Das FRITZ!OS 8.50 Labor steht seit Donnerstag bereit, vorerst nur für die FRITZ!Box 7590 AX, ausgeliefert als interne 8.40-Vorabversion. AVM packt einiges hinein. Den Wechsel-Assistenten, die MyFRITZ!App, einen SOS-Notruf für vier Kontakte, eine Überlastabschaltung für die Smart-Energy-Steckdosen und die neue Adresse fritzbox.local. All das ist Polish. Die eigentliche Nachricht steht im Kleingedruckten der Pressemitteilung: Die FRITZ!Box 5690 Pro bekommt im Verlauf der Laborphase die Matter-Bridge.
- Matter-Bridge auf der 5690 Pro war seit zwei Jahren versprochen
- Smart Energy 200 und 210 lernen das Abschalten
- SOS-Notruf mit vier Kontakten, einstellbarer Dauer
- fritzbox.local löst fritz.box ab, der Wechsel-Assistent wird aufgeräumt
- Wer das Labor jetzt installieren kann, und was AVM heute noch dranhing
Matter-Bridge auf der 5690 Pro war seit zwei Jahren versprochen
Die FRITZ!Box 5690 Pro ist seit Juni 2024 im Handel, UVP 369 Euro, mit Wi-Fi 7, Zigbee an Bord und DECT-ULE für die hauseigenen FRITZ!DECT-Geräte. Matter-Support war von Anfang an angekündigt, zur Light+Building 2024 nochmal bestätigt, dann Funkstille. Mit dem heutigen Labor wird das Versprechen eingelöst, allerdings über einen Umweg. Die 7590 AX kriegt zwar das Labor zuerst, aber Matter-Bridge bekommt sie nicht, weil ihr das Matter-fähige Gateway fehlt. Die 5690 Pro bekommt die Funktion „im Rahmen der Laborphase“ nachgeschoben, ein konkretes Datum nennt AVM nicht.
Wenn das durchläuft, wird die 5690 Pro zum ersten FRITZ-Router, der DECT-ULE- und Zigbee-Geräte als Matter-Bridge an Apple Home, Alexa, Google Home oder SmartThings durchreicht. Bisher konnte das nur das separate FRITZ!Smart Gateway, das seit dem FritzOS-8.26-Update 220 Zigbee-Geräte und Matter-Export beherrscht. Der DECT-ULE-Kosmos aus FRITZ!DECT 200, 210, 301, 350, 440, 500 hängt seit Jahren als geschlossene Insel im AVM-Netz. Mit der 5690 Pro plus Matter-Bridge wird daraus eine offene Schnittstelle zu jeder Matter-Plattform.
Wer bisher den Umweg über Homebridge auf dem Raspberry Pi gegangen ist, um FRITZ-DECT-Steckdosen in Apple Home zu kriegen, kann sich die Bastelei dann sparen. Vorausgesetzt, AVM implementiert das auf Matter-1.4-Niveau, mit Energy-Reporting und allen Cluster-Typen, die die FRITZ!DECT-Geräte hergeben. Wenn am Ende nur „an, aus, Helligkeit“ rauskommt, wäre das eine Enttäuschung. Die Pressemitteilung gibt darüber nichts her.
Smart Energy 200 und 210 lernen das Abschalten
Die FRITZ!Smart Energy 200 und 210 sind die DECT-ULE-Steckdosen mit Verbrauchsmessung, die AVM seit dem letzten Sommer verkauft. Mit FRITZ!OS 8.50 kriegen sie eine echte Überlastabschaltung. Heißt: Wer einen Schwellwert in Watt definiert und eine Mindestdauer in Sekunden oder Minuten, dem schaltet die Steckdose den Verbraucher automatisch ab, sobald beide Bedingungen erfüllt sind. Praktisch fürs Wasserkocher-Vergessen, fürs alte Heizlüfter-Argument oder für den klassischen „mein 3D-Drucker steht im Hobbyraum“-Fall.
Zweite Smart-Home-Änderung: Routinen lassen sich nun mit mehreren Auslösern verknüpfen. Bisher war das eine Wenn-Dann-Mechanik mit genau einer Bedingung. In FRITZ!OS 8.50 kommen mehrere Trigger zusammen, was Automatisierungen sichtbar erwachsen werden lässt. Wer das Smart-Home von der FRITZ!Box statt von Home Assistant oder Homey aus betreibt, hat damit ein lange überfälliges Feature.
SOS-Notruf mit vier Kontakten, einstellbarer Dauer
Im Telefoniebereich kommt ein SOS-Notruf-Modus. Bis zu vier Notfallkontakte lassen sich hinterlegen, die im Ernstfall automatisch nacheinander angerufen werden. Dauer und Wiederholung pro Anruf sind konfigurierbar. Das wird die FRITZ!Fon-Telefone für Eltern und Großeltern interessanter machen als jede neue Mesh-Funktion. Plus: Ein neuer vereinfachter Telefonie-Modus belegt die Soft-Keys am FRITZ!Fon mit Schnellwahlen. Eine Taste, eine Nummer oder Funktion.
Die SOS-Funktion ist auf den ersten Blick eine Randnotiz. Auf den zweiten ist sie genau der Anwendungsfall, den nur ein Router-Hersteller mit eigener Telefonie-Hardware so umsetzen kann. Telekom und Vodafone bieten so etwas im Endkundenbereich nicht.
fritzbox.local löst fritz.box ab, der Wechsel-Assistent wird aufgeräumt
Wer die Weboberfläche der FRITZ!Box per Browser aufruft, kennt das Browser-Warnsymbol für fritz.box. Die Adresse ist intern, das TLS-Zertifikat selbst signiert, Firefox und Chrome mokieren das jedes Mal. Mit FRITZ!OS 8.50 kommt zusätzlich fritzbox.local. AVM verspricht weniger Warnungen, weil die .local-Adresse über mDNS sauberer aufgelöst wird. Klingt nach Detail, ist im Alltag eine spürbare Reibung weniger.
Der Wechsel-Assistent für neue FRITZ!Boxen kann jetzt vor dem Übertrag ungenutzte Geräte aus der alten Box entfernen. Wer beim Umzug auf eine neue Box schon mal mit 30 Karteileichen gekämpft hat, weiß warum das nicht trivial ist. Bei den Portfreigaben weist die Konfiguration jetzt auf riskante Ports hin, also alles unter 1024 und die üblichen Verdächtigen wie 22, 23, 3389. Kein Verbot, nur eine Warnung im Eingabedialog.
Wer das Labor jetzt installieren kann, und was AVM heute noch dranhing
Das FRITZ!OS 8.50 Labor steht aktuell exklusiv für die FRITZ!Box 7590 AX als Download bei AVM. Weitere Modelle sollen schrittweise folgen, ein Zeitplan liegt nicht vor. Parallel zur Labor-Eröffnung hat AVM heute die FRITZ!OS 8.25 Stable auf vier weitere DSL-Modelle gerollt: FRITZ!Box 7583, 7583 VDSL, 7520 und 7520 Typ B. Das ist die Fortsetzung des 8.25-Rollouts vom Mai, der mit den Cable-Boxen 6670 und 6690 angefangen hatte. Die Repeater-Linie 6000, 3000 AX, 1200 AX und das FRITZ!Mesh Set 1600 kriegen zeitgleich ein Labor-Update auf Basis von 8.24 mit einem WPS-Fix für Fremd-Router. Drei Stränge an einem Tag, eine ziemlich dichte Update-Welle für AVM-Verhältnisse.
Wer eine FRITZ!Box 5690 Pro hat und auf Matter wartet, sollte die Labor-News der nächsten Wochen genau im Blick behalten. Der Rollout der Matter-Bridge auf die 5690 Pro wird der Test, ob AVM diesmal mehr liefert als „funktioniert mit Apple Home, aber halt ohne Energy-Daten“. Falls ja, ist das die strategisch wichtigste FRITZ-Neuerung seit dem Wi-Fi-7-Rollout. Falls nicht, war zumindest die SOS-Taste eine gute Idee.





