Am Freitag hat eQ-3 einen Hinweis auf die Homematic-IP-Webseite gestellt, am Sonntag wurde das Zertifikat getauscht, und ab morgen kann die Video-Türklingel stumm bleiben. Das Homematic IP Kamera Update für die Video-Türklingel und die Akku-Außenkamera ist kein Firmware-Update, das man irgendwann nebenbei macht, sondern eines mit Frist. Wer es bis zum 22. September 2026 nicht per Hand anstößt, bekommt danach womöglich keine Klingel- und Bewegungsmeldungen mehr aufs Handy.
Vier Tage Vorlauf, ein Wochenende inklusive.
- Betroffen sind zwei Geräte: die Video-Türklingel HmIP-CODB und HmIP-CODB-A sowie die Akku-Außenkamera HmIP-COR, die übrigen vier Homematic-IP-Kameras nennt eQ-3 nicht
- Grund ist ein neues Cloud-Sicherheitszertifikat, das seit dem 20. September 2026 gilt; das alte Zertifikat steckt in der Geräte-Firmware und lässt sich nur per Update tauschen
- Mindestversionen: Türklingel 3.5.11.20260910, Akku-Außenkamera 6.2.7.20260819; das Update wird manuell in der Homematic IP App unter Mehr, Geräteupdates gestartet, der Akku muss mindestens 80 Prozent haben
- Ohne Update ab 22. September: keine Bewegungsereignisse in der App, keine Klingelmeldung aufs Smartphone, Cloud-Funktionen nur eingeschränkt; zur lokalen Aufzeichnung auf der SD-Karte sagt der Hinweis nichts
- Der Hinweis erschien am Freitag, 18. September, auf homematic-ip.com, zwei Tage vor der Umstellung und vier Tage vor der Frist
Zwei Geräte, eine Frist: Was ab dem 22. September ausfällt
Betroffen sind laut dem Hinweis von eQ-3 genau zwei Modelle: die Video-Türklingel HmIP-CODB (auch als CODB-A in Anthrazit) und die Akku-Außenkamera HmIP-COR. Beide gehören zu der Kamera-Familie, die eQ-3 im Sommer in den Handel gebracht hat, für 199,95 Euro die Klingel und 169,95 Euro die Akku-Kamera. Die Innenkameras, die kabelgebundene Außenkamera und die Außenlichtkamera stehen nicht im Hinweis.
Was ohne Update passiert, beschreibt eQ-3 ungewohnt konkret. Bewegungsereignisse kommen dann möglicherweise nicht mehr in der App an, Klingelereignisse erreichen das Smartphone nicht mehr, und Benachrichtigungen sowie weitere Cloud-Funktionen laufen nur eingeschränkt oder gar nicht. Das Wort „möglicherweise“ steht da, aber ich würde es nicht als Trost lesen.
Hintergrund ist ein Cloud-Sicherheitszertifikat, das eQ-3 seit dem 20. September erneuert hat. Ein Zertifikat ist der digitale Ausweis, mit dem sich Kamera und Server gegenseitig prüfen, bevor sie Daten austauschen. Der Gegenpart dazu steckt in der Firmware der Kamera, und genau der lässt sich laut eQ-3 ausschließlich über ein Firmware-Update tauschen, das manuell ausgelöst werden muss.
So läuft das Homematic IP Kamera Update in der App
Der Weg ist kurz: Homematic IP App öffnen, unten auf „Mehr“, dann „Geräteupdates“. Dort prüfen, ob für die Klingel oder die Akku-Kamera ein Update angeboten wird, und die Installation starten. Ziel sind die Versionen 3.5.11.20260910 für die Türklingel und 6.2.7.20260819 für die Akku-Außenkamera, beides steht seit Freitag bereit.
Die eigentliche Hürde ist der Akku. eQ-3 verlangt mindestens 80 Prozent Ladestand, sonst startet das Update nicht, die App zeigt das an. Bei einer Kamera, die laut Hersteller mehrere Monate ohne Steckdose durchhält, heißt das im Zweifel: abnehmen, laden, wieder anschrauben, und das an einem Montag.
Wer die Türklingel am Klingeltrafo betreibt, hat die Akku-Hürde nicht, das Update braucht er trotzdem. Wer sie im Akkubetrieb nutzt, sollte heute Abend in die App schauen und nicht erst, wenn der Paketbote zweimal geklingelt hat.
Freitag angekündigt, Sonntag umgestellt, Dienstag Frist
Die Zeitrechnung ist der Teil, der mich stört. Der Hinweis trägt das Datum 18. September, ein Freitag. Die Zertifikatskette wurde ab dem 20. September umgestellt, einem Sonntag, und die volle Funktion garantiert eQ-3 nur mit Update bis zum 22. September, also bis morgen.
Dazwischen liegt ein Wochenende, an dem viele Leute alles machen, nur nicht in den Geräteupdates ihrer Smart-Home-App nachsehen.
René Hesse von mobiflip, der die Meldung heute früh als einziger deutscher Tech-Blog aufgegriffen hat, sieht den Zeitpunkt genauso kritisch. Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Ein Update, das die Funktion eines Sicherheitsgeräts erhält, sollte nicht davon abhängen, ob jemand zufällig die Herstellerseite liest. Die Homematic IP App kann Push, das hätte sich hier angeboten.
Warum eQ-3 das Update nicht automatisch verteilt, steht nirgends. Meine Vermutung ist die 80-Prozent-Regel: Ein Akku-Update, das unbeaufsichtigt bei halbleerem Akku losläuft, ist riskanter als eines, das der Nutzer bewusst startet. Das erklärt den Mechanismus, nicht den Vorlauf.
Die Aufnahmen bleiben lokal, die Klingel meldet sich trotzdem über die Cloud
Als eQ-3 die Kameras vorgestellt hat, war die lokale Speicherung auf der SD-Karte das Argument, das mich am meisten interessiert hat, ich habe den Artikel damals mit „lässt die Cloud außen vor“ überschrieben. Das stimmt für die Aufnahmen weiterhin. Für alles, was die Kamera dir aktiv mitteilt, gilt es nicht: Bewegungs- und Klingelmeldungen laufen samt Push über die Cloud-Dienste von eQ-3, sonst könnte ein Zertifikat sie nicht zum Verstummen bringen.
Das ist keine Überraschung und auch kein Vorwurf. Eine Klingelmeldung muss irgendwie aus dem Heimnetz aufs Handy kommen, und ohne eigenen Server geht das nur über den Hersteller. Nur zeigt dieser Hinweis sehr genau, wo die Grenze zwischen „lokal“ und „Cloud“ bei diesen Kameras verläuft: Die Aufzeichnung überlebt einen Zertifikatstausch, die Benachrichtigung nicht.
Bei anderen Herstellern passiert so ein Zertifikatstausch üblicherweise still im Hintergrund, weil das Gerät die Zertifikatskette aus dem Netz nachlädt. Dass eQ-3 dafür ein Firmware-Update braucht, ist eine Designentscheidung, die man für sicherer halten kann, das neue Alarmsystem in der App setzt ja bewusst auf Kontrolle. Sie kostet aber genau die Bequemlichkeit, die eine Klingel eigentlich haben sollte.
Ich habe über die Jahre mehr als zwanzig Homematic-IP-Geräte angesammelt, und keins davon hat je ein Datum gebraucht, an dem eine Funktion sonst wegfällt. Thermostate und Aktoren haben ihre Updates bisher ohne Frist bekommen, und ich habe davon nie etwas gemerkt. Die Kameras sind die ersten Geräte in diesem System, bei denen ich auf einen Kalender schauen muss. Vielleicht ist das der Preis dafür, dass ein Heizungshersteller jetzt Kameras baut: Die Technik ist da, die Routinen aus der Kamera-Welt fehlen noch.
Frist, Versionen, Akku: die kurzen Antworten
Was passiert, wenn ich das Homematic IP Kamera Update nicht installiere?
Ab dem 22. September 2026 können Bewegungs- und Klingelereignisse ausbleiben, weil die Kamera mit dem alten Zertifikat nicht mehr zuverlässig mit den Cloud-Diensten von eQ-3 spricht. Benachrichtigungen und weitere Cloud-Funktionen sind dann eingeschränkt oder fallen ganz aus. Die Aufzeichnung auf der SD-Karte erwähnt eQ-3 nicht, betroffen ist alles, was über die App gemeldet wird.
Welche Firmware-Version brauchen Türklingel und Akku-Außenkamera?
Die Video-Türklingel HmIP-CODB und HmIP-CODB-A braucht mindestens 3.5.11.20260910, die Akku-Außenkamera HmIP-COR mindestens 6.2.7.20260819. Beide Updates stehen seit dem 18. September in der Homematic IP App unter Mehr, Geräteupdates bereit und müssen dort manuell gestartet werden.
Warum muss der Akku für das Update mindestens 80 Prozent haben?
eQ-3 nennt keinen Grund, die Regel ist bei Akku-Geräten aber üblich: Bricht ein Firmware-Update wegen leerem Akku ab, kann das Gerät unbrauchbar werden. Die App zeigt an, ob der Ladestand reicht. Liegt er darunter, hilft nur laden, bei der Akku-Außenkamera heißt das im Zweifel abnehmen.
Sind die anderen Homematic IP Kameras auch betroffen?
Nein, laut dem Hinweis vom 18. September 2026 betrifft das Update nur die Video-Türklingel und die Akku-Außenkamera. Innenkamera basic und plus, die kabelgebundene Außenkamera und die Außenlichtkamera werden nicht genannt. Ein Blick in die Geräteupdates schadet trotzdem nicht.
Heute Abend updaten, und die Push-Meldung hätte eQ-3 auch selbst schicken können
Wer eine Homematic IP Video-Türklingel oder die Akku-Außenkamera hat, macht das Update heute, nicht morgen. Der Aufwand ist ein Blick in die App, im schlechtesten Fall eine Ladepause für den Akku, und die Alternative ist eine Klingel, die klingelt, aber nichts meldet.
An eQ-3 geht die andere Hälfte. Ein Hersteller, der seine Kameras mit lokaler Speicherung und ohne Abo verkauft, hat sich damit ein Publikum ausgesucht, das auf so etwas achtet. Diesem Publikum am Freitag eine Frist für Dienstag zu setzen, und das nur auf der eigenen Webseite, passt nicht zum Rest des Systems. Das Konzept der Kameras stimmt, die Kommunikation dazu diesmal nicht.





