tado Smart Charging gibt es nicht erst seit gestern, aber bisher steckte die Funktion in einer eigenen App, getrennt vom Rest. Seit dieser Woche wandert das Lademanagement für Elektroautos in die normale tado-Anwendung, in der man Heizkörper, Klimaanlagen und Stromtarife ohnehin schon verwaltet. Eine Oberfläche für alles also. Klingt erstmal aufgeräumt, hat aber einen Haken, der typisch tado ist.
- Smart Charging wechselt von einer separaten App in die zentrale tado-Anwendung.
- Fahrzeugmarken werden unterstützt, darunter Tesla, BMW und Volkswagen.
- Ladezeiten werden automatisch in günstige Stunden eines dynamischen Stromtarifs gelegt.
- Euro Jahresersparnis nennt tado als Durchschnittswert, abhängig von Tarif und Fahrprofil.
- Nach sechs Monaten kostet die Funktion 2,99 Euro monatlich, außer bei tado-eigenen Stromtarifen.
Laden, wenn der Strom am günstigsten ist
Das Prinzip ist simpel und sinnvoll. In der App hinterlegst du deine Fahrzeugmarke und die Uhrzeit, zu der das Auto vollgeladen bereitstehen soll. Ein Algorithmus schaut sich dann die Strompreise der kommenden Tage an und legt die Ladephasen in die günstigsten und, laut tado, grünsten Zeitfenster. Ein eingeblendeter Ladeplan zeigt vorab, wann der Akku voll sein wird. Dynamischer Stromtarif = ein Tarif, dessen Preis sich stündlich nach der Strombörse richtet, statt fest zu bleiben.
Wer eine PV-Anlage hat, kennt den Gedanken: Der Auto-Akku ist ein dankbarer Abnehmer für Strom, der gerade billig oder im Überschuss da ist. Genau auf diese Logik zielt tado. Nach Herstellerangaben spart Smart Charging im Schnitt rund 300 Euro im Jahr. Das ist eine Hausnummer, die natürlich von deinem Fahrprofil und deinem Tarif abhängt, aber die Richtung stimmt: Wer ohnehin einen dynamischen Tarif fährt, lässt hier bares Geld liegen, wenn er stur zur teuersten Stunde lädt.
Diese Tarif-Logik ist nichts Neues bei tado. Genau dieselbe Idee steckt hinter dem Midea PortaSplit mit tado-Hirn, das kühlt, wenn der Strom günstig ist. Und sie passt in den größeren Trend, den ich im Beitrag zu Smart Home als Teil der Energiepolitik beschrieben habe: Verbrauch wandert dorthin, wo Strom gerade billig und sauber ist.
15 Automarken, eine App, keine Wallbox-Bindung
Der praktische Vorteil von tados Ansatz: Die Steuerung läuft über das Auto, nicht über die Wallbox. Du wählst in der App eine von mehr als 15 unterstützten Fahrzeugmarken aus, darunter Audi, BMW samt Mini, Mercedes, Tesla und Volkswagen. Das Laden ist damit nicht an einen bestimmten Wallbox-Hersteller gekettet, was die Sache für viele Haushalte erst alltagstauglich macht. Interessant ist ausgerechnet die Kombination Audi und Volkswagen: Genau dieser Konzern hat im Mai die offene Fahrzeug-API für Bastler-Tools wie Home Assistant und evcc dichtgemacht. Dass tado die Marken trotzdem anbindet, deutet auf einen offiziellen Partnerzugang hin, also genau den Weg, den VW den kostenlosen Dritt-Apps verbaut hat.
Für alle, die tief in der tado-Welt stecken, ergibt die Bündelung Sinn. Wer Thermostate für die Heizung, eine Infrarot-Funkbrücke für die Klimaanlage und einen Stromtarif beim selben Anbieter hat, bekommt das Auto jetzt in dieselbe Oberfläche. Ein Detail mit Verfallsdatum gibt es aber: Die bisherige separate Smart-Charging-App wird laut tado am 30. Juni 2026 eingestellt. Wer sie nutzt, sollte also umziehen.
Erst sparen, dann zahlen: das bekannte tado-Muster
Und jetzt der Haken. Anders als bisher kostet das Lademanagement künftig Geld. Nach einer sechsmonatigen Gratisphase werden 2,99 Euro im Monat fällig, wie heise online berichtet. Wer schon einen Stromtarif von tado Energy oder dem tado-Ableger aWATTar gebucht hat, zahlt nichts extra, die Kosten werden dann auf den Tarif umgelegt.
Bei tado habe ich mir längst angewöhnt, bei jeder neuen Funktion erst ins Kleingedruckte zu schauen, wo das nächste Abo hängt. Das Spiel kennt man von der Multi-Haushalt-Verwaltung und vom Geofencing-Komfort, und jetzt eben beim Laden. Die Grundfunktion ist da, der bequeme Dauerbetrieb kostet. Fair ist immerhin: 2,99 Euro im Monat sind überschaubar, wenn die versprochenen 300 Euro Ersparnis im Jahr auch nur grob hinkommen. Und wer im tado-Tarif steckt, merkt vom Preisschild nichts. Einen Beigeschmack hat es trotzdem, eine bisher kostenlose Funktion bei der Gelegenheit gleich kostenpflichtig zu machen.
Rechnet sich tado Smart Charging? Kommt auf deinen Tarif an
Die Funktion ist gut gemacht und löst ein echtes Problem, nämlich das stumpfe Laden zur Feierabend-Spitze, wenn der Strom am teuersten ist. Wer ein E-Auto und einen dynamischen Stromtarif hat, für den ist Smart Charging eine der naheliegendsten Spar-Automatiken überhaupt. Für alle anderen bringt das Ganze wenig, denn ohne stündlich schwankende Preise gibt es keine günstige Stunde, in die sich der Ladevorgang schieben ließe. Und wer schon eine smarte Wallbox mit eigener Preis-Steuerung besitzt, sollte vergleichen, bevor er ein zweites Abo abschließt. Die Idee ist richtig, die 2,99 Euro sind verschmerzbar, der Mehrwert hängt am Ende komplett an deinem Stromvertrag.
Was kostet tado Smart Charging?
Nach einer sechsmonatigen kostenlosen Testphase kostet die Funktion 2,99 Euro pro Monat. Wer bereits einen Stromtarif von tado Energy oder aWATTar gebucht hat, zahlt nichts extra, die Kosten werden auf den Tarif umgelegt.
Welche E-Autos sind mit tado Smart Charging kompatibel?
Laut tado mehr als 15 Automarken, darunter Audi, BMW und Mini, Mercedes, Tesla sowie Volkswagen. Die Steuerung läuft über das Fahrzeug, nicht über eine bestimmte Wallbox.
Brauche ich eine bestimmte Wallbox?
Nein. tado Smart Charging steuert den Ladevorgang über das Auto und ist nicht an einen einzelnen Wallbox-Hersteller gebunden. Voraussetzung für die Ersparnis ist aber ein dynamischer Stromtarif, dessen Preis sich stündlich ändert.
Was passiert mit der alten Smart-Charging-App?
Die bisherige separate Smart-Charging-App wird laut tado am 30. Juni 2026 eingestellt. Die Funktion läuft danach in der normalen tado-App weiter, in der auch Thermostate und Stromtarife verwaltet werden.





