abstürze eingestellt. Bekommen habe ich Version 4, komplett auf Deutsch, mit Fn-Ebene, Makros, Lichteinstellungen und einer Community-Seite, auf der andere Nutzer ihre Profile teilen. Die Übersetzung hat Ecken, „Todeszone“ für Deadzone ist mein Favorit, und in der Seitenleiste heißt das Board „HE68 Llte“ mit kleinem L. Aber sie funktioniert.
Was drin steckt, ist mehr, als der Preis vermuten lässt. Jeder Taste lässt sich ein eigener Auslösepunkt geben, per Rahmen aufziehen oder alle auf einmal. Ein Tastentest zeigt live, was das Board gerade meldet, und ein Balken daneben, wie tief die Taste steht. Unter „Switch-Einstellungen“ lässt sich pro Taste der Schaltertyp hinterlegen, falls man tauscht, und der Werkseintrag verrät nebenbei, wer die Clear Mag baut: Sie laufen dort als „Outemu“. Alles speichert automatisch aufs Board. Wer einmal eingestellt hat, kann den Treiber wieder deinstallieren, die Werte bleiben im Onboard-Speicher.
Was nicht drin steckt: QMK und VIA. Wer aus der Custom-Ecke kommt und seine Layer im Browser baut, findet hier eine einzige Fn-Ebene und kein echtes Mod-Tap für die Fn-Taste. Der Reviewer von kbd.news hat das als Hauptkritik notiert, und er hat recht in den Augen der meisten Nutzer recht. Das ist ein Gaming-Treiber, kein Werkzeug für Tastenbelegungs-Bastler.
Und dann ist da der Web-Hub. Epomaker betreibt unter hub.epomaker.com einen Konfigurator im Browser, ohne Installation, und die Liste der unterstützten Geräte führt die HE68 Lite ausdrücklich auf. Mein Board kennt er trotzdem nicht.

„This device is not supported yet“, unter Windows in Edge, unter Fedora in Chrome und Chromium dasselbe. Meine Erklärung, ohne Bestätigung von Epomaker: Die ISO-DE-Variante meldet sich mit einer anderen Geräte-Kennung als die amerikanische. Die Firmware auf meinem Board heißt ID3664, die Werks-Firmware, die Reddit-Nutzer für die ANSI-Version herumreichen, trägt die Nummer 2762. Der Hub kennt vermutlich nur die eine. Ein Firmware-Update, das das behebt, bietet der Treiber nicht an. Für Windows-Nutzer ist das ein Schönheitsfehler, weil der Desktop-Treiber alles kann. Für alle anderen ist es der Ersatzstoff, den man erst zu Hause bemerkt.
Linux: läuft, aber nur mit dem, was auf dem Board liegt
Zum Gegencheck habe ich sie an einen Fedora-Rechner gehängt, und Hall-Effect-Boards sind dort traditionell Gäste zweiter Klasse: Die Treiber gibt es für Windows und macOS, der Rest schaut zu. Die HE68 Lite macht das nicht anders, aber sie macht es wenigstens sauber. Angesteckt, erkannt, deutsches Layout, weil das eine Tastatur am USB-Port ist und der Kernel den Rest erledigt. Die Fn-Ebene, die Lichtsteuerung über Fn plus Bild-auf und Bild-ab, die Lautstärke: alles läuft, weil es im Board passiert und nicht im Betriebssystem.
Was unter Fedora nicht läuft, ist alles, was Magnete von Federn unterscheidet. Auslösepunkt, Rapid Trigger, Totzonen, Profile: Das stellt man unter Windows ein, es wandert in den Onboard-Speicher, und Linux bekommt das fertige Ergebnis. Wer nur Linux hat, tippt mit den Werkswerten, 2,0 Millimeter, Rapid Trigger aus. Der Web-Hub wäre der Ausweg gewesen, er läuft im Browser und braucht keinen Treiber. Mit der ISO-DE-Variante verweigert er in Chrome und Chromium genauso wie unter Windows. Ich habe beide probiert. „Device connection failed“, und das war es.
Das ist kein Epomaker-Problem allein, Wooting ist der einzige mir bekannte Hersteller, dessen Konfigurator unter Linux ohne Verrenkungen läuft. Aber es ist der Grund, warum die HE68 Lite unter Linux nur das kann, was sie ab Werk kann, und nichts von dem, wofür man sie kauft.
Der Handgurt: das auffälligste Teil am Board, und was es kann
Ich hatte mal eine Tastatur, deren schönstes Einzelteil ein goldener Knopf war, der nichts weiter tat, als die Deko-Beleuchtung umzuschalten. Die Evo75, ich habe eine Weile geglaubt, ich sei zu alt dafür. Bei der HE68 Lite ist das auffälligste Teil ein Handgurt. Ein breites, weißes Nylonband mit einer Metallöse, das links am Gehäuse in eine Fassung geschraubt wird, und das auf jedem Produktfoto so prominent hängt, als wäre es der Grund, das Board zu kaufen.

Die Idee kennt man von der Wooting 60HE, die den Gurt für Turnierspieler populär gemacht hat, die ihr Board zur LAN tragen. Bei einem 65-Prozent-Board mit 650 Gramm ist das nicht absurd. Man könnte es. Ich habe es nicht getan. Der Gurt hing für die Fotos dran und liegt seitdem wieder im Karton, neben der Plastikhaube. Zum Montieren braucht es zwei kleine Schrauben und den beigelegten Schraubendreher, der Reviewer von Gadgetoid fand die Kreuzschlitzköpfe hässlich und die Gummiabdeckung, die ohne Gurt in die Fassung kommt, schwer wieder einzusetzen. Kann ich bestätigen, das Gummistück will nicht zurück.
Im ComputerBase-Forum hat ein Nutzer die Gurte als funktionales Feature für kleine Boards verteidigt, und der Reviewer von kbd.news hält ihn für Dekoration, die immerhin an erwachsene Hände passt. Beide haben recht. Der Gurt stört nicht und schadet nicht. Er ist nur das Teil, das Epomaker am liebsten fotografiert, während die Sachen, die den Alltag bestimmen, keine Fotos bekommen: der feste Winkel, die Leertaste, der Web-Hub. Wie beim goldenen Knopf. Das Auffälligste ist selten das Wichtigste.
65 Prozent: warum ich morgen zurück zu 75 gehe
Alle meine Boards sind 75 Prozent. Die HE68 Lite ist 65, und der Unterschied ist genau eine Reihe: Die F-Tasten fehlen, Entf, Pos1 und die Bild-Tasten rücken in eine Spalte rechts, und die Pfeiltasten sitzen ohne Lücke direkt neben der rechten Shift-Taste. Für Spieler ist das die richtige Größe, mehr Platz für die Maus, weniger Weg zum WASD-Block. Für jemanden, der den ganzen Tag schreibt, ist es ein Kompromiss, den man jeden Tag neu merkt.
Alles, was fehlt, liegt auf der Fn-Ebene. Lautstärke, F5 zum Neuladen, Escape mit Zirkumflex, die Lichtsteuerung. Das funktioniert, aber die Tasten verraten nicht, was auf ihnen liegt: Die Zweitbelegungen sind nicht aufgedruckt. Man lernt sie aus der Kurzanleitung oder aus dem Treiber, und nach zwei Wochen kann ich die vier, die ich brauche. Der Rest bleibt Ratespiel. Ein Nutzer im ComputerBase-Forum vermisste dedizierte Audio-Tasten, das ist derselbe Punkt von der anderen Seite.
Wenn ich morgen frei wählen dürfte, greife ich zu einem 75er zurück. Nicht weil die HE68 Lite etwas falsch macht, sondern weil ein 75-Prozent-Board weniger Kompromisse verlangt und sich im Alltag einfach leichter handhaben lässt. Wer aus dem Gaming kommt und 65 Prozent gewohnt ist, wird das anders sehen, und für den ist die Größe hier genau richtig. Was die Layouts im Einzelnen unterscheidet, steht im Ratgeber zu Gaming-Tastaturlayouts.
Epomaker auf Reddit: sus company oder Panik?
Wer vor dem Kauf „Epomaker“ bei Reddit eingibt, bekommt keine Kaufberatung, sondern eine Warnung. „A bit of a sus company and best avoided“, schreibt einer der aktivsten Kommentatoren in r/keyboards. Ein anderer nennt Epomaker und Akko „two of the worst around“ und behauptet, die Marke sei in mehreren Foren gebannt. Ein dritter spricht von der schlechtesten Qualitätskontrolle, die er kenne. Das sind keine Einzelstimmen, das ist der Grundton. Ich habe die Vorwürfe gegen mein Board und gegen das geprüft, was sich belegen lässt.
A very affordable magnetic board punching above its weight.kbd.news Teardown-Review, Mai 2026, Testmuster von Epomaker
Was bleibt, ist ein Bild, das zu 70 Euro passt: Das Board selbst ist besser als sein Ruf, die Firma dahinter nicht. Wer die HE68 Lite kauft, kauft ein Stück Hardware, das funktioniert, von einem Händler, auf den man sich im Fehlerfall nicht verlassen sollte. Deshalb muss man sich halt genauer überlegen, nicht wegen des Preises, sondern wegen der möglichen Rückgabe.
ISO-DE kaufen: 69,95 Euro, 17 Euro Aufschlag, zwei Alternativen
Wenn du dich in der ISO-Welt bewegst, kennst du das Spiel: Erst den Layout-Filter im Shop setzen, dann in die Specs verlieben, nie andersrum. Bei Hall-Effect-Boards ist der Filter besonders gnadenlos, weil die meisten Modelle nur in US-Layout existieren. Die HE68 Lite besteht ihn, und das ist der eigentliche Grund für diesen Test. Die ISO-DE-Version kostet bei Epomaker 69,95 Euro und bei Amazon 69,99 Euro, verkauft von MechLands, mit Versand über Amazon und Lieferung am nächsten Tag. Die amerikanische Version liegt im selben Shop bei 52,95 Euro. Das deutsche Layout kostet also 17 Euro Aufschlag, knapp ein Drittel. In den USA war das Board zwischenzeitlich für 37 Dollar zu haben, ein Italiener auf Reddit hat seins für 35 Euro bekommen. Wer QWERTZ will, zahlt das Doppelte. Das ist ärgerlich, aber es ist der Preis dafür, dass es die Variante überhaupt gibt.
Günstiger mit deutschem Layout und Magneten habe ich nichts gefunden. Die MCHOSE Ace 60 Pro kostet 40 bis 60 Euro, gibt es aber nur als Nordic- und französische ISO-Version. Die Attack Shark X68 HE liegt bei 60 Euro und ist ANSI. Wer 20 bis 30 Euro mehr ausgeben will, hat zwei echte Alternativen mit ISO-DE: Die Akko MOD68 HE ISO bringt für rund 90 Euro ein Aluminiumgehäuse und Gasket-Mount mit, war zuletzt aber immer wieder ausverkauft. Die Gamakay TK75HE V2 kostet je nach Händler 70 bis 100 Euro und liefert dafür 75 Prozent, Funk, ein Display und einen Drehregler. Beide beheben genau die Punkte, an denen die HE68 Lite spart: Gehäuse und Kabelzwang. Alle Preisangaben sind eine Momentaufnahme vom 2.9.2026.
Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, was du mit dem Board vorhast. Wer Hall-Effect erst einmal ausprobieren will, ohne zu wissen, ob er es braucht, ist mit 70 Euro richtig. Wer schon weiß, dass er es braucht, sollte die 20 Euro für die Akko drauflegen. Und wer noch grundsätzlicher unsicher ist, ob Magnete für ihn überhaupt Sinn ergeben, findet die Antwort im Erklärstück zu Hall-Effekt-Tastaturen, inklusive der Layout-Regel von oben.
Technische Daten
| Layout | 65 Prozent, 68 Tasten, ISO-DE oder ANSI |
|---|---|
| Gehäuse | ABS-Kunststoff, Tray-Mount mit acht Schraubpfosten, Polycarbonat-Plate ohne Flex-Cuts |
| Dämpfung | fünf Lagen: Poron-Sandwich, IXPE-Switch-Pad, PET-Pad, Socket-Pad, Bodenschaum |
| Switches | Epomaker Clear Mag, linear, Hall-Effekt. 25 gf Vorlauf, 37 gf Aktuation, 45 gf Bottom-out, 3,4 mm Hub, ab Werk geschmiert, MX-Stem |
| Auslösepunkt | 0,1 bis 3,4 mm in 0,01-mm-Schritten, Rapid Trigger, SOCD, DKS, Mod-Tap, Toggle |
| Abtastung | 8.000 Hz Polling, 128 kHz Scan-Rate, Latenz laut Hersteller 0,125 ms |
| Keycaps | Doubleshot-PBT, Cherry-Profil, shine-through bei Weiß und Schwarz |
| Beleuchtung | Per-Key-RGB, south-facing, rund 20 Effekte |
| Verbindung | nur USB-C-Kabel, kein Akku, kein Funk |
| Maße und Gewicht | 322 × 120 × 40 mm, 650 g, fester Winkel 4,5 Grad, keine Klappfüße |
| Software | Epomaker-Treiber für Windows und macOS, deutsche Oberfläche, Web-Hub (ISO-DE nicht erkannt), kein QMK, kein VIA |
| Preis ISO-DE | 69,95 Euro epomaker.de, 69,99 Euro Amazon.de (MechLands). ANSI 52,95 Euro |
Epomaker HE68 Lite Test: die Fragen, die bleiben
Gibt es die Epomaker HE68 Lite mit deutschem Layout?
Ja. Die HE68 Lite gibt es als ISO-DE-Variante mit Umlauten, ß und großer Enter-Taste ab Werk, bislang nur in Weiß. Sie kostet 69,95 Euro bei epomaker.de und 69,99 Euro bei Amazon, verkauft von MechLands. Die amerikanische Version liegt bei 52,95 Euro, das deutsche Layout kostet also 17 Euro Aufschlag.
Funktioniert die HE68 Lite unter Linux?
Als Tastatur ja, angesteckt und erkannt, Fn-Ebene und Beleuchtung laufen im Board selbst. Einstellen lässt sich unter Linux aber nichts: Den Treiber gibt es nur für Windows und macOS, und der Web-Konfigurator hub.epomaker.com lehnt die ISO-DE-Variante ab. Auslösepunkt und Rapid Trigger stellt man unter Windows ein, die Werte bleiben im Onboard-Speicher.
Lohnt sich Rapid Trigger zum Schreiben?
Nein. Rapid Trigger setzt die Taste bei jeder kleinen Aufwärtsbewegung zurück, beim Tippen macht das die Tasten nur nervöser. Zum Schreiben reicht ein Auslösepunkt um 1,5 Millimeter mit Rapid Trigger aus. Für Spiele lohnt es sich nur auf W, A, S und D, mit etwa 0,8 Millimetern Auslöseweg und 0,3 Millimetern Rapid-Trigger-Weg. Die beworbenen 0,005 Millimeter sind in der Praxis nicht zuverlässig.
Welche Keycaps und Switches passen auf die HE68 Lite?
Die Clear-Mag-Switches haben einen MX-Stem, jedes Keycap-Set im Cherry-Profil mit ISO-DE-Kit passt. Beim Switch-Tausch geht nur Hall-Effect: Der Treiber kennt neben dem Werks-Switch sechs weitere Magnet-Typen, die man pro Taste zuweisen muss. Mechanische Switches funktionieren nicht, die Platine hat keine Kontakte, sondern Sensoren.
Was ist der Unterschied zwischen Epomaker HE68 und HE68 Lite?
Die HE68 ohne Lite kostet 62,95 Euro, gibt es nur mit US-Layout und hat Gasket-Mount, eine Aluminium-Platte und Magnetic-Pink-Switches. Die HE68 Lite ist Tray-Mount mit Polycarbonat-Platte und Clear-Mag-Switches, dafür die einzige der beiden mit deutschem Layout. Abtastung, Software und Gehäusematerial sind gleich.
Ich habe mich beim Schreiben gefragt, warum ich das Trikot-Bild so passend finde. Niemand kauft ein Match-Trikot, um damit zu spielen, man kauft es, um dazuzugehören. Und so funktionieren Boards wie dieses: Sie bringen eine Technik zu Leuten, die sie nicht brauchen, und genau dadurch wird sie irgendwann normal. Vor fünf Jahren war 144 Hertz ein Profi-Feature, heute steht es in jedem Büromonitor. Rapid Trigger wird denselben Weg gehen, und die HE68 Lite ist einer der Gründe dafür.
Das Trikot passt, der Stoff ist dünner
Für mich geht die HE68 Lite nach diesem Epomaker HE68 Lite Test zurück in die Rotation, und ich weiß jetzt schon, dass sie dort nicht vorne stehen wird. Zu flach, eine Reihe zu wenig, und ein Gehäuse, das ich nach zwei Wochen Aluminium nicht mehr gern anfasse. Das ist keine Kritik am Board, das ist mein eigenes kleines Problem mit 65 Prozent und Kunststoff, und ich hatte es schon, bevor der Karton aufging.
Was mich überrascht hat, ist, wo der Ersatzstoff nicht ist. Der Klang ist gemessen besser, als er für 70 Euro sein müsste. Das deutsche Layout ist komplett und sauber. Der Reddit-Fehler, der mir Sorgen gemacht hat, ließ sich nicht provozieren. Und der Treiber, vor dem alle warnen, ist auf Deutsch und tut, was er soll. Dünn wird der Stoff an drei Stellen: an der Leertaste, die lauter und unruhiger ist als der Rest, am Web-Hub, der das deutsche Board nicht kennt und Linux damit aussperrt, und an der Marke, deren Support man im Fehlerfall lieber nicht braucht.
Wer sein erstes Magnet-Board sucht und QWERTZ tippt, bekommt für 70 Euro mehr, als der Preis verspricht. Wer schon weiß, dass er die Technik täglich braucht, kann 20 Euro drauflegen und zur Akko greifen. Und wer wie ich eigentlich nur das Trikot wollte: Es passt. Man merkt nur beim Anziehen, dass es nicht aus der Kabine kommt.
Lohnt sich für…
- Erstes Hall-Effect-Board mit QWERTZ: Deutsches Layout ab Werk, komplette Magnet-Features, 70 Euro. Günstiger geht es mit ISO-DE nicht.
- Zweitboard fürs Spielen: 65 Prozent, Kabel, Rapid Trigger auf WASD. Am Gaming-PC neben dem 75er fürs Schreiben.
Eher nicht für…
- Linux-Nutzer mit Konfigurationswunsch: Der Web-Hub kennt die ISO-DE-Variante nicht, eingestellt wird nur unter Windows oder macOS.
- Aluminium-Gewohnte: 650 Gramm Kunststoff, fester Winkel, keine Füße. Das spürt man jeden Tag.
- 75-Prozent-Tipper: Ohne F-Reihe und mit Pfeiltasten direkt an der Shift-Taste. Wer schreibt, will die Reihe zurück.

