Dass Nanoleaf jetzt zu SwitchBot gehört, klang für mich im ersten Moment nach einer der vagen PR-Meldungen, die man morgens überfliegt und wieder vergisst. Ist es aber nicht. OneRobotics, der Konzern hinter SwitchBot, hat den Spezialisten für modulare Lichtpaneele gekauft. 40 Millionen US-Dollar, festgehalten in einer Börsenmeldung aus Hongkong. Und für alle, die ihre Wände voller Nanoleaf-Paneele haben, ist das eine Nachricht mit einem kleinen Fragezeichen.
40 Millionen Dollar, gemeldet in Hongkong
Die Eckdaten sind schnell erzählt. OneRobotics übernimmt Nanoleaf komplett, der Kaufpreis liegt bei rund 40 Millionen Dollar, und die Abwicklung zieht sich laut der Hongkonger Börsenmeldung über etwa zwei Jahre. Nanoleaf war zuletzt selbst in den Schlagzeilen, weil die Kanadier ankündigten, ihren Fokus stärker auf Robotik und künstliche Intelligenz zu legen. Die Ankündigung war reichlich nichtssagend, das übliche Zukunftsgeraune ohne konkretes Produkt. Im Nachhinein ergibt sie mehr Sinn: Wer sich neu aufstellt, ist auch ein Übernahmekandidat.
SwitchBot fehlte hochwertiges Licht im Sortiment
SwitchBot wächst seit Monaten in alle Richtungen. Schlösser, Saugroboter, Ventilatoren, ein E-Ink-Bilderrahmen, eine Wetterstation, neuerdings sogar smarte Kuscheltiere. Ich habe in den letzten Monaten eine gute Handvoll dieser Geräte selbst auf dem Tisch gehabt, vom AI Hub bis zum Ventilator, und ein Muster zieht sich durch: SwitchBot baut breit, nicht immer tief. Was im Sortiment fehlte, war ausgerechnet hochwertige dekorative Beleuchtung. Genau die Lücke füllt Nanoleaf. Strategisch ist der Kauf also nachvollziehbar, auch wenn 40 Millionen für eine Marke, die zuletzt eher durch leise Töne als durch Verkaufsrekorde auffiel, ein selbstbewusster Preis sind.
Der Konto-Zwang ist die eigentliche Frage

Ein großer Teil der Nanoleaf-Nutzer betreibt seine Paneele über Apple Home, komplett ohne Konto. Die Nanoleaf-App braucht man nur für Firmware-Updates, danach läuft alles lokal über HomeKit, ohne dass man je eine Mailadresse hinterlegt hat. SwitchBot tickt anders. Wer ein SwitchBot-Gerät einrichtet, kommt um ein Konto in aller Regel nicht herum, vieles hängt zudem am passenden Hub. Das ist kein Drama, solange man im SwitchBot-Kosmos lebt. Für jemanden, der Nanoleaf bewusst gewählt hat, weil es ohne Account auskommt, ist es genau die Frage, auf die es jetzt ankommt.
Niemand weiß heute, ob SwitchBot die kontofreie Apple-Home-Linie von Nanoleaf weiterführt oder die Paneele über kurz oder lang in die eigene App zieht. Beides ist möglich. Wer die Marke kennt, ahnt, wohin die Reise erfahrungsgemäß geht, aber das ist Spekulation, kein Fakt. Festhalten lässt sich nur eines: Diese Übernahme entscheidet sich an der Datenhoheit.
Konsolidierung, wohin man schaut
Die Übernahme ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Trends. Der Smart-Home-Markt rückt zusammen, große Anbieter kaufen kleinere, das Versprechen lautet immer Synergie. Für uns Käufer bedeutet das im besten Fall bessere Integration, im schlechtesten Fall eine weitere Marke, die in einem fremden App-Ökosystem aufgeht. Nanoleaf hatte zuletzt immerhin Music Sync in SmartThings gebracht, war also ohnehin dabei, sich plattformübergreifend zu öffnen. Ob das unter SwitchBot so weitergeht oder die Energie künftig in die Hausmarke fließt, wird man an den nächsten Firmware-Updates ablesen können.
Worauf es jetzt ankommt
Kurzfristig ändert sich für niemanden etwas. Die Paneele an der Wand leuchten weiter, Apple Home funktioniert wie bisher. Interessant wird das erste größere Update unter neuer Flagge. Wenn dann plötzlich ein SwitchBot-Konto verlangt wird, war diese Meldung der Vorbote. Wenn nicht, hat Nanoleaf vielleicht wirklich den besten Käufer gefunden, den es bekommen konnte. Ich behalte beide Möglichkeiten im Blick und schau mir an, was die nächsten Monate daraus machen.





