Ring und Datenschutz, das war jahrelang ein Spannungsverhältnis mit Ansage: Polizei-Partnerschaften, die KI-Personensuche Search Party, dazu die Grundsatzfrage, was eine Cloud-Kamera über die eigene Haustür hinaus preisgibt. Jetzt kommt die Antwort, und sie ist technischer als erwartet. Die neue Ring Verschlüsselung heißt TAKE, kurz für Throw Away the Key Encryption, und wird ab September schrittweise zum Standard für alle Kameras, mit und ohne Abo. Der Kern: Ring wirft die Schlüssel zu deinen Videos selbst weg.
- TAKE (Throw Away the Key Encryption) wird ab September schrittweise Standard-Verschlüsselung für alle Ring-Kameras, unabhängig vom Abo
- Die Schlüssel rotieren alle fünf Minuten Videomaterial, liegen in einer abgeschirmten Secure Enclave und werden nach der KI-Analyse endgültig gelöscht
- Der Polizei kann Ring danach nur noch Metadaten und verschlüsselte Videodateien übergeben, entschlüsseln kann sie der Kontoinhaber
- Smart-Funktionen bleiben erhalten: intelligente Benachrichtigungen, KI-Videosuche und neue Video Descriptions direkt in der Push-Nachricht
- Die drei Abo-Tarife behalten ihre Preise, neu zubuchbar sind Pro Intelligence für 4 Euro und 24/7-Daueraufzeichnung für 3 Euro, je Monat und Kamera
- Die strengere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt als Option bestehen, kostet aber weiterhin die smarten Cloud-Funktionen
So funktioniert die neue Ring Verschlüsselung: Schlüssel mit Ablaufdatum
Bisher funktionierte Rings Cloud wie die meisten: Videos sind auf dem Weg und im Speicher verschlüsselt, aber für die smarten Funktionen entschlüsselt Ring sie serverseitig. Genau an dieser Stelle setzt TAKE an. Die Schlüssel wechseln alle fünf Minuten Videomaterial und liegen in einer Secure Enclave. Secure Enclave = ein abgeschotteter Rechenbereich, auf den selbst der Betreiber nur unter festen Bedingungen zugreifen kann. Für eine KI-Analyse darf ein Schlüssel dort kurz benutzt werden, danach wird er endgültig gelöscht. Ab dem Moment kommen nur noch du und von dir freigegebene Nutzer an die Aufnahme.
Der Clou ist, was dabei erhalten bleibt: intelligente Benachrichtigungen für Personen und Pakete, die KI-Videosuche, die Ereignisbeschreibungen. Das war bisher das Argument gegen die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die diese Cloud-Funktionen kappt. TAKE ist der Versuch, beides zu haben, und die E2EE-Option bleibt für alle bestehen, die der Enclave nicht trauen und auf die Smart-Features verzichten können.
Was die Polizei künftig noch bekommt
Der Satz, der in den deutschen Meldungen fehlt, steht bei The Verge, und er kommt von Ring selbst: Auf Behördenanfragen könne das Unternehmen künftig nur noch Nicht-Video-Informationen und verschlüsselte Videodateien herausgeben. Entschlüsseln kann sie nur der Kontoinhaber. Für eine Firma, die einst ein eigenes Portal für Polizei-Videoanfragen betrieb und dieses Jahr für die Search-Party-Funktion Kritik einsammelte, ist das eine bemerkenswerte Umkehr: Ring baut sich die Möglichkeit, kooperativ zu sein, technisch selbst ab.
Ehrlich bleibt: Das ist kein Nullzugriff. Metadaten wie Zeitstempel und Kontoinformationen bleiben herausgabefähig, und während des kurzen Analyse-Fensters existiert ein nutzbarer Schlüssel. Wer den Kompromiss einer Cloud-Kamera prinzipiell nicht will, landet weiter bei lokalen Lösungen. Aber als Standard für Millionen Bestandskameras, ohne Aufpreis und ohne Funktionsverlust, ist TAKE ein größerer Schritt, als die Pressemitteilung klingt.
Video Descriptions, Single Event Alert und der Abo-Baukasten
Parallel baut Ring die App um. Video Descriptions schreiben künftig direkt in die Push-Nachricht, was die Kamera vermutlich gesehen hat, statt nur Bewegung zu melden. Single Event Alert fasst mehrere Erkennungen desselben Vorgangs zu einer Meldung zusammen, wie SmarthomeAssistent zusammenfasst. Wer schon einmal sieben Benachrichtigungen für einen Paketboten bekommen hat, weiß, warum das zweite Feature das unterschätzte ist.
Bei den Abos bleiben die drei Tarife preislich unverändert, neu ist der Baukasten obendrauf: Pro Intelligence kostet 4 Euro im Monat pro Kamera, die 24/7-Daueraufzeichnung 3 Euro pro Monat und Kamera. Das Muster kenne ich inzwischen von jeder Ecke des Amazon-Kosmos, zuletzt bei den Hardware-Preisen: Der Einstieg bleibt stabil, die Ausbaustufen werden kleinteiliger. Bei mehreren Kameras summiert sich der Baukasten schneller, als die Einzelpreise suggerieren.
Erst vor zwei Tagen habe ich bei der eufy Wall Light Cam über Erkennungs-Versprechen geschrieben, jetzt verspricht Ring das Gegenteil von Zugriff: Vergessen als Feature. Mir fällt auf, dass die Kamera-Hersteller gerade anfangen, mit Verzicht zu werben, weniger Fehlalarme hier, weggeworfene Schlüssel dort. Vielleicht ist das die eigentliche Reifeprüfung dieser Produktkategorie: nicht mehr zeigen, was die Kamera alles sieht, sondern garantieren, was sie nicht mehr hergibt.
Vertrauen per Architektur statt per Versprechen
Für Ring-Besitzer ist TAKE ein Gewinn ohne Gegenleistung: mehr Schutz, gleiche Funktionen, kein Aufpreis, automatisch per Rollout. Wer maximale Kontrolle will, bleibt bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und verzichtet bewusst auf die Cloud-Intelligenz. Und wer Kameras grundsätzlich lokal halten will, etwa mit abofreien Modellen wie der eufy S4 oder per RTSP im eigenen System, für den ändert TAKE nichts an der Grundentscheidung. Neu ist: Ring konkurriert beim Datenschutz jetzt über Architektur, nicht mehr nur über Formulierungen. Das dürfen gerne mehr Hersteller so machen.
Die Fragen zur Umstellung
Was ist die TAKE-Verschlüsselung bei Ring?
TAKE steht für Throw Away the Key Encryption: Videoschlüssel rotieren alle fünf Minuten Material, liegen in einer abgeschirmten Secure Enclave und werden nach jeder KI-Analyse endgültig gelöscht. Danach können nur noch der Kontoinhaber und freigegebene Nutzer die Aufnahme öffnen.
Wann bekommen Ring-Kameras die neue Verschlüsselung?
Der Rollout beginnt schrittweise ab September 2026 und macht TAKE zum Standard für alle Ring-Kunden, unabhängig davon, ob ein Abo besteht. Ein Zutun ist nicht nötig.
Kann Ring der Polizei weiterhin Videos übergeben?
Nur eingeschränkt. Nach eigenen Angaben kann Ring auf Behördenanfragen künftig lediglich Nicht-Video-Informationen und verschlüsselte Videodateien herausgeben, die nur der Kontoinhaber entschlüsseln kann.
Was kosten die neuen Ring-Abo-Zusatzfunktionen?
Die drei bestehenden Tarife behalten ihre Preise. Neu zubuchbar sind Pro Intelligence für 4 Euro im Monat pro Kamera und die 24/7-Daueraufzeichnung für 3 Euro im Monat pro Kamera.





