Amazon erhöht Preise quer durch das eigene Hardware-Regal, und zwar nicht um Trinkgeld: Der Fire TV Cube springt von 159,99 auf 229,99 Euro, das Kindle Paperwhite legt 50 Euro zu, der Echo Dot 15. Heute Morgen stand in ersten deutschen Meldungen noch, das betreffe nur die USA. Am Mittag waren die neuen Listenpreise im deutschen Store. Keine Ankündigung, kein Blogpost. Einfach neue Zahlen.
Der Cube kostet jetzt 229,99 Euro, und der Rest zieht mit
Die Erhöhung zieht sich durch fast alle Produktreihen: E-Reader, Streaming-Sticks, Echo-Lautsprecher, dazu die eero-Router und Fire-TV-Fernseher. Die Aufschläge, die sich Stand Montagmittag sauber belegen lassen, sehen so aus:
| Gerät | UVP alt | UVP neu | Aufschlag |
|---|---|---|---|
| Kindle (16 GB) | 109,99 € | 149,99 € | +36 % |
| Kindle Paperwhite (16 GB) | 169,99 € | 219,99 € | +29 % |
| Kindle Paperwhite Signature (32 GB) | 199,99 € | 249,99 € | +25 % |
| Fire TV Stick HD | 44,99 € | 64,99 € | +44 % |
| Fire TV Stick 4K Select | 54,99 € | 69,99 € | +27 % |
| Fire TV Stick 4K Plus | 69,99 € | 84,99 € | +21 % |
| Fire TV Stick 4K Max | 79,99 € | 114,99 € | +44 % |
| Fire TV Cube | 159,99 € | 229,99 € | +44 % |
| Echo Dot (5. Gen.) | 64,99 € | 79,99 € | +23 % |
Die Kindle-Zeilen gelten für die Varianten mit Werbung, die werbefreien Modelle liegen wie bisher jeweils 10 Euro darüber. Bei eero und den Fernsehern sind die neuen Preise noch nicht vollständig durchsortiert, betroffen sind sie laut übereinstimmenden Berichten von Caschys Blog, connect und TV Movie aber ebenfalls.
Amazon erhöht Preise, weil der KI-Boom den Speicher frisst
Die Begründung lieferte eine Amazon-Sprecherin gegenüber US-Medien schon vergangene Woche, als die gleiche Welle durch den amerikanischen Store lief: Die Kosten für Speicherkomponenten seien so stark gestiegen, dass man sie nicht länger allein abfedern könne. Man wolle weiter möglichst erschwingliche Hardware anbieten. Übersetzt: Selbst der Konzern, der seine Geräte jahrelang quersubventioniert hat, gibt die Speicherkrise jetzt an der Kasse weiter.
Überraschend kommt das nicht. Warum der KI-Boom iPhone, PC und Konsole teurer macht, habe ich im Juni aufgeschrieben, damals noch mit Blick auf DRAM-Spotpreise und Branchenprognosen. Seitdem arbeitet sich die Krise vom Abstrakten ins Konkrete: Erst stellte PINE64 seine Linux-Geräte ein, weil Speicher für Kleinserien unbezahlbar wurde, jetzt schreibt der größte Gerätehändler der Welt seine Preisschilder neu. Ein Kindle ist am Ende ein Display mit Speicher drumherum, da gibt es wenig zum Wegoptimieren.
Die Rabatt-Prozente sehen jetzt besser aus, als sie sind
Wer heute in den Store schaut, sieht trotzdem keine Schock-Preise, sondern Rabattschlachten: Den Fire TV Stick HD gibt es aktuell für 26,99 Euro, angeschrieben als 58 Prozent Nachlass. Die Rechnung lohnt einen zweiten Blick, denn die 58 Prozent beziehen sich bereits auf die neue UVP von 64,99 Euro. Gegen den alten Listenpreis wären es 40 Prozent. Der Straßenpreis ist im Moment also noch der gewohnte, nur das Etikett drumherum ist dramatischer geworden. Das dürfte sich ändern, sobald die Aktionen auslaufen und sich künftige Angebote an den höheren Listenpreisen orientieren.
Rabatt-Prozente bei Amazon-Geräten ab sofort ignorieren und nur auf den Endpreis schauen. Die Prozentangabe rechnet gegen die neue, höhere UVP und sieht damit spektakulärer aus als der Nachlass, den du gegenüber letzter Woche bekommst.
Für Amazon-Kunden ist es die zweite unangenehme Nachricht innerhalb weniger Tage: Zum 1. September verkürzt Amazon außerdem die Rückgabefrist in 16 Kategorien auf 14 Tage. Erst weniger Zeit zum Zurückschicken, jetzt höhere Preise. Und der nächste Kandidat steht schon im Kalender: Für das iPhone 18 Pro kursieren seit dem Wochenende Gerüchte über einen Startpreis von 1399 Euro hierzulande, aus demselben Grund. Noch unbestätigt, aber es passt exakt in das Muster.
Der billige Alexa-Einstieg war ein Subventionsprogramm, und es läuft aus
Meine Einordnung: Amazons Hardware war nie das Geschäft, sie war der Türöffner. Ein Echo Dot für 20 Euro im Angebot hat Alexa in Millionen Wohnzimmer gebracht, verdient wurde später, über Prime und Einkäufe, inzwischen über Abos. Wenn dieser Konzern die Quersubvention nicht mehr durchhält, ist das ein deutlicheres Signal für die Lage am Speichermarkt als jede Analystenprognose. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht, vor 2027 rechnet die Branche nicht mit Besserung, und selbst dann eher mit Stillstand als mit sinkenden Preisen.
Praktisch heißt das: Wer ohnehin einen Kindle oder ein Fire-TV-Gerät kaufen wollte, fährt mit den noch laufenden Abverkaufs-Angeboten vermutlich besser als mit Warten. Wer nichts braucht, kauft auch jetzt nichts, künstliche Eile wäre genau die Reaktion, auf die höhere UVPs spekulieren. Ich rechne allerdings damit, dass die Zeiten, in denen ein Echo Dot quasi als Werbegeschenk den Besitzer wechselte, erst mal vorbei sind.





