Vor zwei Wochen ist mir eine schwarze Plastikscheibe teurer geworden. Der Homey Pro, meine Smart-Home-Zentrale, kostet seit dem 1. Juni 50 Euro mehr, und als Grund nannte der Hersteller ausgerechnet den Preis für Arbeitsspeicher. Damals dachte ich, Nischenprodukt, Pech für Bastler wie mich. Jetzt sagt Apple-Chef Tim Cook fast dasselbe, nur eine Liga größer: Die Speicherpreise sind durch den KI-Boom so weit gestiegen, dass das nächste iPhone teurer wird. Und es bleibt nicht beim iPhone.
- Cook wird deutlich: Apple nennt Preiserhöhungen gegenüber dem Wall Street Journal „unvermeidlich“.
- Der Grund: KI-Rechenzentren saugen den Speichermarkt leer, die Preise für Speicherchips haben sich seit dem Vorjahr vervierfacht.
- Konkret fürs iPhone: Ein Modell rechnet vor, dass das iPhone 18 Pro rund 233 Euro teurer werden müsste, um Apples Marge zu halten.
- Nicht nur Apple: Nintendo, HP, Dell, Raspberry Pi, die PS5 und das Steam Deck sind schon teurer geworden.
- Für dich: Wer 2026 ohnehin kaufen will, kauft eher früher als später und zahlt nicht für Speicher, den er nie füllt.
Was Tim Cook wirklich gesagt hat
Cook hat es dem Wall Street Journal gesagt, in einem Satz, der für Apple-Verhältnisse fast schon offen klingt: „Leider sind Preiserhöhungen unvermeidlich.“ Man habe lange versucht, die Kunden vor den steigenden Kosten zu schützen, aber die Situation sei nicht mehr tragbar. Was Cook offen ließ: wann genau die Preise steigen, welche Geräte betroffen sind und wie viel oben drauf kommt.
Die nächste große Bühne ist der September, wenn Apple üblicherweise die neuen iPhones zeigt, dieses Jahr wohl das iPhone 18 Pro und Pro Max, dazu Gerüchte über ein faltbares Modell. Dem WSJ zufolge könnten Macs und iPads sogar noch früher teurer werden. Heißt für dich: Das ist keine vage Drohung für irgendwann, sondern eine Ansage für das nächste Gerät, das du kaufst.
Warum die Speicherpreise gerade durch die Decke gehen

Der Grund sitzt nicht bei Apple, sondern in den Rechenzentren. KI-Modelle brauchen gewaltige Mengen an Speicher, und die Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron lenken ihre Produktion auf die teuren Hochleistungsspeicher für KI-Server um. Was für Smartphones, Notebooks und Konsolen übrig bleibt, wird knapper, und knapp heißt teuer. Laut Wall Street Journal haben sich die Preise für Speicherchips seit dem vergangenen Jahr vervierfacht.
Die Zahlen dahinter sind heftig. Die Kontraktpreise für DRAM, also den Speicher, den Großkunden direkt bei den Herstellern kaufen, lagen im dritten Quartal 2025 rund 173 Prozent über dem Vorjahr. Der Branchenverband Bitkom spricht von einem außergewöhnlich starken Anstieg seit Ende 2025 und nennt denselben Treiber, den Ausbau der KI-Rechenzentren. Das ist kein kurzes Schlucken, das ist eine Verschiebung im ganzen Markt.
DRAM ist der Arbeitsspeicher, in dem die gerade laufenden Apps liegen. NAND ist der Flash-Speicher für Fotos, Videos und alles, was bleibt, wenn du das Gerät ausschaltest. Beide stecken in praktisch jedem Smartphone, jedem PC und jeder Konsole, und beide sind gerade die Engstelle.
Nicht nur Apple: PC, Konsole und der Bastelrechner im Schrank
Apple ist nur die lauteste Stimme, nicht die erste. Nintendo, HP und Dell haben ihre Preise laut WSJ bereits angehoben, und Reuters nennt zusätzlich Raspberry Pi. Bei den Konsolen ist der Effekt längst da: Die PS5 ist in mehreren Varianten teurer geworden, das Steam Deck ebenfalls, und selbst die SSDs, die man sich für die Konsole nachkauft, ziehen an.
Mich überrascht das wenig, weil ich es im Kleinen schon durchgespielt habe. Ein Raspberry Pi 5 kostet inzwischen so viel wie ein gebrauchtes Thinkpad, und der Homey Pro war nur das jüngste Gerät auf meiner Rechnung, das aus genau diesem Grund teurer wurde. Die nächste Konsolengeneration wird den Aufschlag mit hoher Wahrscheinlichkeit mitbringen. Wer geglaubt hat, der KI-Hype betreffe nur Leute, die ChatGPT abonnieren, zahlt jetzt mit, ob er will oder nicht.
Was das für deinen nächsten Kauf heißt
Die nüchterne Antwort zuerst: Panik ist keine Kaufstrategie. Ein Gerät, das du nicht brauchst, wird nicht dadurch zum Schnäppchen, dass es nächstes Jahr noch teurer sein könnte. Aber wenn du 2026 ohnehin ein neues Smartphone, ein Notebook oder ein Speicher-Upgrade eingeplant hast, dann spricht diesmal mehr für früher als für später. Die Prognosen zeigen für den Rest des Jahres weiter nach oben, nicht nach unten.
Der zweite Punkt ist die Speichergröße, und der spart dir echtes Geld. Der Aufschlag trifft vor allem die großen Stufen. Die 1-TB-Variante ist der Posten, der explodiert, nicht das Basismodell. Wer mit 256 Gigabyte auskommt, merkt von der ganzen Sache am wenigsten. Beim PC gilt dasselbe für RAM-Riegel und SSDs: Wenn du aufrüsten wolltest, ist jetzt der bessere Zeitpunkt als in sechs Monaten.
Und es lohnt der Blick auf die Vorgängergeneration. Refurbished-Geräte und letztjährige Modelle sind zu Preisen kalkuliert, die die aktuelle Speicherknappheit noch nicht voll eingepreist haben. Gerade jetzt vor dem Prime Day am 26. Juni ist das die naheliegendste Ecke, in der man bei Speicher und SSDs noch etwas mitnimmt, bevor die nächste Welle durchschlägt.
Fazit
KI wird uns als der große Fortschritt verkauft, der alles schlauer macht. Die erste Folge, die im normalen Haushalt wirklich ankommt, ist keine klügere Sprachassistentin, sondern eine höhere Rechnung an der Kasse, für Geräte, die mit KI selbst nichts zu tun haben. Dein nächstes iPhone wird nicht teurer, weil es mehr kann, sondern weil ein Rechenzentrum denselben Speicher haben wollte.
Das ist nicht allein Apples Schuld, das ist ein Marktproblem, und Cook hat in der Sache recht. Trotzdem hat der Satz „die Situation ist nicht mehr tragbar“ aus dem Mund einer Firma mit fast 50 Prozent Gewinnmarge einen gewissen Beigeschmack. Für dich bleibt die Linie nüchtern: Wer kaufen muss, kauft früh und mit Augenmaß bei der Speichergröße. Wer warten kann, wartet, aber nicht auf fallende Preise. Auf die zu hoffen wäre dieses Jahr der teuerste Fehler.





