Das Homey Portal ist der erste Lichtschalter, für den ich 249 Euro hinlegen soll. Athom hat das Gerät gestern Abend um 19 Uhr in einem Stream vorgestellt, nachdem es das Wochenende über unter dem Codenamen Zoney durch die Community gegeistert war: ein rundes 2,8-Zoll-Touchdisplay in einem Edelstahl-Drehring, das genau einen Raum bedient. Vorbestellen geht seit gestern, geliefert wird laut Athom vor Ende 2026.
- Homey Portal ist ein 2,8-Zoll-Touchdisplay mit Edelstahl-Drehring, das genau einer Homey-Zone zugewiesen wird und dort Lampen, Lautsprecher, Thermostate, Flows und Moods steuert
- Vorbestellpreis 249 Euro für die erste Charge, danach 299 Euro; Doppelpack 488 Euro, Dreierpack 727 Euro, Versand laut Athom vor Ende 2026, Stornierung bis zum Versand mit voller Erstattung
- Läuft mit Homey Cloud, Homey Pro der Jahrgänge 2023 bis 2026, Pro mini und Self-Hosted Server; der Homey Pro von 2019 steht nicht auf der Liste, die Homey-App bleibt zum Einrichten Pflicht
- Im Gehäuse stecken ein Quad-Core Cortex-A55, ein Näherungssensor, ein Magnetsensor für den Ring, ein Lautsprecher und USB-C; Standfuß, Wandhalterung und 5-Volt-Netzteil liegen bei
- Die Energy-Ansicht setzt einen Homey Energy Dongle oder ein eingebundenes Smart Meter voraus, bei Homey Cloud zusätzlich Premium, außer mit Dongle
- Vorgestellt am 1. September 2026 kurz vor der IFA, bestellbar nur im Homey-Shop, bei Amazon und idealo bislang nicht gelistet
Ein Homey Portal pro Zone: Was der Drehring im Raum übernimmt
Das Bedienkonzept ist so alt wie der Lautstärkeregler an der Stereoanlage. Der Ring ist für alles zuständig, was man hoch- oder runterdreht: Helligkeit oder Lautstärke, beim Thermostat die Zieltemperatur. Der Bildschirm macht den Rest. Dafür wird das Portal einer Zone zugewiesen, etwa dem Wohnzimmer, und bedient dann alle Geräte, die dort schon in Homey hängen. Zone = in Homey der Raum oder Bereich, dem ein Gerät zugeordnet ist, verschachtelbar bis zur ganzen Etage. Wer einen zweiten Raum steuern will, braucht ein zweites Portal, einzelne Geräte aus anderen Zonen lassen sich aber als Shortcut anheften.
Auf dem Display gibt es feste Ansichten. Bei Licht schaltet ein Tipp alle Lampen im Raum, ein Dreh dimmt, und Farbe oder Farbtemperatur zieht man mit dem Finger über den Bildschirm, dazu die Moods aus der Homey-App. Bei Lautsprechern liegen Cover und Titel auf dem Display, gedreht wird die Lautstärke, gewischt der nächste Titel. Die Klima-Ansicht zeigt Ist- und Zieltemperatur samt Luftfeuchte und färbt sich orange beim Heizen und blau beim Kühlen. Dazu kommen ein Timer, der am Ende einen Flow starten kann, eine Wetterseite und die Energy-Ansicht mit Live-Verbrauch, Solarertrag und aktuellem Strompreis.
Interessanter als die Kacheln finde ich die Flow-Anbindung. Ein Flow kann auf dem Portal eine Ja-Nein-Frage stellen, etwa „Rollos runter?“, eine Erinnerung ans Pflanzengießen anzeigen oder beim Klingeln das Kamerabild samt Ton auf das kleine Display legen. Ein Doppeltipp auf den Ring löst eine frei belegbare Schnellaktion aus. Und für Gäste gibt es einen Modus, in dem nur die freigegebenen Shortcuts sichtbar sind, Athom nennt als Beispiel ausdrücklich die Ferienwohnung. Geändert wird alles nur in der App, das Portal selbst ist eine reine Bedienoberfläche.
Was Athom offenlässt: Funk, Sensoren, Homey Pro 2019
Die Produktseite ist bei den Bauteilen auffällig präzise und beim Rest auffällig still. Gelistet sind ein Quad-Core Cortex-A55, ein kapazitiver Touchsensor, ein Näherungssensor, der das Display vermutlich aufweckt, ein Magnetsensor für den Ring, ein Lautsprecher und ein USB-C-Port. Wie das Portal mit dem Homey spricht, steht nirgends. Einen Netzwerkanschluss gibt es nicht, der USB-C-Port ist für das beiliegende 5-Volt-Netzteil da. Ich gehe von WLAN aus, bestätigt ist das nicht, und für einen Drehregler ist genau das die entscheidende Frage: Ein Dimmer, der eine halbe Sekunde nach dem Dreh reagiert, ist ein schlechter Dimmer.

Auch die Sensoren fehlen, die vorher im Raum standen. Als SmarthomeAssistent am Sonntag die Hinweise aus dem App-Code zusammentrug, war noch von Temperatur- und Lichtsensor die Rede. In der offiziellen Bauteilliste taucht keiner davon auf, und die FAQ sagt es direkt: Ein Thermostat ersetzt das Portal nicht, es spricht nicht mit der Heizung, es stellt nur die Thermostate ein, die Homey schon kennt. Wer ein Wandpanel mit eigener Raumtemperatur sucht, ist hier falsch.
Bei der Kompatibilität nennt Athom Homey Cloud, Homey Pro der Jahrgänge 2023 bis 2026, den Pro mini und den Self-Hosted Server. Der Homey Pro von 2019 steht nicht auf der Liste, was zu dem passt, was schon bei den Geräteaktualisierungen galt: Die alte Generation wird bei neuen Funktionen konsequent ausgelassen. Ein Portal hängt zudem immer an genau einem Homey, für mehrere Zentralen verweist Athom auf die HomeyLink-App. Und der Satz „falls ein Gerät noch nicht gesteuert werden kann, kommt die Unterstützung möglicherweise mit einem Update“ verrät, dass zum Start nicht jeder Gerätetyp auf dem Display landet.
Mein Erdgeschoss hat drei Zonen mit Sonos. Das wären 727 Euro
Ich habe nach der Ankündigung in meinen eigenen Homey Pro geschaut, wie das Zonen-Konzept bei mir aufgehen würde. Die Antwort ist unangenehm konkret. Mein Haus ist in Homey in 23 Zonen aufgeteilt, von der Etage bis zur Speisekammer. Allein im Erdgeschoss liegen Wohnzimmer, Esszimmer und Spielzimmer als getrennte Zonen nebeneinander, und jede der drei hat exakt das, was Athom in der Demo zeigt: einen Sonos, Hue- oder Innr-Lampen und ein tado-X-Thermostat. Drei Portale also, der Dreierpack für 727 Euro. Für die Küche, den Flur und das Bad wäre dann immer noch nichts dabei.

Die FAQ bietet einen Ausweg an: Ein Portal steuert auch alle Unterzonen seiner Zone, ich könnte es also der Etage „Erdgeschoss“ zuweisen. Dann heißt „alle Lampen im Raum“ aber alle Lampen im Stockwerk, und die Lautsprecher-Ansicht müsste zwischen drei Sonos wählen, von denen einer gerade ein Hörspiel für die Kinder spielt. Das Zonen-Konzept ist elegant, solange man in Wohnungen denkt. In einem Haus wird es zur Stückzahl.
Was mich dabei am meisten beschäftigt, liegt im Spielzimmer auf dem Regal. Dort hängt in Homey das IKEA-BILRESA-Scrollrad, eine Matter-Fernbedienung für rund sieben Euro. Sie dreht, sie dimmt stufenlos, und meine Kinder hatten das Prinzip nach zwei Minuten verstanden. Was sie nicht kann: anzeigen, was sie gerade tut. Genau dafür verlangt Athom das 35-Fache. Immerhin wäre bei mir die Energy-Ansicht ohne Zusatzkauf drin, in der Waschküche liest ein Smart-Meter-Interface den Stromzähler aus und liefert Homey damit schon die Werte, die das Portal zeigen will, seit 13.4.1 inklusive Solarprognose.

Das Homey Portal gibt es nur im Homey-Shop, Amazon und idealo führen es nicht. Die 249 Euro gelten laut Athom nur für die erste Charge, danach 299 Euro. Versand in Bestellreihenfolge, voraussichtlich vor Ende 2026, Stornierung bis zum Versand mit voller Erstattung. Erste Hands-on-Berichte sind ab der IFA am 4. September zu erwarten.
Gegen Nest Hub und Aqara-Panel: Fernbedienung statt Zentrale
Unter den ersten Berichten steht in den Kommentaren erwartbar die Frage, warum man nicht einfach ein Nest Hub oder ein Aqara-Wandpanel nimmt. Die Antwort steckt in der Bauteilliste: Das Portal hat kein Mikrofon und keinen Assistenten, es ist keine zweite Zentrale, sondern eine Fernbedienung für eine Zone, die alles vom Homey bezieht. Das ist der Grund, warum es mit einem Homey Pro auch Geräte bedienen kann, die in keiner Google- oder Aqara-Welt auftauchen, bei mir zum Beispiel der Mähroboter im Garten, der nur über eine Community-App in Homey hängt. Ob das Portal ohne Internet mitspielt, wie es der Homey Pro selbst tut, sagt Athom nicht.

Der Preis ist dagegen eine Ansage, die zu Athoms Jahr passt. Im Juni hat die Firma den Homey Pro wegen RAM- und Speicherpreisen um 50 Euro verteuert, jetzt kommt ein Zubehör, das mehr kostet als der Pro mini. Dass der Einführungspreis ausdrücklich auf die erste Charge begrenzt ist, lese ich vor diesem Hintergrund weniger als Marketing und mehr als Vorsicht bei der Kalkulation.
Mein Smart Home ist für Besucher seit Jahren ein Haus, in dem die Schalter an der Wand nichts tun. Die Sprüche dazu kenne ich alle. Dass Athom jetzt einen Knopf baut, den mein Schwiegervater bedienen kann, ohne zu wissen, was ein Flow ist, ist eigentlich das Eingeständnis, dass die App nie die Oberfläche für das ganze Haus war. Ich frage mich nur, warum die Antwort darauf ausgerechnet das teuerste Bedienteil ist, das je an meinem Homey hängen würde, während das Plastikrad von IKEA dasselbe Prinzip längst neben dem Sofa liegen hat.
Bis zur ersten Charge bleiben drei Fragen offen
Ich bestelle nicht blind, so gern ich das Ding im Wohnzimmer sehen würde. Bis zur IFA am Donnerstag will ich wissen, wie das Portal funkt und wie schnell der Ring auf dem Display ankommt, welche Gerätetypen zum Start überhaupt bedienbar sind und wie groß die erste Charge ist, an der die 249 Euro hängen. Wer eine klar definierte Hauptzone hat, ein Wohnzimmer mit Sonos und ein paar Hue-Lampen, bekommt vermutlich genau das Gerät, das die Familie statt der App benutzt. Für ein Haus mit sieben Zonen pro Etage ist der Preis das Problem, nicht die Idee.

Die Fragen vor der Vorbestellung
Was ist das Homey Portal?
Ein Smart-Home-Bedienteil von Athom mit rundem 2,8-Zoll-Touchscreen und drehbarem Edelstahlring. Es wird einer Homey-Zone zugewiesen und steuert dort Lampen, Lautsprecher, Thermostate, Flows und Moods. Es ist keine eigene Zentrale und braucht einen Homey.
Was kostet das Homey Portal und wann wird es geliefert?
249 Euro im Vorverkauf für die erste Charge, danach 299 Euro. Doppelpack 488 Euro, Dreierpack 727 Euro. Athom verschickt in Bestellreihenfolge und nennt als Termin vor Ende 2026. Die Vorbestellung lässt sich bis zum Versand kostenlos stornieren.
Welchen Homey brauche ich für das Homey Portal?
Homey Cloud, einen Homey Pro der Jahrgänge 2023 bis 2026, den Homey Pro mini oder den Homey Self-Hosted Server. Der Homey Pro von 2019 wird nicht genannt. Zum Einrichten ist die Homey-App für iOS oder Android nötig.
Kann das Homey Portal ein Thermostat ersetzen?
Nein. Das Portal hat keinen Temperatursensor und spricht nicht direkt mit der Heizung. Es stellt nur Thermostate und Klimageräte ein, die bereits in Homey eingebunden sind, und zeigt deren Ist- und Zieltemperatur an.





