Den Raspberry Pi 6 habe ich seit zwei Jahren auf einer Wunschliste. Home-Assistant-Box, vielleicht eine NPU-Spielwiese, weil Frigate bei mir gerade auf dem SwitchBot AI Hub läuft und ich neugierig wäre, was eine offene Plattform daraus macht. Beides kommt nicht. Eben Upton, Pi-CEO, hat das in einem Reddit-AMA gerade ausgerechnet.
Vier bis viereinhalb Jahre nach dem Pi 5
Am 21. Mai haben Eben Upton, James Adams und Gordon Hollingworth in einem Reddit-AMA auf r/engineering Fragen beantwortet. Drei Mann an der Pi-Spitze, ein CEO und zwei CTOs. Auf die Frage nach dem Pi 6 antwortete Upton: „If you look at the historical cadence of major platform releases, it’s roughly every 4-4.5 years. So not before early 2028 on that basis.“ Der Pi 5 ist seit Oktober 2023 da. Upton rechnet selbst vor, was das heißt: knapp drei Jahre Warten, mindestens.
CPU statt NPU, weil Algorithmen schneller altern als Silizium

Die NPU-Frage hat Upton im AMA selbst aufgegriffen. Pi will keine. Andere Single-Board-Konkurrenten verbauen sie seit zwei Jahren, Orange Pi 5 Plus und Rock 5 ITX setzen darauf, NVIDIA Jetson sowieso. Die Pi-Position, von CircuitDigest aus dem AMA dokumentiert, ist nicht „wir können nicht“, sondern „wir wollen nicht“. Allgemein-CPUs werden mit jeder Generation schneller, KI-Algorithmen werden mit jeder Generation effizienter. Was 2026 als KI-Wunder gelten würde, läuft 2028 auf einer normalen ARM-CPU mit. Eine 2026 verbaute NPU wäre 2030 vielleicht schon „dark silicon“, also Chipfläche, die Strom kostet und nichts mehr tut.
Pi verkauft seit Sommer 2024 ein offizielles AI HAT+ mit Hailo-8L, 13 TOPS auf einer M.2-Steckkarte. Wer KI-Beschleunigung braucht, kauft die Karte. Wer keine braucht, zahlt nicht dafür. Pi findet das fair, und das ist es.
Pi Zero 3 wartet auf billigeren RAM
Eine zweite Story aus dem AMA, die durch die deutschen Pi-Berichte bisher noch nicht durchgesickert ist: das Pi Zero 3. Ein Nachfolger des Zero 2W ist technisch machbar, sagt Upton, aber gerade nicht sinnvoll. Das nötige LPDDR4/4X-RAM (Low Power Double Data Rate, der RAM-Standard für kompakte Boards) ist deutlich teurer als das LPDDR2 in älteren Zero-Modellen. Ein Zero 3 würde an einem Preis landen, den Upton selbst als „un-Zero-like“ bezeichnet. Das Zero-Konzept lebt von zehn Dollar, nicht von zwanzig.
Den aktuellen Zero 2W gibt es parallel kaum zu kaufen. Pi qualifiziert gerade einen zweiten Lieferanten, in der zweiten Jahreshälfte soll sich das entspannen. Wer ein Zero-Projekt für Sommer geplant hatte, hat erstmal Pause.
Quantitative Verbesserungen, kein neuer Pi
Die Pi-6-Roadmap hat Upton selbst zusammengefasst: „Whatever we build, I think it’s likely to have very similar overall features and form factor, but ‚more‘ (faster CPUs, I/O, more DRAM bandwidth etc). Quantitative changes, not qualitative ones.“ Heißt im Klartext: gleicher Form-Factor, gleiche Anschlüsse, intern mehr Bandbreite und Tempo. Kein M.2-Slot onboard, kein architektonischer Sprung. Das, was 2028 vielleicht kommt, ist ein Pi 5 mit besseren Internas.
Das ist zumindest ehrlich. Pi-Foundation verspricht keinen Quantensprung, den sie dann nicht liefern könnte. Das wäre die normalere News heute.
Pi 5 hat noch Beine, Pi 3B verkauft eine Million im Jahr
Der Nebensatz im AMA, der mich am meisten überrascht hat: Das Pi 3B, im Februar 2026 neun Jahre alt, verkauft sich noch „nearly a million units a year“, sagt Upton. Eine Million Einheiten pro Jahr. Für ein Board, das 2016 herauskam, ist das absurd. Pi 5 wiederum „really does have legs as platform“, er soll auch nach einem theoretischen Pi 6 weiter als Flagschiff laufen.
Bei Pi altert Hardware nicht in Quartalen, sondern in Halbjahrzehnten. Das ist die Pointe. Wer jetzt ein Home-Assistant-Setup oder eine kleine Homebridge-Instanz auf dem Pi 5 aufsetzt, hat eine Plattform, die mindestens bis 2028 aktuell bleibt, und danach nicht plötzlich abgehängt wird. Der Preis ist allerdings gestiegen: Die jüngste Pi-Preisrunde hat das 16-GB-Modell auf 305 Dollar geschoben.
Was am AMA hängenbleibt, ist nicht das Datum, sondern dass Upton einmal nicht „nächstes Jahr kommt was Großes“ gesagt hat. Sondern: wir machen weiter, ihr habt nichts zu warten, hier ist die Rechnung. Im Tech-Marketing 2026 ist das ungewöhnlich genug, um es zu erwähnen.





