Nach fast einem Jahr in der geschlossenen Beta-Phase ist es so weit: Amazon macht seinen KI-basierten Assistenten Alexa+ (oft auch als Alexa Plus bezeichnet) für alle US-Kunden verfügbar. Damit vollzieht Amazon den harten Bruch von vorprogrammierten Standard-Antworten hin zu einem echten Large Language Model (LLM).
Was steckt hinter dem „Plus“?
Vergesst die klassische Alexa, die bei komplexen Fragen oft nur „Das weiß ich leider nicht“ antwortete. Alexa+ basiert auf Amazons neuem KI-Modell (intern oft als „Olympus“ bezeichnet) und soll sich wie ein echter Gesprächspartner verhalten.
Das sind die wichtigsten Neuerungen:
- Kontext-Verständnis: Alexa+ merkt sich den Gesprächsverlauf über Tage hinweg. Du kannst eine Konversation morgens am Echo Show beginnen und abends im Auto fortsetzen, ohne alles neu zu erklären.
- Agenten-Funktionen: Der Assistent soll proaktiv handeln. Er kann beispielsweise Reparaturtermine buchen, Pizza bestellen oder komplexe Routinen per Sprachbefehl erstellen, für die man früher ewig in der App basteln musste.
- Dokumenten-Analyse: Du kannst Alexa+ Dokumente wie Hausordnungen oder Schulkalender vorlegen, die sie analysiert, um dann gezielte Fragen dazu zu beantworten.
Das Preismodell: Prime-Vorteil oder teures Abo?
Amazon fährt eine interessante Strategie, um die hohen Rechenkosten der KI aufzufangen.
- Für Prime-Mitglieder: In den USA ist Alexa+ überraschenderweise ab sofort kostenlos in der Prime-Mitgliedschaft enthalten.
- Für Nicht-Prime-Nutzer: Wer kein Prime hat, zahlt stolze 19,99 US-Dollar pro Monat.
- Gratis-Version: Es gibt eine eingeschränkte Web- und App-Version, die man kostenlos ausprobieren kann, allerdings mit limitierten Funktionen.
Hardware-Hunger: Läuft das auf meinem alten Echo?
Hier wird es für uns Nerds spannend. Während Amazon behauptet, Alexa+ laufe auf „nahezu jedem“ Echo-Gerät, zeigt die Realität Unterschiede. Auf älteren Geräten mit schwächeren Chips (wie dem Echo Pop oder alten Dots) fühlen sich die KI-Gespräche zäher an, da die Latenz höher ist. Den vollen Speed und das flüssige „Hin-und-Her“ gibt es erst auf neueren Modellen wie dem Echo Show 11 oder Geräten mit speziellen KI-Kernen.
Wann kommt es nach Deutschland?
Offiziell gibt es noch kein festes Datum für den deutschen Markt. Aktuell läuft eine geschlossene Beta in Europa (unter anderem in Deutschland, UK und Spanien). Wer die US-Entwicklungen verfolgt, sieht aber: Sobald das System in den USA stabil läuft, dürfte der Rollout hierzulande nicht mehr lange auf sich warten lassen – vermutlich noch im Laufe des Jahres 2026.
Einschätzung
Amazon steht unter Druck. Mit ChatGPT und dem neuen Siri (Apple Intelligence) im Nacken musste dieser Befreiungsschlag kommen. Dass Prime-Mitglieder es kostenlos bekommen, ist ein geschickter Schachzug, um die Nutzerbasis sofort auf Millionenhöhe zu treiben. Allerdings gibt es erste Berichte von US-Testern, die über „Halluzinationen“ und sarkastische Antworten klagen. Es bleibt abzuwarten, ob die KI im Smart Home wirklich eine Hilfe ist oder uns nur noch mehr vollquatscht.


