Eine eigene Homematic IP Kamera gab es bisher nicht, und das war für eine Marke wie eQ-3 fast erstaunlich. Wer sein Homematic-System um Videoüberwachung erweitern wollte, landete bei zugekauften Modellen der Partnermarke Ezviz, mit allen Reibungen, die so eine Fremdintegration mit sich bringt. Damit ist jetzt Schluss: eQ-3 hat gleich sechs eigene Kameramodelle samt Video-Türklingel angekündigt. Und das Interessanteste steht im Kleingedruckten zur Speicherung.
Vorgestellt wurde die Reihe schon im Frühjahr auf der Light + Building, in den Handel kommt sie laut Hersteller im zweiten Quartal 2026. Heißt: kurz vor Marktstart, Preise stehen noch nicht fest. Trotzdem lohnt der Blick, weil eQ-3 hier eine Richtung einschlägt, die im Kamera-Markt 2026 selten geworden ist.
Sechs Modelle und ein Alarm-Dashboard
Das Lineup deckt das Übliche ab. Zwei Innenkameras (eine „basic“, eine „plus“, die genaue Abgrenzung hat eQ-3 noch offengelassen), dazu drei Außenkameras: eine ganz normale, eine mit eingebautem Flutlicht und eine im Akkubetrieb, die bis zu sechs Monate ohne Steckdose durchhalten soll. Sechstes Mitglied ist die Video-Türklingel mit Infrarot-Bewegungserkennung und Gegensprechen, wahlweise am Klingeltrafo oder per Akku. Alle Modelle bringen Bewegungs- und Personenerkennung, Zwei-Wege-Audio und Nachtsicht mit, die Außengeräte sind nach IP65 gegen Wetter geschützt.
Gebündelt wird das in einem neuen Alarm-Dashboard in der Homematic-IP-App: Livebilder, Ereignisprotokolle, Aufzeichnungen, Alarmmodi und auf Wunsch eine direkte Notruffunktion an einer Stelle. Der eigentliche Mehrwert gegenüber einer beliebigen WLAN-Kamera liegt aber im Zusammenspiel. Weil die Geräte jetzt aus dem eigenen Haus kommen, reden sie sauber mit dem Rest des Systems. Eine Kamera kann zum Beispiel die Aufnahme starten, sobald ein Homematic-Rauchmelder anschlägt. Genau dieses Verzahnen war mit der Ezviz-Lösung immer das Wackelige.
Lokal statt Cloud, und das ist der Punkt
Die Videodaten landen auf einer SD-Karte in der Kamera, also lokal im Haus. Eine Cloud-Speicherung gibt es optional dazu, für Fernzugriff und Push, aber sie ist kein Muss. In einem Markt, in dem Ring, Google und die halbe Konkurrenz dich für brauchbare Aufzeichnungen ins Monatsabo schieben, ist das eine Ansage. Du kannst die Kamera betreiben, ohne dass dein Wohnzimmer dauerhaft auf einem fremden Server zwischenlagert.
Das passt zur DNA der Marke. Homematic IP funkt im Kern über ein eigenes 868-MHz-Protokoll und lässt sich vollständig lokal über die CCU steuern, ohne Cloud-Zwang. Wer beim Thema Datenhoheit ohnehin lieber drinnen bleibt, findet hier endlich eine Kamera, die zur eigenen Logik passt, statt sie zu unterlaufen. Das ist dieselbe Grundsatzfrage, die ich im Streit zwischen Cloud-Zwang und lokalen Daten schon einmal sortiert habe, nur diesmal mit Bildmaterial.
Der Haken
Drei Dinge bremsen die Begeisterung. Erstens funken ausgerechnet die Kameras nicht über das robuste 868-MHz-Funknetz, sondern über WLAN im 2,4-GHz-Band. Das ist bei Videostreams technisch nötig, heißt aber auch: Die Kamera ist nur so gut wie dein WLAN an der Hauswand, und genau da haben schon Ring-Nutzer reihenweise geflucht. Zweitens brauchst du in jedem Fall eine Homematic-IP-Schaltzentrale, eine CCU3, einen Access Point oder die neue Home Control Unit. Wer noch kein Homematic-System hat, kauft hier kein Einzelgerät, sondern steigt in ein Ökosystem ein.

Drittens, und das ist der ehrlichste Vorbehalt: Es gibt noch keine Preise und keine unabhängigen Tests. Die Reihe wurde im März gezeigt, der Marktstart ist für das zweite Quartal angesetzt. Bis die Kameras wirklich im Regal stehen und jemand sie länger als eine Messedemo bewegt hat, ist jede Bewertung ein Vorschuss. Eine Wasserstopp-Einheit aus derselben Ankündigung kostet rund 1000 Euro, was zeigt, dass eQ-3 nicht im Billigsegment unterwegs ist.
Für wen sich die Homematic IP Kamera lohnt
Wer schon ein Homematic-IP-System fährt, wartet zu Recht auf diese Kameras. Endlich Videoüberwachung, die ohne Bastelei mit dem vorhandenen Alarm, den Sensoren und der App zusammenarbeitet, und das mit lokaler Speicherung. Für diese Gruppe ist die Reihe ein klares Upgrade, sobald die Preise stimmen.
Wer dagegen frisch einsteigt und nur eine gute Kamera sucht, sollte abwarten. Ohne Preise, ohne Tests und mit der Pflicht zur Zentrale ist der Einstieg über Homematic gerade die teurere und aufwendigere Variante. Da liefern etablierte Lösungen schneller ein Bild auf dem Handy, auch wenn man bei der Datenhoheit Abstriche macht. Wie sehr lokale Steuerung den Unterschied macht, habe ich zuletzt beim SwitchBot-Türschloss im Alltag gemerkt, und das Argument zählt bei einer Kamera mindestens genauso.
Ein gutes Versprechen, mehr noch nicht
Dass eine deutsche Marke 2026 noch gegen den Cloud-Abo-Strom schwimmt und Kameras mit lokaler Speicherung baut, finde ich gut, und es war überfällig. eQ-3 schließt damit die letzte große Lücke im eigenen Portfolio und macht sich unabhängiger von Partnermarken. Ob daraus eine echte Empfehlung wird, entscheidet sich an zwei Zahlen, die noch fehlen: dem Preis und dem, was eine unabhängige Messung bei der WLAN-Reichweite an der Außenwand ergibt. Bis dahin ist es ein gutes Versprechen. Mehr aber auch noch nicht. Quelle der Eckdaten ist die Ankündigung auf der Light + Building, technische Details listet eQ-3 auf der eigenen Produktseite.
Häufige Fragen
Brauche ich für die Homematic IP Kameras eine Zentrale?
Ja. Die Kameras lassen sich nicht als reines Einzelgerät betreiben, sie benötigen eine Homematic-IP-Schaltzentrale, also eine CCU3, einen Access Point oder die neue Home Control Unit. Wer noch kein Homematic-System hat, steigt mit dem Kamerakauf in ein ganzes Ökosystem ein, nicht nur in ein Produkt.
Speichern die Kameras lokal oder in der Cloud?
Standardmäßig lokal. Die Videodaten landen auf einer SD-Karte in der Kamera. Eine Cloud-Speicherung ist optional und vor allem für Fernzugriff und Push-Benachrichtigungen gedacht, aber kein Zwang. Damit hebt sich Homematic IP von Anbietern ab, die brauchbare Aufzeichnungen nur im Abo freischalten.
Wann kommen die Homematic IP Kameras und was kosten sie?
Der Marktstart ist für das zweite Quartal 2026 angesetzt. Konkrete Preise hat eQ-3 bislang nicht genannt. Zur Einordnung: Eine ebenfalls neue Wasserstopp-Einheit der Marke liegt bei rund 1000 Euro, eQ-3 ist also kein Billiganbieter. Belastbare Bewertungen sind erst möglich, wenn Preise und unabhängige Tests vorliegen.
Funktionieren die Kameras mit Apple Home oder Matter?
Das hat eQ-3 bisher nicht bestätigt. Die Kameras sind auf das Homematic-IP-System und dessen App ausgelegt und funken über WLAN. Eine Anbindung an Apple Home oder Matter ist zum Start nicht zugesichert, zumal die Kamera-Unterstützung in Matter ohnehin noch jung ist. Wer plattformübergreifend plant, sollte das vor dem Kauf prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Innenkamera basic und plus?
Den hat eQ-3 zum Ankündigungszeitpunkt noch nicht im Detail erklärt. Bekannt ist, dass es zwei Innenmodelle mit den Namenszusätzen basic und plus gibt. Üblich ist bei solchen Abstufungen ein Unterschied bei Auflösung, Blickwinkel oder Zusatzfunktionen. Sobald die Datenblätter final sind, wird die Abgrenzung klar.





