Den DXRacer Craft habe ich ausgepackt und mich kurz gefragt, ob ich diesen Test überhaupt ehrlich hinkriege. Ich habe nämlich Jahre auf einem Rocking Chair gearbeitet. Aus Stilgründen, nicht aus Vernunft.
Ein Rocking Chair ist kein Bürostuhl. Das weiß ich. Trotzdem hat es ein paar Jahre gedauert, bis mir aufgefallen ist, dass auch Stilgründe irgendwann körperlich werden. Gaming-Stühle waren in der Zwischenzeit das, woran ich vorbeigeklickt habe: viel Kunstleder, viele Logos, viele Versprechen.
Der Craft sieht anders aus als das, was mir bei Gaming-Stühlen sonst entgegenspringt. Klassisch grau, kein RGB, keine Drachen-Embleme. Ein paar Sachen sind richtig gut. Eine stört mich. Eine andere fehlt im Beweismaterial.
Zur Einordnung: 1,75 m, 70 Kilo, eher klein für teutonische Verhältnisse. Mein Schreibtisch ist höhenverstellbar, mein Job ist nicht zuhause. Zwei-Stunden-Sessions sind die Regel, mehrere Stunden am Stück gehen ohne Drama, mit gelegentlichen Stehpausen dazwischen. Eine 36-Stunden-Session habe ich nicht versucht, ab dem Punkt verwächst man eh mit dem Stuhl.
DXRacer hat mir den Craft (L, Grau) für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vorgaben, was ich schreiben soll, gab es keine.
Sitzen statt drüber reden: der Craft im Alltag
Nach zwei Wochen im DXRacer Craft sitze ich entspannter als auf jedem anderen Stuhl, den ich vorher hatte. Die Liste war kurz, aber unabhängig davon: bequem, fest, geruchsfrei, mit einer magnetischen Kopfstütze, die nicht abrutscht und beim Anlehnen wirklich was bringt.
Der Rocking Chair, auf dem ich vorher gearbeitet habe, hatte zwei Argumente: Er stand im Wohnzimmer, und er sah gut aus. Beides ist zu wenig. Beim Schreiben rutscht man jede halbe Stunde fünf Zentimeter nach vorn und sitzt dann nicht mehr, sondern hängt.
Der Craft macht das anders. Die Sitzfläche ist fest, eher zu fest, wenn man von einem Sofa kommt. Nach einem Tag merkt man, dass „fest“ hier „stützt“ heißt, nicht „drückt“. Der 70-Kilo-Körper sinkt nicht ein, der Rücken steht aufrecht, weil er muss, nicht weil ich daran denke. Genau das ist der Punkt, an dem ein Bürostuhl seine Daseinsberechtigung beweist.

Das EPU-Kunstleder (Polyurethan-Kunstleder mit weicher Oberfläche) fühlt sich beim Hinsetzen kühl und glatt an, nach zehn Minuten neutral. Frisch ausgepackt riecht der Craft nach nichts, keine Chemie-Wolke, kein „neuer Stuhl“-Aroma. Das ist nicht selbstverständlich. Geschwitzt habe ich bei aktuell höchstens 22 Grad im Büro nicht. Wie sich das Material im Hochsommer bei 28 verhält, kann ich noch nicht sagen.
Die magnetische Kopfstütze klebt sauber an der Lehne, ohne Klett, ohne Schraube. Beim Anlehnen fängt sie den Hinterkopf da auf, wo er hinmuss. Ein Detail, das woanders schlechter gelöst ist und hier einfach funktioniert.

Nach vier Wochen sitzt der Stuhl wie am ersten Tag. Keine Kuhlen, kein Quietschen, nichts hat sich locker gerüttelt. Auch dreistündige Sessions sind kein Punkt, an dem ich aufstehe, weil der Stuhl mich rauswirft, sondern weil ich Pause will. Mein Schreibtisch ist höhenverstellbar, also fährt der Tisch nach oben, wenn ich stehen will. Der Craft bleibt unter mir.
Mein Test-Stuhl in Grau: klassisch, fester Sitz, magnetische Kopfstütze. Größe L für unter 1,85 m, für größere gibt's die Plus-Variante. Aktuell 100 Euro unter UVP.
Das Plastik-Alibi: wo der Stuhl Federn lässt
Bequem ist der Craft, aber die Plastikteile fühlen sich nicht so wertig an, wie sie aussehen. Die Armlehnen wackeln leicht in der Halterung, die Lordosenstütze lässt sich in der Intensität verstellen, in der Höhe nicht. Beides sind keine Deal-Breaker, aber bei 449 Euro sollte einem das vorher klar sein.
Ich habe meine Hand auf die Halterung der Armlehne gelegt und kurz geschüttelt. Es bewegt sich. Nicht viel, nicht dramatisch, aber spürbar. Das gleiche Spiel an der Rückenlehnen-Mechanik unter dem Sitz. Es ist diese Art von Plastik, die nicht klappert, aber sich auch nicht massiv anfühlt. Der Stuhl als Ganzes ist stabil, die Einzelteile, die du anfasst, sind es nur teilweise.
Bevor du denkst, ich bin überempfindlich: TechRadar nennt die 4D-Armlehnen wörtlich „weak arms“, in deutschen Foren-Threads zur Craft-Serie tauchen genau diese Beobachtungen wieder auf. PC Games Hardware bewertet die L-Variante insgesamt positiv, das Armlehnen-Thema bleibt dort eher am Rand. Es ist also kein Zufall. „Weak arms“ geht mir trotzdem eine Stufe zu weit. Sie wackeln, ja. Wenn die Unterarme aufliegen und ich tippe, fällt’s nicht ins Gewicht.
Das größere Ding ist die Lordosenstütze. Sie ist in die Rückenlehne integriert und lässt sich über ein Rad in der Intensität verstellen. Was sie nicht kann, ist in der Höhe wandern. Für jemanden in meiner Größe okay, weil die Stütze eh ungefähr da sitzt, wo sie soll. Für 195 cm oder 165 cm wird das eng. Bei der direkten Konkurrenz, dem Noblechairs Hero in derselben Preisklasse, ist die Lordosenstütze höhenverstellbar. Das fehlt dem Craft.
Keine dieser Macken zerbricht den Stuhl, im wörtlichen oder bewertenden Sinne. Aber sie sind der Grund, warum mir der Craft zwischendurch ein „nicht ultra“ entlockt hat. Bei 449 Euro im Angebot ist das verschmerzbar. Bei 549 Euro UVP würde mir die Höhen-Lordose fehlen.
Vier Sachen, die das Datenblatt nicht zeigt
Vier Punkte, die im Spec-Sheet untergehen, im Alltag aber auffallen: die Rollen, die Wippmechanik, die Reinigung und die Garantie. Nichts Dramatisches, aber wer 449 Euro ausgibt, sollte das wissen, bevor er bestellt.
Rollen
Die Rollen rollen. Auf meinem Holzboden ohne Geräusch, ohne Kratzspuren bis jetzt. Wer Teppich hat, sollte sich eine Hartbodenmatte überlegen. DXRacer liefert keine mit, und der Stuhl ist schwer genug, dass auf Hochflor irgendwann was passiert.
Wippmechanik
Die Wippmechanik habe ich erst in der zweiten Woche entdeckt, was vielleicht mehr über mich aussagt als über den Stuhl. 15 Grad reichen, um sich zurückzulehnen, ohne das Gefühl zu haben, nach hinten zu kippen. Bei Telefonaten oder beim Nachdenken hilft das. Beim Tippen auf der mechanischen Tastatur will ich’s verriegelt haben, sonst werde ich schaukelig.
Reinigung
EPU-Kunstleder heißt: feuchtes Tuch reicht. Kaffee, Wasser, Staub, alles geht wieder ab, solange es nicht eintrocknet. Ich habe noch nichts Größeres verschüttet, aber die Oberfläche fühlt sich nach „du kannst nicht viel falsch machen“ an. Lederpflegemittel ist überflüssig.
Garantie
Standard: zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung über DXRacer Germany. Eine erweiterte Hersteller-Garantie steht nicht klar auf der Produktseite. Wer länger als zwei Jahre abgesichert sein will, muss beim Support nachfragen oder ins Kleingedruckte schauen. In dieser Preisklasse hätte ich gehofft, dass das offensiver kommuniziert wird.
449 statt 549, L statt XL: was du wissen solltest
Bei 449 Euro Aktion ist der DXRacer Craft fair positioniert, bei 549 UVP wird es eng. Größe L passt für unter 1,85 m, ab 1,90 würde ich zur Plus-Variante greifen. Wer mehr Geld in der Hand hat, sollte den Noblechairs Hero gegenchecken. Der hat Höhen-Lordose und liegt im selben Korridor.
DXRacer fährt regelmäßig Aktionen, der Listenpreis bleibt aber bei 549 Euro. Bei 449 ist der Craft ein solider Pick mit fester Sitzfläche und magnetischer Kopfstütze. Bei 549 sieht das anders aus. In dieser Preisklasse hat der Noblechairs Hero die höhenverstellbare Lordosenstütze, die dem Craft fehlt. Wer also nicht im Aktionspreis kauft, gibt 100 Euro mehr für ein paar Detail-Schwächen aus.
Bei der Größenwahl ist das einfacher. DXRacer empfiehlt L für unter 1,85 m und Plus/XL für darüber, beide jeweils bis 125 Kilo. Mit meinen 1,75 m sitze ich mittig in der L-Range, der Stuhl ist nicht zu groß und nicht zu klein. Wer 1,90 m oder mehr hat, sollte ohne lange zu überlegen die Plus-Variante nehmen. Sitzfläche und Lehne sind dort etwas größer dimensioniert, sonst ändert sich am Konzept nichts.
Wenn du noch unsicher bist, wo der Craft im Markt steht: Secretlab Titan Evo liegt im 550-bis-650-Euro-Bereich und gilt als Premium-Pick mit magnetischen Kissen. Der Noblechairs Hero startet ähnlich wie der Craft im Aktionspreis und ist der direkteste Vergleich. Sihoo Doro S300 ist eher Bürostuhl-DNA als Racing-Optik, andere Liga visuell. Für 449 Euro Aktion ist der Craft das Stilbruch-freie Mittelfeld.
Specs auf einen Blick
Hier die wichtigsten Daten zur L-Variante in der Übersicht. Plus/XL hat dieselben Mechaniken, nur mit größeren Maßen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Bezug | EPU-Kunstleder |
| Polsterung | CloudSense (25D Soft + 50D High-Density) |
| Rahmen | Stahl |
| Armlehnen | 4D-verstellbar, PU-Auflage |
| Kopfstütze | Magnetisch, 12 cm Höhenverstellung |
| Wippmechanik | 15° mit Neigungsverriegelung |
| Lordosenstütze | Integriert, Intensität verstellbar (Höhe nicht) |
| Sitzhöhe | 47–54,5 cm |
| Empfohlene Körpergröße (L) | unter 1,85 m |
| Maximale Belastbarkeit | 125 kg |
| Preis (Stand Mai 2026) | 449 € Aktion / 549 € UVP |
Karton, fünf Schritte, 20 Minuten
Der Aufbau dauert 20 Minuten, fünf Schritte, eine zweite Person ist nicht nötig. Die Anleitung ist groß gedruckt und gut geschrieben, das Werkzeug liegt bei. Wenn du IKEA-Möbel überlebt hast, überlebst du den Craft im Schlaf.
Der Karton ist riesig und schwer. Im Wohnzimmer eingetragen, fühlt sich das an wie ein neuer Möbel-Tag, in den du Lust haben musst. Innen liegt alles geordnet in Schaumstoff: Sitzfläche, Rückenlehne, Sternfuß mit Rollen, Gasdruckfeder, Armlehnen. Plus Schraubentüte und Inbusschlüssel.

Die fünf Schritte sind unspektakulär. Sternfuß zusammenbauen, Gasdruckfeder einsetzen, dann die Sitzfläche mit Wippmechanik verschrauben. Rückenlehne dran, Armlehnen montieren. Anleitung in Klartext, ein Inbusschlüssel reicht für alles.

Nach 20 Minuten steht der Stuhl. Stahlrahmen, Bezug sauber gespannt, alles dort wo es hingehört. Wer eine Stunde für ein IKEA-Regal braucht, schafft den Craft entspannt während der Rechner die neusten Windows-Updates zieht.
Häufige Fragen
Ist der DXRacer Craft seinen Preis wert?
Bei 449 Euro Aktion ja, bei 549 Euro UVP eher nein. Im Aktionspreis bekommt man einen soliden Gaming-Stuhl mit fester Sitzfläche, magnetischer Kopfstütze und EPU-Kunstleder. Beim Listenpreis hat die Konkurrenz wie der Noblechairs Hero mehr zu bieten, vor allem die höhenverstellbare Lordosenstütze.
Welche Größe ist die richtige, L oder Plus/XL?
L für Körpergrößen unter 1,85 m, Plus/XL für darüber. Beide sind bis 125 Kilo Belastbarkeit ausgelegt. Mit 1,75 m sitze ich mittig in der L-Range. Wer 1,90 m oder mehr hat, sollte ohne Zögern zur Plus-Variante greifen.
Wie lange dauert der Aufbau?
Etwa 20 Minuten, fünf Schritte, eine Person reicht. Anleitung und Werkzeug liegen bei. Wer ein IKEA-Regal in einer Stunde aufbaut, ist beim DXRacer Craft in 20 Minuten fertig.
Hat der DXRacer Craft eine höhenverstellbare Lordosenstütze?
Nein. Die Lordosenstütze ist in die Rückenlehne integriert und lässt sich nur in der Intensität verstellen, nicht in der Höhe. Für Körpergrößen zwischen 1,70 m und 1,80 m ist das in der Regel okay. Für deutlich kleinere oder größere Personen kann es ein Punkt sein.
Wie stabil sind die Armlehnen?
Die 4D-Armlehnen sind verstellbar, fühlen sich aber nicht massiv an und wackeln leicht in der Halterung. Internationale Tester nennen die Armlehnen als Hauptschwäche, deutsche Foren-Threads bestätigen den Eindruck. Im Alltag stört das wenig, beim ersten Kontakt fällt es auf.
DXRacer Craft oder Noblechairs Hero?
Im Aktionspreis ist der Craft (449 Euro) ein guter Pick, beim UVP von 549 Euro liegt der Hero vorn, vor allem wegen der höhenverstellbaren Lordosenstütze. Optisch und beim Sitzgefühl unterscheiden sich beide nur in Details, beim Komfort und der Verstellbarkeit hat der Hero die Nase knapp vorn.
Urteil
Mein Setup hatte alles Richtige außer dem Stuhl. Mit dem DXRacer Craft fehlt nichts mehr.
Mit (sehr bequemen, haha) Auflagen freigesprochen. Bei 449 Euro im Angebot ist der DXRacer Craft ein bequemer, gut gebauter Stuhl, der seinen Job ohne Drama macht. Bei 549 Euro UVP würde ich Konkurrenz vergleichen, weil eine fehlende Höhen-Lordose und etwas wackelndes Plastik bei Premium-Preis stärker ins Gewicht fallen.
Ich empfehle: grundsätzlich weg mit dem Rocking Chair, auch wenn dich die Hipster-Szene dafür shadowbannt. Hol dir einen richtigen Schreibtischstuhl. Und wenn du dabei bist, darf es aus meiner Sicht ein DXRacer sein, warum nicht. Es gibt verschiedene Modelle für unterschiedliche Geschmäcker, Geldbeutel, Größen und Anwendungsfälle. Mehr Hardware-Tests findest du hier, falls der Rest vom Setup auch ein Update braucht.
Wer Premium-Verstellbarkeit erwartet oder über 1,90 m groß ist, sollte Plus/XL nehmen oder direkt zum Noblechairs Hero greifen. Mein Rocking Chair ist jedenfalls in den Keller umgezogen, das ist auch ein Urteil.
Mein Test-Stuhl in Grau: klassisch, fester Sitz, magnetische Kopfstütze. Größe L für unter 1,85 m, für größere gibt's die Plus-Variante. Aktuell 100 Euro unter UVP.






