Das Ring Smart Lock löst ein Problem, das jeder kennt, der ein smartes Schloss an der Tür hat und sich seitdem beim Rausgehen fragt, wie voll der Akku noch ist. Ist er leer, drehst du am Knauf, ein paar Umdrehungen, und das Schloss hat genug Strom, um dich reinzulassen. Keine 9-Volt-Batterie an Kontakte halten, kein Notschlüssel unter dem Blumentopf.
Klingt nach der besten Idee des Jahres in dieser Kategorie. Dann steht da Amazon Sidewalk, und für Deutschland ist das Thema erst einmal durch.
- Ring hat am 7. Oktober 2026 sein erstes eigenes Smart Lock vorgestellt: Fingerabdruck, beleuchtetes Touch-Keypad, Ring-App und Alexa öffnen die Tür, einen Notschlüssel gibt es nicht.
- Bei leerem Akku erzeugt der Drehknauf mit eingebautem Generator nach ein paar Umdrehungen genug Strom zum Öffnen, danach lädt der austauschbare Quick-Release-Akku wieder normal.
- Das Schloss funkt über Amazon Sidewalk statt WLAN. Das Nachbarschaftsnetz aus Echo- und Ring-Geräten gibt es nur in den USA, einen Deutschlandstart hat Ring nicht angekündigt.
- US-Start Anfang 2027 für 249 Dollar in Schwarz, Silber und Messing, die FCC-Zulassung steht noch aus. Matter, Apple Home oder Aliro nennt Ring nicht.
- Es passt auf einen amerikanischen Deadbolt-Riegel, nicht auf den Profilzylinder einer deutschen Haustür. Nachrüstschlösser wie Nuki oder SwitchBot lassen hier den alten Schlüssel weiter funktionieren.
- Parallel starten fünf Kameras auch in Deutschland: Outdoor Cam 4K Plus 149,99 Euro, Spotlight Cam 4K Plus 199,99, Floodlight Cam 4K Plus 219,99, Indoor Cam 4K 99,99 und Pan-Tilt Indoor Cam 2K 69,99, laut ifun und Caschys Blog ab sofort bei Amazon.de vorbestellbar.
Ring Smart Lock: Der Knauf lädt das Schloss, der Schlüssel bleibt zu Hause
Die Mechanik ist simpel. Innen sitzt der übliche Drehknauf, mit dem man einen Riegel von Hand verschließt, nur steckt bei Ring ein kleiner Generator dahinter. Amazon nennt in der eigenen Mitteilung keine Zahl, sondern „ein paar Umdrehungen“, danach reicht die Ladung, um die Tür einmal zu entriegeln und den Akku anschließend normal zu laden.
Jamie Siminoff, Gründer von Ring und dort inzwischen „Chief Inventor“, nennt das Problem dahinter Smart-Lock-Angst: Alles im Leben sei digital, nur das Metallstück in der Hosentasche bleibe, weil ein Schloss jedes Mal funktionieren müsse. Die Diagnose stimmt. Ob die Kurbel die Therapie ist, hängt davon ab, wo die Tür steht.
Rein kommt man auf vier Wegen: Fingerabdruck, beleuchtetes Touch-Keypad, Ring-App oder per Sprachbefehl über Alexa. Zugänge lassen sich zeitlich begrenzen, Amazons Beispiel ist der Hundesitter, der dienstags von 14 bis 15 Uhr darf und sonst nie. Das Schloss koppelt sich mit Ring-Klingeln, Kameras und der Alarmanlage, alles landet im Aktivitäts-Feed der App. Eine eigene Kamera hat es nicht.
Verkauft wird es ab Anfang 2027 in den USA für 249 Dollar, in Schwarz, Silber und Messing. Die FCC-Zulassung steht laut Fußnote der Mitteilung noch aus, und es passt laut Amazon auf einen Standard-Deadbolt mit einem Zylinder, ohne Verkabelung.
Amazon Sidewalk: das Netz, das dem Schloss in Deutschland fehlt
Der Satz, der in den deutschen Meldungen untergeht, steht mitten in Amazons Text: Das Ring Smart Lock bleibt über Amazon Sidewalk verbunden, nicht über dein WLAN. Fernverriegelung, Statusmeldungen und das Synchronisieren der PIN-Codes laufen darüber. Sidewalk = Amazons Nachbarschaftsfunk. Echo-Lautsprecher und Ring-Kameras geben einen kleinen Teil ihrer Internetbandbreite ab und bilden daraus ein Netz aus Bluetooth Low Energy und 900-MHz-Funk, in dem winzige Datenpakete über mehr als einen Kilometer wandern.
Dieses Netz existiert seit 2021, und zwar nur in den USA. Der deutsche Technikblog AEQ-WEB hat Sidewalk 2024 im Praxistest beschrieben und hält fest, dass es keine Informationen zu einem Europa-Start gibt. Hierzulande wäre dafür ohnehin das 868-MHz-Band dran, nicht die 900 MHz der US-Geräte, also andere Hardware.
ifun schreibt, einen Deutschlandstart habe Ring nicht angekündigt. Ich lese das weniger als Zeitfrage. Die fünf Kameras vom selben Tag kommen hierher, das Schloss nicht, und das Schloss ist das Gerät, dessen Funkkonzept auf einem Netz sitzt, das es hier nicht gibt. Für eine europäische Version müsste Ring das Schloss anders bauen, nicht nur anders zulassen.
Dazu kommt, was Amazon nicht erwähnt. Matter, Apple Home, Google Home oder Aliro, den neuen Standard für digitale Schlüssel, den Aqara auf der IFA gezeigt hat, nennt die Mitteilung mit keinem Wort. Das Ring Smart Lock ist ein Schloss für Haushalte, die ohnehin bei Ring und Alexa zu Hause sind.
Was andere Schlösser bei leerem Akku machen
Der Vergleich, den The Verge zieht, ist der amerikanische: Andere Schlösser verstecken einen USB-Port oder zwei Metallkontakte, an die man in der Not eine 9-Volt-Batterie hält, schreibt Andrew Liszewski. Beides setzt voraus, dass man das Zubehör dabeihat, wenn man vor der Tür steht. Die Kurbel ist da ehrlich im Vorteil.
Für eine deutsche Haustür ist der Vergleich trotzdem schief. Das SwitchBot Lock Ultra Max, das seit zwei Wochen an meiner Wohnungstür hängt, sitzt innen auf dem Profilzylinder und lädt per USB-C. Mein alter Schlüssel passt von außen weiter, genau wie beim Nuki und bei fast jedem Nachrüstschloss, das hier verkauft wird. Die Smart-Lock-Angst, die Siminoff beschreibt, ist eine Deadbolt-Angst, und einen Deadbolt haben hier die wenigsten.
Mein Kritikpunkt am SwitchBot war ein anderer: Keypad und Türklingel kennen genau ein Schloss, beim zweiten Schloss im Haus hilft nur eine Automation. Ring verspricht, dass das Smart Lock mit Klingel, Kameras und Alarm zusammenarbeitet. Ob eine Ring-Klingel künftig zwei Schlösser bedienen kann, steht nirgends. Das wäre die Frage, die ich Ring stellen würde, bevor ich die Kurbel bewundere.
Fünf neue Ring-Kameras, ab sofort mit Euro-Preisen
Während das Schloss in den USA bleibt, kommen die Kameras vom selben Tag nach Deutschland, und zwar ab sofort als Vorbestellung bei Amazon.de, berichten ifun und Caschys Blog übereinstimmend. Vier davon filmen in Rings „Retinal 4K“, eine in 2K. Getestet habe ich keine davon, die Angaben stammen aus Amazons Produktseiten und den beiden Berichten.
Outdoor Cam 4K Plus, 149,99 Euro: 140 Grad Sichtfeld und fünf Stromoptionen, Akku, Solar, Netzteil, Festverdrahtung oder PoE+. Spotlight Cam 4K Plus, 199,99 Euro: die erste akkubetriebene 4K-Spotlight-Kamera von Ring, mit 550-Lumen-Scheinwerfer. Floodlight Cam 4K Plus, 219,99 Euro: zwei Fluter mit zusammen 2000 Lumen für Einfahrt oder Garten.
Indoor Cam 4K, 99,99 Euro: 115 Grad, Wi-Fi 6 und eine physische Abdeckung vor der Linse. Pan-Tilt Indoor Cam 2K, 69,99 Euro: dreht sich um 360 Grad, neigt um 175 Grad, verfolgt Personen und Haustiere automatisch, und die Abdeckung schaltet Kamera und Mikrofon gemeinsam stumm. Die Vorgängerin der Außenkamera, die Outdoor Cam Pro, steht bei Amazon gerade für rund 130 Euro.
Alle fünf bekommen die neue TAKE-Verschlüsselung, bei der Ring die Schlüssel zu deinen Videos nach der Analyse selbst wegwirft. Das gilt laut Amazon weltweit und ohne Abo, und es ist für mich der eigentliche Grund, Ring-Kameras in diesem Jahr anders anzusehen als 2024.
Ring Smart Lock: die kurzen Antworten
Kommt das Ring Smart Lock nach Deutschland?
Angekündigt ist nur der US-Start Anfang 2027 für 249 Dollar. Einen Deutschlandstart nennt Ring nicht. Das Schloss funkt über Amazon Sidewalk, ein Nachbarschaftsnetz, das es nur in den USA gibt, und es passt auf einen amerikanischen Deadbolt statt auf einen Profilzylinder. Beides spricht gegen einen schnellen Start in Europa.
Was passiert beim Ring Smart Lock, wenn der Akku leer ist?
Du drehst ein paar Mal am Knauf an der Innenseite. Ein eingebauter Generator erzeugt dabei genug Strom, um die Tür einmal zu entriegeln, danach lädt der austauschbare Akku wieder normal. Einen mechanischen Notschlüssel gibt es nicht.
Funktioniert das Ring Smart Lock mit Apple Home oder Matter?
Dazu sagt Ring nichts. In der Ankündigung stehen nur die Ring-App, Alexa und Echo-Geräte. Matter, Apple Home, Google Home und der Schlüssel-Standard Aliro werden nicht erwähnt.
Was kosten die neuen Ring-Kameras in Deutschland?
Outdoor Cam 4K Plus 149,99 Euro, Spotlight Cam 4K Plus 199,99 Euro, Floodlight Cam 4K Plus 219,99 Euro, Indoor Cam 4K 99,99 Euro und Pan-Tilt Indoor Cam 2K 69,99 Euro. Alle fünf sind laut ifun und Caschys Blog seit dem 7. Oktober 2026 bei Amazon.de vorbestellbar.
Was ist Amazon Sidewalk?
Ein Funknetz, das Amazon seit 2021 in den USA aus Echo-Lautsprechern und Ring-Kameras aufbaut. Die Geräte geben einen kleinen Teil ihrer Internetbandbreite ab, über Bluetooth Low Energy und 900-MHz-Funk entsteht daraus ein Netz mit großer Reichweite für winzige Datenmengen. In Deutschland gibt es Sidewalk nicht.
Seit März hängt bei mir ein smartes Schloss an der Haustür, und meine Angst war nie der leere Akku. Der Schlüssel liegt in der Schublade, nicht im Müll, und wenn das Schloss morgen stirbt, hole ich ihn raus. Ring baut die Lösung für ein Problem, das eine Tür ohne Zylinder hat. Trotzdem ärgert mich die Kurbel ein bisschen, weil sie die erste Idee in dieser Kategorie seit Jahren ist, die nicht nur ein weiterer Sensor ist.
Die Kurbel ist richtig, das Netz ist das Problem
Wer in den USA wohnt, einen Deadbolt an der Tür hat und ohnehin Ring-Kameras und einen Echo im Haus, bekommt Anfang 2027 ein Schloss, das die eine berechtigte Sorge dieser Kategorie abräumt. Für die ist das Ring Smart Lock das interessanteste Schloss der Saison, und 249 Dollar sind dafür kein Wucher.
Für alle anderen bleibt es eine Idee, die man gern bei Nuki oder SwitchBot sehen würde, als Zusatz zum Schlüssel, der hier ohnehin weiter passt. Bis Ring ein Schloss baut, das ohne Sidewalk auskommt und auf einen Profilzylinder passt, sind die fünf Kameras der einzige Teil dieser Ankündigung, der dich hier betrifft.






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