PINE64 hat in dieser Woche in einem einzigen Absatz erklärt, dass es auf absehbare Zeit keine neuen Linux-Geräte mehr baut. Kein neues Tablet und kein Nachfolger fürs PinePhone. Der Grund steht in jedem Satz der Mitteilung und ist trotzdem nicht die ganze Geschichte: DRAM und eMMC, also Arbeitsspeicher und Flash-Speicher, sind knapp und teuer, und das soll sich vor Mitte 2027 nicht ändern. Wer den Speicher wegkauft, steht nicht in der Mitteilung. Man muss es auch nicht hinschreiben, es reicht, die Preislisten der KI-Rechenzentren zu kennen.
- Laut PINE64 gibt es wegen der DRAM- und eMMC-Knappheit keine Pläne, in naher Zukunft weitere Linux-Geräte zu produzieren, ob es weitergeht, hängt von den Bauteilpreisen nach Mitte 2027 ab
- Die Lagerbestände von PineNote (E-Ink-Tablet) und PineTab2 reichen voraussichtlich noch rund drei Monate, danach gibt es vorerst keinen Nachschub
- Nicht betroffen ist die Mikrocontroller-Linie: PineTime (Smartwatch), PineVoice (Sprach-Würfel) und Pinecil (Lötkolben) werden weiter gebaut, die PineTime Pro ist in Entwicklung
- Ein PinePhone-Nachfolger ist nicht geplant, PINE64 nennt die Erstgeneration selbst einen Abschied in Ehren und sieht keinen passenden Chip
- Die Software-Unterstützung für vorhandene Geräte läuft weiter, es ist eine Produktionspause, kein Rückzug aus Linux
Was PINE64 genau gesagt hat: Pause, kein Abschied

Die Mitteilung kam über den offiziellen Telegram-Kanal und liest sich nüchtern: Wegen der aktuellen DRAM- und eMMC-Knappheit gebe es keine Pläne, in naher Zukunft weitere Linux-Geräte zu produzieren. Ob sich das ändert, hänge von den Preisen nach Mitte 2027 ab. Die Lagerbestände von PineNote und PineTab2 reichen nach Schätzung der Firma noch etwa drei Monate, danach weiß PINE64 selbst nicht, wann die Geräte wieder verfügbar sind. Das Wort, das der Hersteller für die Lage seiner Linux-Geräte wählt, ist „a bit bleak“, ein bisschen trostlos.
Ganz überraschend kommt das nicht. Schon im Juli hatte PINE64 die 3D-Modelle des PinePhone und PinePhone Pro veröffentlicht und das als letzten Gruß an diese Gerätegeneration bezeichnet. Ein PinePhone2 sei nicht ausgeschlossen, aber nicht geplant, weil kein Chip auf dem Markt die Anforderungen erfülle und ein neues Gerät ein zu großes finanzielles Risiko wäre. Das ursprüngliche PinePhone sei ohnehin als Entwicklungsplattform gedacht gewesen, um Linux auf Mobilgeräten voranzubringen, und dieses Ziel sehe man weitgehend erreicht, die Community konzentriere sich inzwischen auf Android-Smartphones als Linux-Basis.
Warum ausgerechnet DRAM und eMMC: Die Kette vom Rechenzentrum zum Bastler-Tablet
Ich bin bei Linux-Hardware eher neugieriger Zuschauer als Bastler, aber die Mechanik dahinter ist die gleiche, die ich im Frühjahr bei den Speicherpreisen für iPhone und Konsole beschrieben habe. Die Betreiber von KI-Rechenzentren kaufen den weltweiten Speicher in Großbestellungen bis weit ins nächste Jahr hinein, und was übrig bleibt, wird teurer. DDR5-Arbeitsspeicher hat es am härtesten getroffen, und der Chef von SK Hynix sagte vor Kurzem, das Schlimmste stehe noch bevor, die Nachfrage werde das Angebot noch Jahre übersteigen.
Für Apple oder Samsung ist das ein Margenproblem. Für einen Hersteller, der Tablets zum Selbstkostenpreis an eine Community verkauft, ist es das Ende der Kalkulation. Ein PineTab2 lebt davon, dass es günstig ist, und wenn Arbeits- und Flash-Speicher den Preis verdoppeln, gibt es kein Produkt mehr. PINE64 ist damit nicht allein: Der Orange Pi Neo, ein Linux-Handheld mit Manjaro, liegt aus demselben Grund seit Monaten auf Eis, nach zwei Jahren Entwicklung und ohne Starttermin.
Was bleibt: Der Sprach-Würfel, die Uhr und der Lötkolben
Die gute Nachricht steckt in der Mikrocontroller-Linie. PineTime, Pinecil und der PineVoice werden weiter gebaut, weil sie andere Bauteile nutzen und von der Speicherknappheit nicht betroffen sind. Das ist für mich die wichtigste Zeile der Mitteilung, denn der PineVoice war das Gerät, das mich an PINE64 überhaupt interessiert hat: ein kleiner Lautsprecher für lokale Sprachsteuerung ohne Mikrofon, das alles zu einem fremden Server schickt. Der Würfel bleibt lieferbar. Auch die PineTime Pro ist weiter in Arbeit, die Demo-Firmware kann laut PINE64 inzwischen Display, Touch, Bewegungssensor, GPS und Pulssensor ansteuern, vor der Pilotserie seien aber noch Probleme zu lösen.
Die Restbestände reichen laut PINE64 etwa drei Monate, also bis in den November. Danach gibt es keinen Nachschub und keinen Termin. Wer eines der Geräte als Bastelplattform wollte, sollte nicht auf den Winter warten. Die Software-Pflege läuft weiter, das Gerät wird also nicht zum Briefbeschwerer.
Und der Rest der Linux-Hardware?
Aus Einsteiger-Sicht ist die Meldung zweischneidig. Die Geräte, die gerade verschwinden, waren nie die, mit denen man den Umstieg von Windows beginnt, dafür waren sie zu sehr Bastelplattform. Wer Linux auf fertiger Hardware will, landet ohnehin bei Herstellern wie TUXEDO aus Augsburg, die Standard-Notebooks mit ihrem System ausliefern und an denselben Speicherpreisen hängen wie Dell oder Lenovo, nur ohne das Selbstkosten-Problem. Was fehlt, wenn PINE64 pausiert, ist das Experimentierfeld darunter: die Geräte, auf denen Linux für Tablets und Telefone überhaupt erst entstanden ist.
Mein Fazit, ohne Veteranen-Pose: Die KI-Blase frisst gerade nicht die großen Hersteller, sondern die kleinen unabhängigen Projekte, die sich keine Vorräte leisten können. Wenn die Speicherpreise irgendwann fallen, und das werden sie, ist die Frage, wer dann noch da ist. PINE64 hat sich für Pausieren statt Aufgeben entschieden. Das ist die vernünftigste Nachricht dieser Woche, auch wenn sie sich nicht so anfühlt.
Die Fragen zur Produktionspause
Hört PINE64 mit Linux auf?
Nein. PINE64 pausiert die Produktion neuer Linux-Geräte wegen der DRAM- und eMMC-Knappheit, die Software-Unterstützung für vorhandene Geräte läuft weiter. Ob neue Geräte kommen, hängt von den Bauteilpreisen nach Mitte 2027 ab.
Welche PINE64-Geräte sind betroffen?
Die Linux-Geräte, also PineNote, PineTab2 und die PinePhone-Familie sowie die Einplatinenrechner. PineNote und PineTab2 sind voraussichtlich noch etwa drei Monate lieferbar.
Bleibt der PineVoice verfügbar?
Ja. PineVoice, PineTime und Pinecil gehören zur Mikrocontroller-Linie, die andere Bauteile nutzt und von der Speicherknappheit nicht betroffen ist. Sie werden laut PINE64 wie gewohnt weiter produziert.
Kommt ein PinePhone2?
Derzeit nicht. PINE64 schließt einen Nachfolger nicht aus, plant aber keinen, weil kein passender Chip verfügbar ist und ein neues Gerät ein großes finanzielles Risiko wäre.





