Im Juni musste ich hier eine Frage offen lassen, weil mir die Antwort fehlte: Wann ist dieser Speicherwahnsinn endlich vorbei? Jetzt gibt’s ein Datum für den Speichermangel 2027: Der Marktbeobachter TrendForce nennt die zweite Jahreshälfte als Wendepunkt. Klingt nach Erlösung. Ist aber der übliche Taschenspielertrick: Die Lage entspannt sich, weil sich kaum noch jemand die Aufrüstung leisten kann. Toll gemacht, Markt.
- TrendForce erwartet erst ab der zweiten Jahreshälfte 2027 eine ausreichende NAND-Flash-Versorgung, 2026 bleibt ein Defizit von 4 bis 5 Prozent bestehen.
- Die Entspannung kommt nicht durch mehr Produktion für alle, sondern weil Smartphone- und Notebook-Verkäufe 2026 um 15 bis 20 beziehungsweise rund 10 Prozent einbrechen.
- Laut Bernstein Research erreicht der DRAM-Preis 2027 sogar erst seinen Höhepunkt, mit einem Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber 2026.
- Gartner und ein AMD-Vertreter auf der Computex nennen unabhängig voneinander 2028 als frühesten Zeitpunkt für spürbar fallende Preise.
Speichermangel 2027: Die Antwort, die im Juni noch fehlte
Im Juni-Artikel über die Speicherpreise stand am Ende ein Satz, der mir nicht gefallen hat: Ein konkreter Zeitpunkt für eine Entspannung sei nicht bekannt. Jetzt gibt es einen, und er kommt vom taiwanischen Marktbeobachter TrendForce, dessen NAND-Flash-Zahlen in der Speicherbranche als Referenz gelten. Laut aktuellem Report bleibt der Markt 2026 bei einem Defizit von 4 bis 5 Prozent hängen, wie Heise berichtet. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 soll das Angebot die weltweite Nachfrage wieder decken.
Für alle, die im Juni gelesen haben, wie sich Speicherchips seit dem Vorjahr vervierfacht haben, ist das immerhin ein Silberstreif. Nur eben ein ziemlich weit entfernter.
Warum sich das nicht wie eine gute Nachricht anfühlen sollte
Der Trick an der Prognose hat nichts mit Großzügigkeit der Hersteller zu tun. TrendForce rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Smartphone-Verkäufe um 15 bis 20 Prozent, bei Notebooks mit einem Minus von rund 10 Prozent. Weniger Leute kaufen neue Geräte, weil die aktuellen Preise sie abschrecken. Genau dieser Rückzug ist der Mechanismus, der die Bilanz 2027 wieder ins Plus dreht, nicht plötzlicher Überfluss an Chips.
Was frei wird, geht ohnehin nicht an dich. Server- und KI-Rechenzentren verbrauchen 2026 schon über 40 Prozent des weltweiten NAND-Bitausstoßes, bis 2027 klettert der Anteil auf über 50 Prozent. Die Balance kippt zulasten der Geräte, die bei dir zuhause stehen. Consumer-Speicher wird zur Restgröße in einem Markt, den er einmal dominiert hat.
Bernstein Research beziffert den DRAM-Durchschnittspreis 2027 auf 2,23 Dollar pro Gigabit, fast 50 Prozent über 2026. Erst 2028 soll er auf 1,05 Dollar fallen, NAND-Flash im selben Zeitraum von 0,32 auf 0,10 Dollar pro Gigabyte. SK Hynix soll 2027 einen Rekordumsatz von umgerechnet rund 287 Milliarden Euro einfahren, mehr als das Zehnfache von 2025.
Drei Analysten, ein Datum: 2028
Ein einzelner Analyst mit einer gewagten Zahl wäre leicht zu ignorieren. Hier sind es drei, die unabhängig voneinander beim selben Jahr landen. Bernstein Research nennt 2028 für den Preisverfall bei DRAM und NAND. Gartner bestätigte im April 2026 in einer eigenen Analyse denselben Zeitpunkt als frühestes realistisches Datum für sinkende Preise. Und auf der Computex ließ sich sogar ein AMD-Vertreter zu der Aussage hinreißen, DDR5-Speicher werde „in etwa zwei Jahren“, also um Juni 2028 herum, wieder auf Normalniveau liegen.
AMD ist ein Chip-Hersteller mit handfestem Interesse an der eigenen Prognose. Gartner ist ein Marktforschungsinstitut ohne Aktien im Spiel. Bernstein ist eine Investmentbank, die von der Wahrheit lebt, nicht von guter Stimmung. Drei völlig unterschiedliche Blickwinkel. Ein Jahr: 2028.
Warum Warten hier die teurere Wette ist

Im Juni hieß mein Rat: Wer 2026 sowieso kaufen will, sollte eher früher als später zuschlagen. Nach dieser Recherche wird der Rat nicht weicher, er wird härter. Auf 2027 zu warten bringt nichts, dort liegt laut Bernstein sogar der Preis-Höhepunkt. Und wer bis 2028 durchhält, lebt zwei weitere Jahre mit vollem Rechner oder knapper SSD, nur für die Aussicht auf ein paar gesparte Euro.
Was sich trotzdem lohnt: kleine statt große Speichervarianten kaufen. Der Aufpreis für ein Terabyte gegenüber der Basisversion war schon im Juni absurd, daran hat sich nichts geändert. Wer ohnehin nur Dokumente und ein paar Fotos ablegt, muss sich nicht das größte Modell aufschwatzen lassen, nur weil es im Prospekt vorne steht. Ein Blick auf den Raspberry-Pi-Preisaufschlag zeigt, wie konkret das schon geworden ist: Selbst ein Bastelrechner für 35 Euro ist vor dieser Rechnung nicht sicher. Wenn schon das Hobby-Board teurer wird, ist die große Kaufentscheidung erst recht keine, die man auf die lange Bank schieben sollte.
Was ich aus dieser Prognose mitnehme
2027 ist keine Erlösung, sondern nur der Moment, in dem der Markt aufhört, sich weiter zuzuspitzen. Billiger wird dadurch gar nichts, das übernimmt frühestens 2028, und auch das nur, wenn drei unabhängige Prognosen recht behalten. Wer jetzt kauft, zahlt viel. Wer wartet, zahlt vermutlich noch länger viel. Die einzige echte Entscheidung, die dir bleibt, ist, wie viel Speicher du wirklich brauchst, und dich nicht von der nächsten Schlagzeile über eine „Entspannung“ beruhigen zu lassen, die keine ist.
Was zum Speichermangel 2027 oft gefragt wird
Wann bessert sich der Speichermangel bei SSDs und RAM?
Laut TrendForce entspannt sich die Lage bei NAND-Flash-Speicher in der zweiten Jahreshälfte 2027, weil Prozess-Migrationen die Produktion steigern und die Nachfrage bei Smartphones und Notebooks gleichzeitig einbricht.
Werden SSDs und RAM 2027 billiger?
Nein, im Gegenteil. Laut Bernstein Research markiert 2027 sogar den Preis-Höhepunkt bei DRAM, mit einem Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber 2026. Die Entspannung 2027 betrifft nur die Verfügbarkeit, nicht den Preis.
Wann sinken die Speicherpreise wirklich?
Bernstein Research, Gartner und ein AMD-Vertreter nennen unabhängig voneinander 2028 als frühesten realistischen Zeitpunkt für spürbar fallende DRAM- und NAND-Preise.
Sollte ich jetzt eine SSD oder RAM kaufen oder warten?
Warten lohnt sich laut aktuellen Prognosen nicht: 2027 ist sogar der Preis-Höhepunkt, echte Entlastung kommt frühestens 2028. Wer ohnehin aufrüsten will, sollte kleine statt große Speichervarianten wählen und nicht auf die nächsten Jahre spekulieren.






