Noch eine Zentrale kaufen? Noch ein weißes Gehäuse mit eigenem Netzteil, LAN-Kabel und dem ewigen Update-Zirkus? Ganz ehrlich: Darauf hatte ich keine Lust mehr.
Die Idee hinter Homey Self-Hosted (SHS) ist deshalb verdammt verlockend: Die komplette Intelligenz deines Smart Homes zieht einfach auf dein NAS um. Kein neues Gerät, kein Kabelsalat, sondern ein Docker-Container auf der Kiste, die sowieso 24/7 im Keller oder Schrank vor sich hin schnurrt.
Ich habe Homey Self-Hosted auf meiner Synology DS218+ installiert und als echte Zentrale in den Alltag integriert. Die spannende Frage: Fühlt sich das nach einer „runden“ Lösung an – oder zahlt man am Ende 150 Euro für eine nette Bastel-Idee?
Kurz erklärt:
Homey ist eine Smart-Home-Software von Athom, mit der sich Geräte verschiedener Hersteller über visuelle Automationen („Flows“) verknüpfen lassen. Self-Hosted heißt hier: keine Kugel, keine Antenne, nur Software auf eigener Hardware.
Was heißt „Self-Hosted“ bei Homey konkret?
Vergessen wir das Marketing-Sprech. Es bedeutet nicht, dass dein NAS plötzlich Funkantennen bekommt. Es bedeutet etwas viel Nüchterneres: Die komplette Logik – also Flows, Geräteverwaltung und App-Logik – läuft als Software auf deiner eigenen Hardware.

Statt einer dedizierten Smart-Home-Box übernimmt dein NAS die Rolle des Gehirns. Die Bedienung per App bleibt identisch, nur der Ort, an dem die Regeln berechnet werden, ändert sich. Das fühlt sich im Alltag überraschend konsequent an. Das NAS ist stabil, leistungsstark und sowieso da. Warum also noch ein Gerät pflegen?
Was sich ändert – und was nicht
Die Funk-Lücke: Da ein NAS keine Funkantennen hat, kann es Zigbee, Z-Wave oder 433 MHz nicht direkt. Hier musst du weiterhin auf Bridges (Hue, Aqara) setzen oder eine Homey Bridge als „Funk-Antenne“ einbinden.
Identisch: Die Oberfläche, die App-Bedienung und deine gewohnten Flows.
Besser: Spürbar mehr Rechenleistung und volle Kontrolle über den Server-Standort.
Anleitung: So ziehst du Homey auf die Synology

Homey Self-Hosted läuft am stabilsten als Projekt im Container Manager. Ich habe mir dafür unter docker/homey-shs einen eigenen Ordner angelegt, damit Logs, Daten und Backups sauber an einem Ort liegen.
Die Voraussetzungen
Offiziell braucht ihr eine Synology mit Intel- oder AMD-CPU, DSM 7.2 und mindestens 1 GB freien RAM. Garys Tipp: Ich nutze eine DS218+, die ich auf 10 GB RAM aufgerüstet habe. Damit läuft alles butterweich. Wie flüssig es mit dem Standard-Speicher von nur 2 GB läuft, müsste man im Einzelfall testen.
Installation & Docker-Compose
Leg im Container Manager ein neues Projekt an und nutze folgenden Inhalt für deine docker-compose.yml:
services:
homey-shs:
image: ghcr.io/athombv/homey-shs:latest
container_name: homey-shs
restart: unless-stopped
network_mode: host
privileged: true
volumes:
- ./:/homey/user
Wichtig: Der network_mode: host ist entscheidend. Nur so findet Homey deine Hue-Bridges, Sonos-Speaker oder Fernseher zuverlässig im Netzwerk.
Sobald der Container läuft, erreichst du die Oberfläche unter http://NAS-IP:4859. Einfach mit dem Homey-Account anmelden und loslegen.
Performance & Alltag: Wo sind die Haken?
Nach mehreren Tagen im Einsatz ist mein Eindruck positiv: Homey SHS reagiert schnell, Flows zünden ohne Verzögerung. Es fühlt sich insgesamt deutlich flinker an als auf älteren Hardware-Hubs.
Aber man muss die Grenzen kennen:
- Netzwerk-Zicken: Wenn dein Mesh-WLAN oder deine Switches Multicast/UDP-Discovery blockieren, findet Homey keine neuen Geräte.
- Manuelle Pflege: Updates kommen nicht automatisch per Knopfdruck wie beim Homey Pro. Du musst das Image im Docker-Container manuell aktualisieren.
- Abhängigkeit: Fällt dein NAS aus (oder machst du ein großes DSM-Update), ist auch dein Smart Home erst mal offline.
Lizenz-Check: Lohnt sich das?
Nach der 30-tägigen Testphase steht die große Frage an: monatliches Abo (4,99 €) oder die Lifetime-Lizenz für rund 149 €?
Rein technisch rechtfertigt das System den Preis: Die Performance stimmt und das System bleibt übersichtlich. Man zahlt hier nicht für Plastik oder Funkchips, sondern für die Software-Stabilität und die massive Zeitersparnis beim Erstellen von Automationen.
Fazit: Homey Self-Hosted ist kein „Muss“ für jeden. Aber für alle, die ihr Smart Home zentral und lokal auf einer Kiste betreiben wollen, die sowieso läuft, ist es eine verdammt saubere Lösung. Es gibt keine Lags, keinen Bastelzwang und es funktioniert einfach.



