Das eigene Auto morgens mit dem Strom vom Dach laden, automatisch, ohne Knopfdruck: Für die Bastler unter den VW- und Audi-Fahrern war das bis vor Kurzem gelebter Alltag. Seit dem 27. Mai 2026 ist damit Schluss. Der Konzern hat seine Programmierschnittstelle dichtgemacht, über die Smart-Home-Systeme bisher mit dem Fahrzeug gesprochen haben. Wer sein Auto in Home Assistant eingebunden hatte, schaut seitdem auf Fehlermeldungen statt auf Ladezustände.
Keine lange Sperre
Die Sperre hielt nicht lange. Die Home-Assistant-Integration volkswagencarnet läuft seit Version 5.4.8 wieder, evcc und weitere Projekte ziehen nach. Das sind angepasste Open-Source-Lösungen, kein offizielles Einlenken von VW, der Konzern könnte also erneut nachlegen. Die strukturelle Klärung bringt ohnehin erst der EU Data Act im September. Danke auch an den Leser Roy Ray für den Hinweis!
Drittanbieter bekommen kein Zugangstoken mehr
API = die Programmierschnittstelle, über die zwei Programme Daten austauschen, hier zwischen dem VW-Server und deiner Smart-Home-Software.
Technisch hat VW seine Anmelde-Server umgestellt. Anfragen von Drittanbieter-Software bekommen seitdem kein gültiges Zugangstoken mehr, die Verbindung scheitert schon beim Login. Betroffen sind die Home-Assistant-Integrationen für VW und Audi genauso wie spezialisierte Lade-Tools wie evcc. Auf GitHub füllen sich die Fehlerberichte, in den Foren die Beschwerden.
Besonders bitter: das Laden mit Sonnenstrom
Am härtesten trifft es eine Funktion, die eigentlich ein Vorzeigebeispiel fürs vernetzte Zuhause war. Software wie evcc fragt alle paar Minuten den Ladestand des Autos ab und lädt nur dann, wenn die Solaranlage auf dem Dach mehr produziert, als das Haus gerade verbraucht. Ohne den Zugriff aufs Auto fällt diese Logik in sich zusammen. Genau in dem Moment, in dem das Smart Home zum Teil der Energiewende wird, kappt ein Hersteller die Leitung.
Sicherheit, sagt VW
VW begründet den Schritt mit Sicherheit. Neuerdings verlangt die Schnittstelle eine sogenannte Client Assertion, einen kryptografischen Nachweis, dass eine Anfrage von einer echten VW-App auf einem unveränderten Smartphone aus dem offiziellen App Store stammt. Open-Source-Projekte können diesen Nachweis nicht erbringen, es sei denn, sie zahlen für eine formelle Partnerschaft mit VW Group Info Services. Sicherheit ist ein nachvollziehbares Argument. Dass dieselbe Maßnahme zufällig die kostenlosen Drittanbieter aussperrt und gleich einen kostenpflichtigen Zugang daneben stellt, ist die Sorte Zufall, bei der ich die Augenbraue hebe.
Der Haken für VW heißt EU Data Act
Und hier wird es interessant. Der EU Data Act schreibt in Artikel 3 vor, dass Nutzer ab dem 12. September 2026 freien, selbstbestimmten Zugang zu den Daten ihrer vernetzten Geräte bekommen müssen, das Auto eingeschlossen. Eine Bezahlschranke vor genau diesen Daten steht damit auf dünnem Eis und ist vermutlich nur eine Frage von Monaten haltbar. VW hat sich also bestenfalls eine Atempause erkauft.
Nicht nur ein VW-Problem
Für mich ist das weniger eine VW-Geschichte als eine Grundsatzfrage. Alles, was über die Cloud eines Herstellers läuft, kann dieser Hersteller abschalten, wann er will. Per Update, per Geschäftsentscheidung, ohne Vorwarnung. Was dagegen lokal läuft, über offene Standards wie Matter oder direkt im eigenen Netz, kann dir niemand per Serverschalter wegnehmen. Die Geräte, die bei mir am wenigsten Ärger machen, sind bis heute die ohne Cloud-Zwang. Ein Zufall ist das nicht.
Geliehen, nicht besessen
VW wird die Sperre wahrscheinlich nicht lange durchhalten, dafür sorgt schon Brüssel. Aber der Vorfall ist eine nützliche Erinnerung. Wenn eine Funktion deines Zuhauses davon abhängt, dass ein Konzern seine Schnittstelle offen lässt, dann gehört sie dir nur geliehen. Ein Smart Home, das möglichst wenig davon abhängt, dass irgendwo ein fremder Server gut gelaunt ist, ist mir genau deshalb lieber. Diese Woche zeigt wieder, warum.





