Ich nutze Sonos seit über zehn Jahren, trotzdem hat mich ausgerechnet die WiiM Bar neugierig gemacht. Es ist die erste Soundbar von WiiM, und sie kommt mit einer klaren Ansage: echtes Dolby Atmos, ein rundes Touch-Display an der Front und 499 Euro, die genau auf die Sonos Beam zielen. So gern ich mein Sonos-Setup mag, die zwei Stellen, an denen es wehtut, kennt jeder Sonos-Besitzer. Der Preis und die App.
Echtes Dolby Atmos statt virtueller Höhe
Die WiiM Bar arbeitet als 3.0.2-System, also drei Kanäle vorn plus zwei nach oben abstrahlende Höhenkanäle. Das ist der entscheidende Unterschied zur gleich teuren Sonos Beam, die Atmos nur virtualisiert, also über Rechentricks vortäuscht. Upfiring-Treiber sind kleine, schräg nach oben gerichtete Lautsprecher, die den Schall über die Zimmerdecke reflektieren, damit Regen oder ein Hubschrauber tatsächlich von oben kommen. Genau die fehlen der Beam, und genau damit will WiiM punkten.

Laut dem technischen Datenblatt stecken acht aktive Treiber in der Bar: drei Mitteltöner und drei Hochtöner nach vorn, dazu zwei Höhentreiber oben. Vier Passivradiatoren und 135 Watt Systemleistung sollen den Bass aus dem schmalen Gehäuse holen. Über HDMI eARC schluckt sie die üblichen Formate von LPCM über Dolby Atmos, TrueHD und DD+ bis AC3, DTS und DTS:X. Dazu kommen ein Clear-Voice-Modus mit KI-gestützter Dialogtrennung und ein Nachtmodus, der laute Effekte zähmt, ohne die Stimmen leiser zu drehen. Die RoomFit-Einmessung passt den Klang an den Aufstellort an.
Warum überhaupt weg von Sonos? Preis und App
Wer fest im Sonos-Lager sitzt, fragt sich vielleicht, warum man überhaupt schielt. Zwei Gründe. Erstens der Preis: Ein Sonos-Wohnzimmer wächst schnell, und jede zusätzliche Komponente kostet Sonos-Aufschlag. Zweitens die App. Der große Redesign von 2024 war ein echtes Desaster, mit laggenden Lautstärkereglern und Funktionen, die plötzlich fehlten. 2026 hat Sonos nachgebessert, die Wiedergabesteuerung im Android-Sperrbildschirm kam erst im März dieses Jahres zurück. Und Sonos baut die App gerade noch einmal komplett um, intern beschrieben als das, was man beim ersten Mal hätte machen sollen.
Inzwischen läuft meine App wieder ordentlich, der Tiefpunkt ist überstanden. Aber wenn ein Hersteller seine zentrale Steuer-App zwei Jahre nach dem Reinfall zum zweiten Mal von Grund auf neu macht, ist das kein Vertrauensbeweis. Und genau in diese Lücke stößt WiiM, dessen Home App in HiFi-Foren seit Jahren für ihre Funktionsdichte gelobt wird. Der WiiM Amp ist dort längst Kult als offene Sonos-Alternative für 299 Euro.
Das Display, das Sonos und Bose fehlt
Sonos und Bose bauen Soundbars, die im Wohnzimmer möglichst verschwinden. WiiM geht den anderen Weg. Vorn sitzt ein rundes 2,1-Zoll-Farb-Touchdisplay, das Albumcover, Titelinfos, EQ und Smart-Presets direkt am Gerät zeigt. Spielt gerade nichts, wird es zur personalisierbaren Uhr mit wechselnden Zifferblättern, gut ablesbar vom anderen Ende des Raums. Bedienen lässt sich die Bar per Touchscreen, über Touch-Flächen auf der Oberseite, per Sprache oder mit der mitgelieferten Fernbedienung. Hängt sie am eARC-Anschluss, übernimmt automatisch die Fernbedienung des Fernsehers. Die tieferen Einstellungen wandern in die WiiM Home App.

Von der WiiM Bar zum kompletten 5.1.2-Heimkino
Allein bleibt die WiiM Bar eine 3.0.2-Bar, aber sie ist als Startpunkt gedacht. Über weitere WiiM-Komponenten für Surround und Tiefton lässt sie sich drahtlos zu einem vollen 5.1.2-Set ausbauen. Weil das Ganze auf WiiMs Multiroom-Plattform läuft, gruppiert sich die Bar mit vorhandenen WiiM-Geräten wie Amp, Ultra, Pro oder Mini zu synchronem Streaming durch die ganze Wohnung. Das Prinzip kennen Sonos-Nutzer, nur eben offener gedacht.

Beim Zuspielen zeigt sich WiiMs alte Stärke, die Anschlussvielfalt. Neben HDMI eARC gibt es optischen Eingang, analoge Cinch-Buchsen, USB-C, Bluetooth, Wi-Fi 6E und Ethernet. Über das Netzwerk laufen mehr als 20 Dienste und Protokolle, darunter Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz Connect, Amazon Music Cast, Google Cast, Roon und UPnP. Kein Abozwang, kein erzwungener Cloud-Account. Genau diese Offenheit treibt gerade die ganze Audio-Branche um, wie zuletzt das neue Multiroom-Protokoll Sendspin der Open Home Foundation gezeigt hat.
499 Euro, und ein paar offene Widersprüche
Die WiiM Bar kann ab sofort vorbestellt werden und kommt laut der deutschen Ankündigung ab August 2026 für 499 Euro in Schwarz oder Weiß über den offiziellen Shop wiim-audio.de und den Fachhandel. Damit landet WiiM exakt auf dem Preisniveau der Sonos Beam, bietet aber das größere Gehäuse und die echten Höhenkanäle.
Beim Blick in die Unterlagen fällt allerdings auf, dass sich die deutsche Pressemitteilung und das internationale Datenblatt nicht ganz einig sind. Die deutsche Mitteilung nennt 499 Euro und Marktstart im August, das englische Factsheet spricht von 479 US-Dollar und Juli. Auch beim Bluetooth-Standard weichen die Angaben ab, deutsche Mitteilung 5.3, Datenblatt 5.4. Für den deutschen Markt gelten die 499 Euro im August, der Rest dürfte sich zum Verkaufsstart klären. Erwähnenswert finde ich es trotzdem, denn solche Lücken verraten, dass hier ein sehr frisches Produkt angekündigt wird.
Der Markt für Soundbars, die Sonos ärgern wollen, wird damit noch enger. Erst im Mai ist Bose mit der Lifestyle Ultra nach Jahren zurück in den Ring gestiegen. WiiM kommt aus der anderen Ecke, nicht über Marke und Auftritt, sondern über Spezifikationen und Offenheit.

Worauf es jetzt ankommt
Gehört hat die Atmos-Wiedergabe noch niemand, und Atmos aus einer einzelnen Bar ohne echte Rücklautsprecher bleibt physikalisch immer ein Kompromiss. Werde ich mein Sonos-Setup deswegen rauswerfen? Vermutlich nicht. Aber zum ersten Mal seit langem verstehe ich, warum jemand am Sonos-Regal vorbeigeht. Die WiiM Bar bringt echte Upfiring-Treiber zum Beam-Preis, eine gelobte App und eine Offenheit, die Sonos so nie bieten wollte. Ob eine Marke, die im Streaming groß geworden ist, auch beim Filmton abliefert, klärt erst der Hörtest. Ab August lässt sich das nachhören. Ein Testgerät steht bei mir auf der Wunschliste.
Was kostet die WiiM Bar?
Die WiiM Bar kostet in Deutschland 499 Euro. Sie kann ab sofort vorbestellt werden und ist ab August 2026 in Schwarz oder Weiß über wiim-audio.de und den Fachhandel erhältlich. International nennt das Datenblatt 479 US-Dollar und Marktstart im Juli.
Ist die WiiM Bar eine gute Sonos-Alternative?
Auf dem Papier ja. Die WiiM Bar liegt auf dem Preisniveau der Sonos Beam, bietet aber echte Upfiring-Treiber für Dolby Atmos statt reiner Virtualisierung, eine offenere App und mehr Anschlüsse. Den Klang muss ein Hörtest bestätigen.
Hat die WiiM Bar echtes Dolby Atmos?
Ja. Die WiiM Bar arbeitet als 3.0.2-System mit zwei nach oben abstrahlenden Höhenkanälen und erzeugt Atmos damit über echte Upfiring-Treiber. Erweitern lässt sie sich drahtlos zu einem 5.1.2-Heimkino.
Welche Streamingdienste unterstützt die WiiM Bar?
Über das Netzwerk laufen mehr als 20 Dienste und Protokolle, darunter Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz Connect, Amazon Music Cast, Google Cast, Roon und UPnP. Dazu gibt es HDMI eARC, optischen Eingang, Cinch, USB-C und Bluetooth.
Quellen: WiiM (Herstellerangaben) sowie die Einordnung bei StereoGuide.





