Das Homematic IP MQTT-Plugin und sein Bruder für Modbus kommen am 27. Oktober, und wenn dir die beiden Wörter nichts sagen, bist du nicht die Zielgruppe der Pressemeldung. Dann bist du meine. Ich erkläre dir, was eQ-3 da in die Home Control Unit einbaut, und wo der Haken sitzt, den die Meldung verschweigt.
Kurzfassung für den Flur: Die Zentrale lernt zuhören. Deine Solaranlage, deine Wallbox und fremde Lampen dürfen ab Montag mit ihr reden. Nur umgekehrt wird daraus nichts, die eigenen Thermostate behalten ihre Werte für sich.
- Am 27. Oktober 2026 bekommt die Homematic IP Home Control Unit zwei Plugins: Modbus für Wechselrichter, Speicher, Zähler, Wallboxen und Wärmepumpen, MQTT für Geräte anderer Hersteller. Beide schaltest du in der Weboberfläche HCUweb ein.
- Modbus läuft nur über das Netzwerk (TCP), nicht über RS485-Drähte. Wechselrichter mit SunSpec erkennt das Plugin automatisch, Kostal braucht laut Leitfaden Port 1502 und Unit-ID 71.
- Für MQTT brauchst du einen eigenen Broker wie Mosquitto, die Zentrale bringt keinen mit. Sie liest Themen aus und schreibt Befehle auf eigene Themen zurück, auf Wunsch verschlüsselt per TLS.
- Der Haken: Werte vorhandener Homematic-Geräte werden laut MQTT-Leitfaden (Version 09/2026) derzeit nicht an externe Systeme gesendet, und der Heizkörperthermostat lässt sich per MQTT nicht von außen steuern.
- Die Home Control Unit kostet am 21. Oktober 2026 rund 290 Euro bei Amazon und ab 289,75 Euro laut idealo. EEBUS kann sie schon seit dem Start.
Ich betreibe kein Homematic IP, mein Zuhause hängt am Homey Pro. Dieser Text stützt sich auf die Pressemeldung von eQ-3 vom 20. Oktober und auf die beiden dort verlinkten Leitfäden zum MQTT-Plugin (Version 09/2026) und zum Modbus-Plugin (Version 10/2026). Wie sich die Plugins ab dem 27. Oktober in der Praxis verhalten, weiß ich nicht.
Bevor es weitergeht, einmal kurz die fünf Begriffe sortiert, danach brauchst du sie nur noch wiedererkennen:
Modbus klingt nach Schaltschrank, meint aber nur eine Tabelle mit Fächern
Jeder Wechselrichter, jeder Batteriespeicher und die meisten Wärmepumpen führen innen eine Tabelle mit nummerierten Fächern. In einem Fach steht, wie viel Strom gerade vom Dach kommt, in einem anderen, wie voll der Speicher ist. Modbus ist die Vereinbarung, wie man diese Fächer über das Netzwerkkabel abfragt. Mehr ist es nicht.
Bis jetzt konnte die Home Control Unit diese Tabelle nicht lesen. Ab dem 27. Oktober kann sie es, und damit geht die Routine, die sich jeder PV-Besitzer wünscht: Scheint die Sonne und der Speicher ist voll, springt die Wärmepumpe an oder die Wallbox gibt das Auto frei. Vorher brauchte es dafür ein zweites System neben Homematic.

Die Fächer musst du der Zentrale eigentlich einzeln nennen, mit der Doku deines Wechselrichters in der Hand. Bei den meisten Geräten aus den letzten Jahren gibt es dafür eine Abkürzung namens SunSpec, eine Art Inhaltsverzeichnis am Anfang der Tabelle. Findet das Plugin es, trägt es die Fächer laut Modbus-Leitfaden selbst ein.

Ein Haken gleich hier: Das Plugin spricht nur über das Netzwerk. Hängt deine Wärmepumpe mit zwei dünnen Drähten an einer Busklemme, dem älteren Modbus über RS485, brauchst du einen kleinen Umsetzer auf Netzwerkkabel. Danach sieht die Zentrale das Gerät wie jedes andere.
MQTT ist der Gruppenchat deiner Geräte, und die Zentrale liest jetzt mit
MQTT funktioniert wie ein Gruppenchat. Jedes Gerät postet seine Nachrichten unter einem Thema, etwa „Wohnzimmer/Temperatur“, und wer das Thema abonniert hat, bekommt sie sofort. Den Chatserver nennt man Broker, und genau der ist der erste Haken: Die Home Control Unit bringt keinen mit. Du brauchst einen im Heimnetz, die meisten nehmen das kostenlose Mosquitto auf einem Raspberry Pi oder dem NAS.
Steht der Broker, wird es interessant. Alles, was dort schon postet, kann in der Homematic-App auftauchen: Zigbee-Lampen über Zigbee2MQTT, umgebaute Steckdosen mit Tasmota, Feinstaubsensoren, sogar Autos, denn Fahrzeuge führt der MQTT-Leitfaden als eigene Klasse. Eine fremde Lampe hängt dann am Homematic-Taster neben der Tür, als wäre sie immer da gewesen.
Und die Zentrale redet zurück. Für Befehle gibt es getrennte Themen, auf die sie schreibt, die Wunschtemperatur einer Klimaanlage zum Beispiel. Der Meross-Lesekopf EM01P, über den ich vorletzte Woche geschrieben habe, postet seine Zählerwerte ebenfalls per MQTT und wäre damit ein günstiger Weg, den Stromzähler in die Homematic-Welt zu holen.
Der Haken steht auf Seite vier, und er heißt „derzeit“
Jetzt der Teil, den die Pressemeldung ausgelassen hat. Im MQTT-Leitfaden steht auf Seite vier, dass Temperatur, Luftfeuchte und Wetterdaten vorhandener Homematic-Geräte „derzeit nicht über MQTT an externe Systeme veröffentlicht“ werden. Im Klartext: Die Zentrale liest im Gruppenchat mit, postet aber nichts über ihre eigenen Geräte.

Das zweite Beispiel im PDF trifft die meisten Homematic-Haushalte direkt. Der Heizkörperthermostat „kann über MQTT nicht von einer externen Software direkt gesteuert werden“. Wer also Home Assistant oder einen Homey betreibt und gehofft hat, seine Homematic-Thermostate endlich auf dem üblichen Weg einzusammeln, geht leer aus. Da hilft weiterhin nur das, was die Community gebaut hat.
Verwerflich finde ich das nicht, es sollte nur dabeistehen. eQ-3 hat Anfang Oktober angekündigt, die Zentrale für Plugins von Partnern zu öffnen, mit dem Satz „Offen für mehr. Sicher im Kern“, wie smarthomeassistent.de erinnert.
Modbus und MQTT sind die ersten beiden, und beide öffnen die Tür nach innen. Das Wort „derzeit“ steht an beiden Stellen im Leitfaden, mehr Hoffnung gibt er nicht her.
Für wen sich die 290 Euro jetzt lohnen
Die Home Control Unit kostet rund 290 Euro bei Amazon, idealo listet sie ab 289,75 Euro. Das ist der Preis einer Zentrale, nicht eines Zubehörteils, und bis gestern konnte sie beim Thema Energie nur EEBUS.
Wer ein Homematic-Haus hat und eine Solaranlage auf dem Dach, bekommt am 27. Oktober das Stück, das bisher fehlte. Dafür würde ich das Geld ausgeben, vorausgesetzt der Wechselrichter kann SunSpec. Wer dagegen nur ein paar Homematic-Thermostate hat und den Rest woanders steuert, braucht die Zentrale deswegen nicht. Für diese Richtung ändert das Update nichts.
Ich habe lange gedacht, offen heißt, dass Daten in beide Richtungen fließen. Bei eQ-3 heißt offen offenbar: Ihr dürft rein, wir bleiben hier. Unehrlich ist das nicht, die Leitfäden sagen es ja, es ist nur eine andere Definition als meine. Vielleicht ist es die realistischere, weil jeder Hersteller lieber die Zentrale ist als der Sensor an der Wand.
Homematic IP MQTT und Modbus: die kurzen Antworten
Wann kommen die Modbus- und MQTT-Plugins für Homematic IP?
Am 27. Oktober 2026, mit dem nächsten Update der Home Control Unit. Eingeschaltet und eingerichtet werden beide Plugins in der Weboberfläche HCUweb, die Leitfäden stehen seit dem 20. Oktober 2026 auf homematic-ip.com.
Braucht das Homematic IP MQTT-Plugin einen eigenen Broker?
Ja. Die Home Control Unit bringt keinen Broker mit, laut Leitfaden brauchst du einen erreichbaren MQTT-Broker im Heimnetz, etwa Mosquitto, dazu Host, Port, Protokoll und Zugangsdaten. Verbindungen laufen per TCP oder WebSocket, optional mit TLS und Client-Zertifikat.
Kann Home Assistant die Homematic IP Thermostate über MQTT steuern?
Nein, nicht mit diesem Plugin. Laut Leitfaden lässt sich der Homematic IP Heizkörperthermostat über MQTT nicht von externer Software steuern, und Messdaten vorhandener Homematic-Geräte werden derzeit nicht an externe MQTT-Systeme veröffentlicht. Der Leitfaden markiert beides mit dem Wort derzeit.
Funktioniert das Modbus-Plugin mit meinem Wechselrichter?
Mit jedem Gerät, das Modbus TCP über das Netzwerk spricht. Bei SunSpec-Geräten sucht das Plugin die Register 40000 bis 40100 selbst ab und trägt die Werte ein, bei Kostal gelten laut Leitfaden Port 1502 und Unit-ID 71 statt der üblichen 502 und 1. Modbus RTU über RS485 geht nur über ein RS485-zu-Ethernet-Gateway.
Zuhören ja, mitreden nein
Für Homematic-Haushalte mit Solaranlage ist das die beste Nachricht seit dem Start der Zentrale, und sie kommt ohne Abo. Ein Plugin, das den Wechselrichter versteht, ist das, was ein Kasten für 290 Euro können sollte.
Mir bringt es nichts, und ich schätze, einem guten Teil der Leser hier auch nicht. Wer seine Zentrale schon hat, will Homematic-Werte rausholen, nicht fremde reinholen. Dafür steht im Leitfaden nur das Wort „derzeit“. Ich trage den 27. Oktober in meine Liste ein und schaue, ob daraus irgendwann ein „jetzt“ wird.






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